Einhergehend mit der Formulierung eines „Lernziels der Zukunft“, der Mehrsprachigkeit, wurden auf der Kultusministerkonferenz am 7. Oktober 1994 „neue Anforderungen“ für den schulischen Fremdsprachenunterricht bestimmt: Wichtige Stichworte sind die Anwendbarkeit von Kenntnissen, interkulturelle Kompetenz im Sinne der Fähigkeit, die Sicht des Partners in der Fremdsprache zu verstehen und zu achten, Lernkompetenz für Fremdsprachen überhaupt im Sinne eines lebenslangen Lernens. (zitiert nach: Reichel u. a. 1997: 133 f.) Diese Arbeit nun möchte sich mit einer Möglichkeit des fremdsprachlichen Lehrens und Lernens auseinandersetzen, die vorgibt, den genannten Anforderungen (zumindest in Teilen) zu entsprechen: der Teilimmersion im bilingualen Unterricht. Das Ziel des folgenden Textes wird es sein, sich dem Thema Teilimmersion vor dem Hintergrund der KMK-Ansprüche problematisierend zu nähern. Allerdings würde es den Rahmen und die Möglichkeiten dieser Arbeit sprengen, auf andere Unterrichtsformen und -methoden einzugehen, die das dargelegte Anforderungsprofil ebenfalls oder gar besser umsetzen können als die Teilimmersion.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorbemerkung
1.1 Eine thematische Annäherung
1.2 Begriffliche Abgrenzung
2. Ziele der Teilimmersion im bilingualen Unterricht
2.1 Fremdsprachliche Kompetenz
2.2 Fachliche Kompetenz
2.3 Interkulturelle Kompetenz
3. Theorie versus Praxis – kritische Betrachtung der Ziele bilingualen Unterrichts
3.1 Fremdsprachliche Kompetenz im Sinne annähernder Zweisprachigkeit?
3.2 Wie steht es um die fachliche Kompetenz?
3.3 Zu dem Stichwort ‘interkulturelle Kompetenz’
3.4 Die „Zielgruppe“ bilingualen Unterrichts
3.5 Einige Hintergründe und Erforderlichkeiten
4. Ein Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit dem Konzept der Teilimmersion im bilingualen Unterricht auseinander und untersucht, inwieweit dieses Modell den durch die Kultusministerkonferenz (KMK) formulierten Anforderungen an den modernen Fremdsprachenunterricht gerecht werden kann.
- Analyse der bildungspolitischen Anforderungen an Mehrsprachigkeit.
- Differenzierung der Ziele: fremdsprachliche, fachliche und interkulturelle Kompetenz.
- Kritische Gegenüberstellung von theoretischem Anspruch und unterrichtlicher Praxis.
- Diskussion struktureller Rahmenbedingungen, Zielgruppen und der Lehrerbildung.
Auszug aus dem Buch
3.1 Fremdsprachliche Kompetenz im Sinne annähernder Zweisprachigkeit?
Ein im Rahmen von Teilimmersion und bilingualem Unterricht stattfindender Sprachkontakt wird kaum zu einer der „natürlichen“ Bilingualität vergleichbaren „vollständigen“ Zweisprachigkeit führen können: Letztlich beschränkt sich der unmittelbare Wirkungsbereich der Zielsprache auf die Schule oder gar auf bestimmte Fächer und setzt sich in der Regel nicht in der außerunterrichtlichen Lebenswelt der beteiligten Schülerinnen und Schüler fort. Auch bei dem Konzept der Teilimmersion bleibt die Profilsprache also eine Schulfremdsprache, wobei sich hier allerdings die Chance auf eine ausdifferenziertere Sprachkompetenz eröffnet,
die über die möglichen Normalziele und deren Bandbreite von Anforderungsvarianten in der Fremdsprache (Sprache und Literatur) hinausgeht und erlaubt, auch Sachverhalte und Zusammenhänge in Gegenstandsbereichen wie Wirtschaft, Kultur, Politik oder Natur in dieser Sprache darzustellen. (Kästner 1993: 31)
Von einem Fremdsprachenerwerb im Sinne von annähernder Zweisprachigkeit kann – wenn überhaupt, schließt doch allein die Vorstrukturiertheit des Immersionskonzepts einen „natürlichen“ (Zweit-) Sprachenerwerb aus – nur im Hinblick auf einen etwaigen bilingualen Unterricht in der Grundschule die Rede sein. Laut Sarter (1997: 8) ist bei Schülerinnen und Schülern im Grundschulalter „die Fähigkeit, eine weitere Sprache über die beim Muttersprachenerwerb verantwortlich agierenden Mechanismen der semantischen und grammatikalischen Hypothesenbildung zu lernen“, noch relativ stark ausgeprägt. Trotzdem betont auch Sarter (ebd.), dass Situationen eines Zweitsprachenerwerbs nur „sehr bedingt in der schulischen Realität nachvollzogen“ werden könnten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorbemerkung: Einführung in die thematische Relevanz vor dem Hintergrund der KMK-Vorgaben und Klärung zentraler Begrifflichkeiten.
