Die Orthodoxe Kirche nach der Reformzeit aus kirchengeschichtlicher Perspektive


Hausarbeit, 2020

13 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I- Einleitendes

II- Die orthodoxe Kirche im 17. Jahrhundert

III- Die orthodoxe Kirche im 19. Jahrhundert

IV- Die Rumänische Orthodoxe Kirche

V- Schlussbemerkungen

VI- Bibliographie

I -Einleitendes

,, Darum sollt ihr vollkommen sein, gleichwie euer Vater im Himmel vollkommen ist. ”1 oder ,, Rede mit der ganzen Gemeinde der Kinder Israel und sprich zu ihnen: Ihr sollt heilig sein; denn ich bin heilig der HERR, euer Gott.”2 als Bibelverse die das Wesen der orthodoxen Kirche auf den richtigen Punkt bringen, so laut den Metropoliten Antonie Plămădeală, der in seinem 1995 veröffentlichten Werk ,, Traditie s i libertate în spiritualitatea ortodoxa” die Begriffe Tradition und Freiheit der orthodoxen Spiritualität kirchengeschichtlich und theologisch darstellt, um anschließend die orthodoxe Glaubenspraxis, nicht als Trick oder Training zu konturieren, sondern als eine lebendige Gemeinschaft mit Gott, welche man durch eine rechte Art des Lobpreises in Form der Bitte, des Dankens und der höchsten Form, nämlich des Gebets, erreichen kann, und die lebendige Gemeinschaft mit Gott durch rechtes Glauben und ein gerechtes Leben, welches diese Verbundenheit Christenmensch-Gott ermöglicht.3

Betritt man Sonntags eine orthodoxe Kirche, ist es in der Tat ein besonderes Erlebnis, ein lebendig-existentielles Gef ühl, welches alle Sinne bezaubert, angefangen von Weihrauchduft und imponierenden goldenen Ikonen bis hin zu archaisch-harmonischen Gesänge. Man verlässt für ein Moment die Postmoderne Welt und kehrt in das Christentum der Antike zurück, in der goldenen Epoche des vierten Jahrhunderts, die Zeit der Geburt des Mönchtums und der endgültigen Formierung der Struktur des kirchlichen Organismus. Schon der protestantische Kirchenhistoriker Adolf von Harnack stellte fest, dass die Orthodoxie sich kaum verändert hat, dass sie sich bis heute im Wesentlichen bewahrt bleibt, dass man sich über dieses Rätsel der Orthodoxie nur wundern kann.4 Liest man heutzutage, beispielsweise eine Schrift des Siluan von Athos, eines renommierten Mystikers der Orthodoxen Kirche des 20. Jahrhunderts in Vergleich mit einer orthodoxen Schrift des 2. Jahrhunderts, beispielsweise von Ignatius von Antiochien (Theophoros), würde man dieselbe Theologie wiedererkennen, denselben Zeitgeist, und nicht genau wissen, welches Werk welcher Zeit angehört.

Würde man wagen die christliche Welt in drei Hauptrichtungen zu teilen, Orthodoxie, Katholizismus und Protestantismus, so kann man die orthodoxe Kirche als die zweitgrößte christliche Konfession5 betrachten, nach der römisch-katholischen Kirche, und gefolgt von Protestantismus (Anglikanische Gemeinschaft, Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen und des Lutherischen Weltbundes).6

Somit ist Anliegen dieser Arbeit sich mit dem Wesen und Eigenart der orthodoxen Kirche nach der Reformation in kirchengeschichtlichen Kontext auseinanderzusetzen.

In einem ersten Schritt wird eine kurze und knappe Darstellung der Annäherungsversuche zwischen der griechisch-orthodoxen Kirche und dem Protestantismus im Westeuropa des 17. Jahrhunderts anvisiert, indem man die Versuche durch Cyrill Lukaris und der Briefwechsel zwischen den Tübinger Theologen und dem Patriarchen Jeremias II. veranschaulicht.

