Der bilinguale Unterricht ist in der heutigen Zeit so populär wie noch nie. Immer mehr Schulen nutzen diesen „Bildungszweig“, um sich zu profilieren und sich von anderen Schulen abzugrenzen. Besonders die Fächer Erdkunde, Geschichte und Politik sind die „Vorreiter“ auf diesem Gebiet, jedoch gibt es mittlerweile immer mehr naturwissenschaftliche Sachfächer, die auf die Möglichkeit das Wissen in einer Fremdsprache zu vermitteln zurückgreifen. Allerdings existierten noch keine Richtlinien bzw. noch kein eindeutiges curriculares Konzept für diese Unterrichtsform. Die Empfehlungen der Bundesländer in dieser Thematik unterscheiden sich gravierend.
Die Arbeit widmet sich dem bilingualen Geschichtsunterricht. Hierbei wird besonders auf die Literatur von Manfred Wildhage „Praxis des bilingualen Unterrichts“ eingegangen. Zudem wird eine Studie der Bremer Universität zur allgemeinen Akzeptanz des bilingualen Unterrichts dargelegt. Auch wird auf didaktische Probleme, sowie kritische Punkte eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Rahmenbedingungen
2. Übergeordnete Zielsetzungen
2.1 Sprachreflexion
3. Inhalte
3.1 Bilingual Triangle nach Wolfgang Hallet
4. Grundsätze der Unterrichtsgestaltung
5. Materialien
6. Bilingualer Geschichtsunterricht im Urteil der SchülerInnen
7. Kritische Punkte
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den aktuellen Status sowie die didaktischen Herausforderungen des bilingualen Geschichtsunterrichts in Deutschland. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie trotz fehlender einheitlicher curricularer Konzepte eine effektive und fachlich fundierte Vermittlung in einer Fremdsprache gelingen kann.
- Grundlegende Rahmenbedingungen und bildungspolitische Ansätze für bilinguale Schulzweige.
- Didaktische Zielsetzungen und die Bedeutung der Sprachreflexion im historischen Lernen.
- Anwendung des "Bilingual Triangle" nach Wolfgang Hallet zur inhaltlichen Strukturierung.
- Herausforderungen bei der Materialsuche und Unterrichtsgestaltung.
- Empirische Akzeptanz des bilingualen Unterrichts aus Sicht der Schülerschaft.
Auszug aus dem Buch
2.1 Sprachreflexion
Im bilingualen Geschichtsunterricht dient die (Fremd-)Sprache als zentrales „Erkenntnis- und Vermittlungsmedium“ (Wildhage, 80) und besonders die kulturspezifische Konnotation spielt eine gravierende Rolle. Durch die Auseinandersetzung mit historischen Begrifflichkeiten in der Mutter- und Fremdsprache wird den SchülerInnen ein kritischer Zugang zu einer Thematik ermöglicht.
Um dies zu verdeutlichen, werden im Folgenden einige Beispiele genannt:
• Christliches Abendland ⇔ Western Civilization
Die deutsche Terminologie dieses Begriffes bezieht sich konkret auf die soziokulturellen bzw. spirituell-kulturellen Wurzeln, wobei der Gegensatz zu dem Morgenland (Orient) durch den Begriff Abendland (Okzident) noch betont wird. Die englische Terminologie wiederum bezieht sich nicht nur auf die konkrete Geographie, „Western“, sondern betont durch den Begriff „Civilization“ eine gewisse Dominanz bzw. Überlegenheit.
• Völkerwanderung ⇔ Barbarian Invasion
Bei der englischen Terminologie „schwingt“ eine negative Konnotation mit, denn sowohl „Barbarian“ als auch „Invasion“ besitzen eine negative Nebenbedeutung.
• Mauer ⇔ Wall
Gerade als Deutsche/r hat man mit dem Begriff „Mauer“ eine spezifische Assoziation der Mauer, die Deutschland trennte bzw. die Mauer, die am 9. November 1989 fiel. Übersetzt man den Terminus einfach ins Englische, gibt es viele Möglichkeiten, worauf dieser Begriff anspielen kann. Während meiner Hospitierung in einem bilingualen Geschichtsunterricht, stellte die Lehrerin folgende Frage: „What kind of walls do you know?“ Die SchülerInnen nannten „Berlin Wall, Wailing Wall, Irish Wall, Great Wall, usw.“ Dies verdeutlicht, dass dieser simple Begriff je nach nationalen und kulturellen Hintergrund eine individuelle Bedeutung hat.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit führt in die Popularität des bilingualen Unterrichts ein und skizziert das Ziel, die Akzeptanz und didaktische Probleme dieser Unterrichtsform zu beleuchten.
1. Rahmenbedingungen: Dieses Kapitel erläutert die geschichtliche Entwicklung und die drei zentralen Faktoren, die den Status von Geschichte als bilingualem Leitfach begünstigen.
