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Kritik und Fürsprache: Die DDR im Spiegel der Erzählung "Die Geschwister" von Brigitte Reimann

Title: Kritik und Fürsprache: Die DDR im Spiegel der Erzählung "Die Geschwister" von Brigitte Reimann

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 27 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Stefanie Röder (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Brigitte Reimanns Erzählung Die Geschwister erschien 1964, drei Jahre nach dem Bau der Berliner Mauer, zu einer Zeit, als „der ständige, die wirtschaftliche Entwicklung in der DDR lähmende und sich allmählich zur Katastrophe ausweitende Aderlass durch die Massenflucht der Bevölkerung gestoppt worden [war]“ und sich im ganzen Land tausendfach die Tragödie von schmerzhaften Familienteilungen abgespielt hatte und noch abspielen sollte. Neben Christa Wolfs RomanDer geteilte HimmelstellteDie Geschwisterdamals eine der bedeutendsten literarischen Umsetzungen dieses Problems dar und traf damit den Nerv der Zeit. Brigitte Reimann schöpfte den Stoff für ihre literarische Arbeit überwiegend aus ihrem eigenen Leben und ihren Erfahrungen. So setzen sich auch die beiden in Die Geschwister miteinander verwobenen Geschichten - die der Schwester Elisabeth und die der Künstlerin Elisabeth - mit Problemen auseinander, die unmittelbar den Lebenserfahrungen der Autorin entstammen. Es soll der Versuch unternommen werden, den verschiedenen Motiven und Figuren der Erzählung reale Ereignisse und Personen aus Brigitte Reimanns Leben zuzuordnen. Als Quellen hierfür werden hauptsächlich Tagebuchaufzeichungen der Autorin sowie eine Biographie von Dorothea von Törne herangezogen. Um diesen biographischen Ansatz zu begründen, werde ich in Kapitel 1 kurz auf das Leben der Autorin und den Charakter ihres literarischen Schaffens eingehen. Den theoretischen Hintergrund hierzu werden Werke von Christa Wolf und Anna Maria Weise bilden. In den beiden folgenden großen Kapiteln -Die Hauptfigur Elisabeth und Bruder und Schwester - wird versucht, Übereinstimmungen und Abweichungen zwischen der Erzählung und den Erfahrungen der Autorin herauszuarbeiten. Im Wesentlichen soll das in getrennten Abschnitten (Erzählung/ Leben der Autorin) geschehen, aufgrund der komplexen Verflechtungen der beiden Bereiche wird es jedoch zwangsläufig zu Überschneidungen und Vermischungen kommen. Im zweiten Kapitel soll auf die Figur Elisabeth eingegangen werden. Zunächst wird das Augenmerk auf ihre Persönlichkeit und auf evtl. Ähnlichkeiten mit Brigitte Reimann gerichtet. Im Hinblick auf die Tatsache, dass Elisabeth als Malerin in einem Kombinat lebt und arbeitet, werde ich dann auf die wichtigsten Punkte des kulturpolitischen ProgrammsBitterfelder Wegeingehen. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Person und Werk Brigitte Reimanns

1.1 Leben als Materialquelle zum Schreiben

1.2 Christa Wolfs Konzept der Subjektiven Authentizität bei Brigitte Reimann

2. Die Künstlerin Elisabeth

2.1 Die Figur Elisabeth und ihre Parallelen zu Brigitte Reimann

2.2 Elisabeth auf dem Bitterfelder Weg

2.2.1 Das kulturpolitische Programm „Bitterfelder Weg“

2.2.2 Elisabeths Leben als Künstlerin unter Werktätigen

2.2.3 Brigitte Reimann auf dem Bitterfelder Weg

2.3 Elisabeths Kunstverständnis im Zusammenhang mit Subjektiver Authentizität

2.4 Begegnungen mit dem Ministerium für Staatssicherheit

3. Bruder und Schwester

3.1 Die Geschwister in der Erzählung

3.2 Die Geschwister von Brigitte Reimann und ihr Einfluss auf die Erzählung

3.3 Kritik am System der DDR: Gründe für Ulis Fluchtwunsch

3.3.1 Bürokratie und Planwirtschaft

3.3.2. Ulis Verhältnis zur Partei

3.3.3 Politische Müdigkeit und mangelnder Idealismus

4. Schlussfolgerungen

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Erzählung „Die Geschwister“ von Brigitte Reimann im Kontext der biographischen Erfahrungen der Autorin sowie der kulturpolitischen Rahmenbedingungen der DDR. Ziel ist es, die Verflechtungen zwischen den persönlichen Erlebnissen Reimanns und den literarischen Motiven der Erzählung sowie die Auseinandersetzung der Hauptfigur Elisabeth mit dem sozialistischen System aufzuzeigen.

  • Biographische Prägung der Hauptfigur Elisabeth
  • Kulturpolitik der DDR und der „Bitterfelder Weg“
  • Authentizität und Auseinandersetzung mit dem Ministerium für Staatssicherheit
  • Das Spannungsfeld zwischen familiärer Bindung und politischer Flucht
  • Systemkritik und das Ringen um den sozialistischen Idealismus

Auszug aus dem Buch

2.4 Begegnungen mit dem Ministerium für Staatssicherheit

Derart offene Kritik am bestehenden System, wie Elisabeth sie äußerte, hatte in der DDR nicht selten schwerwiegende Folgen. Das Ministerium für Staatssicherheit, im Volksmund „Stasi“ genannt, hatte als „Schild und Schwert der Partei“ dafür zu sorgen, dass Menschen, deren Einstellung von der Parteimeinung abwich, gefasst und unschädlich gemacht werden. Neben seinen hauptamtlichen Mitarbeitern verfügt das MfS über eine beträchtliche Anzahl inoffizieller Mitarbeiter (IM), die eine flächendeckende Überwachungsarbeit ermöglichten.

