Piktogramme - eine Weltsprache? Inwieweit können Piktogramme ein stereotypisiertes Denken in Hinblick auf Binationalität beeinflussen?

Ein Beispiel des Projektes „Migrantas“


Seminararbeit, 2016

20 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Wer ist fremd?
1.1 Identitätsbildung
1.2 Soziale Gruppen
1.3 Binationalität

2. Vorurteile und stereotypisiertes Denken
2.1 Definition
2.2 Auswirkungen

3. Piktogramme
3.1 Definition
3.2 Funktionen

4. Projekt „ Migrantas “
4.1 Gründung und Idee
4.2 Vorgehensweise
4.3 Ziele

5. Theoretische Grundlage

6. Analyse

7. Ergebnis

8. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage „Piktogramme - eine Weltsprache? Inwieweit können Piktogramme ein stereotypisiertes Denken in Hinblick auf Binationalität beeinflussen? Ein Beispiel des Projektes „Migrantas“. Dabei wird zunächst aufgeführt, wer oder was grundlegend als „fremd“ gilt, inwiefern dabei die Identitätsbildung eine Rolle spielt und welche Rolle die soziale Gruppe innerhalb dieses Prozesses einnimmt. Zudem wird unter diesem Aspekt der Begriff „Binationalität“ aufgeführt, da dieser ein elementares Gefühl von Menschlichkeit versprachlicht.

In einem darauf folgenden Schritt wird gezeigt, in welchem Rahmen Vorurteile und stereotypisiertes Denken von Bedeutung sind, denn wo Angst vor dem „Fremden“ herrscht, können auch Vorurteile und ein stereotypisiertes Denken bzw. Handeln an Überhand gewinnen.

Unter dem dritten Punkt erscheint der Begriff des Piktogramms, der zum Verständnis und zur Grundlage des Projektbeispiels näher definiert wird. Außerdem weisen Piktogramme gewisse Funktionen auf, die expliziert werden. Das Projektbeispiel „Migrantas“ wird unter dem fünften Punkt näher beleuchtet. Dabei wird aufgezeigt, wie sich das Projekt gegründet hat, in welchen Schritten es vorgeht und welche Ziele damit verbunden sind.

Als theoretische Grundlage fungieren die Theorien nach Ferdinand de Saussure, sowie nach Charles S. Pierce. Beide haben die Semiotik stark beeinflusst und sollen daher dabei helfen, Zeichen und ihre Bedeutungen verstehen und analysieren zu können.

Die Analyse zweier Abbildungen, die sich im Anhang befinden, stützt sich auf die vorhergehenden Theorien und zugleich auf die Arbeit an sich und wird unter dem sechsten Punkt durchgeführt.

Anschließend wird das Ergebnis dargelegt sowie ein Fazit skizziert. Nachfolgend befinden sich das Literaturverzeichnis, der Anhang und ein Abbildungsverzeichnis.

1. Wer ist fremd?

„Kultur ist das, was in der Auseinandersetzung mit dem Fremden entsteht, sie stellt das Produkt der Veränderung des Eigenen durch die Aufnahme des Fremden dar“ (Ahlheim 2007, S. 217).

Nach dem vorhergehenden Zitat stellt „das Fremde“ eine Bereicherung dar, eine Möglichkeit sich selbst zu verändern und weiterzuentwickeln. Doch diese Behauptung repräsentiert keine allgemeingültige Aussage. Begriffe wie „Rassismus“, „Fremdenhass“ oder „Fremdenfeindlichkeit“ weisen darauf hin, dass „das Fremde“ nicht repressiv mit positiven Gefühlen verbunden wird.

Doch welchen Ursprung birgt dieses Gefühl? Liegt der Grund bei „dem Fremden“ oder ist es auf eine trotzige Abwehrreaktion des Gegenübers zurückzuführen?

Fremd ist alles Unbekannte. Sei es eine fremde Person, fremde Wege oder fremde Gegenstände. Dabei steht jedes Individuum speziell für sich selbst, doch ist es auch mit einem lokalen und sozialen Hintergrund verbunden. Jeder Einzelne ist in einer bestimmten Art und Weise aufgewachsen, bringt unterschiedliche Kenntnisse mit und pflegt verschiedenartige Umgangsformen. Kulturen unterscheiden sich somit in zahllosen Aspekten.

Diese Unterschiede können in einer Person das Gefühl von Angst aber zugleich auch von Faszination auslösen (vgl. Ahlheim 2007, S. 213).

1.1 Identit ä tsbildung

Um die oben genannten Gefühle verspüren zu können, muss zunächst die eigene Identität ausgebildet werden. Dabei ist grundlegend die Theorie von George Herbert Mead (27. Februar 1863 - 26. April 1931) aufzuführen, die ausgehend von einer personalen und sozialen Erwartung besagt, dass Identität erst durch eine Vermittlung beider entstehen kann (vgl. Skrobanek 2013, S. 58). Der Begriff „I“ stellt dabei das impulsive Ich dar, welches unbewusst agiert. In diesem Zusammenhang kommen beispielsweise körperliche Bedürfnisse zum Vorschein.

