Die vorliegende Diplomarbeit setzt sich mit dem Thema Offshoring und dessen Auswirkungen auf die von einer Verlagerung betroffenen Mitarbeiter auseinander. Durch Offshoring geht ein zentraler Bestandteil des, neben dem juristischen Arbeitsvertrag existierenden, psychologischen Vertrages verloren. Neben den direkt vom Personalabbau betroffenen Arbeitnehmern, hat dies speziell in multinationalen Unternehmen auch Auswirkungen auf vom Offshoring nicht betroffene Mitarbeiter (Survivors) des Konzerns. Die Reaktionen der Survivors in Form von innerer Kündigung verursachen versteckte negative Kosten (Hidden Costs) für das Unternehmen. Mit Hilfe der Transaktionskostentheorie können diese versteckten Kosten in eine ökonomische Beurteilung für die Auswahl eines geeigneten Personalfreisetzungsinstrumentes einbezogen werden. Die Outplacementberatung hat sich dabei als ein geeignetes Instrument erwiesen, welches in der Lage ist, für alle Beteiligten eine Win-Win-Situation zu schaffen. Neben der erlebten Fairness im Trennungsprozess trägt Outplacement ebenfalls zur Förderung der individuellen Employability bei, welche als Substitut für eine nicht mehr existierende Arbeitsplatzsicherheit im psychologischen Arbeitsvertrag angesehen wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
1.1 Zielsetzung, Aufbau und Abgrenzung des Themas
1.2 Kurze begriffliche Definitionen
2. Offshoring
2.1 Offshoring – Abgrenzung und Definition
2.2 Der Zusammenhang zwischen Offshoring und FDI
2.2.1 Direktinvestitionsmotive und Arbeitsmarkteffekte
2.2.1.1 Horizontale Direktinvestitionen
2.2.1.2 Vertikale Direktinvestitionen
2.2.2 Offshoring, FDI und Interessenkonflikte in MNU
2.3 Kostenvorteile und Hidden Costs des Offshorings
3. Theoretische Herangehensweise
3.1 Transaktionskostenansatz
3.2 Das Arbeitsverhältnis als ein Nexus von Verträgen
3.3 Relevanz der Transaktionskosten bei der Personalfreisetzung
3.3.1 Personalfreisetzungsinstrumente
3.3.2 Transaktionskostenkategorien der Personalfreisetzung
4. Der psychologische Vertrag
4.1 Die Entstehung von psychologischen Verträgen
4.2 Der neue psychologische Vertrag
5. Offshoring-Auswirkungen auf Mitarbeiter
5.1 Das Survivor-Syndrom
5.2 Innere Kündigung
5.3 Reaktionen auf den Arbeitsplatzverlust
6. Offshoring - Fairness im Trennungsprozess
6.1 Employability und Lebenslanges Lernen
6.2 Outplacement
6.2.1 Formen und Vorteile einer Outplacement-Beratung
6.2.2 Staatlich geförderte Outplacementmaßnahmen
6.2.2.1 Transferagentur nach § 216 a SGB III
6.2.2.2 Transfergesellschaft nach § 216 b SGB III
6.2.2.3 Trainingsmaßnahmen nach § 48 SBG III
6.3 Outplacement aus Sicht der Transaktionskostentheorie
7. Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Diplomarbeit ist die Untersuchung der Auswirkungen von Offshoring auf Mitarbeiter in multinationalen Unternehmen unter Berücksichtigung des psychologischen Vertrags. Dabei wird insbesondere analysiert, wie durch den Einsatz von Outplacement-Beratung die versteckten Kosten (Hidden Costs) einer Trennung minimiert und eine faire, sozial verträgliche Lösung für alle Beteiligten geschaffen werden kann.
- Analyse der Offshoring-Problematik und der damit verbundenen Standortkonkurrenz in multinationalen Unternehmen.
- Untersuchung der psychologischen Folgen, insbesondere der Auswirkungen auf verbleibende Mitarbeiter (Survivor-Syndrom) und das Phänomen der "inneren Kündigung".
- Anwendung der Transaktionskostentheorie zur ökonomischen Bewertung von Personalfreisetzungsinstrumenten.
- Bedeutung des Konzepts der "Employability" als notwendiges Substitut für den schwindenden Arbeitsplatzschutz im psychologischen Vertrag.
- Evaluierung von Outplacement als Instrument zur Gestaltung einer fairen Trennungskultur.
Auszug aus dem Buch
2.3 Kostenvorteile und Hidden Costs des Offshorings
In einer zunehmenden Shareholder-Value-orientierten Unternehmenswelt stellen die kurzfristig realisierbaren Kostenvorteile durch eine Standortverlagerung in Niedriglohnländern das Hauptmotiv der aktuellen Offshoring-Diskussion dar. In einer Studie von Roland Berger Strategy Consultants und der UNCTAD gaben 70% der befragten Dienstleistungsunternehmen an, Arbeitsplätze aufgrund von Lohnkostensenkungsmotiven zu verlagern. Weitere 59% gaben an, auch weitere Kosten senken zu wollen, wobei die durch Service-Offshoring erzielten Einsparungen mit durchschnittlich 30% beziffert werden. Obwohl man in den letzten Jahren einen leichten Rückgang des Motivs der Senkung von Personalkosten feststellen konnte, bleibt es das Hauptmotiv des Offshoring, sowohl im Service- als auch im Produktionssektor.
