Pompeius und der Osten. Eine Reform der römischen Provinzialpolitik?


Hausarbeit, 2017

20 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundprinzipien der römischen Provinzverwaltung bis 148 v. Chr

3. Reaktionen des Imperium Romanum und seiner Akteure auf die Anforderungen der Großmachtstellung
3.1. Die Entwicklung der Provinzialpolitik zwischen 168 v. Chr. und 81 v. Chr
3.2. Pompeius im Osten

4. Schluss

Literaturverzeichnis

Quellen

Forschungsliteratur

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der römischen Provinzialpolitik innerhalb des Zeitraums von 241 v. Chr. mit der Errichtung der Provinz Sicilia bis zur Neuordnung des Ostens durch Pompeius 63 v. Chr. Die Frage nach dem Reformbegriff ist hierbei von besonderem Interesse, weil die Forschungsliteratur gemeinhin diesen Begriff vermeidet.

Auf Grundlage dessen wird zu Beginn dieser Arbeit auf die allgemeinen Regelungen bis zum Jahr 168 v. Chr. eingegangen. Dies soll als grobe Einführung in die Thematik dienen. Die weitere Hinführung zur Fragestellung soll im darauffolgenden Teil in zwei Punkte untergliedert werden. Zunächst werden die großen Zeiten der römischen Expansion zwischen den punischen Kriegen und den Kriegen gegen die hellenistischen Staaten Europas einbezogen, sowie anschließend im Kontext über die politische Wende unter den Gracchen und Sulla weitergeführt. In Bezug auf die Problemstellung der Arbeit soll der letztere Teil geprägt sein von der Neuordnung des Pompeius im Osten, wobei die militärische Auseinandersetzung nur am Rande behandelt wird.

Klarzustellen ist, dass es der Umfang dieser Arbeit nicht erlaubte, auf jede Provinzgründung einzeln einzugehen, weswegen diese auch nicht genauer spezifiziert wurden als die allgemeine Erläuterung der typischen Bestimmungen. Gleiches muss man auch für die Neuordnung des Pompeius sehen. So soll hierbei nicht der gesamte Osten thematisiert werden, sondern beispielhaft die Provinz Pontos et Bithynia.

Die Basis meiner Überlegungen bildet Ernst Baltruschs Werk „Caesar und Pompeius“ sehr anschaulich auf die größeren politischen und geographischen Konflikte dieser Zeit eingeht. Ausgehend hiervon schaffte ich mir einen Überblick über die allgemeinen Regelungen innerhalb der Provinzialpolitik durch die Veröffentlichungen Gabriele Wesch-Kleins. Sofern man den genaueren Blick auf einzelne Provinzen vorzieht, ist im besonderen Tilmann Bechert hervorzuheben, welcher sehr detailliert die gesamten Provinzwerdungen in der römischen Geschichte näher beleuchtete. Im Kontext hierzu bezieht Dahlheim dagegen häufiger eine kritische Position, die auch nicht immer überein geht mit der aktuellen Forschungsliteratur. Dieser bezog sich, ähnlich wie Raimund Schulz, auf das Große und Ganze und thematisierte die Entwicklungen der Provinzialpolitik in der Zeit der Republik

2. Grundprinzipien der römischen Provinzverwaltung bis 148 v. Chr.

Die Provinz als solches war ein Konstrukt der außeritalischen Herrschaft des römischen Reiches ab dem Jahre 241 v. Chr. mit der Einrichtung der ersten Provinz Sicilia. Nach dem Sieg über Karthago im ersten Punischen Krieg versuchte man über dieses Konstrukt erstmals direkt über Gebiete außerhalb des römischen Stammlandes, sowie der italischen socii (Bundesgenossen), zu herrschen. So ist es logisch, dass nicht sofort alle rechtlichen, militärischen und finanziellen Angelegenheiten geklärt waren, welche die Provinz betrafen.

Dies manifestierte sich in einer Vielzahl von unklaren Regelungen nach 241 v. Chr. So fehlten grundsätzliche Regelungen über die Verteilung der Provinzen an die Magistrate. Durch die Schaffung neuer Provinzen hätten natürlich die bisher existierenden Ämter (zwei Prätoren und zwei Konsuln) nicht ausgereicht um alle derzeitigen, sowie zukünftig hinzukommende, mit einem entsprechenden Statthalter auszustatten. Ferner wird zudem anhand des langzeitigen Fehlens einer lex provinciae in Sicilia1 verdeutlicht, inwiefern diese neue territoriale Einheit feste Strukturen vermissen ließ.