Das „Me“ hingegen bezeichnet das reflektierte Ich, welches sich durch das Fremdbild ergibt. Dadurch erfolgt eine zugewiesene Identität.

Die dritte Instanz, das „Self“, spiegelt die eigene Identität wieder, die durch den ständigen Konflikt beider Seiten entsteht.

Die herangestellte Theorie zeigt, dass sich eine Identität erst in Interaktion und Kommunikation entwickeln kann. Dies stellt im Hinblick auf die vorliegende Thematik, ein großes Problem dar, da den Menschen, die beispielsweise nach Deutschland einwandern, gewisse Erwartungshaltungen entgegengebracht werden. Die Gesellschaft erwartet, dass sie sich erklären, ihre Identität darlegen und hinreichend zeigen, in welchem Land sie sich heimisch fühlen (vgl. Frieden-Blum/Wießmeier, 2000, S. 187), obwohl dies für die Menschen selbst nicht eindeutig zu klassifizieren ist. Auf diesen Aspekt wird allerdings im späteren Verlauf der Arbeit noch weiter eingegangen.

1.2 Soziale Gruppen

Eine soziale Gruppe wird benötigt, um die eigene Person zu reflektieren, das Selbstverständnis zu überprüfen, sowie die eigenen Weltanschauungen mit deren Anderer zu vergleichen. Zudem ist „(…) die Zugehörigkeit bzw. Identifikation bedeutsam für das Selbstkonzept der Person“ (Skrobanek 2013, S. 61).

Dabei klassifiziert man sich selbst bezüglich anderer, definiert sich als Mitglied von Gruppen, weist sich aber auch selbst hinsichtlich dieser Gruppen einen Platz zu. Mit anderen Worten, das Gefühl der Identität ist eng verbunden mit den Beziehungen zu anderen Menschen und mit Mitgliedschaften in verschiedenen sozialen Gruppen. (Skrobanek 2013, S. 58)

Eine soziale Gruppe definiert sich allerdings nicht durch eine homogene Mitgliedschaft, sondern durch ein Zugehörigkeitsgefühl, das sich entfalten kann, sobald ähnliche Normen und Werte vertreten werden.

1.3 Binationalität

Der Begriff der Binationalität soll das Gefühl von Zwiespältigkeit, welches aufgrund der Frage nach Zugehörigkeit empfunden werden kann, verdeutlichen. Der Bereich der Binationalität stellt ein sehr komplexes und weit ausgedehntes Feld dar, da ihm verschiedene Personengruppen zugeordnet werden können.

Darunter fallen beispielsweise Menschen, die in Deutschland geboren wurden oder aber erst zu einem späteren Zeitpunkt nach Deutschland gezogen sind. Möglicherweise sprechen sie lediglich ihre Muttersprache, eventuell aber auch zwei oder drei weitere Sprachen. Es ist denkbar, dass sie Deutschland als ihre einzige Heimat bezeichnen, eine andere Heimatverbundenheit könnte allerdings auch existieren. Alleinig durch diese Spannweite wird bereits an dieser Stelle deutlich: „Migration erzeugt Mehrfachverbundenheit“ (Mercheril 2000, S. 232).

2. Vorurteile und stereotypisiertes Denken

Die Angst vor dem Unbekannten bzw. dem Fremden ist meist eng verbunden mit einem stereotypisierten Denken und Vorurteilen, beispielsweise hervorgerufen durch Medien oder Dritte.

Infolgedessen ist ein direkter Kontakt mit dem Fremden meist nicht die Grundlage, auf der sich ein solches Denken entwickelt (vgl. Skrobanek 2013, S. 136).

Die beiden Begriffe „Vorurteile“ und „stereotypisiertes Denken“ werden zum Verständnis im Folgenden näher erläutert und mit dieser Bestimmung in der vorliegenden Ausarbeitung weiter verwendet.

2.1 Definition

Vorurteile und stereotypisiertes Denken ähneln sich in ihrer Bedeutung sehr. Dabei steht als zentrales Thema des Begriffs „Vorurteil“ die Antipathie, die sich auf Verallgemeinerungen stützt und sich gegen eine einzelne Person oder gegen eine ganze Gruppe richten kann (vgl. Ahlheim 2007, S. 42). Zudem beinhaltet sie, dass man „(…) immun gegenüber Tatsachen und Gegenargumenten“ (Ahlheim/Heger 2001, S. 6) ist.

