Die Arbeit gibt einen aktuellen Überblick über die Quantifizierung des Liquiditätsrisikos mithilfe diverser Kennzahlen und die rechtlichen Rahmenbedingen der Liquiditätssteuerung unter Basel 3. Dabei beschäftigt sie sich hauptsächlich mit folgender Fragestellung: Wie kann es gelingen, unter Zuhilfenahme diverser Liquiditätskennzahlen das Liquiditätsrisiko zu quantifizieren und zukünftige Liquiditätskrisen zu verhindern?
Zunächst werden die Quellen, die Bestimmung und die Quantifizierung von Liquiditätsrisiken aufgezeigt. Dazu werden diverse Risikokennzahlen und Liquiditätsplanungsinstrumente näher beschrieben. Anschließend wird die Überarbeitung und die rechtliche Umsetzung des Baseler Rahmenwerkes im Bereich Liquiditätsmanagement beleuchtet und im Zuge dessen die Berechnung der zwei Kennzahlen Liquidity Coverage Ratio und Net Stable Funding Ratio, die die kurzfristige und langfristige Liquiditätsdeckung von Banken sicherstellen sollen, erläutert.
Die Quantifizierung und Steuerung von Risiken stellen seit jeher ein Grundelement für Banken dar. Einem Kernrisiko, nämlich dem Liquiditätsrisiko, wurde dabei in der Vergangenheit eine eher unbedeutende Rolle zugewiesen. Mit dem Ausbruch der amerikanischen Subprime Krise im Jahr 2007 und der daraus folgenden internationalen Banken- und Finanzkrise änderte sich das schlagartig.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Liquiditätssteuerung
2.1 Dimensionen des Liquiditätsbegriffes
2.2 Liquiditätsrisiko
2.2.1 Ursachen des Liquiditätsrisikos
2.2.2 Bestimmung des Liquiditätsrisikos
2.2.2.1 Liquiditätsanalyse anhand der Bilanz
2.2.2.2 Liquiditätsablaufbilanz (LAB)
2.2.2.3 Liquidity Value at Risk (LVaR)
2.2.2.4 Liquidity at Risk (LaR)
2.2.2.5 Szenarioanalysen und Stresstests
2.2.3 Notfallplanung
3 Basel Bestimmungen
3.1 Basel Committee on Banking Supervision
3.2 Basel 3
3.3 Capital Requirements Regulation und Capital Requirements Directive
3.4 Liquiditätsstandards unter Basel 3
3.4.1 Liquidity Coverage Ratio
3.4.1.1 Mindestanforderungen an lastenfreie, hochliquide Aktiva
3.4.1.2 Gesamte Nettomittelabflüsse unter Stress
3.4.1.3 Einführung der LCR
3.4.1.4 LCR Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien
3.4.2 Net Stable Funding Ratio
3.4.2.1 Verfügbare stabile Refinanzierung (ASF)
3.4.2.2 Erforderliche stabile Refinanzierung (RSF)
3.4.2.3 Einführung der NSFR
3.4.2.4 NSFR Raiffeisen-Landesbank Steiermark
3.4.3 Additional Liquidity Monitoring Metrics
3.5 BRRD und Minimum Requirement for Own Funds and Eligible Liabilities (MREL)
4 Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die Quantifizierung und Steuerung des Liquiditätsrisikos in Kreditinstituten im Kontext des regulatorischen Rahmenwerks von Basel 3. Das primäre Ziel ist es, die Herausforderungen und Methoden zur Identifikation, Messung und Bewältigung von Liquiditätsrisiken aufzuzeigen, um zukünftige Liquiditätskrisen zu verhindern.
- Analyse der verschiedenen Dimensionen des Liquiditätsbegriffs und der Entstehung von Liquiditätsrisiken.
- Untersuchung bankinterner Messmethoden wie der Liquiditätsablaufbilanz, des Liquidity Value at Risk (LVaR) und des Liquidity at Risk (LaR).
- Darstellung der Liquiditätsstandards unter Basel 3, insbesondere der Liquidity Coverage Ratio (LCR) und der Net Stable Funding Ratio (NSFR).
- Bewertung der aufsichtsrechtlichen Anforderungen durch die Capital Requirements Regulation (CRR) und die Capital Requirements Directive (CRD).
- Praxisbezogene Einblicke in die Umsetzung von Liquiditätskennzahlen am Beispiel österreichischer Bankinstitute.
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Ursachen des Liquiditätsrisikos
Liquiditätsrisiko kann auf beiden Seiten der Bilanz entstehen. Auf der Aktivseite kann es zu unzureichenden Zahlungseingängen kommen, während auf der Passivseite aus diversen Finanzierungsquellen nicht ausreichend Liquidität geschöpft werden kann, um auslaufende Verbindlichkeiten zu tilgen, zudem kann es zu einem plötzlichen Mittelabfluss kommen.