,,Sie ist nicht durch eine Reformation, eine Abtrennung, oder eine Neugr ü ndung entstanden, sondern sie ist die Kirche Christi, die ü ber die Jahrhunderte und inzwischen Jahrtausende ihre Identit ä t und Kontinuit ä t bewahrt und den Glauben der Apostel durch keine Neuerung oder Reform kompromittiert hat. Die verschiedenen orthodoxen „ Kirchen “ (Plural, also im Sinne von Lokalkirchen) unterscheiden sich in erster Linie durch ihre geographische Lage und die Sprache, sie sind autonom, d.h. jede w ä hlt unabh ä ngig voneinander ihre Patriarchen/Metropoliten und ernennt ihre Bisch ö fe. Alle Orthodoxen, egal, ob Russen, Griechen oder Bulgaren usw., haben aber den gleichen Glauben, nur voneinander unabh ä ngige kirchliche Hierarchien. ” Vgl. Bannack, Roman: Die Russische Orthodoxe Kirche - Geschichte, Glaube und Praxis. In: Themenhefte Religion. Die christlichen Konfessionen. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig, 2007: http://www.orthodox-dresden.de/stsimeon/index.php/de/kirche/publikationen/55-die-russische-orthodoxe-kirche-geschichte-glaub enslehre-und-praxis ( Letztes Abrufdatum: 29.04.2020)

Als nächsten Schritt wird die Situation der orthodoxen Kirche im 19. Jahrhundert behandelt und die Entstehung der modernen autokephalen orthodoxen Kirchen pointiert. Dabei muss ein tangentialer Überblick über die orthodoxen, mit Rom unierten Kirchen, nicht fehlen.

In diesem kirchengeschichtlichen Kontext wird auch die Rumänische Orthodoxe Kirche einbeschlossen, und ihre prägende Rolle in Kürze und Knappe diskutiert.

Der abschließende Teil, die Schlussbemerkungen, widmet sich dann, die bisher genannten Punkte zusammenfassend zu konkludieren.

II - Die Orthodoxe Kirche im 17. Jahrhundert

Dumitru Staniloae, ein wichtiger rumänisch-orthodoxer Dogmatiker des 20. Jahrhunderts definierte die Orthodoxe Kirche als „Vereinigung alles Seienden, dazu bestimmt, alles was da ist, Gott und die Schöpfung, in sich zusammenzuschließen. Sie ist die Erfüllung des ewigen Planes Gottes: die All-Einheit. In ihr ist Ewiges da und Zeitliches […] Die Kirche ist der Leib Christi.”7 Somit wird >>Orthodoxie<< als rechter Glaube wiedergeben, oder besser formuliert als ein rechtes handelndes Glauben definiert.8

Das Wesen und die Eigenart der Orthodoxen Kirche, in ihre Lehre und Tradition, geht auf Jesus Christus zurück, und ist quasi das Resultat der Entfremdung zwischen Ost und West. Sprachliche (griechische Sprache versus lateinische Sprache), kulturelle (griechische Kultur versus römische Kultur) politische (Rom versus Konstantinopel) und schließlich die theologischen Auseinandersetzungen (das Filioque - Problem) führte durch das Morgenländische Schisma, im Jahr 1054, zu der Kirchenspaltung, also zur Trennung der Es geht also um den richtigen Lobpreis oder die rechte lehre Gottes östlich-orthodoxen Kirche von der römisch-katholischen Kirche.9 Langsam aber sicher dehnte sich die orthodoxe Kirche im gesamten osteuropäischen Raum. Nach der Ausbreitung des Islams im Mittelmeerraum und anderer Faktoren, verschwand sie quasi aus dem Blickfeld der westlichen Kirchengeschichte, für eine gewisse, aber spürbare Zeit. Vielleicht auch weil sich die orthodoxe Kirche immer wieder symbiotisch an den Staat anschnallte, und es noch macht, also weil die Beziehung zwischen Kirche und Staat sehr eng war, und keine große Veränderungen suchte.

Das 17. Jahrhundert schließlich zeigt sich zwar als Versuch Kontakt mit abendländischen Reformation und Dimension aufzunehmen, aber sickerte in das orthodoxe Bewusstsein schließlich nicht ein.10

,,Voll z ähen Selbstgefühls, erfüllt von dem Bewußtsein, altkirchliche Verfassung, Sitte und Glaubenslehre treu zu bewahren, schloß sich die [orthodoxe Kirche] (...) immer schroffer gegen die abendl ändische Entwickelung ab. Eine Union mit dem Abendland wurde von Zeit zu Zeit angestrebt, aber weder zu Lyon (1274) noch zu Florenz (1439) erreicht. Als schon die Zelte der Türken Konstantinopel umgaben, wurde noch einmal ein Versöhnungsfest (im Dezember 1452) gefeiert und von einem römischen Kardinallegaten in der Sophienkirche Messe gelesen, aber dadurch wurden nur neue Schwierigkeiten hervorgerufen. Verlassen vom Abendland, wurde Konstantinopel endlich (29. Mai 1453) von den Türken erobert und die Sophienkirche zur Moschee entweiht. Der Sultan Mohammed nahm das Bekenntnis des Patriarchen Gennadios entgegen und beließ ihm seine kirchliche Selbständigkeit.”11 Auch der Versuch einer effizienten Kommunikation mit dem Protestantismus, im 16 -17. Jahrhundert blieb ohne Erfolg.

