Die letzten Jahre weisen eine vermehrte Zunahme rechtsextremer Aktivitäten auf. Beispielgebend dafür sind Anhäufungen fremdenfeindlicher Gewalttaten vor allem in den neuen Bundesländern. Die Medien sprachen selbstredend von „national befreiten Zonen“ usw.
Sachlich mit dieser Materie auseinandergesetzt, muss festgestellt werden, dass seit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland rechtsextreme Gruppierungen zum Erscheinungsbild gehören.
Gründe hierfür sind zum einen in der von „Außen“ erfolgten Zerschlagung des „Dritten Reichs“ zu finden. Dadurch wurden Bestandteile wie Rassismus, Nationalismus (in seiner Extremform, d. Verf.) oder auch Antisemitismus, nicht automatisch zerstört. Und zum anderen erfolgte auch in der damaligen DDR nur teilweise eine Aufarbeitung und so konnten dort ebenfalls rechtsextreme Tendenzen beobachtet werden, geschürt durch den vom Staat „verordneten“ Antifaschismus.
Durch den Mauerfall 1989 entstand in vielen Teilen des Landes eine große Orientierungslosigkeit. Dass dieses Phänomen ausgerechnet in den neuen Bundesländern und dort vor allem im Freistaat Sachsen Fuß fasste, ist Gegenstand dieser Hausarbeit.
Als treibende Kraft muss hier vor allem die NPD genannt werden, die im rechten Lager immer stärker die Oberhand gewinnt und bisher sequenziell in verschiedenen Tei-len der Bundesrepublik Wahlerfolge verzeichnen konnte. Dies führte zum historischen aber erfolglosen Verbotsantrag durch die damalige Bundesregierung im Dezember 2000.
Schwerpunkt dieser Arbeit soll eine Analyse rechtsextremer Aktivitäten im Freistaat Sachsen sein. Im Kern dessen soll am Beispiel der NPD, durch eine Untersuchung der verfolgten Ideologie, außerparlamentarischen Arbeit und Vernetzungen im rechten Lager, der Einfluss auf den politischen Alltag im Freistaat herausgearbeitet werden.
Stellen rechtsextreme Gruppierungen in Zukunft eine gesamtgesellschaftliche Gefahr dar oder treten diese nur lokal, begünstigt durch verschiedene sozioökonomische und geographische Faktoren, auf?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Extremismus
2.1 Definition des Extremismus
2.2 Was umfasst Rechtsextremismus?
2.2.1 Abgrenzung zum (Rechts-) Radikalismus
2.2.2 Menschenbild
3 Rechtsextremismus in Sachsen
3.1 Etablierung in den neuen Bundesländern
3.2 Der Freistaat Sachsen als rechtsradikale „Oase“
3.3 Gruppierungen und Organisationsformen im Freistaat
3.4 Vernetzungen in den Lagern
3.4.1 Medien und Internet
4 Die NPD in Sachsen auf dem Vormarsch
4.1 Politische und administrative Strukturen
4.1.1 Die sächsische Medienlandschaft und die NPD
4.2 Die NPD im Landtag
4.2.1 Möglichkeiten der politischen Einflussnahme
4.2.2 Außerparlamentarische Aktivitäten
4.3 Die „Front“ bröckelt
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die Ausbreitung und den politischen Einfluss rechtsextremer Gruppierungen, insbesondere der NPD, im Freistaat Sachsen unter Berücksichtigung sozioökonomischer und historischer Rahmenbedingungen nach der Wiedervereinigung.
- Analyse der Ideologie und des Menschenbildes im Rechtsextremismus
- Untersuchung der Ursachen für den Erfolg rechtsextremer Strömungen in den neuen Bundesländern
- Darstellung der Organisationsstrukturen und Vernetzungen innerhalb der rechten Szene
- Bewertung der parlamentarischen und außerparlamentarischen Strategien der NPD
- Diskussion über die Auswirkungen des medialen Agierens und der Internetnutzung durch Rechtsextreme
Auszug aus dem Buch
3.4.1 Medien und Internet
Unter Einsatz der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien wurde eine rechte Kommunikationsinfrastruktur aufgebaut, an der die NPD maßgeblich beteiligt ist. Zentrale Bestandteile sind „nationale Infotelefone“, die die neuesten mobilisierungsrelevanten Informationen (Veranstaltungsdaten) ankündigen.
