Das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg und die Inszenierung der Reichsparteitage als Fest


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003
19 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Reichsparteitage in Nürnberg
Das Gelände
Die Bauten
Die Inszenierung

3. Die Organisation der Reichsparteitage ab 1933
Die Vorgeschichte
Die Organisation ab 1933

4. Botschaften der Architektur und die Bedeutung der Rituale und Inszenierungen
Die Bedeutung des Banalen beim RPT
Ästhetisierung der Politik

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Reichsparteitage der NSDAP in Nürnberg in den Jahren 1933-1938 waren die größten Veranstaltungen des NS-Regimes. Noch heute prägen die Bilder der Massenaufmärsche in der Luitpoldarena und die gewaltige Architektur der Parteitagsbauten unser Bild von der Zeit des Nationalsozialismus. Diese Arbeit soll die Reichsparteitage von zwei unterschiedlichen Seiten beleuchten: die Organisation hinter den Kulissen und ihre Wirkung in der Öffentlichkeit.

Im ersten Kapitel versuche ich zunächst einen Überblick über das Parteitagsgelände, die Funktion und den Ablauf der Reichsparteitage (RPT) zu geben. Anschließend stelle ich im 2. Kapitel die verschiedenen an der Organisation beteiligten Akteure vor und skizziere die Probleme, die sich während Planung der RPT unter den Gruppen und Einzelpersonen ergaben. Abschließend versuche ich anhand von Texten verschiedener Autoren eine Aussage über die Bedeutung und Wirkung der Inszenierung der Reichsparteitage zu treffen.

2. Die Reichsparteitage in Nürnberg

Die ersten Reichsparteitage der NSDAP fanden in den Jahren 1923 und 1926 in München bzw. Weimar statt. 1927 und 1929 kamen sie erstmal nach Nürnberg. Von 1933 bis 1938 war Nürnberg jährlich Schauplatz dieses Spektakels, das am Ende über 1 Million Menschen[1] für eine Woche in die Stadt brachte.

In den ersten Jahren noch mit dem Charakter einer reinen Parteiveranstaltung versehen, wandelten sich die Parteitage der NSDAP ab 1933 immer mehr zu Propagandaorgien des NS-Staates, da die Veranstalter jetzt auch als Staatsvertreter auftraten[2].

1933 ließ Hitler in seiner Proklamation auf dem Reichsparteitag seine Sicht zur Funktion der Parteitage verlesen. Diese sei laut einer Sonderausgabe des „Illustrierten Beobachter“ von September 1933:

„1. Dem “Führer” die Möglichkeit bieten, mit der Gesamtpartei wieder persönlich in Beziehung zu treten, 2. die Parteigenossen erneut mit der Führung zu verbinden, 3. alle gemeinsam in der Zuversicht des Sieges zu stärken, 4. die großen Impulse geistiger und psychologischer Art für die Fortführung des Kampfes zu geben.“[3]

Offen lässt er dabei aber, wozu die Parteitage nun, da die NSDAP die Macht im Staate hat und eine „Fortführung des Kampfes“ nicht mehr notwendig ist, dienen sollen.

Aus heutiger Sicht signalisierte die beispiellose Gigantomanie der Veranstaltung den imperialistischen, totalitären Herrschaftsanspruch des Regimes nach innen wie nach außen[4]. Die RPT dienten einer medienwirksamen Inszenierung der „Volksgemeinschaft“[5] und der Stärkung der „Führerrolle“ Hitlers[6]. Zelnhefer sieht weiterhin die Vorbereitung auf den Krieg als eine zentrale Aufgabe der RPT[7], sowohl unter dem Aspekt logistischer Erfahrung als auch der Mobilmachung der Menschen.

Das Gelände

Die Reichsparteitage fanden in Nürnberg auf dem Hain rund um den Dutzendteich statt, das damals am südwestlichen Rand der Stadt gelegen war. 1906 fand dort die Bayerische Jubiläums-Landesausstellung statt. Danach entstand der Park Luitpoldhain als Naherholungsgebiet, der im Jahr 1912 durch einen Tiergarten erweitert wurde. In den Zwanziger Jahren entstand das Städtische Stadion[8].