Die Abbildung 4 gibt einen Überblick über die realisierbaren Kostenvorteile (Gesamtkosten) je Transaktion im Vergleich zu einer unternehmensinternen Restrukturierung und den beiden vorgestellten Formen des Outsourcing. Den Ausgangspunkt bilden die aktuellen Kosten des Unternehmens. Diese stellen aber insbesondere bei einem Vergleich gegenüber einem möglichen leistungsfähigeren Outsourcing-Partner nicht die bestgeeignete Kostenposition dar. Deshalb werden die mit einer Auslagerung unmittelbar verbundenen realen Kostenvorteile nach einer möglichen innerbetrieblichen Umstrukturierung und Prozessoptimierung zugrunde gelegt (vgl. Klingebiel 2005: 641). Diese stellen die maximal erreichbaren internen Kosteneinsparungen dar, welche nur durch Outsourcing oder Offshoring weiter gesenkt werden könnten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Darstellung der Relevanz von Offshoring als wirtschaftspolitisches Thema, Abgrenzung der Arbeit und kurze begriffliche Definitionen.
2. Offshoring: Definition und Abgrenzung von Offshoring, der Zusammenhang mit Direktinvestitionen (FDI) und Analyse der Kostenvorteile sowie der versteckten Folgekosten.
3. Theoretische Herangehensweise: Anwendung des Transaktionskostenansatzes und des Konzepts des Arbeitsverhältnisses als Nexus von Verträgen zur Analyse von Personalfreisetzungsprozessen.
4. Der psychologische Vertrag: Erörterung der Entstehung und der aktuellen Veränderung des psychologischen Arbeitsvertrags unter dem Druck zunehmender Flexibilisierungsanforderungen.
5. Offshoring-Auswirkungen auf Mitarbeiter: Analyse der psychischen Belastungen für verbleibende Mitarbeiter (Survivor-Syndrom) und des Phänomens der inneren Kündigung.
6. Offshoring - Fairness im Trennungsprozess: Untersuchung der Rolle von Employability und Outplacement als Instrumente zur Gestaltung eines fairen Trennungsprozesses sowie staatlich geförderte Maßnahmen.
7. Schlussfolgerungen: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Ausblick auf den Forschungsbedarf, insbesondere aus Sicht der Prinzipal-Agent-Theorie.
Schlüsselwörter
Offshoring, Standortkonkurrenz, Multinationale Unternehmen, Transaktionskostentheorie, Psychologischer Vertrag, Personalfreisetzung, Survivor-Syndrom, Innere Kündigung, Outplacement, Employability, Lebenslanges Lernen, Hidden Costs, Arbeitsplatzunsicherheit, Strukturwandel, Fairness.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der betriebswirtschaftlichen Strategie des Offshoring (Standortverlagerung) und den Auswirkungen auf die Mitarbeiter, insbesondere unter dem Aspekt psychologischer Vertragsbrüche.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind Offshoring, der psychologische Arbeitsvertrag, die Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der Beschäftigten (insbesondere Survivors), sowie Instrumente zur Abfederung dieser Effekte, wie Outplacement und Employability-Förderung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Unternehmen die versteckten Kosten (Hidden Costs) durch Personalabbau minimieren können, indem sie Trennungsprozesse fair und transparent gestalten, anstatt lediglich kurzfristige Kosteneinsparungen zu verfolgen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Arbeit nutzt den transaktionskostentheoretischen Ansatz der Neuen Institutionenökonomie (NIÖ), um Personalfreisetzungsprozesse als Vertragsanpassungen zu verstehen und ökonomisch zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen (Transaktionskosten, psychologischer Vertrag), die Analyse der Auswirkungen auf Mitarbeiter (Survivor-Syndrom, innere Kündigung) und die Evaluierung konkreter Lösungsansätze wie Outplacement und staatlich geförderte Transfermaßnahmen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Offshoring, Survivor-Syndrom, psychologischer Vertrag, Employability und Outplacement geprägt.
Was genau versteht der Autor unter "Innerer Kündigung" im Kontext von Offshoring?
Sie ist eine kognitive Reaktion auf den als ungerecht empfundenen Verlust der Arbeitsplatzsicherheit; der Mitarbeiter reduziert sein Engagement und seine Eigeninitiative auf ein Minimum, um sich vor psychischen Belastungen zu schützen.
Warum ist das Outplacement laut dieser Arbeit eine Win-Win-Situation?
Es ist eine Win-Win-Situation, da der Arbeitgeber durch eine faire Trennungskultur teure arbeitsrechtliche Konflikte und Produktivitätsverluste bei den Verbleibenden (Survivors) vermeidet, während der Gekündigte durch Beratung schneller in neue Beschäftigungsverhältnisse findet.
Welche Bedeutung spielt die "Employability" als Ersatz für Arbeitsplatzsicherheit?
Da lebenslange Arbeitsplatzsicherheit in einer globalisierten Wirtschaft nicht mehr garantierbar ist, dient Employability als "dynamische Sicherheit", die den Mitarbeiter durch stetiges Lernen dazu befähigt, berufliche Laufbahnen flexibel zu gestalten.
- Citar trabajo
- Dipl.-Kfm. Danny Pajak (Autor), 2006, Konfliktfeld Offshoring: Interne Standortkonkurrenz multinationaler Unternehmen und die Auswirkungen auf Mitarbeiter, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59069