Die Reichsparteitage der NSDAP in Nürnberg in den Jahren 1933-1938 waren die größten Veranstaltungen des NS-Regimes. Noch heute prägen die Bilder der Massenaufmärsche in der Luitpoldarena und die gewaltige Architektur der Parteitagsbauten unser Bild von der Zeit des Nationalsozialismus.
Diese Arbeit beleuchtet die Reichsparteitage von zwei unterschiedlichen Seiten: die Organisation hinter den Kulissen und ihre Wirkung in der Öffentlichkeit.
Im ersten Kapitel wird zunächst einen Überblick über das Parteitagsgelände, die Funktion und den Ablauf der Reichsparteitage (RPT) gegeben. Anschließend werden im 2. Kapitel die verschiedenen an der Organisation beteiligten Akteure vorgestellt und die Probleme skizziert, die sich während Planung der RPT innerhalb der Gruppen und Einzelpersonen ergaben. Abschließend soll anhand von Texten verschiedener Autoren eine Aussage über die Bedeutung und Wirkung der Inszenierung der Reichsparteitage getroffen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Reichsparteitage in Nürnberg
Das Gelände
Die Bauten
Die Inszenierung
3. Die Organisation der Reichsparteitage ab 1933
Die Vorgeschichte
Die Organisation ab 1933
4. Botschaften der Architektur und die Bedeutung der Rituale und Inszenierungen
Die Bedeutung des Banalen beim RPT
Ästhetisierung der Politik
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die nationalsozialistischen Reichsparteitage in Nürnberg (1933-1938) als ein komplexes Phänomen, das sowohl durch eine aufwendige verwaltungstechnische Organisation hinter den Kulissen als auch durch eine strategische, propagandistische Inszenierung in der Öffentlichkeit geprägt war.
- Analyse des Reichsparteitagsgeländes und der architektonischen Monumentalität.
- Untersuchung der organisatorischen Strukturen, Akteure und Kompetenzkonflikte.
- Erforschung der propagandistischen Inszenierung der „Volksgemeinschaft“.
- Deutung der Rolle von Ritualen, Symbolik und des sogenannten „banalen“ Rahmenprogramms.
- Betrachtung der Ästhetisierung der Politik und der Vorbereitung auf den Krieg.
Auszug aus dem Buch
Die Inszenierung
Die Bauten des RPT-Geländes wurden gebaut, um einen Ort zu schaffen für die Inszenierung der NS-Ideologie. Hier wurde eine Woche lang die „Militarisierung des öffentlichen Lebens unterm Hakenkreuz“ zelebriert. Ein minutiös geplantes, dichtes Programm sorgte dafür, dass niemand sich dem Geschehen entziehen konnte. Wichtige Elemente waren dabei bombastische Massenversammlungen aller Gruppen, Auf- und Vorbeimärsche, der Parteikongress, die Sondertagungen und die Huldigung des „Führers“ wo es nur ging. Jede Gruppe hatte ihren „eigenen Tag“ und viele auch ihren „eigenen“ Veranstaltungsort. So teilte sich der Parteitag 1936 auf in:
Auftakt (Dienstag, 8. September 1936)
Tag der Eröffnung (Mittwoch, 9. September 1936)
Tag des Reichsarbeitsdienstes (Donnerstag, 10. September 1936)
Tag der politischen Leiter (Frühjahr, 11. September 1936)
Tag der Hitlerjugend (Samstag, 12. September 1936)
Tag der SA (Sonntag, 13. September 1936)
Tag der Wehrmacht (Montag, 14. September 1936)
Die einzelnen Veranstaltungen zeichneten sich durch gleich bleibende Elemente aus: musikalische Umrahmung (Badenweiler Marsch, Horst-Wessel-Lied, Deutschland-Lied, Wagner), Fahneneinmarsch, Totenehrung der Gefallenen der Bewegung, Reden, Schwur auf den Partei- und Staatschef. Alle Aufmärsche und Versammlungen wurden choreographiert mit tausenden von Hakenkreuzfahnen, suggestiven Lichteffekten (wie z.B. Speers „Lichtdom“ 1936) und nicht zuletzt den Teilnehmern, die im Gleichschritt aufmarschierten. Mittelpunkt war dabei immer der „Heilsbringer“ Adolf Hitler.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung legt das Ziel dar, die Reichsparteitage sowohl als organisatorische Herausforderung als auch als öffentliches Inszenierungsinstrument zu untersuchen.
2. Die Reichsparteitage in Nürnberg: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die historische Entwicklung, das Gelände, die architektonischen Bauten und die grundlegende Inszenierungsstrategie der Veranstaltungen.
3. Die Organisation der Reichsparteitage ab 1933: Hier werden die organisatorischen Akteure wie die NSDAP-Organisationsleitung, das städtische Parteitagsreferat und der Zweckverband sowie die bestehenden Kompetenzkonflikte detailliert analysiert.
4. Botschaften der Architektur und die Bedeutung der Rituale und Inszenierungen: Das Kapitel befasst sich mit der ideologischen Wirkung der Architektur, der Einbindung banaler Elemente als Propaganda sowie der „Ästhetisierung der Politik“ durch das NS-Regime.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Reichsparteitage, Nürnberg, Architektur, Propaganda, Inszenierung, Volksgemeinschaft, Albert Speer, Adolf Hitler, Machtdemonstration, Massenaufmärsche, Militarisierung, Organisation, Ästhetisierung der Politik, Ritual.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Reichsparteitage der NSDAP in Nürnberg zwischen 1933 und 1938 unter den Aspekten der organisatorischen Verwaltung und der propagandistischen Inszenierung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die architektonische Gestaltung des Reichsparteitagsgeländes, die Koordinierung durch verschiedene NS-Stellen und Stadtverwaltung sowie die psychologische Wirkung der Rituale auf Teilnehmer und Zuschauer.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Die Arbeit zielt darauf ab, die Reichsparteitage als Instrument der Machtdemonstration zu beleuchten und aufzuzeigen, wie hinter der Fassade einer perfekten Organisation oft Improvisation und Kompetenzgerangel herrschten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse und wertet zeitgenössische Quellen sowie historisches Material zur Organisation und Ästhetik der Veranstaltungen aus.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der baulichen Voraussetzungen, die detaillierte Analyse der organisatorischen Strukturen (wie dem Zweckverband oder dem Parteitagsreferat) und die inhaltliche Deutung der Inszenierungsmuster.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Nationalsozialismus, Reichsparteitage, Propaganda, architektonische Monumentalität, Volksgemeinschaft und die Ästhetisierung der Politik.
War die Organisation der Reichsparteitage so perfekt, wie sie nach außen wirkte?
Nein, die Untersuchung zeigt, dass hinter der Fassade häufig Unstimmigkeiten, Kompetenzkonflikte zwischen Partei und Stadt sowie eine unrealistische Finanzierungsbasis bestanden.
Welche Rolle spielte Adolf Hitler bei den Planungen?
Obwohl der „Führer-Mythos“ ihn als „Baumeister“ stilisierte, zeigt die Analyse, dass er in der Regel nur unter vorgelegten Konzepten auswählte und seine Einflussnahme oft Teil einer gezielten PR-Kampagne war.
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- Sarah Bagel (Author), 2003, Das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg und die Inszenierung der Reichsparteitage als Fest , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59225