Es verwundert also wenig, dass das Römische Reich unmittelbar reagierte2 und parallel zur Gründung der Provinz Sardinia et Corsica und dem erstmaligen entsenden eines Prätors nach Sicilia 227 v. Chr.3 zwei neue Prätorenstellen schuf und gleiches bei der Errichtung der zwei Provinzen in Hispania (citerior und ulterior) 197 v. Chr. wiederholte. Eben jene sollten von nun an als Statthalter in den Provinzen regieren, was eine Vielzahl von Aufgaben für sie mit sich brachte. Grundsätzlich war ein Statthalter natürlich ein Träger eines Imperiums und dadurch mit militärischen Mitteln ausgestattet. Diese sollte er zur Sicherung der Provinz verwenden und im Besonderen zum Schutze der Bevölkerung. Parallel zum Aufgabenfeld der Prätoren in der Stadt Rom sollte ebenfalls in der Provinz die Gerichtsbarkeit eine zentrale Aufgabe sein.4 Über besonders schwerwiegende Delikte sollte er entscheiden, weniger schwere Verbrechen konnte er an seine Helfer abgeben.5 Zudem besaß der Statthalter das ius gladii, das Schwertrecht. Er konnte folglich die Todesstrafe aussprechen.6

Die Vergabe der Statthalterschaften folgte weitestgehend den gängigen Prinzipien für magistratische Ämter im römischen Staat. Die Statthalterschaft war grundsätzlich auf ein Jahr beschränkt (Annuität) und ohne Bezahlung (honos). Statthalter genossen während ihrer Amtszeit die gerichtliche Immunität, welche erst nach der Amtszeit aufgehoben werden konnte. Die Kumulation (Ämterhäufung) war verboten. Dagegen war allerdings die Kollegialität nicht gegeben, da es immer nur einen Statthalter, für eine Provinz gab. Außerdem war das Verbot der Kontinuation obsolet, auf Grund der ständigen Knappheit an entsprechenden Kandidaten, was so auch für die Iteration galt.7 Folglich wurde die Autonomie des Statthalters in seinem Handeln erhöht, was insbesondere durch die Entfernung zu der Stadt Rom und dem Senat begründet war.8

Die Verteilung der jeweiligen Kommandobereiche für die Magistraten folgte gleichermaßen grundsätzlichen Regelungen. Hierbei benannte der Senat zu Beginn des Amtsjahres die praetorischen und konsularischen Geschäftsbereiche (nominare/ decernere provinciam). Anschließend wurden die Provinzen per Los (sortitio) zugeteilt, wobei die Konsuln diesbezüglich sich individuell einigen konnten (comparatio).9 Üblicherweise sollten die Konsuln nur in die prätorischen Provinzen eingreifen oder Krieg außerhalb Italiens führen, wenn größere militärische Kräfte erforderlich waren.10 Wie so oft in der römischen Politik gab es aber ebenso hiervon Ausnahmen innerhalb des Systems. So musste man häufig auf die Prorogation von Imperien zurückgreifen, also die Verlängerung der Amtszeit, um personelle Engpässe zu überwinden, was sich immer mehr häufen sollte mit der Zunahme von überseeischen Provinzen. Ähnlich verhielt es sich in Notsituationen wie z.B. einem Krieg oder einem Aufstand in einer Provinz. In einer solchen Situation konnte der Senat per senatus consultum und darauffolgenden Plebiszit eine provincia extra sortem bzw. extra ordinem zuweisen.11

Wie schon während der Zeit der Expansion in Italien galt es mit der Gründung von Provinzen genauso die verschiedenen Bevölkerungen der Regionen einzubeziehen. Hierbei setzte man auf das System der vertikalen Integration12. Diese suchte die Einbeziehung der führenden Familien in den Provinzen. Nötig war dies allemal, da der Verwaltungsapparat sehr minimalistisch angelegt war, da der Statthalter selbst nur einige wenige Amtshelfer zur Verfügung hatte. So war es keine Seltenheit, dass Provinziale in den Ritterstand gelangten und in späteren Generationen sogar in den Senat eingezogen waren.13

