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Wandel der familiären Lebensformen: Von der bäuerlichen bis zur modernen Familie

Title: Wandel der familiären Lebensformen: Von der bäuerlichen bis zur modernen Familie

Intermediate Examination Paper , 2001 , 55 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Andrea Henschel (Author)

Sociology - Relationships and Family
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Wenn vom Wandel der Familie gesprochen wird, dann muss angenommen werden, dass sich in ihrer Struktur und Zusammensetzung etwas verändert hat. Waren die familiären Beziehungen vor 300 Jahren noch anders als heute? Unterscheiden sich die Beziehungen der Ehepartner zueinander und zu ihren Kindern (vor 300 Jahren) zur heutigen Vorstellung von einer Familie? Was hat sich in den letzten 3 Jahrhunderten im Familienleben verändert? Kann heute überhaupt noch von Familie gesprochen werden? Es gibt viele Thesen, die vom »Zerfall der Familie« sprechen. Friedrich Engels zum Beispiel macht den industriellen Kapitalismus für den Zerfall der Arbeiterfamilie verantwortlich. Eine andere These besagt, dass durch die wohlfahrtsstaatliche Absicherung, einem Wertewandel und durch die veränderte Rolle der Frau, die Ehe und Familie an Bedeutung verloren hat und andere Lebensformen mit der Ehe in Konkurrenz getreten sind (vgl. Rosmarie Nave-Herz, 1998: 286f.). Kann man wirklich von einem »Zerfall der Familie« sprechen, sind solche und andere Verfallsdiagnosen bzw. Verfallstheorien gerechtfertigt? Wie wird zu heutigen Zeiten der Begriff Familie definiert? Aus biologischer Sicht bedeutet Familie eine systematische Kategorie, in der Näher miteinander verwandte Gattungen zusammengefasst werden. Die Soziologen beschreiben die Familie als eine soziale Gruppe, die in der heutigen industriellen Gesellschaft in der Regel aus den Eltern und ihren unselbständigen Kindern besteht. Oft wird auch die Verwandtschaft als Familie bezeichnet (vgl. DER BROCKHAUS, 2000: 437). Das Lexikon zur Soziologie beschreibt die Familie folgendermaßen: „Familie bezeichnet in der Soziologie (wie im Alltag) unterschiedliche Aspekte und Konstellationen einer sozialen Lebensform, die mindestens Kinder und Eltern (bzw. ein Elternteil) umfaßt (also auf Verwandtschaft beruht) und einen dauerhaften und im Innern durch Solidarität und persönliche Verbundenheit (...) charakterisierten Zusammenhang aufweist“ (Lexikon zur Soziologie, 1995: 197). Wurde die Familie im 18. Jahrhundert noch anders verstanden? [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die bäuerliche Familie

