Theaterpädagogik als Lernort. Inwiefern kann Theaterpädagogik Kindern und Jugendlichen helfen, ihre Persönlichkeit zu entwickeln?


Seminararbeit, 2018

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Persönlichkeitsentwicklung
2.1 Definitionsansatz
2.2 Kindheit und Jugendphase

3. Theaterpädagogik
3.1 Definition
3.2 Relevanz

4. Lernort
4.1 Theaterpädagogik als Lernort

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern Theaterpädagogik Kindern und Jugendlichen helfen kann, ihre Persönlichkeit zu entwickeln. Dabei verkörpert die Theaterpädagogik einen Lernort, den es zu definieren gilt.

Die Arbeit ist folgendermaßen unterteilt:

Beginnend wird die Persönlichkeitsentwicklung in ihrer Gesamtheit aufgezeigt sowie ein Definitionsansatz verfasst.

Da die Persönlichkeit besonders in der Kindheit sowie in der Jugendphase geprägt wird, wird in dem anschließenden Kapitel besonders auf diese Lebensabschnitte eingegangen.

Wie kann aber die Theaterpädagogik einen Teil in der Entwicklung der Kinder und Jugendlichen beitragen? Um diese Frage zu beantworten, wird zunächst die Theaterpädagogik als eigenständige Disziplin dargestellt. Darauf folgend wird ihre Relevanz in Bezug auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen untersucht.

Bietet sie einen Lernort? Dafür wird zunächst dem Begriff des Lernortes nachgegangen, um nachstehend die Frage zu beantworten, ob die Theaterpädagogik einen Lernort für Kinder und Jugendliche darstellt und wenn ja, inwiefern dieser aussieht. Zudem wird in diesem Teil die Frage geklärt, inwiefern die Theaterpädagogik eine Hilfestellung für Kinder und Jugendliche sein kann, damit diese ihre Persönlichkeit frei entfalten können.

Letztlich folgt das Fazit, indem die einzelnen Erkenntnisse zusammengetragen und eine Schlussfolgerung gezogen wird. Er/Sie hat wirklich eine tolle Persönlichkeit! Solche Aussagen werden im Alltag des öfteren getroffen. Doch wie entwickelt man eine solche Persönlichkeit und wie ist sie definiert? Wie schafft es ein Individuum, eine Persönlichkeit zu entwickeln? Ist es alleinig dafür verantwortlich? Welchen Einfluss hat die Außenwelt darauf?

Diesen und weiteren Fragen soll in der vorliegenden Arbeit nachgegangen werden.

Der Persönlichkeit zugrunde liegend steht zunächst die eigene Biografie. Dazu sagt Lohfeld, die Persönlichkeit sei ein Konstrukt, das sich in der Balance zwischen extrinisischen und intrinsischen Anteilen entwickelt (Vgl. Lohfeld 2014, S. 61).

Der intrinsische Anteil stellt dabei die „notwendige Selbsterziehung des Subjekts“ (Ebd., S. 61) dar. Der extrinsische Anteil hingegen den Einfluss von Familie, Freunden sowie die aktuelle politische und soziale Situation (Vgl. Ebd., S. 61). Dabei legt Lohfeld Wert darauf, dass die subjektiven Entscheidungen „mit steigendem Alter an Autonomie zunehmen“ (Ebd., S. 61).

Auch Kristin Westphal ist der Meinung, dass sich etwas Neues erst auf Basis eines „wechselseitig bestimmtes Verhältnis zwischen Eigenem und Fremden“ (Westphal 2004, S. 16) entwickeln kann. Eine andere Definition bietet Lohfeld, indem sie diesen Kontakt als „Grenze“ (Lohfeld 2014, S. 58) bezeichnet. Demnach kann etwas Neues erst aus einer Grenzüberschreitung entstehen (Vgl. Ebd., S. 58/59).

Somit wird bereits an dieser Stelle deutlich, dass die Persönlichkeit vor allem in Verbindung und Kontakt mit Anderen, dem Fremden sowie dem Erleben von Erfahrungen entsteht.

2.1 Definitionsansatz

Persönlichkeit ist allerdings mehr als die reine Biografie. Zu ihr zählen Charaktereigenschaften, Interessen, ein Gewissen, eine Moral, Krisenbewältigung und vieles mehr.

