Kulturelle Erbschaften der DDR. Ein Forschungsdesign


Essay, 2020

11 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Einleitung

3. Phänomen

4. Theoretische Rahmung

5. Vorannahmen

6. Methodisches Vorgehen
a. Qualitative Verfahren
b. Leitfadeninterview
c. Feldzugang

7. Datenauswertung
a. Transkription
b. Grounded Theory
c. Typenbildung

8. Auswertung und Analyse des Datenmaterials

9. Mögliche Ergebnisse

10. Quellenverzeichnis

1. Vorwort

Der vorliegende Text bezieht sich auf die Plakatpräsentation vom 06.02.20 im Seminar Phantomgrenzen in Osteuropa bei Frau Dr. Z. Ziel ist es ein potentielles Forschungsvorhaben vorzustellen und hierbei alle relevanten Aspekte des Vorgehens zu beleuchten.

2. Einleitung

Seit einiger Zeit beschäftigen sich unterschiedlichste Institute mit der Erhebung und dem Vergleich von Daten im Bereich der deutschen Schulbildung. In meiner Forschung interessiere ich mich dafür, wie die überdurchschnittlichen Ergebnisse der neunen Bundesländer, in den Trendstudien des Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB), aufgrund deren Historie zustande kommen konnten.

Dafür nutze ich das in ‚Conceptualizing Historical Legacies‘ beschriebene Modell historischer Erbschaften von Jason Wittenberg und die Bezugspunkte der Gesellschaftsdiagnose, die in Oliver Dimbaths Werk ‚Soziologische Zeitdiagnostik‘ beschrieben werden. Mittels dieser theoretischen Rahmung soll herausgefunden werden welche unterschiedlichen Bedeutungsgehälter kulturelles Erbe für die Eltern der Schüler aus der IQB-Trendstudie hat. Anschließend soll untersucht werden, ob diese sich in Bezug mit den schulischen Leistungen setzen lassen. Mit Bedeutungsgehalt ist gemeint, dass herausgefunden werden soll welche den Kindern vermittelten Aspekte, sich zum kulturellen Erbe zählen lassen. Der Bezug soll anhand von Vergleichen zwischen unterschiedlichen Samples ermittelt werden. Anhand eines einfachen Beispiels möchte ich die Konzeption des Vorgehens deutlich machen: Stellt sich heraus, dass bei Fällen, die zum Typ X1 einer ermittelten Art von kulturellen Erbschaften zählen, eine Korrelation in Bezug auf die schulischen Leistungen der Kinder festzustellen ist, kann von einem gewissem Stellenwert dieser kulturellen Erbschaftsart ausgegangen werden. Dementsprechend ergibt sich meine Forschungsfrage: Inwiefern l ä sst sich die Leistungsst ä rke von Sch ü ler*innen der SEK I der letzten Jahre in den neuen Bundesl ä ndern aufgrund von kulturellen Erbschaften erkl ä ren?

Da sich eine Kontinuität darin abzeichnet, dass die neuen Bundesländer besser abschneiden als die alten Bundesländer, wird der zeitliche Rahmen in der Fragestellung nicht explizit eingeschränkt. Des Weiteren beziehe ich mich ausschließlich auf den IQB- Bei Typen handelt es sich um Ergebnisse der Datenauswertung. Im KAPITEL ___ wird darauf Bezug genommen Bildungstrend. Da dieser vornehmlich naturwissenschaftliche Kompetenzen überprüft, bezieht sich der Begriff der Leistungsstärke auf diese.

