„Die integrierte Gesamtschule ersetzt die drei traditionellen Schulformen. Sie führt die Jahrgangsstufen 5-10, oftmals auch eine eigenen gymnasiale Oberstufe. An die Stelle der starren Gliederung nach Schulformen tritt in der Sekundarstufe I eine vielfältige und flexible Unterrichtsform innerhalb einer Schule. Als Organisationsform des Unterrichts ergänzen sich dabei die Jahrgangsklasse, der Unterricht in Fachleistungskursen, Wahlpflichtveranstaltungen und Wahlangebote. Dagegen bleiben in der kooperativen Gesamtschule die drei traditionellen Schulformen bestehen. Sie werden jedoch in einem Schulzentrum zusammengefasst, organisatorische und curriculare Abstimmungen sollen den Wechsel zwischen den Schulformen erleichtern.“
Diese Arbeit bezieht sich meist auf die integrierte Gesamtschule, da die kooperative nicht mehr viele von der ursprünglichen Idee der Gesamtschule erkennen lässt. Sie zeigt die Geschichte und Entwicklung der Gesamtschulen in der Bundesrepublik Deutschland sowie die Grundzüge ihres Bildungsprogramms auf, um sich abschließend mit der Frage auseinanderzusetzen: Hat die Gesamtschule in unserem Land eine Zukunft?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entstehung und Entwicklung
2.1 Die heutige Situation
3. Grundzüge des Bildungsprogramms
4. Organisation des Unterrichts
4.1 Fachleistungsdifferenzierung
4.2 Flexible Differenzierung
4.3 Wahlpflicht und Wahldifferenzierung
5. Die Gesamtschul-Oberstufe
5.1 Ursprüngliche Konzepte für die Gesamtschul-Oberstufe
5.2 Die neue gymnasiale Oberstufe
5.3 Die Profiloberstufe - Ein Weg aus der Krise
6. Die Zukunft der Gesamtschule
8. Anhang
8.1 Grunddaten der integrierten Gesamtschulen 2001/2002
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die historische Entwicklung, die organisatorischen Strukturen und die pädagogischen Herausforderungen der integrierten Gesamtschule in Deutschland. Das primäre Ziel ist es, den Status quo dieser Schulform im Kontext des gegliederten Bildungssystems zu analysieren und Perspektiven für ihre zukünftige Rolle als mögliche Einheitsschule aufzuzeigen.
- Historische Herleitung und bildungspolitische Einordnung der Gesamtschulbewegung.
- Methoden der Unterrichtsgestaltung wie Fachleistungs- und flexible Differenzierung.
- Herausforderungen und Konzepte der Gesamtschul-Oberstufe.
- Analyse des Wettbewerbs zwischen Gesamtschulen und dem dreigliedrigen Schulsystem.
- Zukunftsperspektiven der Gesamtschule im föderalen Bildungssystem Deutschlands.
Auszug aus dem Buch
2. Entstehung und Entwicklung
In den 60er Jahren wurde die Forderung nach mehr Chancengleichheit in der Bildung und der Schaffung größerer Durchlässigkeit der Schüler bei der Festlegung des Bildungsweges immer stärker. Um diesen Forderungen gerecht zu werden, setzten die ersten Modernisierungsmaßnahmen im deutschen Bildungssystem ein. Das Ziel ,,Bildung für alle” sollte unter anderem durch eine ,, Schule für alle“ erreicht werden. Geistiger Vorreiter für diese Idee war Wilhelm von Humboldt, der in seinem Schulgesetzentwurf von1819 das Modell einer Einheitsschule forderte.2
Früher war der bildungsgemäße, berufliche und gesellschaftlicher Ort im Gesamtleben durch Geburt, soziale Schicht und Tradition vorgegeben. Im Zuge des großen sozialen und politisch kulturellen Wandels der letzten zwei Jahrhunderte musste sich für die vom Ursprung her als Säulensystem nebeneinander stehender Schulen das Problem eines organisatorischen Zusammenhanges aller verschiedenen Schulen ergeben, sollte der bildungsgemäße, berufliche und gesellschaftliche Ort im Gesamtleben nicht mehr durch Geburt, soziale Schicht und Tradition einfach vorgegeben sein. Der Grundgedanke einer Einheitsschule, wie sie seit 1918 in der Sowjetunion existiert, ist dann von der liberalen Volksschullehrerbewegung und der sozialistischen Arbeiterbewegung durch das 19. und 20. Jahrhundert weiter getragen worden. Im Vordergrund stand immer noch der Abbau des Standes. Es ging um die Schaffung einer einheitlichen Schule für alle, ohne Rücksicht auf Stand und Religion, Abbau von früher Trennung in Gebildete und einfaches Volk.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Arbeit legt den Fokus auf die integrierte Gesamtschule, da diese im Gegensatz zur kooperativen Form den ursprünglichen Gesamtschulgedanken stärker verfolgt.
