Exegese von Markus 2, 23-28 "Die Frage der Sabbatheilung"


Hausarbeit, 2020

12 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1. Abschrift des zugrunde gelegten Textes

2. Analyse des Textes
2.1 AbgrenzungundKontext
2.2 Ausformulierte Gliederung des Textes
2.3 Abgrenzung von Tradition und Redaktion
2.4 Gattungsbestimmung der vormarkinischen Uberlieferung
2.5 Begriffsbestimmung bzw. religionsgeschichtliche Analyse

3. Interpretation
3.1 Interpretation der vormarkinischen Uberlieferung
3.2 Interpretation des markinischen Textes
3.2.1 Interpretation des Textes an sich
3.2.2 Interpretation des Textes im theologischen Gesamtrahmen des Mk

4. Synoptischer Vergleich
4.1 Interpretation der mt.Parallele
4.2 Interpretation der Ik Parallele

5.ZusammenfassungundBundelung

6. Literaturverzeichnis

l. Abschrift des zugrunde gelegten Textes

Als er am Sabbat durch ein Kornfeld ging, fingen seine Junger an, unterwegs Ahren auszuraufen. Und die Pharisaer sagten zu ihm: Sieh doch! Warum tun deine Junger am Sabbat, was man nicht darf? Und er sagte zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat als er in Not war und Hunger hatte und die, die bei ihm waren, auch: wie er zur Zeit des Hohenpriesters Abjatar in das Haus Gottes ging und die Schaubrote a?, die de­mand essen darf als nur die Priester, und wie er sie auch denen gab, die bei ihm waren? Und er sagte zu ihnen: Der Sabbat ist urn des Menschen willen geschaffen und nicht der Mensch urn des Sabbats willen. So ist der Menschensohn ein Herr auch iiber den Sabbat.

2.Analyse des Textes

2.1 Abgrenzung und Kontext (Mikrokontext und Gesamtrah-men)

Die Perikope „Die Frage der Sabbatheilung" (Mk. 2, 23-28) befindet sich in dem ers-ten Teil des Markusevangeliums. Markus will die Grundlage des kirchlichen Evange-liums in der Geschichte Jesu darstellen, und Jesu Geschichte ist in den Traditionen seines Buches in unterschiedlicher Berechnung lebendig prasentiert. 1 Schon in Vers 2 werden alle Akteure dieser Perikope genannt, Jesus und seine Junger und die Phari­saer. Jesus wird jedoch in der gesamten Perikope nicht bei Namen genannt sondern nur mit „er". Sein Name ist aber aus den vorherigen Perikopen bekannt.

Im Vorfeld an diese Perikope steht das Streitgesprach „vom Fasten" (Mk.2,18-22). Die Perikope ist mit dem Streitgesprach „Die Frage der Sabbatheilung" eng verbunden. Zum einen wird Jesus hier mit Namen genannt und es wird ein direkter Ubergang ge­schaffen. Dennoch scheinen sich die Perikopen zu unterscheiden was den Schauplatz und den Tag genau angeht.

Die Geschichte endet mit einem von Markus hinzugefugtem Vers, der besagt, dass der Menschensohn Herr iiber dem Sabbat ist. Ein wichtiger Punkt ist aber, dass Jesus di-rekt am Anfang der Perikope von den Pharisaern vorgewarnt wird, da seine Jiinger am Sabbat, der eigentlich als Ruhetag dient Ahren ausraufen (V. 23-24). Diese Vorwar-nung ist fur die nachfolgende Perikope auBerst relevant, da das Sabbatgesetz besagt, dass nur dann bestraft werden kann, wenn es eine Vorwarnung gegeben hat. Da Jesus in der Perikope „Die Frage der Sabbatheilung" von den Pharisaern vorgewarnt wurde, das am Sabbat nicht gearbeitet werden darf, konnen die Pharisaer nun in der darauf-folgenden Perikope „Die Heilung am Sabbat"(Mk 3, 1-6)" iiber den Tod Jesu entschei-den, denn die nachfolgende Perikope handelt davon, dass Jesus am Sabbat einem Herrn hilft, der eine kaputte Hand hat. Dieses ist am Sabbat aber eigentlich verboten.