2. Ziele der Teilimmersion im bilingualen Unterricht: Erläuterung der angestrebten fremdsprachlichen, fachlichen und interkulturellen Kompetenzen als Kernziele des Konzepts.
3. Theorie versus Praxis – kritische Betrachtung der Ziele bilingualen Unterrichts: Kritische Analyse der Diskrepanz zwischen theoretischen Anforderungen und der praktischen Umsetzung im Schulalltag, inklusive Lehrerbildung und Zielgruppeneignung.
4. Ein Ausblick: Zusammenfassende Einschätzung des Potenzials der Teilimmersion und abschließende Bewertung der zukünftigen Herausforderungen.
Schlüsselwörter
Teilimmersion, bilingualer Unterricht, Fremdsprachendidaktik, fremdsprachliche Kompetenz, fachliche Kompetenz, interkulturelle Kompetenz, Mehrsprachigkeit, KMK, Immersion, Sachfachunterricht, Spracherwerb, Lehrerausbildung, Profilsprache, Sprachlernsituation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Teilimmersion als einer spezifischen Form des bilingualen Unterrichts und hinterfragt deren Effektivität im Vergleich zu den bildungspolitischen Anforderungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der fremdsprachlichen, fachlichen sowie interkulturellen Kompetenzentwicklung von Schülern und den strukturellen Bedingungen ihrer Förderung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist eine kritische Problematisierung des Konzepts der Teilimmersion vor dem Hintergrund der KMK-Ansprüche an einen modernen, anwendbaren Fremdsprachenerwerb.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Aufarbeitung der einschlägigen Fachliteratur und verknüpft diese mit einer kritischen Reflexion über den aktuellen Stand der Schulpraxis.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die angestrebten Kompetenzziele des bilingualen Unterrichts detailliert vorgestellt und anschließend einer kritischen Analyse hinsichtlich ihrer praktischen Realisierbarkeit unterzogen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?
Die zentralen Begriffe sind Teilimmersion, bilingualer Unterricht, Mehrsprachigkeit, interkulturelle Kompetenz und die professionelle Qualifikation der Lehrenden.
Wie unterscheidet sich die in der Arbeit verwendete Definition der Teilimmersion?
Die Autorin grenzt die Teilimmersion explizit sowohl von rein "bilingualen Angeboten" als auch von der "totalen Immersion" ab und betont den Charakter als weitgehend ständige Lern- und Arbeitssprache in spezifischen Sachfächern.
Warum spielt die Lehrerbildung in dieser Untersuchung eine wichtige Rolle?
Die Arbeit identifiziert die Ausbildung der Lehrenden als ein signifikantes Problemfeld, da für den bilingualen Sachfachunterricht eine Kombination aus hoher Sprachkompetenz und fachdidaktischem Wissen erforderlich ist, die in der traditionellen universitären Ausbildung oft fehlt.
Welche Rolle spielt die "Sprachenhierarchie" laut der Analyse?
Die Arbeit kritisiert, dass im schulischen Kanon implizit zwischen einer "guten" (prestigeträchtigen) und einer "schlechten" (oft als notdürftig oder integrationshemmend wahrgenommenen) Mehrsprachigkeit unterschieden wird.
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- Silvia Bannenberg (Author), 2003, Teilimmersion im bilingualen Unterricht - eine Problematisierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59066