Identitätsbildung von Jugendlichen in sozialen Netzwerken. Möglichkeiten und Grenzen von Instagram bei der Identitätsbildung


Hausarbeit, 2019

20 Seiten, Note: 1,3

Bleckmann (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Identit ä tsbildung Jugendlicher
2.1 Begriffliche Annäherung
2.2 Identitätsentwicklung im Jugendalter
2.3 Identitätsbildung und soziale Medien

3. Das soziale Netzwerk Instagram
3.1 Definition und Entstehung
3.2 Funktionen

4. Möglichkeiten und Grenzen der Identitätsbildungauf Instagram
4.1 Selbstdarstellung
4.2 Privatsphäre
4.3 Kommunikation und Interaktion

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Genderhinweis

In dieser Arbeit wird aus Gründen der besseren Lesbarkeit das generische Maskulinum verwendet. Weibliche und anderweitige Geschlechteridentitäten werden dabei ausdrücklich mitgemeint, soweit es für die Aussage erforderlich ist Dies soll keinesfalls eine Geschlechterdiskriminierung oder eine Verletzung des Gleichheitsgrundsatzes zum Ausdruck bringen.

1. Einleitung

Heutzutage wachsen Jugendliche mit einem breiten Angebot an Medien in ihrem Umfeld auf. Wie die JIM-Studie von 2018 zeigt, ist fast jeder Haushalt mit Smartphones, Computern, Laptops, Fernsehen und Internet ausgestattet (vgl. MPFS, 2018, S.1). Davon wird am häufigsten das Internet über ein Smartphone genutzt (vgl. ebd., S.27). Der Großteil der Nutzung bezieht sich dabei auf Unterhaltung (z.B. Musik, Videos, Bilder) und Kommunikation, welches zwei der Hauptbestandteile von sozialen Netzwerken sind. In der Kategorie soziale Netzwerke genießen drei Apps besondere Beliebtheit: WhatsApp, Instagram und YouTube werden am häufigsten genutzt und in den Alltag von Jugendlichen integriert (vgl. ebd., S.36).

Die App Instagram hat in den letzten Jahren einen deutlichen Zuwachs an Nutzern erhalten und wird von Jugendlichen gegenüber anderen Apps bevorzugt (vgl. Schuegraf & Börner, 2019, S.51). Diese Ausarbeitung soll sich deshalb speziell mit Instagram auseinandersetzen und Chancen und Grenzen in Bezug auf die Identitätsbildung von Jugendlichen untersuchen. Die Photo-Sharing-Plattform Instagram ist im Vergleich zu Facebook eine relativ neue App: Es gibt sie erst seit 9 Jahren (vgl. Instgram, 2019, „info center“). Instagram bietet die Möglichkeit Bilder und Videos im eigenen Profil zu teilen, anderen Nutzern zu folgen, Beiträge zu kommentieren oder zu liken. Es ist also nicht nur möglich über Instagram zu kommunizieren und sich mit anderen Nutzern zu verbinden, sondern auch Inspiration, Selbstdarstellung und Resonanz spielen eine wichtige Rolle (vgl. Schuegraf & Börner, 2019, S. 53f.).

Welchen Einfluss das soziale Netzwerk Instagram damit auf die Bildung der eigenen Identität eines Jugendlichen haben kann, soll in dieser Arbeit theoretisch erläutert werden. Dabei wird sich zunächst dem Begriff Identität genähert und Identitätskonzepte werden betrachtet. Anschließend wird Instagram mit seinen Funktionen genauer beschrieben und erklärt. Final werden diese beiden Aspekte in Relation gesetzt und sich mit den Möglichkeiten und Grenzen der App für die Identitätsbildung Jugendlicher auseinandergesetzt.

2. Identit ä tsbildung Jugendlicher

Um die möglichen Auswirkungen des sozialen Netzwerks Instagram auf die Bildung von Identität bei Jugendlichen genauer betrachten zu können, muss zuerst eine Bestimmung der Begriffe Identität und Identitätsentwicklung erfolgen. Im weiteren Abschnitt werden außerdem konkrete Identitätskonzepte erläutert, die in Bezug auf die App ihre Anwendung finden könnten.