3. Phänomen

„Schüler im Osten Deutschlands sind in Mathe und Naturwissenschaften im Durchschnitt leistungsstärker als ihre westdeutschen Altersgenossen.“ (Spiegel-Online Panorama 2013)

Der IQB-Bildungstrend 2018 dient als empirischer Nachweis für das bestehende Phänomen. Untersucht wird in diesem „inwieweit schulische Erträge im Fach Mathematik und in den naturwissenschaftlichen Fächern Biologie, Chemie und Physik gegen Ende der Sekundarstufe I den mit den Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz (KMK) vereinbarten Kompetenzerwartungen entsprechen.“ (Stanat et al. 2018: 5)

„Insgesamt ergibt der IQB-Bildungstrend 2018 für die von Neuntklässlerinnen und Neuntklässlern im Fach Mathematik und in den naturwissenschaftlichen Fächern erreichten Kompetenzen erneut ein Bild, das teilweise auf Stabilität, teilweise aber auch auf eher ungünstige Veränderungen über die Zeit hinweist. In Deutschland insgesamt fallen die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler im Jahr 2018 weitgehend ähnlich aus wie im Jahr 2012. Wie sich die von Neuntklässlerinnen und Neuntklässlern erreichten Kompetenzen entwickelt haben, unterscheidet sich jedoch zwischen den Ländern. (Stanat et al. 2018: 438)

Diese Feststellung findet sich auch in den Abbildungen eins und zwei wieder.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 12

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 23

Die Abbildungen zeigen für die Jahre 2012 (Abb. 1) und 2018 (Abb. 2) wie die Abweichung der jeweiligen Kompetenzwerte von Neuntklässlerinnen und Neuntklässlern eines Bundeslandes vom deutschen Mittelwert ausfallen (vgl. Stanat 2018: 19ff.). Hierbei schließen die neuen Bundesländer auffällig häufig überdurchschnittlich gut ab.

Die zugehörigen Kompetenzbereiche beziehen sich auf die naturwissenschaftlichen Fächer Mathematik, Biologie, Chemie sowie Physik und werden, abgesehen von Mathematik, im Hinblick auf Fachwissen und Erkenntnisgewinnung dargestellt. In Mathematik orientieren sich die Forscher an den Werten der Globalskala (vgl. Stanat et al. 2018: 19). Da nicht die einzelnen Formalien der Studie, sondern primär ihr Ergebnis relevant für das Forschungsinteresse sind, werden die Formalien bezüglich der Erhebung der Daten an dieser Stelle nicht detaillierter beschrieben.

4. Theoretische Rahmung

Im Folgenden wird die theoretische Rahmung für den zu untersuchenden Gegenstand und die theoretische Grundlage zur Interpretation potentieller Ergebnisse gelegt. Sie setzt sich aus den Erläuterungen in Conzeptualizing Historical Legacys von Jason Wittenberg Erläuterungen bezüglich historischen Erbschaften und den beschriebenen Wechselwirkungen ähnlicher Kategorien4 in dem Buch Soziologische Zeitdiagnostik von Oliver Dimbath zusammen.

Wittenberg kategorisiert drei Arten von historischen Erbschaften; kulturelle, materielle und institutionelle Erbschaften. Besonders ist bei den von ihm definierten Erbschaftsformen, dass sie sich explizit auf die postkommunistische Zeit beziehen, weshalb sie sich für mein Forschungsvorhaben ideal eigenen. Zu den kulturellen zählt er im Allgemeinen Faktoren wie Haltungen, Überzeugungen und Wissen aus der kommunistischen Zeit. (Vgl. Wittenberg 2015: 367)

“Examples include a “ghetto” political culture, where the population views politics as dangerous and something to avoid;1 the skills to successfully navigate politics;2 the hybrid of nationalism and socialism that proved inimical to liberal values;3 economic beliefs;4 and trust in political parties.5 Others might be termed material, such as the lack of infrastructure, the destruction of the environment, the dominance of the state sector, and excessive focus on heavy industry.” (Wittenberg 2015: 367)

