Die Zusammenhänge zwischen erlebnispädagogischen Settings und dem schulischen Selbstkonzept von Jugendlichen sind bislang wenig erforscht. Um diese Forschungslücke zu schließen, setzt sich die vorliegende Masterarbeit die Exploration dieser Einflüsse zum Ziel.
Zunächst wird der Forschungsstand zum Selbstkonzept und zur Erlebnispädagogik aus Sicht der Entwicklungspsychologie und Pädagogik theoretisch beleuchtet. Anschließend wird eine empirische Untersuchung der Einflüsse einer exemplarischen erlebnispädagogischen Schulreise durchgeführt. Dazu wurde ein Test in Form eines skalierten Fragebogens (SESSKO, Schöne et al. 2012) gewählt und empirische Daten von 25 Jugendlichen erhoben und analysiert. Die qualitative Subuntersuchung umfasst zwei Fallbeispiele. Alle Testpersonen, Schülerinnen und Schüler im Alter von 13 bis 14 Jahren, waren Teil des erlebnispädagogischen Schulprojekts. Der gewählte Fragebogen wurde zu drei Messzeit-punkten durchgeführt. Einmal vor der Reise, einmal direkt nach der Reise und schließlich mehrere Wochen danach, um die Langzeiteffekte zu messen. Die erhobenen Daten werden im Rahmen dieser Arbeit auf Signifikanz untersucht, die Ergebnisse analysiert und diskutiert.
Die gemessenen Resultate können aufgrund komplexer, multidimensionaler Wirkweisen der Erlebnispädagogik erklärt und vor diesem Hintergrund interpretiert werden. Entsprechende Erklärungshypothesen für die Ergebnisse werden in der Arbeit angeboten. Da das schulische Selbstkonzept des Menschen ein Prädikator für den individuellen Schulerfolg ist, ist die vorliegende Masterarbeit für Studierende und Lehrende in der Pädagogik und Sonderpädagogik relevant und bietet nützliche Implikationen für die erlebnispädagogische Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Selbst und Selbstkonzept
2.1 Forschungsstand Selbst und Selbstkonzept
2.2 Ursprünge der Selbst–Forschung
2.3 Moderne Selbst–Forschung
2.4 Dimensionen des Selbstkonzepts
2.5 Selbstkonzeptentwicklung und -modifikation
2.5.1 Selbstkonzeptbildung im Jugendalter
2.5.2 Stabilität des Selbstkonzepts
2.6 Schulisches Fähigkeitsselbstkonzept
2.6.1 Geschlechtsspezifische Unterschiede
2.6.2 Einfluss der Schule auf das Selbstkonzept
2.6.3 Modelle der Selbstkonzeptforschung
2.6.4 Determinationsrichtungen
3 Erlebnispädagogik und schulische Langzeitprojekte
3.1 Forschungsstand Erlebnispädagogik
3.1.1 Erlebnispädagogische Settings
3.1.2 Potentiale der Erlebnispädagogik
3.1.3 Grenzen der Erlebnispädagogik
3.2 Schulische Langzeitprojekte
3.2.1 Wirkweisen von Erlebnispädagogik auf das Selbstkonzept
3.2.2 Merkmale einer gelungenen Erlebnispädagogik
3.2.3 Praktische Umsetzung
4 Langzeitprojekt „Elbsandsteingebirge“
4.1 Reisegruppe
4.2 Projektvorbereitung
4.3 Projektdurchführung
4.4 Projektnachbereitung
4.5 Projektziele
4.6 Erlebnispädagogische Herausforderungen und Sozialverhalten
4.7 Fallbeispiele
4.7.1 Barbara
4.7.2 Can
5 Empirische Forschungsmethoden
5.1 Methoden der Selbstkonzeptforschung
5.1.1 Probleme bei der Erforschung von Selbstkonzepten
5.1.2 Forschungsinstrumente
5.1.3 Wahl des Messinstruments
5.2 Messinstrument SESSKO
5.2.1 Aufbau des Messinstruments
5.2.2 Gütekriterien
5.2.3 Durchführung
5.2.4 Auswertung
5.2.5 Interpretation
5.2.6 Kritik des Messinstruments
6 Forschungsdesign
6.1 Grundannahme zur Wirkweise von Erlebnispädagogik
6.2 Durchführung
6.3 Auswertung I: Normwerttabellen
6.4 Auswertung II: SPSS – Wilcoxon Test
7 Ergebnisse
7.1 Ergebnisse auf Klassenebene
7.1.1 Auswertung I: SPSS – Daten
7.1.2 Zusammenfassung der Ergebnisse