Wichtig zu erwähnen wäre auch folgende Tatbestände:

,,Weitere theologische Auseinandersetzungen und insbesondere der sogenannte Vierte Kreuzzug des Jahres 1204 besiegelten die Kirchenspaltung ( „ Schisma “ ). Seitdem hat es mehrere Versuche gegeben, die kirchliche Einheit wiederherzustellen. Zu nennen w ä ren etwa die – aus politischen Notwendigkeiten heraus gef ü hrten – Unionsgespr ä che von Lyon (1279), Ferrara/Florenz (1437/1439) und Brest (1596). Aus solchen Unionsgespr ä chen sind die sogenannten Unierten Kirchen hervorgegangen, die im orthodoxen Ritus zelebrieren, aber dem Papst in Rom kirchenrechtlich unterstehen. Unter den Habsburgern wurde die Union orthodoxer Christen mit Rom ab dem 18. Jahrhundert teilweise gewaltsam forciert. Unierte Kirchen sind dementsprechend seit dieser Zeit und erneut nach dem Verbot unter kommunistischer Herrschaft seit der Revolution von 1989 in der Ukraine, in der Slowakei und in Siebenb ü rgen anzutreffen. ” Vgl. Online - Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im ö stlichen Europa https://ome-lexikon.uni-oldenburg.de/begriffe/orthodoxe ( Letztes Abrufdatum: 30.04.2020)

,, Der Versuch des Patriarchen Cyrillus Lukaris, eine Wiedergeburt der griechischen Kirche im Sinne der reformierten Kirche zu bewirken, f ührte zu seinem Sturz (1638).

Kyrillos Loukaris ( Cyrillus Lucaris) war ein orthodoxer Patriarch von Alexandrien (1602-1620) und Ökumenischer Patriarch in Konstantinopel (1621-1638). Als interessanter Aspekt wäre zu erwähnen, dass er in seinen Werke, teilweise protestantische Gedanken vertrat. Sein Versuch 1629 seine Kirche den abendländischen Glauben anzunähern12 wurde sehr negativ aufgenommen und 1638 lies ihn der Sultan wegen Hochverrats erdrosseln und ins Meer werfen.13

Im Jahr 1672 wurde auf einer Synode zu Jerusalem, das Bekenntnis des Cyrillus Lukaris nochmals verdammt. Außer der Verurteilung des Calvinismus, wurde beispielsweise auch das alte Problem des Filioque diskutiert und verworfen worden.

Man kann diese Entfremdung oder besser ausgedrückt Distanzhaltung auch vor dieser Episode beobachten, anhand des Briefwechselversuches der Tübinger Theologen mit dem Patriarchen Jeremias II. 16. September 1574 empfängt Jeremias II. die Confessio Augustana Graeca und schreibt den Tübinger Theologen, dass er wohlwollend dieses theologisches Dokument auf ihre Rechtgläubigkeit hin überprüfen wird. Es folgt dann ein Austausch von Informationen, von Konsens und Dissens. Schließlich aber, spürt man stufenweise, dass er nur einen Kompromiss eingegangen ist, den mit seinem am 6. Juni 1581 letzten Brief setzt er der theologischen Korrespondenz, einer ökumenischen Begegnung sozusagen, ein Ende, indem er Folgendes wiedergibt: ,, Wir bitten Euch, uns weiter keine Mühe mehr zu machen und nichts mehr über diese selben Dinge zu schreiben und zu schicken. (...) Geht nun euren Weg ! Schreibt uns nicht mehr über Dogmen (...) Lebt wohl!14 Auch in Russland, hat man quasi eine Wand gegen die abendländische Reformation aufgebaut, welche man schon aus der Türkei beschnuppern konnte.

