Der Essay behandelt Goethe als Dichter und Denker am Beispiel seiner "Farbenlehre" und sein Wirken zwischen Forschungsfeldern der Lyrik und Naturwissenschaft.
Goethe, der als deutschsprachiger Dichter des 18. Jahrhunderts in Feldern wie Lyrik, Dramen, Epik, autobiografischen Werken und literaturtheoretischen Ansätzen bekannt ist, euphorisiert gleichwohl als Forscher der Natur mit naturwissenschaftlichen Schriften, wie Speiser in seinem Aufsatz zu „Goethes Farbenlehre“ feststellt. Der durch seinen Roman „Die Leiden des jungen Werther“ in Europa berühmt gewordene Schriftsteller Goethe, behandelt im wissenschaftlichen Gebiet der Naturwissenschaft besonders die Farbenlehre. Für Goethe steht hierbei nicht die physikalische oder ästhetische Überlegung der Farbenlehre im Vordergrund sondern die Gesamtheit dieser Lehre.
Durch ausführliches Befragen der Maler gelingen Goethe Einblicke in die Expertise deren Arbeit. Er erfasst demnach nicht nur den naturwissenschaftlichen Hintergrund der Farbenlehre, sondern auch das dazugehörige, praktische Umfeld, in dem sie eine Rolle spielt. Die Betrachtung vieler auf die Farbenlehre einwirkende Faktoren, wie zum Beispiel die Nutzung der Farben von professionellen Malern, erscheinen zunächst als nützlich um sich einen Überblick über die Materie zu machen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Problemstellung
1.1 Goethe als Forscher der Natur
1.2 Methodik der Farbenlehre
2. Herangehensweise und Begriffsbestimmungen
2.1 Einheit von Kunst und Wissenschaft
2.2 Schwierigkeiten der Begriffsdefinitionen
3. Kontroverse mit Newton und wissenschaftliche Isolation
3.1 Die Auseinandersetzung mit Isaac Newton
3.2 Isolation und platonische Verbündete
4. Fazit und historische Einordnung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Wirken Goethes als Naturwissenschaftler im Bereich der Farbenlehre, wobei der Fokus auf den methodischen Besonderheiten und den daraus resultierenden Konflikten mit der zeitgenössischen Wissenschaftsgemeinschaft liegt.
- Goethes interdisziplinärer Ansatz zwischen Kunst und Naturwissenschaft
- Die Rolle spezifischer Begriffsdefinitionen in Goethes Lehre
- Der wissenschaftshistorische Konflikt zwischen Goethe und Isaac Newton
- Die Auswirkungen von Goethes methodischem Vorgehen auf seine wissenschaftliche Anerkennung
Auszug aus dem Buch
Die Kontroverse mit Isaac Newton
Im Bereich der Naturwissenschaften konnte Goethe sich nur schwer behaupten, da er eine ganz eigene Sicht auf die Farbenlehre entwickelte. Nicht ohne Grund kam es sogar zur Kontroverse mit dem bekannten Naturwissenschaftler und Philosophen Isaac Newton. Nach seiner Italienreise, inspiriert von Malkunst und seinen Gedanken zur Farbenlehre, blickt Goethe durch ein Prisma an eine weiße Wand und sieht wider Erwarten keine Farben (Speiser, 84). Goethe schlussfolgert, dass Newtons Lehre zu prismatischen Farben falsch sei (Speiser, 84). Newton habe die „wahre Herrlichkeit der Farbenwelt nicht erkannt und sich mit der schlechteren Seite begnügt“ (Speiser, 85). Goethes Abneigung gegen Newton ist somit deutlich und führt auch dazu, dass er die Abhandlungen Newtons weder richtig liest noch versteht. Speziell im Falle dieser Kontroverse wird deutlich, dass Goethe nur marginal ein Verständnis dafür entwickelt hat, dass seine Forschung und die z. B. von Newton „zwei ganz verschiedene Arten[...] sind, „die Welt anzusehen“ (Steiner, 40). Er ist geradezu naiv und verschließt sich den Erkenntnissen anderer Wissenschaftler. Goethe nimmt durch seine Abwertung des berühmten Newtonschen Werks Optics eine eigenwillige, antagonistische Position ein, die ihm weder zu Anerkennung noch zu Ruhm in der naturwissenschaftlichen Öffentlichkeit verholfen hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Problemstellung: Dieses Kapitel führt in Goethes Doppelleben als Dichter und Naturforscher ein und beleuchtet sein Interesse an der praktischen Anwendung von Farben.
2. Herangehensweise und Begriffsbestimmungen: Hier wird Goethes Bestreben analysiert, Kunst und Wissenschaft zu vereinen, sowie die Problematik seiner neu geschaffenen, nicht-physikalischen Begrifflichkeiten diskutiert.
3. Kontroverse mit Newton und wissenschaftliche Isolation: Das Kapitel behandelt den fachlichen Konflikt mit Isaac Newton und Goethes zunehmende Isolation im wissenschaftlichen Diskurs seiner Zeit.
4. Fazit und historische Einordnung: Die abschließende Betrachtung bewertet Goethes Farbenlehre heute und erläutert, warum sein Ansatz damals auf so wenig Verständnis stieß.
Schlüsselwörter
Johann Wolfgang von Goethe, Farbenlehre, Isaac Newton, Optik, Naturwissenschaft, Wissenschaftsgeschichte, Begriffsbestimmung, Methodik, Farbenwelt, Totalität, Naturerkenntnis, Interdisziplinarität, Licht, Finsternis, 18. Jahrhundert.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit Johann Wolfgang von Goethes Engagement in der Farbenlehre und den damit verbundenen methodischen sowie wissenschaftshistorischen Herausforderungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Synthese von Kunst und Wissenschaft, der Konflikt mit etablierten physikalischen Lehren und Goethes spezifische Herangehensweise an naturwissenschaftliche Fragestellungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Gründe für Goethes mangelnde Anerkennung als Naturwissenschaftler zu identifizieren und seinen methodischen Ansatz kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in Goethes Farbenlehre verwendet?
Goethe wählt einen ganzheitlichen Ansatz, der subjektive Beobachtungen und philosophische Entitäten einbezieht, statt sich auf rein mathematisch-physikalische Modelle zu beschränken.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden Goethes Italienreise, seine Auseinandersetzung mit der Malerei, die Entstehung eigener Begriffe und die wissenschaftliche Kontroverse mit Isaac Newton analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Goethe, Farbenlehre, Naturwissenschaft, Newton, Optik, Methodik und Wissenschaftsgeschichte.
Warum lehnte Goethe die Lehre von Isaac Newton ab?
Goethe betrachtete Newtons mathematisch-physikalischen Zugang als unzureichend, da dieser die „wahre Herrlichkeit“ der Farbenwelt aus seiner Sicht nicht erfassen konnte.
Inwieweit spielte Johann Gottlieb Fichte eine Rolle für Goethe?
Fichte diente Goethe als „platonischer Glaubensgenosse“, dessen Philosophie des „Bedürfnisses nach Totalität“ maßgeblichen Einfluss auf Goethes Betrachtung des Farbkreises ausübte.
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- Anonym (Author), 2019, Goethes "Farbenlehre" in der Weimarer Klassik und deutschen Romantik. Zwischen Forschungsfeldern der Lyrik und Naturwissenschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/591893