2.1 Die Heirat

2.2 Das Eheleben

2.3 Kinder und ihre Erziehung

3. Die Familie im »alten« Handwerk

3.1 Die Heirat bei den Handwerkern

3.2 Das Eheleben

3.3 Die Situation der Kinder

4. Die Familie in der Hausindustrie

4.1 Heirat

4.2 Das Eheleben

4.3 Die Kinder der Heimarbeiter

5. Die Familie im Bürgertum

5.1 Allgemeiner Überblick

5.1.1 Auflösung der traditionellen Hauswirtschaft

5.1.2 Das neue Leitbild der bürgerlichen Familie

5.1.3 Die Entstehung der Kindheit

5.2 Die bürgerliche Familie am Ende des 18. Jahrhunderts

5.2.1 Die Liebesheirat

5.2.2 Das Eheleben

5.2.3 Die Kinder

5.3 Das Bürgertum in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts

5.3.1 Das Heiratsverhalten

5.3.2 Die Ehebeziehungen

5.3.3 Die Situation der Kinder

6. Die Arbeiterfamilie

6.1 Motive der Eheschließung

6.2 Die Arbeiterfamilie und ihr Eheleben

6.3Die Situation der Kinder

7. Der »Mythos« der Großfamilie

8. Die »moderne« Familie im 20./21. Jahrhundert

8.1 Der Übergang von der traditionellen zur modernen Familie

8.2 Familientypen nach Kohli und Burkart

8.2.1 Das Arbeiter-Familien-Milieu

8.2.2 Das Milieu der »technischen Vernunft «

8.2.3 Das Milieu der individualisierten Akademiker

8.2.4 Das alternative Milieu: Zwischen Tradition und Postmoderne

9. Resümee

10.1 Wandel der familiären Lebensformen

10.2 Kann man vom »Zerfall der Familie« sprechen?

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht den historischen Wandel familiärer Lebensformen von der bäuerlichen Gesellschaft bis hin zur modernen Familie des 21. Jahrhunderts, um zu erörtern, ob die Diagnose eines „Zerfalls der Familie“ soziologisch haltbar ist. Der Fokus liegt dabei auf der Analyse zentraler Strukturmerkmale wie Partnerwahl, Arbeitsteilung, Erziehung und den Beziehungen innerhalb der Familie über die Jahrhunderte hinweg.

  • Historische Entwicklung von Familienstrukturen (Bauern, Handwerk, Hausindustrie, Bürgertum, Arbeiterklasse).
  • Wandel der Partnerwahlkriterien und des Eheverständnisses (vom ökonomischen Zweckbündnis zur Liebesehe).
  • Veränderung der Eltern-Kind-Beziehung und der Erziehungspraktiken.
  • Soziologische Analyse moderner Familientypen und alternativer Lebensformen im 20./21. Jahrhundert.
  • Kritische Auseinandersetzung mit Verfallstheorien und dem „Mythos der Großfamilie“.

Auszug aus dem Buch

2.1 Die Heirat

Das Zusammenleben in einer Ehe war für die Bauern in gewisser Weise eine unabdingbare Lebensnotwendigkeit. Der Bauer brauchte für die täglich anfallenden Arbeiten im Haus und auf dem Felde eine Frau. Man brauchte Kinder, die einem später entlasteten und einen Erben, der später den Hof übernahm. Darüber hinaus war die Ehe die einzige Möglichkeit ein sozial gebilligtes Sexualleben zu führen. Eine Dorfgemeinschaft im ausgehenden 18. Jahrhundert bot für ledige Personen (außerhalb der Dienstbotenstellung) kaum eine Existenzmöglichkeit. Die Heirat in der bäuerlichen Gesellschaft wurde als selbstverständlich angesehen (vgl. H. Rosenbaum, 1996: 69f.).

Das Heiratsalter war von ökonomischen und sozialen Zwängen bestimmt. Da die Heiratserlaubnis von den Eltern an den Nachweis einer ausreichend landwirtschaftlichen Stelle gebunden war, wurde das Heiratsalter nach oben gedrückt. Durch die steigende Lebenserwartung wurde die Hofübergabe bzw. der Erbfall nach hinten hinausgeschoben. Wülker errechnete ein durchschnittliches Heiratsalter bei den Frauen von ca. 25 Jahren und bei den Männern von ca. 30 Jahren. In Realteilungsgebieten mussten die Eltern erst das Vermögen ansammeln bevor sie jedem Kind seinen Erbteil geben konnten. Dieser Erbteil musste so groß sein, dass die Kinder mit ihrem potentiellen Ehepartner und dessen Vermögen eine Existenz gründen konnten, ohne dass sie Schulden machen und die Eltern selbst noch leben konnten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik des familiären Wandels ein und stellt die zentrale Forschungsfrage, ob von einem Zerfall der Familie gesprochen werden kann.

2. Die bäuerliche Familie: Dieses Kapitel beschreibt die bäuerliche Familie als Einheit von Produktion und Konsumtion, in der Heirat und Kindererziehung primär ökonomischen Notwendigkeiten unterworfen waren.

3. Die Familie im »alten« Handwerk: Die Untersuchung zeigt auf, wie Zunftordnungen und handwerkliche Produktionsbedingungen das Heiratsverhalten und die Stellung der Ehefrau innerhalb des Meisterbetriebs prägten.

4. Die Familie in der Hausindustrie: Hier wird der Übergang vom „ganzen Haus“ zur modernen Familie beleuchtet, wobei die räumliche Einheit von Arbeit und Wohnen und der Wandel der Partnerwahl zentrale Themen sind.