Nun möchte ich mich auf die drei grundlegenden Strukturen in den Provinzen beziehen, welche Rom geschaffen hat. Zunächst ist hierzu der Bau von Staatsstraßen (via publica) als Instrument der Raumdurchdringung zu nennen.14. Seit jeher haben die Römer begonnen, sobald sie Territorien erobert hatten, diese mit den bereits beherrschten Gebieten zu verbinden (via Appia 312 v. Chr., via Egnatia 146 v. Chr.). Der Sinn hiervon war grundsätzlich eher militärischer beziehungsweise informationeller Natur, da man so das Vorrücken der Legionen zu beschleunigen suchte, sowie befestigte Wege für Kuriere nicht nur schneller, sondern zudem sicherer waren. Doch es stellte sich als bald auch ein florierendes Netz von Handelswegen durch diese Straßen ein und sie bedeuteten so einen starken Anziehungspunkt für neue Siedlungen.15

Die zweite bedeutende Struktur bildete die Errichtung von Kolonien in den Provinzen durch die Provinzgründer.16 Überlieferungen belegen Gründungen von Kolonien schon 218 v. Chr. (Placentia und Cremona in Gallia cisalpina).17 Sie bildeten in den Provinzen eine Besonderheit, da sie im Unterschied zu den Provinzialen, welche peregrini (Fremde) waren, römisches Stadtrecht genossen und die damit einhergehenden Vorteile. Der Sinn der Kolonien war jeweils abhängig von den Anforderungen der Zeit. So war es zu Beginn vor allem ein Mittel zur militärischen Sicherung der Provinz, doch wurde es später eine einfache Möglichkeit der Versorgung von Bauern mit Land. Ihre Rolle sollte sich später im Konflikt zwischen Pompeius und Caesar nochmals ändern, indem sie in den Kolonien die demobilisierten Legionen ansiedelten, wodurch der Begriff „Veteranenkolonie“ treffender wird.18

Die Gründung von Städten bildete die dritte maßgebliche Struktur bei der Schaffung von Provinzen. Sie geschah planvoll, in großer Zahl und war an sich ein Merkmal der römischen Herrschaft. So kam es, dass systematisch, schon seit der Gründung Sicilias, jede neue Provinz mit einem Netz aus Städtegründungen überzogen wurde.19

Abschließend ist das lex provinciae (Provinzstatut) in den Provinzen zu nennen, wenn man sich auf die direkte Herrschaft bezieht. Sie waren, kurz gesagt, die rechtlichen Regelungen über das Verhältnis zwischen dem Statthalter und den Provinzialen, sowie zwischen den Provinzialen und Rom. Erstellt wurden diese Provinzstatute typischer weise von einem Feldherrn und einer zehnköpfigen Senatsdelegation.20 Dieses Schriftstück beinhaltet Bestimmungen über Abgabenregelungen, Änderungen der Steuersysteme der Städte an die römischen Bedürfnisse, Klärung der Rechtsstellung von Städten, sowie individuellen Entscheidungen welche die entsprechenden Bedürfnisse der Provinz betrafen.21

Dies war allerdings in keiner Weise eine grundsätzliche Regelung in allen Provinzen, sondern von Provinz zu Provinz unterschiedlich. Zudem ist in der Forschung unklar, ob es in jeder provincia eine derartige Regelung gegeben hat, da sich solche Schriftstücke nicht für jede nachweisen lassen.22 Unter anderem deswegen schaffte man durch die Provinzialedikte eine andere Form der Jurisdiktion durch den Statthalter. Hierbei ist der wichtigste Unterschied, dass sie jährlich durch den Statthalter, nach Ankunft in der Provinz, beschlossen wurden und durch die Inhalte, welche Regelungen über Schuldverträge, Zinssätze und Erben enthielten23, natürliche Lücken des Provinzstatuts abgedeckt haben.

3. Reaktionen des Imperium Romanum und seiner Akteure auf die Anforderungen der Großmachtstellung

3.1. Die Entwicklung der Provinzialpolitik zwischen 168 v. Chr. und 81 v. Chr.

In dem folgenden Abschnitt leite ich die Geschichte der römischen Provinzialpolitik fort auf dem Weg von einer regionalen Großmacht zu einem Weltreich. Hierbei soll das Jahr 148 v. Chr. als Ausgangspunkt dienen, um die Geschehnisse näher zu beleuchten und die Reaktionen für eine Veränderung des Provinzialsystems verständlicher zu machen.