2. Entstehung und Entwicklung: Das Kapitel zeichnet den historischen Weg von der Humboldtschen Idee der Einheitsschule bis hin zur Etablierung der Gesamtschulversuche in den 1960er Jahren nach.
2.1 Die heutige Situation: Hier wird analysiert, wie Gesamtschulen heute als Teil der schulischen Basisversorgung oder unter Konkurrenzdruck im gegliederten Schulsystem agieren.
3. Grundzüge des Bildungsprogramms: Dieses Kapitel erläutert die curricularen Herausforderungen, wie die Einführung der Arbeitslehre und die Schwierigkeiten bei der Erstellung einheitlicher Lehrmaterialien.
4. Organisation des Unterrichts: Der Fokus liegt auf den Leitlinien des Bildungsrates zur Binnendifferenzierung und der fachspezifischen Leistungsdifferenzierung.
4.1 Fachleistungsdifferenzierung: Es wird das Modell des Kern-Kurs-Systems beschrieben, bei dem Schüler in leistungsheterogenen Gruppen oder Fachleistungskursen unterrichtet werden.
4.2 Flexible Differenzierung: Das Kapitel behandelt alternative Modelle wie das Team-Kleingruppen-Modell, das soziale Interaktion und Leistungsförderung verknüpfen soll.
4.3 Wahlpflicht und Wahldifferenzierung: Hier wird die Bedeutung der Neigungsdifferenzierung ab der 7. Klasse für die Schullaufbahn und den angestrebten Abschluss dargelegt.
5. Die Gesamtschul-Oberstufe: Das Kapitel beleuchtet das quantitative Verhältnis zwischen gymnasialer und Gesamtschul-Oberstufe sowie den schwierigen Stand der Gesamtschul-Oberstufe.
5.1 Ursprüngliche Konzepte für die Gesamtschul-Oberstufe: Es werden alternative Oberstufenkonzepte, wie das "Neue Gymnasium" von Evers oder die Kollegstufe von Blankertz, vorgestellt.
5.2 Die neue gymnasiale Oberstufe: Hier wird die 1972 eingeführte strukturelle Angleichung der Gesamtschul-Oberstufe an das Gymnasium kritisch betrachtet.
5.3 Die Profiloberstufe - Ein Weg aus der Krise: Das Kapitel präsentiert die Profiloberstufe als reformpädagogischen Ansatz zur Verbindung von fächerübergreifendem Lernen und gymnasialer Qualifikation.
6. Die Zukunft der Gesamtschule: Abschließend werden die politischen Hürden für einen Systemwechsel und die Notwendigkeit einer gesteigerten Attraktivität der Gesamtschule erörtert.
8. Anhang: Enthält statistische Grunddaten zur Verteilung integrierter Gesamtschulen in den deutschen Bundesländern im Zeitraum 2001/2002.
Schlüsselwörter
Gesamtschule, Integrierte Gesamtschule, Bildungssystem, Differenzierung, Einheitsschule, Schulentwicklung, Leistungsdifferenzierung, Profiloberstufe, Bildungspolitik, Chancengleichheit, Fachleistungskurs, Gesamtschul-Oberstufe, Schulversuch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Geschichte, den Strukturen und der aktuellen Situation der integrierten Gesamtschule innerhalb des deutschen Bildungssystems.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Entwicklung des Gesamtschulmodells, die Organisation des Unterrichts durch Differenzierung, die Problematik der Oberstufe sowie die Zukunftsfähigkeit dieses Schulsystems.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie sich die Gesamtschule im gegliederten deutschen Schulsystem emanzipieren kann und ob eine Entwicklung hin zur Einheitsschule realisierbar ist.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse der Fachliteratur, bildungspolitischer Empfehlungen und die Auswertung statistischer Daten zum Schulwesen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bereiche pädagogische Organisation, Unterrichtsmethodik, Konzepte der Gesamtschul-Oberstufe und die Analyse politischer Rahmenbedingungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Gesamtschule, Differenzierung, Bildungssystem, Chancengleichheit und Einheitsschulbestrebungen.
Was ist das Besondere am Team-Kleingruppen-Modell?
Dieses Modell setzt auf eine feste soziale Bezugsgruppe und ein konstantes Lehrerteam, um trotz äußerer Differenzierung einen stabilen sozialen Zusammenhalt zu gewährleisten.
Warum steht die Gesamtschul-Oberstufe oft in der Kritik?
Sie hat mit einem schlechteren Image im Vergleich zum Gymnasium zu kämpfen und leidet häufig unter geringeren Schülerzahlen, was die Profilbildung erschwert.
Was versteht man unter der Profiloberstufe?
Ein Modell, bei dem vier Fächer (zwei Leistungskurse, zwei Grundkurse) in einem gemeinsamen Rahmenthema verbunden werden, um fächerübergreifendes Lernen auch in der Sekundarstufe II zu ermöglichen.
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- Sebastian Gottschalch (Autor), 2005, Schulen mit mehreren Bildungsgängen - Die Gesamtschule - Geschichte und Entwicklung der Gesamtschulen in der BRD, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58956