1934 begann man mit der konkreten Planung des Geländes[9]. Die bestehenden Bauten, wie das städtische Stadion oder die ehemalige Maschinenhalle, wurden in den Plan mit einbezogen und erfuhren nur mehr oder weniger umfangreiche Änderungen. Ergänzt werden sollten sie durch neue Gebäude und Versammlungsplätze. 1934 erhielt der Architekt Albert Speer den Auftrag, ein Gesamtkonzept für das 24,5 Quadratkilometer[10] große Gelände zu entwerfen[11]. Die Architekten Ludwig und Franz Ruff wurden mit Planung und Ausführung der Kongresshalle betraut. Verantwortlich für die Ausführung der Bauten war das Hochbauamt der Stadt Nürnberg. Sämtliche Bauten sollten laut Speer in einem Zeitraum von acht bis zehn Jahren vollendet sein[12]. 1939 wurden sie aufgrund des Krieges zunächst eingestellt. Nach einer kurzen Wiederaufnahme im Jahr 1940, ruhten sie seit dem Winter 1942/43 endgültig.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Reichsparteitagsgelände (Modell)

Auf dem Bild zu sehen ist die Luitpoldarena (2) mit der Luitpoldhalle (3), das Zeppelinfeld (4) und das Stadion (5), die neue Kongresshalle (6), der Kulturbau (7) und der Portalbau (8) (beides existierte nur im Modell). 2 Pylonen (9) stehen am Beginn der 2 km langen Großen Straße (10), die zum geplanten Deutschen Stadion (11) führen sollte. Dahinter liegt das Märzfeld (12), die Lagerstätten (13) sowie die Bahnhöfe Dutzendteich (14) und Märzfeld (15).

Die Bauten

Luitpoldarena

Die L. war ein Tribünenrechteck, dessen westliche Längsseite ein Halbrund für die “Führer”- und Ehrentribüne bildete. Ein Granitplattenweg (18m breit / 240 m lang), führte von der Tribüne zum Kriegerehrenmal aus dem Jahr 1929. Die Arena bot Platz für 50.000 Zuschauer und 150.000 Akteure und diente der Inszenierung von Massenaufmärschen[13]

Luitpoldhalle

Die ehemalige Maschinenhalle der Landesausstellung 1906 diente als Ort der Parteikongresse und war mit 16000 Sitzplätzen ausgestattet. 1935 wurde sie mit einer neoklassizistischen Fassade aus Muschelkalk versehen[14].

Zeppelintribüne und –feld

Die Tribüne mit fast quadratischer Grundform bot Platz für 70.000 Zuschauer und 250.000 Akteure auf dem Feld. Von 1935 bis 1937 wurden die provisorischen Holztribünen nach Plänen von Speer durch kolossale Steintribünen und einer Pfeilerhalle (der Ehrenhalle) ersetzt[15]. Die Zeppelintribüne ist neben der Luitpoldarena der einzige Bau auf dem Gelände, der tatsächlich fertig gestellt wurde. Sie wurde für Vorführungen des „Reichsarbeitsdienstes“, für den Appell der Politischen Leiter, die Schaumanöver der Wehrmacht und für Gymnastikübungen genutzt.

Das Städtische Stadion

Am schon bestehenden Städtischen Stadion wurden nur kleinere Umgestaltungen vorgenommen, wie z.B. der Bau einer “Führertribüne“. Es wurde für Aufmärsche und Vereidigungen der „Deutschen Jugend“ genutzt.

[...]


[1] vgl. Zelnhefer 1991, S. 275.

[2] vgl. ebd., S. 96.

[3] Zitat nach ebd., S. 67.

[4] vgl. ebd., S. 272.

[5] vgl. ebd., S. 274.

[6] vgl. ebd., S. 183.

[7] vgl. ebd., S. 273.

[8] vgl. Dietzfelbinger 1996, S. 6f.

[9] vgl. Zelnhefer 1991, S. 77.

[10] vgl. ebd., S. 86.

[11] vgl. ebd., S. 79.

[12] vgl. ebd., S. 80.

[13] Die Beschreibung der Bauten des Reichparteitagsgeländes stützt sich, soweit nicht anders vermerkt auf Dietzfelbinger 1996, S. 14-24.

[14] vgl. Zelnhefer 1991, S.81.

[15] vgl. ebd., S. 81.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg und die Inszenierung der Reichsparteitage als Fest
Hochschule
Universität der Künste Berlin
Veranstaltung
Was ist deutsche Kunst?
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
19
Katalognummer
V59225
ISBN (eBook)
9783638532211
ISBN (Buch)
9783638779470
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit beschreibt die architektonischen Elemente des Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg und die Inszenierung der Reichsparteitage. Kapitel 3 widmet sich dann den eingebundenen Personen und erörtert Verantwortlichkeiten und Konflikte. Im letzten Kapitel folgt schließlich eine Analyse der Botschaften der Architektur und der Bedeutung der Rituale. Insbesondere wird hier die Rolle des Banalen bei den Reichsparteitagen und die Ästhetisierung von Politik beleuchtet.
Schlagworte
Reichsparteitagsgelände, Nürnberg, Inszenierung, Reichsparteitage, Fest, Kunst
Arbeit zitieren
Sarah Bagel (Autor), 2003, Das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg und die Inszenierung der Reichsparteitage als Fest , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59225

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