2.1 Begriffliche Ann ä herung

Wer bin ich? – auf diese Frage soll der Begriff Identität in unserem allgemeinen Verständnis eine Antwort geben können. Das Wort Identität wird gängig verwendet, hat jedoch keine klare und eindeutige Definition, sondern umfasst viel mehr diverse Vorstellungen und Konzepte. Um den Ausdruck für diese Arbeit genauer einzugrenzen, werden im Folgenden verschiedene Identitätskonzepte und Definitionen aufgegriffen, welche relevant für den weiteren Verlauf und den Bezug zu sozialen Medien sind.

Allgemein betrachtet lässt sich eine Identität Gruppen, Kollektiven aber auch einzelnen Personen zuschreiben (vgl. Straub, 1995, S.1). Die Entwicklung der Identität ist nie vollständig abgeschlossen, sondern ein fortlaufender Prozess und keinesfalls ein stabiles Konstrukt (vgl. Kneidinger-Müller, 2017, S. 62). Identität ist auch immer subjektiv: Jeder hat eine gewisse Vorstellung von seiner eigenen Wahrnehmung (Selbstbild). Ob dies aber mit der tatsächlichen Wahrnehmung der Anderen übereinstimmt (Fremdbild), wird immer individuell unterschieden (vgl. Kneidinger-Müller, 2017, S.2).

Ein besonders relevanter Vertreter mit einer herausstechenden Identitätstheorie ist Erik Erikson. Er begründete die Anfänge von Identitätskonzepten. Der deutsch-amerikanische Lehrer und Psychoanalytiker vertritt grundsätzlich in seinem Identitätsmodell die freudsche Theorie, erweiterte sie aber in vielen Aspekten und definierte gewisse Teile neu. Die ursprünglichen fünf Stufen der Identitätsentwicklung nach Freud ergänzt Erikson zu acht und betrachtete damit erstmals die Entwicklung der Identität über das Kindheitsalter hinaus und beschreibt deshalb auch das hier wesentliche Jugendalter.

Eriksons acht Stufen oder auch Stadien sind jeweils verschiedene Thematiken zugeschrieben, die der Mensch in seiner Entwicklung durchschreitet (vgl. Erikson, 1995, S. 72f.). Jede Stufe umfasst außerdem eine gewisse Aufgabe, die abgeschlossen werden sollte. Wenn dies besonders gut gelingt, erlebt der Mensch hier eine gewisse psychologische Stärke und erreicht Tugenden. Erikson beschreibt außerdem, dass jeder Stufe eine optimale Zeit zugeschrieben ist, in der sie abgehandelt werden sollte. Innovativ war in Eriksons Modell zudem die gegenseitige Beeinflussung von Generationen. Damit war beispielsweise gemeint, dass nicht nur Eltern ihre Kinder beeinflussen, sondern dass auch umgekehrt eine Beeinflussung stattfindet (vg. Erikson, 1995, S.85). Identität lässt sich nach Erikson also je nach unterschiedlicher Lebensphase (in welcher Entwicklungsstufe man demnach steckt) beschreiben. Das Subjekt ist dabei stets von seiner Umwelt beeinflusst. Erikson beschreibt Identität ferner als ein Gefühl des Individuums (vgl. Mey,1999, S.26).

Bevor ein konkreter Bezug zwischen soziale Medien und Identitätsbildung betrachtet werden kann, folgt das Identitätskonzept nach George Herbert Mead. Diese bezieht sich besonders auf Kommunikation und Interaktion zwischen Individuum und kann deshalb auf soziale Netzwerke angewendet werden, weshalb dem Konzept hier Relevanz zugesprochen wird.

Der Soziologe und Psychologe George Herbert Mead setzte sich ebenfalls mit dem Begriff Identität auseinander. Mead beschäftigte sich damit, wie das Selbst innerhalb von sozialer Interaktion entsteht. Damit begründete er unter anderem die Anfänge des symbolischen Interaktionismus (vgl. Winter, 2010, S.82). Dieser wird im Folgenden noch einmal kurz erläutert, um die Verbindung zwischen dieser Theorie und Identitätsbildung zu verdeutlichen.

„Der symbolische Interaktionismus interessiert sich vornehmlich dafür, wie soziale Interaktionen zwischen Individuen vor sich gehen, wie im Handlungsprozess soziale Wirklichkeit durch die Handelnden konstruiert wird und wie Menschen ihre Identität entwickeln und ausbilden.“ (Reiger, 2007, S. 141). Damit bezieht sich die Theorie des symbolischen Interaktionismus zwar nicht fokussiert auf Identitätsbildung, erklärt diese aber als eine Art Auswirkung oder Folge. Die Interaktion zwischen Individuum und Gesellschaft steht im Zentrum. Dabei werden Verständnis, Ordnung und Sinne ausgehandelt und das eigene Selbst bildet sich durch die Auseinandersetzung mit anderen (vgl. Winter, 2010, S.79).