Wie schon erwahnt gliedert sich diese Perikope in den ersten Hauptteil des Evangeli-ums von Markus. In dem ersten Hauptteil wird das Wirken Jesu innerhalb und auBer-halb von Galilaa beschrieben. AuBerdem ist von groBer Bedeutung, dass Markus in dieser Perikope das Messiasgeheimnis, durch das offentlich ausgesprochene „Men-schensohn", liiftet. 2 Die Perikope kann sich auBerdem als Voraussage auf Jesu Tod deuten lassen.

2.2 Ausformulierte Gliederung des Textes

Wenn man die Perikope grob gliedert, teilt sie sich in vier kleine Abschnitte ein. In Vers 23 gibt es eine Schilderung der anstoBigen Situation, worauf in Vers 24 ein Ein-spruch der Gegner folgt. Vers 25 und 26 sind abschlieBende Worte Jesu. AuBerdem ist in Vers 23-25 der Vergleich Jesus mit seinen Jiingern zu David und seinen Gefolgs-leuten geschildert. Die Perikope wird mit einer zweigegliederten Spruchfolge in Vers 27 und 28 abgeschlossen. 3

Die Perikope beginnt mit einem klassischen Anfang einer Perikope, die Situation wird zunachst geschildert. Dass am Anfang die Situation geschildert wird ist typisch fur ein solches Streitgesprach. 4 In dem ersten Vers wird auBerdem die Zeit und der Ort des Geschehens genannt, namlich der Sabbat als Zeitangabe und die Staatfelder als Orts-angabe. Diese Angaben sind situationsbezogen. 5 Dadurch, dass die Perikope damit er-offnet wird, dass Jesus durch die Kornfelder ging, gelangt er sofort in den Vorder-grund. Fur den Leser sind diese Angaben wichtig, urn die nachsten Verse nachvollzie-hen zu konnen. In Vers 23 und 24 werden alle Akteure genannt, von denen in dieser Erzahlung die Rede ist, Jesus, der nur „er" genannt wird, seine Junger und die Phari­saer. In Vers 24 erhalt Jesus auBerdem die Vorwarnung der Pharisaer, dass am Sabbat nicht gearbeitet werden darf. Die anstoBige Handlung geht von den Jungern aus und wird umstandlich geschildert. Es ist nicht geschildert ob sie die abgerissenen Ahren benutzen, urn ihren Hunger zu stillen. 6 Trotzdem scheint sich die Reaktion der Phari­saer allein an Jesus zu wenden, das riickt Jesus nochmals in den Vordergrund und lasst es so aussehen, als sei er verantwortlich fur die Junger. Fur die Pharisaer scheint Jesus schuldig zu sein, da er die Junger nicht davon abhalt die Ahren auszuraufen. Die Er-klarung wurde auch begriinden, warum Jesus antwortet und nicht die Junger selbst. In Vers 25 antwortet Jesus den Jungern namlich mit einer Gegenfrage, die auch Bezug zu dem Alten Testament nimmt. Er lasst die Pharisaer jedoch nicht antworten und weitet seine Antwort weiter aus, indem er die Erzahlung von David wiedergibt, der ebenfalls das Sabbatverbot gebrochen hatte als er eine Schaubrote aB, die niemand essen durfte. Vers 7 ist ein von Markus hinzugefugter Vers: „Der Sabbat ist urn des Menschen willen geschaffen und nicht der Mensch urn des Sabbats willen" (V.27). AbschlieBen tut die Perikope damit, dass Markus das Messiasgeheimnis luftet und Je­sus als Menschensohn darstellt.

2.3 Abgrenzung von Tradition und Redaktion

Wenn man sich die Perikope genau anschaut, fallt auf, dass sie redaktionell bearbeitet worden ist. Die Meinungen gehen auseinander, wenn man wissen mochte, was Tradi­tion und was Redaktion ist.