Mit einem solchen IM macht auch Elisabeth Bekanntschaft, und zwar kurz nachdem sie Heiners Bilder kritisiert und damit etwas ausgesprochen hatte, was viele andere nur dachten. Ein junger Mann „mit einem Gesicht wie der nette Junge von nebenan“ steht eines Tages vor der Tür und eröffnet ihr, die Stasi habe einen Hinweis bekommen, dass Elisabeth in Ihrem Zirkel eine bürgerliche Plattform, also eine bürgerliche staatsfeindliche Gruppe, gebildet habe. Nachdem er eine Aussprache angekündigt hat, verschwindet er und lässt eine ängstliche und zugleich zornige Elisabeth zurück. Ihr wird schnell klar, dass der Hinweis nur von Heiners stammen kann: Aus verletzter Eitelkeit hat er sie angeschwärzt und Gerüchte über sie in Umlauf gebracht. Das Beziehungsgeflecht der Figuren zeigt sehr eindrucksvoll, wie das Netz der Zuträger und Verleumder funktionierte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Person und Werk Brigitte Reimanns: Dieses Kapitel beleuchtet das Leben der Autorin als primäre Materialquelle für ihre literarische Arbeit und ordnet ihre Texte in den Kontext von Christa Wolfs Konzept der „subjektiven Authentizität“ ein.

2. Die Künstlerin Elisabeth: Hier wird die Figur Elisabeth analysiert, insbesondere ihre Rolle im Rahmen des kulturpolitischen „Bitterfelder Weges“, ihr Verständnis von Kunst und ihre Konfrontationen mit dem Sicherheitsapparat der DDR.

3. Bruder und Schwester: Dieses zentrale Kapitel widmet sich der emotionalen und ideologischen Auseinandersetzung zwischen der Protagonistin Elisabeth und ihrem Bruder Uli, wobei die systemkritischen Gründe für Ulis Fluchtwunsch detailliert untersucht werden.

4. Schlussfolgerungen: Die Arbeit fasst zusammen, wie Brigitte Reimann ihre eigene Lebensrealität in die Fiktion übertrug und trotz Zensur und persönlicher Desillusionierung an ihrem sozialistischen Idealismus festhielt.

Schlüsselwörter

Brigitte Reimann, Die Geschwister, DDR-Literatur, Bitterfelder Weg, Subjektive Authentizität, Ministerium für Staatssicherheit, Systemkritik, Sozialistischer Realismus, Autobiographisches Schreiben, Frauenliteratur, Fluchtwunsch, Planwirtschaft, SED, Künstlerische Freiheit, Identitätskonflikt.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Erzählung „Die Geschwister“ von Brigitte Reimann und setzt diese in Bezug zu den biographischen Erfahrungen der Autorin sowie den politischen Rahmenbedingungen der DDR.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zu den Schwerpunkten gehören der „Bitterfelder Weg“, das Verhältnis zwischen Individuum und Partei, die Rolle des Ministeriums für Staatssicherheit sowie die familiäre Entfremdung vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Fluchtbewegungen.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, wie Brigitte Reimann reale Ereignisse und Personen aus ihrem Leben in ihre literarischen Motive einfließen ließ, um sowohl eine Auseinandersetzung mit der DDR-Alltagswelt als auch mit der eigenen Identität als Künstlerin zu führen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um einen biographischen Ansatz, bei dem Tagebuchaufzeichnungen und Biographien als Quellen herangezogen werden, um Übereinstimmungen und Abweichungen zwischen der Erzählung und den Erfahrungen der Autorin herauszuarbeiten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Künstlerin Elisabeth, ihre Auseinandersetzung mit der Kulturpolitik, ihre Begegnungen mit der Stasi sowie den tiefergehenden Konflikt zwischen Elisabeth und ihrem Bruder Uli hinsichtlich dessen Fluchtwunsch.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Wichtige Begriffe sind unter anderem „Subjektive Authentizität“, „Sozialistischer Realismus“, „Systemkritik“ und die literarische Verarbeitung persönlicher Lebenserfahrungen in der DDR.

Warum spielt der „Bitterfelder Weg“ eine so wichtige Rolle in der Analyse?

Der „Bitterfelder Weg“ ist zentral, da die Hauptfigur Elisabeth als Malerin im Kombinat direkt mit diesem kulturpolitischen Programm konfrontiert wird, was ihr Spannungsfeld zwischen künstlerischem Anspruch und parteilichen Vorgaben verdeutlicht.

Wie bewertet die Arbeit das Ende der Erzählung?

Das Ende wird als bewusst offen interpretiert; der Verzicht des Bruders auf den Fluchtplan wirkt nicht durch innere Überzeugung motiviert, was die Ambivalenz und den kritischen Unterton der Erzählung unterstreicht.

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Details

Title
Kritik und Fürsprache: Die DDR im Spiegel der Erzählung "Die Geschwister" von Brigitte Reimann
College
University of Dusseldorf "Heinrich Heine"
Grade
1,7
Author
Stefanie Röder (Author)
Publication Year
2005
Pages
27
Catalog Number
V58937
ISBN (eBook)
9783638529976
ISBN (Book)
9783656794493
Language
German
Tags
Kritik Fürsprache Spiegel Erzählung Geschwister Brigitte Reimann
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stefanie Röder (Author), 2005, Kritik und Fürsprache: Die DDR im Spiegel der Erzählung "Die Geschwister" von Brigitte Reimann , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58937
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