Eine konkrete Definition kann es in dem Umfang, den der Begriff mit sich bringt, allerdings nicht geben. Doch bereits der Psychoanalytiker Erik H. Erikson, der Entwicklungspsychologe Jean Piaget und der Philosoph Immanuel Kant haben erforscht, was für Komponenten bei der Persönlichkeitsentwicklung mit einspielen. Diese Ansätze liegen der vorliegenden Arbeit zugrunde und stellen die Basis jeglicher Überlegungen dar.

2.2 Kindheit und Jugendphase

Die Persönlichkeitsentwicklung zeichnet sich dadurch aus, dass sie ein lebenslanger Prozess ist. Dieser ist dadurch gekennzeichnet, dass die eigenen Entscheidungen immer mehr an Autonomie gewinnen (Vgl. Lohfeld 2014, S. 61). Demnach ist die Persönlichkeit von Kindern und Jugendlichen noch sehr formbar.

Britta Höft vertritt die Auffassung, dass die Auseinandersetzung mit dem Fremden eine wichtige Rolle in der Findung der eigenen Identität spielt. Dazu muss allerdings eine Erfahrung in ihrer Gesamtheit stattfinden.

Diese Gesamtheit findet sich auch bei Hella Meyer-Barthel. Sie ist der Meinung, dass Kinder „nach einer voraussagbaren, geregelten, ordentlichen Welt [zu] verlangen“ (Meyer-Barthel 1997, S. 48). Erst dann können ihre „Grundbedürfnisse“ (Ebd., S. 23) befriedigt werden und sie selbst zu einem „stabilen Menschen mit starker Ich-Identität“ (Ebd., S. 23) heranwachsen.

Um auf einen der bedeutesten Psychoanalytiker, Erik H. Erikson zurückzugreifen, lässt sich sagen, dass der Mensch in den verschiedenen Stadien seines Seins unterschiedliche Phasen durchlaufen muss. Diese Phasen enthalten Krisen, die für die Persönlichkeitsentwicklung bewältigt werden müssen. Dabei unterscheidet Erikson Hauptkrisen von Nebenkrisen. Das Individuum entwickelt erst dann eine „Ich-Stärke“ (Erikson 1979, S. 107), wenn das Selbstwertgefühl am Ende jeder Krise gestärkt wurde.

Durch diesen Ansatz wird deutlich, dass ganz besonders in der Kindheit und Jugendphase ein gesunder Umgang mit- und untereinander aber auch die Auseinandersetzung mit Krisen von großer Bedeutung sind, um eine stabile Persönlichkeit zu entwickeln. Denn erst durch die genannten Krisen entwickeln Menschen ein Verantwortungsbewusstsein und können in der Realität der Gesellschaft bestehen (Vgl. Meyer-Barthel 1997, S. 54).

Um dies zu erreichen, sind Bezugspersonen als Vorbildfunktionen gefragt. Dadurch erfahren Kinder und Jugendliche, inwiefern eine solche Persönlichkeit aktiv entwickelt werden kann. Aber auch Aspekte wie Sozialverhalten, Disziplin und eine kognitive und moralische Entwicklung zählen zu einer gesunden Persönlichkeitsentwicklung. Der Erwerb dieser Fähigkeiten wird jedoch eher in den „Erziehungsstätten“ (Meyer-Barthel 1997, S. 55) verordnet.

Zudem können sich „Bildungsprozesse nicht aus sich selbst heraus vollziehen, sondern aus dem Anderen“ (Westphal 2004, S. 21). Die „responsive“ (Ebd., S. 16) Art des Theaters „die Begegnung zwischen Fremden, Bilder des Fremden und des Vertrauten sowie der dezentrierten Wahrnehmungen“ (Westphal 2004, S. 21) ermöglicht einen solchen Vollzug von Bildungsprozessen.