5. Die Familie im Bürgertum: Dieses Kapitel analysiert das neue Leitbild der bürgerlichen Familie, die Trennung von Privat- und Erwerbssphäre sowie die zunehmende Emotionalisierung der Eltern-Kind-Beziehung.

6. Die Arbeiterfamilie: Die Untersuchung fokussiert auf die Lebensbedingungen des Industrieproletariats, die doppelte Belastung der Frauen und die ökonomische Notwendigkeit der Kinderarbeit.

7. Der »Mythos« der Großfamilie: Es wird kritisch hinterfragt, ob die Großfamilie jemals die dominierende Haushaltsform war oder ob es sich hierbei um eine soziologische Fehlannahme handelt.

8. Die »moderne« Familie im 20./21. Jahrhundert: Das Kapitel differenziert verschiedene Familientypen der Moderne, darunter das Arbeitermilieu, Techniker und individualisierte Akademiker, und deren Umgang mit Beruf und Familie.

9. Resümee: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Familie als Institution keineswegs zerfällt, sondern sich strukturell gewandelt hat.

Schlüsselwörter

Familie, Wandel, bäuerliche Familie, Handwerk, Hausindustrie, Bürgertum, Arbeiterfamilie, Heiratsverhalten, Sozialisation, Industrialisierung, Moderne, Kindheit, Geschlechterrollen, Partnerschaft, Zerfall der Familie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den soziologischen Wandel familiärer Lebensformen von vor 300 Jahren bis in die Gegenwart unter besonderer Berücksichtigung der ökonomischen und sozialen Rahmenbedingungen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Schwerpunkten zählen die Entwicklung von Heiratsmustern, das Eheleben, die Rolle der Kindererziehung sowie der Wandel der Geschlechterrollen über verschiedene historische Epochen hinweg.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel besteht darin, die These vom „Zerfall der Familie“ wissenschaftlich zu prüfen und zu zeigen, dass es sich eher um eine strukturelle Anpassung als um eine Auflösung handelt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische und literaturgeschichtliche Analyse, die soziologische Studien und zeitgeschichtliche Quellen zur Familienentwicklung auswertet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene historische Stufen: die bäuerliche Familie, die Familie im Handwerk, in der Hausindustrie, im Bürgertum, bei den Arbeitern bis hin zu modernen Familientypen der Gegenwart.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Familie, historischer Wandel, Ehe, Heiratsverhalten, Industrialisierung und soziale Milieus.

Was unterschied das bäuerliche Eheleben maßgeblich vom bürgerlichen?

Bei den Bauern stand die ökonomische Funktion und das Funktionieren als Arbeitseinheit im Vordergrund, während im Bürgertum zunehmend die Emotionalität, Individualität und die Trennung von Erwerbs- und Privatleben an Bedeutung gewannen.

Welchen Einfluss hat die Hausindustrie auf den Familienwandel gehabt?

Die Hausindustrie fungierte als Übergangstypus, da sie die räumliche Einheit von Arbeit und Wohnen beibehielt, aber gleichzeitig erste Ansätze zur Individualisierung der Partnerwahl förderte.

Warum wird der „Zerfall der Familie“ laut Autorin verneint?

Die Autorin argumentiert, dass Menschen weiterhin heiraten und Kinder haben, jedoch neue Lebensformen wie Alleinerziehende oder nichteheliche Gemeinschaften die traditionelle Struktur lediglich diversifiziert und nicht aufgelöst haben.

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Details

Title
Wandel der familiären Lebensformen: Von der bäuerlichen bis zur modernen Familie
College
http://www.uni-jena.de/  (Soziologie)
Grade
1,3
Author
Andrea Henschel (Author)
Publication Year
2001
Pages
55
Catalog Number
V59001
ISBN (eBook)
9783638530446
ISBN (Book)
9783656800774
Language
German
Tags
Wandel Lebensformen Familie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Andrea Henschel (Author), 2001, Wandel der familiären Lebensformen: Von der bäuerlichen bis zur modernen Familie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59001
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