Ein stereotypisiertes Denken und damit einhergehend auch ein stereotypisiertes Handeln, wird als „(…) eine erwartete Korrelation zwischen bestimmten Eigenschaften und der Gruppenmitgliedschaft“ (Skrobanek 2013, S. 50) definiert. Dies signalisiert, dass bei einem stereotypisierten Denken dem Gegenüber ein gewisses musterartiges Verhalten zugesprochen wird, welches in der Vergangenheit erfahren und im Gedächtnis gespeichert wurde, sodass es jederzeit in einer Kategorie abruf- und verfügbar ist.

Auch an dieser Stelle kann der Begriff auf ein Individuum oder auf eine ganze Gruppe angewendet werden. Allerdings ist der Begriff des stereotypisierten Denkens nicht grundlegend negativ konnotiert. Im Gegenteil; er soll helfen eine Handlungssituation klar zu strukturieren, um diese besser einordnen zu können.

2.2 Auswirkungen

Dennoch sind die Auswirkungen, die ein solches Denken mit sich bringen kann, immens. Je nach Intensität und Ausübung könnte sich aus einem Vorurteil bzw. einem stereotypisierten Denken Feindseligkeit, Fundamentalismus und Hass entwickeln (vgl. Ahlheim 2007, S. 445).

Dies ist jedoch nicht lediglich auf eine der beiden Seiten zurückzuführen, sondern gilt als ein „wechselseitiger sozialer Prozeß [sic!]“ (Gerke 1975, S. 55).

Folglich lässt sich festhalten, dass jeder selbst für sein Denken und Handeln verantwortlich ist. Ein Einfluss durch Andere - so, wie durch Medien und Politik -ist durchaus denkbar, jedoch nicht autonom. Zudem könnte der direkte Kontakt das oben genannte Denken eventuell im positiven Sinn beeinflussen und/oder gar verändern.

3. Piktogramme

In Hinblick auf das bisher Verfasste stellt der Begriff „Piktogramm“ einen eher verwirrenden Zusammenhang dar, der dennoch besteht und in Punkt vier beschrieben wird. Um diesen im Vorhinein greifbar zu machen, wird in dem vorliegenden Kapitel eine Definition zu Piktogrammen aufgezeigt. Anschließend werden ihre Funktionen näher beleuchtet.

3.1 Definition

Was genau sind Piktogramme? Sind damit lediglich kleine männliche oder weibliche Figuren auf Toilettentüren gemeint? Sind es mehr als nur gemalte Flugzeuge und Koffer am Flughafen? Mehr als ein Abbild eines Zebrastreifens im Straßenverkehr?

Diese und mehr Beispiele zeigen, inwiefern sich Piktogramme in der heutigen Zeit bereits verbreitet haben. Aus der alltäglichen Verständigung sind sie nicht mehr wegzudenken, obwohl wir sie lediglich unbewusst wahrnehmen. Doch bei weiterer Auseinandersetzung zeigt sich, dass viel mehr hinter einem Piktogramm steckt als gedacht.

Generell lässt sich sagen, dass Piktogramme unabhängig von der Sprache international lesbar sein sollen und eine festgelegte Bedeutung transportieren. Dies wird durch Bildzeichen realisiert (vgl. Ackermann 2006, S.15), welche vereinfacht und als zweidimensionale Flächen dargestellt werden (vgl. Stöppel 2006, S. 182). Dabei sollen sie einen klaren Wiedererkennungswert haben (vgl. ebd.) und auf eine bestimmte Sache oder einen bestimmten Gegenstand verweisen.

3.2 Funktionen

Wie bereits oben erwähnt, ist die Hauptfunktion eines Piktogramms die universale Gültigkeit. Gerade aufgrund dieses Aspektes werden sie an Orten wie dem Flughafen und dem Verkehrssystem in einer Vielzahl verwendet. Zudem sind sie international entzifferbar und gelten somit mittlerweile als Notwendigkeit für die tägliche Kommunikation.

Das Problem, das sich dabei ergibt, ist, dass nur einfachste Thematiken dargestellt werden können.

Ein zu komplexer Sachverhalt müsste in seiner Ganzheit dargestellt werden (vgl. Tegethoff 2006, S. 250). Dies steht jedoch nicht im Rahmen der Möglichkeiten, da eine zu starke Vereinfachung verstrickter Themen den Kern nicht treffen könnte und somit die Aussage verfehlt werden würde.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Piktogramme - eine Weltsprache? Inwieweit können Piktogramme ein stereotypisiertes Denken in Hinblick auf Binationalität beeinflussen?
Untertitel
Ein Beispiel des Projektes „Migrantas“
Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
2,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
20
Katalognummer
V590688
ISBN (eBook)
9783346208699
ISBN (Buch)
9783346208705
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Piktogramme, Migrantas, binationalität
Arbeit zitieren
Annalena Zimmer (Autor), 2016, Piktogramme - eine Weltsprache? Inwieweit können Piktogramme ein stereotypisiertes Denken in Hinblick auf Binationalität beeinflussen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/590688

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