7.2 Fallbeispiele
7.2.1 Barbara
7.2.2 Can
8 Diskussion
8.1 Beantwortung der Forschungsfrage
8.2 Diskussion der methodischen Aspekte
8.2.1 Messinstrument
8.2.2 Messzeitpunkte
8.2.3 Aussagekraft der Ergebnisse
8.2.4 Länge des Projekts
8.2.5 Alter der Probanden
8.2.6 Geschlechteridentitäten
8.2.7 Antworttendenz und Soziale Erwünschtheit
8.2.8 Reaktanz und Selbstverifikation
8.3 Diskussion der Fallbeispiele
8.3.1 Barbara
8.3.2 Can
8.4 Diskussion der Ergebnisse auf Klassenebene
8.4.1 Wirkungslosigkeit des Projekts
8.4.2 Indirekte Wirkweise
8.4.3 Multikausale Wirkweise
9 Interpretation
9.1 Implikationen für erlebnispädagogische Schulprojekte
9.2 Implikationen für die (sonder-)pädagogische Praxis
9.3 Ausblick
10 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss erlebnispädagogischer Langzeitprojekte auf das schulische Fähigkeitsselbstkonzept von Jugendlichen im Alter von 13 bis 14 Jahren. Ziel ist es, durch eine empirische Analyse – basierend auf der SESSKO-Skala und ergänzt durch qualitative Fallbeispiele – zu explorieren, ob und inwieweit solche außerschulischen Erfahrungen eine messbare Veränderung der Selbstkonzepte bewirken können.
- Forschung zum Selbstkonzept aus psychologischer und pädagogischer Sicht
- Grundlagen und Wirkweisen der Erlebnispädagogik
- Empirische Untersuchung des Einflusses einer zweiwöchigen Reise ins Elbsandsteingebirge
- Analyse der Ergebnisse mittels quantitativer (SPSS/Wilcoxon-Test) und qualitativer Methoden
- Diskussion der Implikationen für die sonderpädagogische Schulpraxis
Auszug aus dem Buch
3.2.2 Merkmale einer gelungenen Erlebnispädagogik
Die erlebnispädagogische Reise – als neuer sozialer Raum – bietet grundsätzlich die Möglichkeit der Selbsterprobung, der Interaktion in unbekannten sozialen Zusammensetzungen und Erfahrungen, die anderswo nicht realisierbar wären, weshalb sie durchaus gelingen kann, wenn bestimmte Grundlagen beachtet werden. Im Zentrum der Erlebnispädagogik steht das Erlebnis, das psychologisch betrachtet als mentaler, innerer Vorgang gesehen werden kann, bei dem durch die Wahrnehmung, die Stimmung und das vorhandene, bekannte Vorwissen äußere Reize verarbeitet werden können (vgl. Raithel et al. 2007, 210). Eindringliche Erlebnisse werden mit dem Neuen, dem Ungewohnten, das sich vom normalen Alltag abhebt, verbunden (vgl. ebd.).
Laut Mummendey gibt es ökologisch-psychologische Ansätze, die nahelegen, dass Individuen ihre Einstellung nachhaltig ändern können, wenn sie in neue, ungewohnte und veränderte Umgebungen kämen, die sich von ihrer Welt zu Hause unterscheiden (vgl. Mummendey 2006, 246). Das bedeutet aber auch, dass sich die Selbstkonzepte nur in signifikanter und langfristiger Weise wandeln, „wenn Individuen gezwungen sind, ihr alltägliches Verhalten nachhaltig zu ändern“ (Mummendey 2006, 251). Um diese Nachhaltigkeit zu erreichen, kann es hilfreich sein, primär die emotionale Innenwelt der Schüler anzusprechen. Die Wahrnehmung von Gefühlen, Verhalten und Handlungen gilt, wie in Kapitel 2.4 beschrieben, als wichtiger Bestandteil von Bewusstsein und damit gleichermaßen des Selbst (vgl. Greenspan & Benderly 1999, 101).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung des Selbstkonzepts für den schulischen Erfolg und stellt die Relevanz von erlebnispädagogischen Interventionen zur Förderung dieses Merkmals dar.
2 Selbst und Selbstkonzept: Dieses Kapitel liefert den theoretischen Rahmen und definiert das Selbstkonzept als dynamisches Konstrukt, das durch verschiedene Dimensionen und soziale Einflüsse geformt wird.