Der Bezug vom symbolischen Interaktionismus zur Identitätsbildung wird im Folgenden besonders deutlich: Wenn das Individuum in eine Interaktion mit anderen Menschen tritt, verlässt es seinen eigenen Blickwinkel und übernimmt den seines Gegenübers. Somit betrachtet es sich selbst und wird sich zuerst seiner Identität bewusst. Es schlüpft in eine andere Rolle. Durch den Blickwinkel des anderen kontrolliert das Individuum seine eigenen Reaktionen und kann sich dadurch selbst gezielter steuern und gewisse Haltungen adaptieren. Das Individuum fängt an sich selbst zu reflektieren und zu überdenken (vgl. Reiger, 2007, S.147). Hierbei kommen wir zu Meads Persönlichkeitstheorie. Durch diese Rollenübernahme gewinnt das Individuum an Einstellungen und Erwartungen, einen von der Gesellschaft bestimmten Teil der Identität. Diesen nennt Mead „me“. Als Gegenstück dazu gibt es noch das „I“: Hier reagiert das Individuum spontan, aus einem Impuls heraus und ist nicht ganzheitlich kontrollierbar. Die Identität verbindet sich aus diesen beiden Teilen, die in einem ständigen Dialog stehen, und kann nur mit beiden existieren (vgl. Reiger, 2007, S.149). Ähnlich wie Erikson sieht Mead Identitätsbildung als eine fortlaufende Entwicklung, welche beeinflusst wird durch Erfahrungen und Tätigkeiten. Er beschreibt

Identität außerdem als ein eigenständiges Objekt, welches getrennt vom menschlichen Körper steht. Mead betont zudem, dass Identität sich nur durch Sprache und Interaktion bilden kann (vgl. Mead, 1988, S.177f.).

2.2 Identit ä tsentwicklung im Jugendalter

Da es in dieser Ausarbeit ausschließlich um die Identitätsentwicklung von Jugendlichen gehen soll, ist es notwendig abseits der allgemeinen Betrachtung von Identitätsbildung nun die Phase des Jugendalters genauer zu beleuchten.

Eine präzise Alterseingrenzung für das Jugendalter ist schwer vorzunehmen. Erikson (1995) beschränkte es auf 12-18 Jahre: zwischen Schulkind-Dasein und jungen Erwachsenen. Die JIM-Studie (2018) spricht von 12- bis 19-Jährigen. Wieder andere Wissenschaftler wollen sich auf keinerlei Begrenzungen für diese Lebensphase festlegen (vgl. Wegener, 2008, S.35).

Im Jugendalter wird der Mensch mit verschiedenen Herausforderungen, Widersprüchen und Erwartungen konfrontiert. Die Entwicklung der Identität ist eine zentrale Aufgabe (vgl. Kneidinger-Müller, 2015, S.1). In Eriksons fünfter Stufe, der Adoleszenz beschreibt er diesen Prozess als Selbstgewissheit. Der Jugendliche ist mit dem Kampf von Identität gegen Identitätsdiffusion konfrontiert (vgl. Erikson, 1973, S. 150f.) und muss sich diversen Widersprüchen aussetzen: Zum einen werden Entscheidungen und Planungen für die Zukunft zum Thema Karriere erwartet. Zum anderen sollen verschiedene Optionen offengehalten werden, damit flexibel auf willkürliche Situationen reagiert werden kann. Die Konsumorientierung wird ausgeprägt, welche jedoch durch die noch nicht erreichte finanzielle Unabhängigkeit nicht erfüllt werden kann. Im Bezug zu der familiären Situation findet eine Ablösung von den Eltern statt. Dafür nimmt die Beziehung und der Zugehörigkeitsdrang zur Peer-Group zu (vgl. Wegener, 2008, S.35). Der Jugendliche experimentiert mit diversen Rollen, sollte Zutrauen zu seinen eigenen Leistungen finden und entwickelt auch eine sexuelle Identität (vgl. Erikson, 1973, S. 150f.).