Institutionelle Erbschaften umfassen das Fortbestehen von Institutionen, Organisationen und Eliten des alten Regimes in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Als Beispiele nennt er aufgeblähte Wohlfahrtssysteme, schwache Parteiensysteme, Verfassungen und das Verhalten der Individuen, Herrschafts- und Machtsystem, institutionelle Ordnung Fortbestehen der Art und Weise, wie die Wirtschaft funktioniert. Unter der dritten und letzten Erbschaftsform, dem materiellen Erbe, versteht Wittenberg beispielsweise, die fehlende Infrastruktur oder die Zerstörung der Umwelt. (Vgl. Wittenberg 2015: 367)

Wittenberg weist auf die Problematik hin, dass keine Einigkeit in der Wissenschaft darüber bestehe, wie historische Erbschaften identifiziert und konzeptualisiert werden sollten. In meiner Arbeit, möchte ich mich auf eine der angeführten Möglichkeiten fokussieren:

“[…] a phenomenon qualifies as a historical legacy under two conditions. One is that it has to exist in at least two historical periods, at a minimum a “past” and a “present.” Phenomena unique to one historical period cannot be historical legacies unless that period is itself divided into at least two subperiods. The other condition is that in the most recent of the periods in which the phenomenon exists, the phenomenon should not be explainable with contemporaneous causal factors.” (Wittenberg 2015: 375)

Zur Abgrenzung und Rahmung des Begriffs einer Erbschaft wird darauf hingewiesen, dass es sich nicht um eine Erbschaft handele, wenn es keine Korrelation zwischen dem Ergebnis und dem Vorläufer gebe oder wenn das Ergebnis neu sei und somit keinen phänomenologisch äquivalenten Vorläufer habe. In diesem Falle läge eine Diskontinuität vor und die Identifizierung einer historischen Erbschaft könne ausgeschlossen werden. (Vgl. Wittenberg 2015: 370)

Hinsichtlich dem zweiten Baustein meiner theoretischen Rahmung, den ‚Bezugspunkten sozialen Wandels‘, ist herauszustellen, dass diese gesellschaftlichen und sozialen Wandel ins Auge fassen. Dimbath macht diesbezüglich die Herrschafts- und Machtverhältnisse, die institutionelle Ordnung und das Verhalten von Individuen aus. (Vgl. Dimbath 2016: 99)

„In vielen Gegenwartsdiagnosen werden diese Bezugspunkte in eine Wechselwirkung gesetzt. Es ist damit möglich, Wandel sowohl ausgehend vom massenhaften Verhalten Einzelner, von Veränderungen der Herrschaftsstruktur oder von institutionellen Aspekten her zu untersuchen, wobei die drei Dimensionen wechselseitig als Auslöser oder als Bezugspunkt eingesetzt sein können.“ (Dimbath 2016: 100)

Dieses wechselseitige Verhältnis möchte ich im Zusammenhang mit den Erbschaftskategorien bei der Interpretation meiner Ergebnisse nutzen.

5. Vorannahmen

Folgende Vorannahmen ergaben sich aus der Literaturrecherche und formulieren meine Erwartungen an den zu untersuchenden Forschungsgegenstand:

1. Das institutionelle und materielle Erbe der DDR sorgt für Synergieeffekte auf das kulturelle Erbe der DDR. Diese Annahme wir durch die Spitzenwerte des Schulsystems in der DDR begründet. (siehe infratest dimap 2014)

[...]


1 Bei Typen handelt es sich um Ergebnisse der Datenauswertung. Im KAPITEL ___ wird darauf Bezug genommen

2 (vgl. Stanat 2018: 19)

3 (vgl. Stanat 2018: 21)

4 Verhalten der Individuen, Herrschafts- und Machtsystem, institutionelle Ordnung

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Kulturelle Erbschaften der DDR. Ein Forschungsdesign
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Geisteswissenschaften)
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
11
Katalognummer
V590535
ISBN (eBook)
9783346189806
Sprache
Deutsch
Schlagworte
erbschaften, forschungsdesign, kulturelle
Arbeit zitieren
Nelson Jung (Autor), 2020, Kulturelle Erbschaften der DDR. Ein Forschungsdesign, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/590535

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