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Die Lieder Neidharts - Werke eines Einzelautors?

Title: Die Lieder Neidharts - Werke eines Einzelautors?

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 23 Pages , Grade: 2,7

Autor:in: Sebastian Hanelt (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Das Gesamtwerk des mittelalterlichen Liedautors Neidhart bietet eine beeindruckende Fülle an Texten. In verschiedenen Handschriften überliefert, die über eine große Zeitspanne verteilt entstanden, liegen unter diesem Autorennamen Texte aus der Zeit des Hochmittelalters vor. In vielen Fällen zusammen mit Melodien, häufig aber auch nur als Fragmente oder in Auszügen überliefert, entsteht insgesamt der Eindruck eines Sängers des Mittelalters, der nicht nur eine inhaltliche Vielfalt anbietet, sondern offensichtlich auch in seiner Zeit als Sänger gefragt war und gerne rezipiert wurde. Seit der Entdeckung des Autors Neidhart innerhalb der mediävistischen Forschungsdisziplin beschäftigt allerdings auch die Frage nach der Echtheit der einzelnen Werke die Forscher.
Ausgehend von der vorliegenden Forschungsliteratur wird eine inhaltliche Analyse der Fassungsvarianten (Handschriften) von vier ausgewählten Liedern Neidharts vorgenommen. Diese liefert zusammen mit älteren Analysen aus der Literatur den Grundstock zur Klärung der Frage, ob von einem Einzelautor Neidhart oder von einem im Laufe des Mittelalters mehrfach überarbeiteten Gesamtwerk verschiedener Autoren auszugehen ist.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die einzelnen Handschriften

3. Liedinterpretationen

3.1. Beispiel Sommerlied 23

3.2. Beispiel Winterlied 20

3.3. Beispiel Winterlied 27

3.4. Beispiel Sommerlied 27

4. Zusammenführung der Interpretationsergebnisse und Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Authentizität der Lieder Neidharts, indem sie verschiedene Liedfassungen aus den Handschriften R, C und c vergleichend analysiert. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob textliche Abweichungen auf den Originalautor zurückzuführen sind oder als nachträgliche Bearbeitungen durch spätere Nachahmer zu werten sind, um das Minneschema an veränderte gesellschaftliche Kontexte anzupassen.

  • Vergleich der Überlieferung in den Handschriften R, C und c
  • Analyse der inhaltlichen und formalen Veränderungen im Minneschema
  • Untersuchung der gesellschaftlichen und sozialpolitischen Tendenzen in den Liedtexten
  • Diskussion von Autoren- und Echtheitsfragen mittelalterlicher Lyrik
  • Auswertung der Rolle von Zusatzstrophen bei der Handlungsvollständigkeit

Auszug aus dem Buch

3.1 Beispiel Sommerlied 23

Das Lied beginnt mit dem bei Neidhart nahezu obligatorischen Sommereingang. In der gleichen Strophe wird ein gewisser Wîerât zum Tanz aufgerufen. Die folgende Strophe bringt die Erkenntnis, dass es sich bei der Sprecherin wohl um ein junges Mädchen handelt, denn diese spricht von einem Ritter, an dessen Händen sie in „hôhem muote“ tanzen wolle (Strophe V, Verse 5-6)17. Dass es sich bei der Sprecherin allerdings nicht um eine höfische Dame handelt, sondern um ein Mädchen aus bäuerlichem Rahmen, erfährt man in der dritten Strophe, in der die Mutter warnt, dass die Tochter für die Ritter „niht ze mâze“ sei (VI, 3). Mehr noch warnt die Mutter auch, dass der junge Meier sein Interesse an der Tochter bekunden würde. Sie solle sich mit ihm zufrieden geben und nicht den Schaden provozieren, der entstünde, wenn der Ritter sie ablehnen würde (VI, 4-6). Die Tochter scheint also durchaus auf dem Weg zu sein, aus ihrem Stand auszubrechen – etwas, das die Mutter offensichtlich nicht gutheißen will. In den drei folgenden Strophen I, II und III wird noch einmal sehr ausführlich der Sommereingang geschildert, wobei die Verse „Blôzen wir den anger ligen sâhen end uns diu liebe zît begunde nâhen“ (I,1-2) durchaus als metaphorisches Bild auf den Zustand der Hoffnung auf den Ritter nach der trüben Zeit ohne Liebe verstanden werden kann. Durch die Reihung dieser drei Sommereingangsstrophen kommt es zu einer deutlichen Verstärkung des Wunsches des Mädchens nach der ausführlichen und offenbar hoch eingeschätzten Liebe des Ritters. Genau diese hohe Einschätzung bestätigt das Mädchen in der folgenden Strophe VII, in der sie der Mutter auf deren Vorwürfe erwidert, dass sie einem Ritter sehr wohl gewachsen sei und ein Bauer sie niemals so lieben könne wie ein solcher edler Ritter (VII, 3-5).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Problematik der Authentizität in Neidharts Werk und stellt die methodische Vorgehensweise des Vergleichs verschiedener Handschriften zur Untersuchung möglicher Nachdichtungen vor.