Zwar hat der russische Patriarch Nikon eine Reformation erlebt (Konzil von Moskau 1667) aber grundsätzlich wurden nur liturgische Angelegenheiten besprochen.15

III-Die orthodoxe Kirche im 19. Jahrhundert

Die orthodoxe Landschaft des 19. Jahrhunderts ist durch die Befreiung von den Osmanen gekennzeichnet, durch die Nationalstaatengründungen in Südosteuropa markiert, und durch die Unabhängigkeit vom Patriarchat von Konstantinopel durch die Autokephalie.

[...]


1 Matth. 5,48

2 Lev. 19,2

3 Vgl. Plamadeala, Antonie: Traditie si libertate in spiritualitatea ortodoxa. Spiritualitatea ortodoxam 2010, S.143 -149; S.355

4 ,, Ich mu ß sie auffordern, sofort mit mir um viele Jahrhunderte hinunterzusteigen und die griechische Kirche zu betrachten, wie sie heute ist und wie sie sich schon seit mehr als einem Jahrtausend wesentlich unver ä ndert behauptet. Wir sehen zwischen dem dritten und dem neunzehnten Jahrhundert in der Kirchengeschichte des Orients nirgendwo einen tiefen Einschnitt. (...). Augenscheinlich haben die V ö lker, welche dieser Kirche angeh ö ren, seitdem nichts erlebt, was sie ihnen unertr ä glich und reformbed ü rftig erscheinen lie ß e. ” ( Harnack, Adolf: Das Wesen des Christentums. Tübingen, 2012, S.79)

5 Wobei zu erwähnen wäre dass sich die Orthodoxen nicht als ,,Konfessionell’’ bezeichnen. Die orthodoxe Kirche versteht sich nicht als Konfession. >>Konfession<< versteht sich als Begriff in Kontext des Augsburgers Religionsfriedens, 1555, geprägt durch die Formel Cuius regio, eius religio, welche über die Möglichkeit eines harmonischen und friedlichen Nebeneinanders der Bekenntnisse spricht. Aber genau hier kommt die orthodoxe Kirche ins Spiel und meint dass ein Christ hängt an keinem Bekenntnis oder einer Religion an, sondern der Kirche als Braut Christi, der Kirche als dem mystischen Leib Christi, und diese Kirche, ist die eine heilige, katholische und apostolische Kirche, also die Orthodoxe Kirche.

6 Vgl. Die christlichen Konfessionen weltweit. Stand 2011. In: Rp-Online. April,2011: https://rp-online.de/panorama/ausland/so-verteilen-sich-die-christen-weltweit_iid-8985745 ( Letztes Abrufdatum: 29.04.2020)

7 Staniloae, Dumitru: Orthodoxe Dogmatik. Zürich 1990, S. 162

8 Op66c. als aufrecht, richtig und 56a als Verehrung, Glaube.

9 Op66c. als aufrecht, richtig und 56a als Verehrung, Glaube.

10 Vgl. Heussi, Karl: Kompendium der Kirchengeschichte. Tübingen, 1991, S. 376

11 Vgl. Meyers Großes Online-Lexikon. Griechische Kirche: http://www.zeno.org/Meyers-1905/A/Griechische+Kirche ( Letztes Abrufdatum: 30.04.2020)

12 In seiner Schrift Confessio Fidei Orthodoxae, 1629 beispielsweise kritisierte er die orthodoxe Kirche und vor allem die Bilderverehrung, die Fürbittengottesdienste für die Toten u.v.m.

13 Heussi, Karl: Kompendium der Kirchengeschichte. Tübingen, 1991, S. 377

14 Vgl. Acta et Scripta,370. In: Wenz, Gunther: Grundfragen ökumenischer Theologie. Göttingen, 2010, S.206

15 Vgl. Heussi, Karl: Kompendium der Kirchengeschichte. Tübingen, 1991, S. 377 Zu erwähnen wäre aber folgendes: ,, Trotzdem bem ä chtigte sich des Volkes eine leidenschaftliche Erregung.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Orthodoxe Kirche nach der Reformzeit aus kirchengeschichtlicher Perspektive
Hochschule
Universitatea Lucian Blaga din Sibiu  (Evangelische Theologie)
Veranstaltung
Kirchengeschichte
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
13
Katalognummer
V590573
ISBN (eBook)
9783346198198
ISBN (Buch)
9783346198204
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kirche, orthodoxe, perspektive, reformzeit
Arbeit zitieren
Mihai Daniel Udrea (Autor), 2020, Die Orthodoxe Kirche nach der Reformzeit aus kirchengeschichtlicher Perspektive, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/590573

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