2. Übergeordnete Zielsetzungen: Hier wird der Anspruch des historischen Lernens im bilingualen Kontext definiert, wobei insbesondere die Identitätsbildung und das komparatistische Prinzip im Vordergrund stehen.
2.1 Sprachreflexion: Das Kapitel thematisiert die Bedeutung der kulturspezifischen Konnotation bei historischen Begriffen und deren Einfluss auf das Geschichtsverständnis.
3. Inhalte: Es wird das curriculare Dilemma des Fachs erörtert und aufgezeigt, wie durch Zusatzstunden oder eigenständige Curricula darauf reagiert wird.
3.1 Bilingual Triangle nach Wolfgang Hallet: Das Modell von Hallet dient hier als theoretische Basis, um die Zielfelder für die inhaltlich-thematische Planung des Geschichtsunterrichts zu strukturieren.
4. Grundsätze der Unterrichtsgestaltung: Hier liegt der Fokus auf der Reduzierung der Diskrepanz zwischen kognitiven und sprachlichen Fähigkeiten sowie der Notwendigkeit einer systematischen Wortschatzarbeit.
5. Materialien: Dieses Kapitel analysiert die schwierige Materiallage und identifiziert typische Probleme bei der Auswahl von Lehrmitteln für den bilingualen Sachunterricht.
6. Bilingualer Geschichtsunterricht im Urteil der SchülerInnen: Eine Auswertung der Bremer Universitäts-Umfrage zeigt die hohe Akzeptanz bei den Lernenden sowie die Schwerpunkte ihrer Wahrnehmung.
7. Kritische Punkte: Zusammenfassung der wissenschaftlichen Kritik, insbesondere hinsichtlich der mangelnden empirischen Fundierung und der Diskrepanz zwischen Sprach- und Sachlernen.
Fazit: Das Resümee fordert nachdrücklich ein eigenständiges bilinguales Curriculum, um den wachsenden Ansprüchen an die Unterrichtsqualität gerecht zu werden.
Schlüsselwörter
Bilingualer Geschichtsunterricht, Sprachreflexion, Bilingual Triangle, Wolfgang Hallet, Interkulturelles Lernen, Didaktik, Fremdsprachenerwerb, Geschichtsbewusstsein, Sachfachliteralität, Curriculare Handreichungen, Materiallage, Historisches Lernen, Schülerakzeptanz, Fachterminologie, Kompetenzorientierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem bilingualen Geschichtsunterricht in Deutschland, analysiert dessen aktuelle Situation an Schulen und beleuchtet die damit verbundenen didaktischen und methodischen Fragestellungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die rechtlichen und curricularen Rahmenbedingungen, die Rolle der Sprache, die Anwendung theoretischer Modelle (wie das Bilingual Triangle) sowie die praktische Umsetzung und Akzeptanz des Unterrichts.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Status quo des bilingualen Geschichtsunterrichts zu erfassen und aufzuzeigen, warum angesichts der wachsenden Beliebtheit ein autonomes, wissenschaftlich fundiertes Curriculum dringend erforderlich ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine Literaturanalyse (insbesondere auf Basis von Manfred Wildhage) mit der Auswertung einer empirischen Studie der Universität Bremen zur Schülerakzeptanz.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, didaktische Prinzipien der Unterrichtsgestaltung, Herausforderungen bei der Materialbeschaffung sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der aktuellen fachdidaktischen Forschung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Bilingualer Geschichtsunterricht, interkulturelles Lernen, Sprachreflexion, Bilingual Triangle, fachspezifische Fremdsprachigkeit und das curriculare Dilemma.
Was bedeutet das "komparatistische Prinzip" in der Arbeit?
Es bezeichnet einen Vorgang, bei dem der Blick aus einer Fremdsprache heraus hilft, die eigene Perspektive auf die Geschichte zu schärfen und die Eigenart des eigenen Kulturkreises deutlicher hervortreten zu lassen.
Welche Kritik äußert Wolfgang Hasberg am bilingualen Geschichtsunterricht?
Hasberg kritisiert vor allem die fehlende theoretische Auseinandersetzung und bemängelt, dass bilinguale Ansätze oft die spezifischen historischen Methoden vernachlässigen und nicht durch empirische Studien belegt sind.
Welches Ergebnis liefert die Umfrage unter Bremer Schülern?
Die Umfrage verdeutlicht eine sehr hohe allgemeine Akzeptanz und Zufriedenheit der Schüler mit dem bilingualen Angebot, wobei der Fokus stark auf der sprachlichen Verbesserung liegt, während didaktische Aspekte wie interkulturelle Kompetenz weniger bewusst wahrgenommen werden.
- Citation du texte
- Claudia Oldiges (Auteur), 2005, Bilingualer Geschichtsunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58920