Die Provinzwerdung von Makedonien ist hierbei beispielhaft in der Veränderung der Politik Roms. So war die grundsätzliche Idee des Feldherren Aemilius Paullus nach dem Sieg in der Schlacht bei Pydna 168 v. Chr. noch die Zerstörung des makedonischen Königtums gewesen und die Ersetzung dessen durch vier Republiken, welche untereinander keine politischen Beziehungen unterhalten durften und tributpflichtig an Rom waren. Folglich wurde hierbei von Paullus und den obligatorischen zehn Gesandten des Senats eine Form der indirekten Herrschaft geschaffen.24

Zwanzig Jahre später sollte sich diese Herrschaftsform aber als ausgedient erweisen. Die Forschungsliteratur ist sich hierbei überein, dass das Aufeinanderprallen von zwei Seiten politischer Ideen verantwortlich war. Auf der einen Seite stand Rom, welches immer mehr in eine Führungsrolle gelangte und eben jene zukünftig nicht mehr nur durch indirekte Herrschaft durchsetzen konnte. Auf der anderen Seite standen die alten hellenistischen Reiche des Ostens, die ihre Autonomie trotz der Übermacht Roms immer wieder zu verteidigen suchten und selbst die offene Konfrontation mit Rom nicht scheuten.25 Diese Konfrontation sollte schließlich durch den Aufstand des Andriskos 148 v. Chr. die endgültige Provinzialisierung Makedoniens (146 v. Chr.) bedeuten und damit einhergehend die symbolische Abkehr Roms von der indirekten Herrschaft über zur direkten durch Provinzen. Dies spiegelte sich auch wieder in der Provinzmachung von Achaea und Africa im selben Jahr, bei denen sehr ähnliche Ursachen zu finden sind. Ergebnisse dieser Entwicklung sind die endgültige Herrschaft Roms über die griechischen und hellenistischen Gebiete Europas, sowie über die Gebiete Karthagos in Afrika.

[...]


1 Schulz, Raimund, Herrschaft und Regierung, S. 95

2 Dahlheim, Werner, Gewalt und Herrschaft, S. 286 f. Es stellt sich für ihn eine „Schere zwischen Herrschaftsaufgaben und Herrschaftsmittel“ dar, die nur durch „Veränderung des Systems selbst zu schließen gewesen wäre.“

3 Wesch-Klein, Gabriele, Die Provinzen des Imperium Romanum, S. 144-145 f.

4 Dahlheim, Gewalt, S. 52-53 f.

5 Wesch-Klein, Die Provinzen, S. 52 f.

6 ebd., S. 51 f.

7 Dahlheim, Gewalt, S. 285-286 f.

8 ebd., S. 285-286 f.

9 Schulz, Herrschaft, S.41 f.

10 ebd., S. 54 f.

11 ebd., S59 f.

12 Wesch-Klein, Die Provinzen, S. 18 f.

13 Wesch-Klein, Die Provinzen des Imperium Romanum, S. 17 f.

14 Meyer-Zwiffelhofer, Eckhard, Imperium Romanum, S. 51 f.

15 ebd., S. 51-52 f.

16 Wesch-Klein, Provincia, S. 42 f.

17 Bechert, Die Provinzen des römischen Reiches, S. 63 f.

18 Meyer-Zwiffelhofer, Imperium Romanum, S. 55-56 f.

19 Bechert, Die Provinzen, S. 63 f.

20 Schulz, Herrschaft, S. 93

21 ebd., S. 93 f.

22 Wesch-Klein, Provincia, S. 44-45 f.

23 Schulz, Herrschaft, S. 96-98 f.

24 Wesch-Klein, Die Provinzen, S. 27-28 f.; Dahlheim, Gewalt und Herrschaft, S. 119 f., Wesch-Klein, Provincia, S. 262 f.; Bechert, Die Provinzen, S. 74-75 f.

25 Dahlheim, Gewalt und Herrschaft, S. 119-121 f. Dahlheim schreibt: „die Wiederholung eines neuen Krieges gegen Rom“ war eine maßgebliche Gefahr, welche durch die Provinzialisierung „ein für allemal verhindert werden sollte“.; Wesch-Klein, S. 28 „Die Politik der indirekten Herrschaft war gescheitert.“; Meyer-Zwiffelhoffer, S 18. f. „Jedoch scheiterte diese Politik, mit der Rom im östlichen Mittelmeer alle Fäden in der Hand behalten wollte, ohne direkte Verantwortung zu übernehmen.“

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Pompeius und der Osten. Eine Reform der römischen Provinzialpolitik?
Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,7
Jahr
2017
Seiten
20
Katalognummer
V591666
ISBN (eBook)
9783346167231
ISBN (Buch)
9783346167248
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Antike, Pompeius, Provinzialpolitik, Reform
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Pompeius und der Osten. Eine Reform der römischen Provinzialpolitik?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/591666

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