Technisch sind diese Telefone nichts anderes als Anrufbeantworter, die die Infos auf Tonband abspielen. Verbindung besteht auch vor allem über das Internet inkl. Mailboxen mit Codewörtern, die NPD Monatszeitschrift „Deutsche Stimme“, parteiinterne Rundschreiben, die über die Gebietsorganisationen verbreitet werden sowie Plakate, Flugblätter und Aufkleber.
Weil die NPD selbst dabei als Provider und Anbieter von Internetdienstleistungen auftritt, umgeht sie die Möglichkeit einer Sperrung ihrer Websites von Seiten der Provider. Darüber hinaus werden Dienste von Anwälten und Journalisten verstärkt genutzt.
Derzeit existieren ca. 44 Verlage und Vertriebsdienste, welche Publikationen mit rechtsextremistischen Inhalten verbreiten, deren Auflagen aber rückläufig sind. Ein Grund dafür ist sicherlich das Medium Internet. Ende der 90er Jahre vervielfachte sich die Zahl rechtsextremer Homepages in deutscher Sprache. 1996 noch 32 gezählt, schwanken die Zahlen heute zwischen 350 und 500 Seiten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Zunahme rechtsextremer Aktivitäten seit der Wiedervereinigung und definiert den Fokus der Analyse auf den Freistaat Sachsen sowie die Rolle der NPD.
2 Extremismus: Dieses Kapitel erläutert den Begriff des Extremismus, grenzt ihn vom Radikalismus ab und definiert das Menschenbild sowie die ideologischen Grundlagen des Rechtsextremismus.
3 Rechtsextremismus in Sachsen: Hier werden die historischen und sozioökonomischen Gründe für die Etablierung rechtsextremer Strukturen in Sachsen sowie die Vernetzung der verschiedenen Organisationen analysiert.
4 Die NPD in Sachsen auf dem Vormarsch: Dieses Kapitel untersucht die politischen Strategien, die Medienarbeit und das parlamentarische sowie außerparlamentarische Agieren der NPD in Sachsen.
5 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert die Entwicklung der rechtsextremen Szene in Sachsen und bewertet deren tatsächlichen politischen Einfluss sowie die Stabilität der aktuellen Organisationen.
Schlüsselwörter
Rechtsextremismus, NPD, Sachsen, politischer Einfluss, Neonazismus, Kameradschaften, Volksgemeinschaft, Radikalismus, Propaganda, Internetnutzung, Parteien, Ideologie, Systemwechsel, Demokratiefeindlichkeit, Sozialer Wandel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen des Rechtsextremismus in Deutschland mit einem speziellen Fokus auf dessen Strukturen, Strategien und politischen Einfluss im Freistaat Sachsen nach 1990.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die ideologischen Grundlagen, die Rolle der NPD als treibende Kraft, die Bedeutung von Medien und Internet für die rechte Szene sowie die Auswirkungen sozioökonomischer Faktoren auf die Verbreitung rechtsextremer Gesinnungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, den Einfluss rechtsextremer Gruppierungen auf den politischen Alltag in Sachsen zu analysieren und zu klären, ob diese eine gesamtgesellschaftliche Gefahr darstellen oder regional begünstigt auftreten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Analyse, die auf der Auswertung von Fachliteratur, Verfassungsschutzberichten und empirischen Daten basiert, um die organisatorische und strategische Entwicklung der NPD nachzuvollziehen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Extremismus, der historischen Einordnung des Rechtsextremismus in Sachsen, den Organisationsformen der Szene und der spezifischen Wahlkampf- sowie Medienstrategie der NPD.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Rechtsextremismus, NPD, Sachsen, Neonazismus, Kameradschaften und Politische Einflussnahme.
Welche Rolle spielt das Internet für die rechte Szene laut Autor?
Das Internet fungiert als zentrale Kommunikationsinfrastruktur, die es der zersplitterten rechten Szene ermöglicht, anonym, kostengünstig und vernetzt Propaganda zu verbreiten sowie Anhänger zu mobilisieren.
Wie bewertet der Autor den Zustand der sächsischen NPD zum Ende des Berichtszeitraums?
Der Autor stellt eine Zunahme interner Krisen, wie den Ost-West-Konflikt innerhalb der Partei und Personalprobleme, fest und kommt zu dem Schluss, dass die NPD ihre hochgesteckten Ziele zunehmend verfehlt.
- Quote paper
- Magister Thomas Hedrich (Author), 2006, Rechtsextreme Gruppierungen und deren politischer Einfluss am Beispiel des Freistaates Sachsen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59094