3 Erlebnispädagogik und schulische Langzeitprojekte: Der Forschungsstand zur Erlebnispädagogik wird dargelegt und deren Potentiale zur Persönlichkeitsentwicklung sowie die Relevanz schulischer Langzeitreisen erläutert.
4 Langzeitprojekt „Elbsandsteingebirge“: Hier wird die exemplarische zweiwöchige Reise einer achten Klasse beschrieben, inklusive der Projektziele und der methodischen Herangehensweise während der Durchführung.
5 Empirische Forschungsmethoden: Dieses Kapitel begründet die Wahl des SESSKO-Fragebogens und beschreibt die Anwendung sowie die methodische Kritik an diesem Diagnoseinstrument.
6 Forschungsdesign: Es werden die Grundannahmen und der statistische Aufbau der Untersuchung vorgestellt, insbesondere der Einsatz des Wilcoxon-Tests zur Signifikanzprüfung.
7 Ergebnisse: Die erhobenen Daten werden auf Klassenebene ausgewertet und die zwei Fallbeispiele (Barbara und Can) detailliert in Bezug auf ihre Testergebnisse betrachtet.
8 Diskussion: Die Ergebnisse werden kritisch hinterfragt, wobei methodische Aspekte sowie die individuellen Entwicklungslinien der Fallbeispiele im Kontext der Intervention diskutiert werden.
9 Interpretation: Das Kapitel leitet Implikationen für die schulische und sonderpädagogische Praxis ab und gibt einen Ausblick auf notwendige zukünftige Forschungsansätze.
10 Fazit: Das Fazit resümiert, dass die Reise zwar keine pauschalen Effekte auf das Fähigkeitsselbstkonzept bewirkte, aber Anknüpfungspunkte für eine differenzierte Förderarbeit bietet.
Schlüsselwörter
Selbstkonzept, Fähigkeitsselbstkonzept, Erlebnispädagogik, schulische Langzeitprojekte, SESSKO, Adoleszenz, Persönlichkeitsentwicklung, sonderpädagogischer Förderbedarf, empirische Bildungsforschung, Sozialverhalten, Interventionsstrategien, Reflexion, Selbstwirksamkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einfluss von erlebnispädagogischen Reisen auf das schulische Fähigkeitsselbstkonzept von Jugendlichen und betrachtet dabei sowohl theoretische Hintergründe als auch eine empirische Fallstudie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Selbstkonzeptforschung im Jugendalter, die Wirkung von erlebnispädagogischen Settings (insbesondere Langzeitprojekten) sowie die statistische Messbarkeit dieser Einflüsse durch standardisierte Testverfahren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, inwieweit erlebnispädagogische Reisen einen Beitrag dazu leisten können, die Einstellung von Kindern und Jugendlichen zu sich selbst und zu ihren schulischen Fähigkeiten (das schulische Fähigkeitsselbstkonzept) nachhaltig zu verändern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein Mixed-Methods-Design genutzt, das quantitative Daten (SESSKO-Fragebögen, statistische Auswertung via SPSS/Wilcoxon-Test) mit einer qualitativen Analyse von Fallbeispielen kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben der Theorie die Durchführung eines spezifischen Langzeitprojekts im Elbsandsteingebirge detailliert beschrieben, die empirischen Daten ausgewertet und die Ergebnisse sowie die methodischen Aspekte kritisch diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Selbstkonzept, Erlebnispädagogik, SESSKO, Jugendalter, schulische Leistungsfähigkeit und Sonderpädagogik.
Warum wurden die Schüler Barbara und Can als Fallbeispiele gewählt?
Barbara und Can wurden gewählt, da sie als „Spiegel der Gruppe“ dienen. Ihre Entwicklung ist besonders komplex, da sie beide einen sonderpädagogischen Förderbedarf (ESE) aufweisen und ihr Antwortverhalten die Herausforderungen bei der Stabilisierung des Selbstkonzepts beispielhaft verdeutlicht.
Welche Rolle spielen die Lehrer bei der Untersuchung?
Die Lehrkräfte fungieren als Beobachter und Organisatoren. Ihre Interaktion mit den Schülern – insbesondere im Kontext von Sanktionen oder Lob – hat laut der Arbeit einen signifikanten Einfluss auf die psychische Verfassung und das Selbstbild der Jugendlichen.
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- Alicja Mastalerz (Author), 2020, Das Selbstkonzept Jugendlicher im Wandel. Eine empirische Analyse des Einflusses erlebnispädagogischer Reisen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/591007