Einen weiteren relevanten Faktor im Leben der Jugendlichen stellen Medien dar: Wie die JIM-Studie zeigt, besitzt fast jeder Jugendliche ein Smartphone, hat Internetzugang sowie einen Fernseher zu Hause. Neben dem Aufwachsen mit Massenmedien, sind die sogenannten neuen Medien äußert präsent: WhatsApp, Instagram, YouTube und Snapchat sind die beliebtesten Anwendungen und werden täglich oder mehrmals in der Woche genutzt (vgl. MPFS, 2018, S.36). In diesen sozialen Netzwerken (Definition erfolgt im nächsten Absatz) ist die Verbindung zur Peer-Gruppe besonders simpel und schnell möglich.

Denn Jugendliche nutzen diese Angebote mitunter dazu, um sich innerhalb ihrer jugendkulturellen und interessenbezogenen Vergemeinschaftungen translokal zu vernetzen. Aber auch um ihre lokal verankerten Beziehungen zu pflegen, in Problemsituationen soziale Unterstützung und emotionalen Halt von den Peers zu erfahren, die eigene virtuelle Selbstinszenierung zu erproben, sich tagespolitisch und interessenbezogene Informationen zu beschaffen, spontane Verabredungen und Events zu organisieren, alltägliche Erfahrungen zu dokumentieren und zu teilen, gemeinsam Hausaufgaben zu erledigen sowie sich auf unterschiedliche Weise unterhalten zu lassen (Tournier, 2017, S.24).

Es entsteht eine persönliche Öffentlichkeit in den diversen Netzwerken, die zur Bildung und Entwicklung der eigenen Identität beiträgt.

Zudem formuliert Erikson in seinem Stufen-Modell gewisse Tugenden, die bei erfolgreichem Abschluss einer Stufe erreicht werden sollten. Innerhalb der Adoleszenz-Stufe gewinnt das Individuum an psychologischer Stärke in Form von Glaubwürdigkeit, Treue und Loyalität. Sollte die Entwicklung dieser Phase nicht positiv verlaufen worden sein, kann es zu Zurückweisung oder Fanatismus kommen (vgl. Boeree, 2006, S.13).

2.3 Identit ä tsbildung und soziale Medien

Soziale Medien spielen eine wichtige Rolle im Leben der Jugendlichen. Sie werden zur Unterhaltung, als Zeitvertreib, für Selbstinszenierung oder zur Teilhabe am Leben anderer genutzt (vgl. Schuegraf & Börner, 2019, S.51). Inwiefern geht der Begriff sozialen Medien nun konkret mit Identitätsbildung zusammen? Dafür wird zuerst der Ausdruck soziale Medien kurz definiert.

Unter den Begriff soziale Medien oder auch social Media fallen diverse Unterformen. So lassen sich Online-Communities, Netzwerkplattformen, Multimediaplattformen, Webblogs, Microblogs, Instant-Messaging-Dienste und Wikis samt unter dem Begriff der sozialen Medien zusammenfassen. Ihnen gleich sind die folgenden Merkmale, mit denen sich der Ausdruck greifbarer machen lässt: Zum einen ist es möglich diese Medien fast von überall aus, wo ein Internetzugang verfügbar ist, zu nutzen. Die Bedingung ist außerdem in den meisten Fällen sehr einfach, sodass es möglich ist ohne technisches Know-How Informationen im Internet zu veröffentlichen oder zu bearbeiten. Folglich kann jeder Nutzer Bild- oder Audioaufnahmen aller Art einem großen Publikum zugänglich machen, indem er sie in einem der Netzwerke online stellt. Ein weiterer Aspekt von sozialen Medien ist die Kommunikation: Vernetzung, Austausch und Konversation unter den Nutzern können schnell und einfach stattfinden (vgl. Schmidt, 2018, S.10ff.). Unter den Begriff soziale Medien fällt demnach auch die App Instagram.

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Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Identitätsbildung von Jugendlichen in sozialen Netzwerken. Möglichkeiten und Grenzen von Instagram bei der Identitätsbildung
Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
20
Katalognummer
V591175
ISBN (eBook)
9783346191014
ISBN (Buch)
9783346191021
Sprache
Deutsch
Schlagworte
grenzen, identitätsbildung, instagram, jugendlichen, möglichkeiten, netzwerken
Arbeit zitieren
Bleckmann (Autor), 2019, Identitätsbildung von Jugendlichen in sozialen Netzwerken. Möglichkeiten und Grenzen von Instagram bei der Identitätsbildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/591175

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