Eine besondere Gefahr besteht dabei darin, dass ein spezielles Ereignis auf eine bereits bestehende Schwachstelle der Bank (wie bspw. die überproportionale Abhängigkeit von einer bestimmten Kundengruppe) trifft und dadurch eine Liquiditätskrise auslöst. Mögliche Auslöser für Krisen dieser Art sind zum Beispiel Kreditverluste einer Bank, ein Vertrauensverlust auf Seiten der Kunden, oder eine Krise auf dem gesamten Markt, während die Schwachstelle der meisten Banken in der Diskrepanz hinsichtlich der Liquidität zwischen Aktiv- und Passivposten liegt.
Eine weitere Gefahr birgt die zunehmende Vernetzung innerhalb des gesamten Finanzsystems. Die Zahlungsunfähigkeit eines oder einer kleinen Gruppe von Finanzinstituten kann, abhängig von deren Größe und Vernetzung, eine Störung des gesamtmarktwirtschaftlichen Gleichgewichts sowie eine Ausbreitung der Liquiditätskrise zur Folge haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Bedeutung des Liquiditätsrisikos als Kernrisiko für Banken, besonders im Nachgang der internationalen Finanzkrise ab 2007, und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Quantifizierung und Prävention durch Liquiditätskennzahlen.
2 Liquiditätssteuerung: Dieses Kapitel widmet sich der Definition verschiedener Liquiditätsbegriffe sowie Methoden zur Identifikation und Messung des Liquiditätsrisikos, inklusive der Liquiditätsablaufbilanz, des Liquidity Value at Risk und der Notfallplanung.
3 Basel Bestimmungen: Der Hauptteil beschreibt das Regelwerk von Basel 3 sowie dessen europäische Umsetzung durch CRR und CRD und detailliert die neuen Liquiditätskennzahlen LCR, NSFR sowie ergänzende Meldestandards.
4 Schlussfolgerung: Das Fazit fasst zusammen, dass durch die neuen regulatorischen Anforderungen an die Liquiditätsdeckung und das Risikomanagement Banken heute besser auf Krisensituationen vorbereitet sind, auch wenn die Implementierung dieser Standards mit hohen administrativen und technischen Aufwänden verbunden bleibt.
Schlüsselwörter
Liquiditätsrisiko, Basel 3, Liquiditätssteuerung, LCR, Liquidity Coverage Ratio, NSFR, Net Stable Funding Ratio, Liquiditätsablaufbilanz, Finanzkrise, Bankenaufsicht, Risikomanagement, CRR, CRD, Stresstests, Liquiditätspuffer
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Quantifizierung und Steuerung von Liquiditätsrisiken bei Banken und untersucht, wie moderne Kennzahlen und das Baseler Rahmenwerk dazu beitragen, die Stabilität im Bankensektor zu erhöhen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der internen Liquiditätsrisikosteuerung, den gesetzlichen Anforderungen nach Basel 3 sowie der praktischen Berechnung und Bedeutung der Liquiditätskennzahlen LCR und NSFR.
Welche Forschungsfrage steht im Mittelpunkt?
Die Kernfrage lautet, wie es Kreditinstituten gelingen kann, durch den Einsatz diverser Liquiditätskennzahlen das Liquiditätsrisiko effektiv zu quantifizieren, um zukünftige Liquiditätskrisen zu verhindern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender regulatorischer Vorschriften sowie der methodischen Untersuchung von Risikokennzahlen und deren praktischer Anwendung in Banken.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der internen Liquiditätssteuerung und die detaillierte Darstellung des regulatorischen Umfelds von Basel 3, ergänzt durch Fallbeispiele zur Berechnung der LCR und NSFR.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten über Begriffe wie Liquiditätsrisiko, Basel 3, LCR, NSFR, Risikomanagement und Bankenaufsicht definieren.
Warum ist die Unterscheidung zwischen kurzfristiger und langfristiger Liquidität wichtig?
Die Differenzierung ist notwendig, um sowohl die tägliche Zahlungsfähigkeit (operative Liquidität) als auch eine stabile, langfristige Finanzierungsstruktur der Bank zu gewährleisten, was durch die LCR und NSFR reguliert wird.
Wie unterstützen Stresstests das Liquiditätsrisikomanagement?
Stresstests simulieren kritische Markt- oder Banksituationen, um Schwachstellen aufzudecken und erlauben es, auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse adäquate Notfallpläne und Maßnahmenkataloge zu erstellen.
Welche Rolle spielt die "Goldene Bankregel" im Kontext der NSFR?
Die NSFR fungiert als Präzisierung der Goldenen Bankregel, da sie sicherstellt, dass illiquide Aktiva durch langfristige Refinanzierungsmittel gedeckt werden, um die Fristenkongruenz zu erhöhen.
Was ist das Ziel der ALMM-Kennzahlen?
Die Additional Liquidity Monitoring Metrics (ALMM) dienen den Aufsichtsbehörden als ergänzendes Instrument zur LCR und NSFR, um durch detaillierte Datenblätter einen genaueren Einblick in die Liquiditätslage und das Finanzierungsverhalten von Banken zu gewinnen.
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- Stefan Vaterl (Author), 2018, Die Quantifizierung und Steuerung des Liquiditätsrisikos unter Basel 3, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/591106