Genauer gesagt:

„Wahrnehmen ist ein Akt der Unterscheidung. In künstlerischen Zusammenhängen werden diese bewusst gemacht. Sie werden beobachtet, reflektiert, neu konstruiert und künstlich verstärkt. Dabei wird die Fähigkeit zur Selbst- und Fremdwahrnehmung bzw. Reflexion entwickelt. Über die Begegnung mit Anderen entsteht Verständnis und Erkenntnis, wenn nämlich die Grenzen der eigenen Erfahrung erkundet, das Eigene mit dem Fremden verglichen und dabei gelernt werden kann, sich auszugrenzen oder anzuschließen an das, was durch eine spielerische Gestaltung ermöglicht wird und diese zugleich hervorbringt.“ - Westphal 2004, S. 39

Durch dieses Zitat wird deutlich, dass künstlerische, genauer ästhetische Bildung, die Möglichkeit hat, die Persönlichkeit eines Individuums zu beeinflussen. Allerdings ist es nicht die ästhetische Bildung, die die Persönlichkeit formt, da eine solche nicht passiv gebildet werden kann. Doch die ästhetische Bildung gibt insbesondere Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, ihre Persönlichkeit aktiv zu gestalten.

3. Theaterpädagogik

Da wissenschaftlich nachgewiesen wurde, dass elementare Musik- und Bewegungserziehung einen positiven Effekt auf Kinder und Jugendliche haben (Vgl. Flender/Rauhe 1986, S. 17) und Kinder eine „Flucht in die Phantasie“ (Ebd., S. 26) sowie in das Spiel benötigen, ist es offensichtlich, dass die Theaterpädagogik einen entscheidenen Teil zu der Persönlichkeitsentwicklung beitragen kann. Denn erst im Spiel lernen Kinder und Jugendliche ihrer „individuellen Persönlichkeit Ausdruck“ (Flender/Rauhe 1986, S. 26) zu verleihen.

Ihren Anfang hat die Theaterpädagogik im Theater gefunden. Es ist der Kern, auf das sich alles stützt. In den 1970er Jahren entwickelte sich die Theaterpädagogik. Sie hatte die Aufgabe, politische und gesellschaftliche Bildung zu lehren (Vgl. Hentschel 2016, S. 185). Somit stellt die Politik, die Pädagogik und die Gesellschaft eine Abhängigkeit sowie Verzweigung und Beeinflussung für die Theaterpädagogik dar (Vgl. Ebd., S. 186). In den 1980er Jahren wendete sich diese Einstellung und die Theaterpädagogik konnte sich mehr auf den künstlerischen Aspekt konzentrieren (Vgl. Ebd., S. 187). Heutzutage wird die Theaterpädagogik genutzt, um „Schlüsselqualifikationen für die Lebenswelt durch ästhetische Erfahrung zu erwerben, also die Eigenständigkeit künstlerisch vermittelter Erfahrung im Hinblick auf die in der Lebenswelt geforderten Kompetenzen zu betonen“ (Ebd., S. 188).

Da die Theaterpädagogik mittlerweile als eigenständige Disziplin angesehen wird, wurden auch die Ausbildungsmöglichkeiten erweitert. Mittlerweile ist es möglich, einen Bachelorstudiengang an der Fachhochschule Osnabrück zu absolvieren sowie Theaterpädagogik als einen Masterstudiengang an der Universität der Künste in Berlin aufzunehmen (Vgl. Ebd., S. 189)

Im Gegensatz zu dem ´einfachen´ Spiel, welches jedes Kind in ihrer Kindheit durchlebt, arbeitet das Theater mit der Bewusstmachung verschiedener Positionen (Vgl. Ebd., S. 188). Sie erfordert einen Perspektivwechsel, den sich die Theaterpädagogik zunutze machen kann. Denn erst durch das aktive Erleben kann in dem Individuum etwas bewirkt werden (Vgl. Ebd., S. 188).

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Details

Titel
Theaterpädagogik als Lernort. Inwiefern kann Theaterpädagogik Kindern und Jugendlichen helfen, ihre Persönlichkeit zu entwickeln?
Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
14
Katalognummer
V590656
ISBN (eBook)
9783346183156
ISBN (Buch)
9783346183163
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Theaterpädagogik, Persönlichkeitsentwicklung, Arbeit mit Kindern und Jugendlichen
Arbeit zitieren
Annalena Zimmer (Autor), 2018, Theaterpädagogik als Lernort. Inwiefern kann Theaterpädagogik Kindern und Jugendlichen helfen, ihre Persönlichkeit zu entwickeln?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/590656

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