2. Die einzelnen Handschriften: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die wesentlichen Merkmale der Handschriften R, C und c sowie deren spezifische Bedeutung und Sichtweise auf den Neidhart-Korpus.

3. Liedinterpretationen: Anhand von vier ausgewählten Liedern werden die verschiedenen Fassungen inhaltlich analysiert und einander gegenübergestellt, um Veränderungen im Minneschema und in der Darstellung gesellschaftlicher Konflikte aufzuzeigen.

4. Zusammenführung der Interpretationsergebnisse und Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die in den Analysen erkannten Tendenzen – wie die Veränderung des Minneschemas und die soziale Dimension – zusammen und zieht ein vorsichtiges Fazit bezüglich der Verfasserfrage.

Schlüsselwörter

Neidhart, Minnesang, Handschrift R, Handschrift C, Handschrift c, Echtheitsfrage, Minneschema, Dörper, Mittelalter, Literaturgeschichte, Textvariante, Nachdichtung, Sozialstruktur, Sommerlied, Winterlied

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, ob die unter dem Namen Neidhart überlieferten Liedfassungen tatsächlich von einem einzigen Autor stammen oder ob es sich um spätere Nachdichtungen handelt.

Welches sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Entwicklung des Minneschemas, die Rolle der bäuerlichen Dörper-Figur im Kontrast zum Ritter und der Einfluss der mündlichen sowie schriftlichen Überlieferung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, durch die Analyse der verschiedenen Handschriften (R, C, c) herauszufinden, ob die dort erkennbaren inhaltlichen Unterschiede und Ergänzungen als bewusste, spätere Nachdichtungen zu interpretieren sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt den vergleichenden Textvergleich von Liedfassungen sowie die Auswertung mediävistischer Sekundärliteratur, um inhaltliche und formale Tendenzen in der Überlieferungsgeschichte aufzuzeigen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert konkret vier Lieder (Sommerlieder 23 und 27 sowie Winterlieder 20 und 27) und vergleicht jeweils deren Strophenaufbau und Aussage in den verschiedenen Handschriften.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Neidhart, Minnesang, Handschriftenvergleich, Echtheitsfrage, Minneschema und Dörper-Motivik.

Welche Rolle spielt die Handschrift c im Vergleich zu R und C?

Die Handschrift c zeigt eine Tendenz zur inhaltlichen Explizierung und Vervollständigung von Handlungsketten, was in der Arbeit als Indiz für spätere Nachdichtungen gewertet wird.

Wie wird das Spannungsfeld zwischen Ritter und Bauer im Werk beurteilt?

Die Arbeit deutet das Rivalitätsverhältnis als ein Zeichen für den Wandel gesellschaftlicher Strukturen, wobei sich die Grenze zwischen adligem Minnesänger und bäuerlichem Konkurrenten in späteren Fassungen zunehmend verwischt oder grotesk übersteigert wird.

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Details

Title
Die Lieder Neidharts - Werke eines Einzelautors?
College
University of Göttingen  (Seminar für Deutsche Philologie)
Course
Neidharts Lieder
Grade
2,7
Author
Sebastian Hanelt (Author)
Publication Year
2006
Pages
23
Catalog Number
V59111
ISBN (eBook)
9783638531344
ISBN (Book)
9783638724821
Language
German
Tags
Lieder Neidharts Werke Einzelautors Neidharts Lieder
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sebastian Hanelt (Author), 2006, Die Lieder Neidharts - Werke eines Einzelautors?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59111
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