Meiner Meinung nach ist der erste Vers auf jeden Fall Tradition, da ein Streitgesprach ohne Ausgangssituation erst gar nicht stattfinden kann. Es ist auffallig, dass die Pha­risaer bei Namen genannt werden und Jesus aber nur mit „er" personifiziert wird. Dies konnte ein Indiz dafur sein, dass die Namensnennung von Markus redaktionell bear- beitetwordenist.

Bei der Davidgeschichte ist Markus ein Fehler unterlaufen, da der Hohepriester nicht Abjatar sondern Ahimelech war, dieses kann man im Alten Testament in Samuel 21,2 nachlesen. Wenn die Davidgeschichte schon in der vormakinischen Fassung gewesen ware, dann ware ihm der Fehler wahrscheinlich gar nicht unterlaufen. Auch ohne diese Argumentationsstutze macht dieses Streitgesprach trotzdem Sinn, da Jesus immer noch zwei andere Antworten ubrig bleiben. Nun bleibt aber die Frage ob eine dieser beiden Antworten traditionell und eine redaktionell verfasst worden ist. Ich schlieBe mich der Meinung von Walter Schmithals an, dass der letzte Vers mit Nennung des Menschensohntitels von Markus stammt, weil Vers 27 und 28 kontrovers zueinander sind. 7

Somit komme ich auf folgende vormarkinische Fassung : Als er am Sabbat durch ein Kornfeld ging, fingen seine Junger an, unterwegs Ahren auszuraufen. Und sie sagten zu ihm: Sieh doch! Warum tun deine Junger am Sabbat, was man nicht darf? Und er sagte zu ihnen: Der Sabbat ist urn des Menschen willen geschaffen und nicht der Mensch urn des Sabbats willen. So ist der Menschensohn ein Herr auch iiber den Sabbat.

2.4 Gattungsbestimmung der vormarkinischen Uberlieferung

Die Perikope „Die Frage der Sabbatheilung" gliedert sich in den Komplex der fiinf Streitgesprache. Als erstes Streitgesprach steht in dem Markusevangelium „Die Hei- lung eines Gelahmten", darauf folgt dann „Die Berufung des Levi", anschlieBend die Perikope „vom Fasten", dann folgt die Perikope „Die Frage der Sabbatheilung", abge- schlossen werden die Streitgesprache mit „ Die Heilung am Sabbat". Der Aufbau der Perikope ist typisch fur ein Streitgesprach. Am Anfang gibt es eine Schilderung der Situation, darauf folgt eine Anklage und dann wird die Verteidigung des Angeklagten geschildert.

Die Gegenfrage in Vers 25 ist auBerdem ein Anschluss an das Alte Testament und somit typisch fur ein Apophthegegmen. 8

[...]


1 Rudolf Pesch„Das Markusevangelium 1. Teil". S. V

2 Joachim Gnilka Evangelisch-katholischer Kommentar zum neuen Testament (S. 124)

3 Rudolf Pesch„Das Markusevangelium 1. Tell" (S.179)

4 Joachim Gnilka Evangelisch-katholischer Kommentar zum neuen Testament (S. 119)

5 Joachim Gnilka Evangelisch-katholischer Kommentar zum neuen Testament (S. 119)

6 Rudolf Pesch „ Das Markusevangelium 1. Tell"

7 Walter Schmithals „Das Evangelium nach Markus Kapitel 1, 1-9,1 (S.183)

8 Walter Schmithals,, Das Evangelium nach Markus Kapitel 1, 1-9,1 (S.187)

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Exegese von Markus 2, 23-28 "Die Frage der Sabbatheilung"
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
2,0
Jahr
2020
Seiten
12
Katalognummer
V590590
ISBN (eBook)
9783346177209
ISBN (Buch)
9783346177216
Sprache
Deutsch
Schlagworte
exegese, frage, markus, sabbatheilung
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Exegese von Markus 2, 23-28 "Die Frage der Sabbatheilung", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/590590

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