Johann Friedrich Cotta - der Verleger des 19.Jahrhunderts


Hausarbeit, 2002

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Cotta – eine Persönlichkeit im Verlagswesen

2. Die Person Cotta

3. Der Verleger Cotta

4. Cotta und seine Autoren

5. Cottas Vermächtnis

6. Literaturverzeichnis

Johann Friedrich Cotta – „Der“ Veleger des 19. Jahrhunderts

1. Cotta – eine Persönlichkeit im Verlagswesen

Wahre Persönlichkeiten werden in unserer Zeit immer rarer. Dies gilt besonders auch für den Buchhandel, dessen letzte große „Legende“ Siegfried Unseld als „Verleger des 20. Jahrhunderts“ im Jahr 2002 starb. An dieser Stelle soll das Leben eines seiner Vorgänger skizziert werden. Eines Mannes, der sich um den Buchhandel verdient gemacht hat wie kein anderer, der innovativ, kunstliebend und literaturbegeistert zugleich war. Johann Friedrich Cotta, der große Verleger der klassischen Autoren des 19. Jahrhunderts. Schon von seinen Zeitgenossen war er als „Fürst(en) der deutschen Buchhändler“[1] bezeichnet worden. Doch Cotta war nicht nur prägend für den Buchhandel, sondern zeigte herausragende Fähigkeiten in vielen anderen Bereichen. Er war „als Staatsmann (…) vielleicht noch größer (…), denn als Geschäftsmann“[2]. Er war äußerst interessiert an den Abläufen seiner Zeit und vielseitig engagiert.[3] So war seine Mithilfe bahnbrechend bei der Errichtung der Zoll- und Handelseinheit Deutschlands, womit er auch Einfluss auf die allgemeine politische Einheit des Landes nahm. Dennoch ist Johann Friedrich Cotta fast nur als Freund und Verleger der beiden großen Dichter Goethe und Schiller bekannt.[4] Welche Stationen Cotta daneben in seinem Leben durchlief, welche Innovationen er für den Verleger und den Buchhandel allgemein hervorbrachte, soll im Folgenden dargestellt werden. Aufgrund der Fülle an Tätigkeiten und Veränderungen, soll dies allerdings hauptsächlich auf seine Arbeit für den Verlag beschränkt werden, so dass im Rahmen dieser Arbeit höchstens ein Überblick über das Gesamtwerk des Johann Friedrich Cotta gegeben werden kann. Seine politischen und geschäftlichen Unternehmungen werden dabei erwähnt, können aber nur selten genau erläutert werden.

2. Die Person Cotta

Rückblickend führte Johann Friedrich Cotta ein äußerst bewegtes Leben. Zu seinen Glanzzeiten war er Verleger, Kunsthändler, Berater des Königshauses, Diplomat in Zollangelegenheiten für Bayern und Württemberg und Gutsbesitzer in einer Person. Doch welcher Mensch hinter dieser vielseitigen Person steckte, soll nun dargestellt werden.[5] Johann Friedrich wurde als dritter Sohn (neben zehn Töchtern) des Buchdruckers Christoph Friedrich Cotta am 27. April 1764 in Stuttgart geboren. Cotta sollte auf Wunsch seines Großvaters Theologie studieren, doch Cotta wollte lieber österreicherischer Offizier im Geniekorps werden. Da sein Vater damit einverstanden war, studierte Johann Friedrich ab 1782 in Tübingen Mathematik und Geschichte. Unterstützung bekommt der rechenbegeisterte junge Mann dabei durch seinen Professor und späteren Freund Christoph Friedrich Pfleiderer.[6] Zusätzlich betreibt Cotta auch noch das „Studium der Rechte“[7], wodurch endgültig klar wird, dass er doch einen anderen Weg einschlagen wird, als ursprünglich vorgesehen. Er soll Erzieher eines Fürsten-Sohnes in Warschau werden, als er die Universität verlässt. Da er diese Stelle aber erst in zwei Jahren antreten kann, begibt er sich 1785 nach Paris, um dort Französisch zu lernen.[8] Zudem machte Cotta in Paris Bekanntschaft mit Literaten und Wissenschaftlern und nahm viele politische Eindrücke mit. Die Kunstanregungen, die er dort erhielt, sollten ihn Jahre später zur Gründung eines literarisch-artistischen Instituts in München bewegen.[9] Bereits am 11. Januar 1794 hatte Cotta die Pfarrerstochter Wilhelmine Haas geheiratet.[10] Nach seiner Rückkehr aus Frankreich wurde er zum „Hofgerichtsadvokat zu Tübingen“[11] und beschäftigte sich nebenbei mit Naturwissenschaften. Trotz seiner Befähigung dazu, wird Cotta nun doch kein Hauslehrer, sondern nimmt das Angebot des Vaters an, die Cotta´sche Buchhandlung in Tübingen zu übernehmen. Am 1. Dezember 1787 übernimmt Cotta das 130 Jahre alte Erbe seiner Familie, auch wenn darauf fast zwei Jahre Arbeit und ständige Schulden folgen.[12] 1659 war die Buchhandlung von Johann Georg Cotta gegründet worden und, nachdem sie jeweils vom Vater zum Sohn weiter gegeben worden war, befand sie sich bei der Übernahme in verwahrlostem Zustand.[13] Doch „Cotta war eine singuläre, über den Buchhandel weit hinausgreifende Unternehmerpersönlichkeit“[14], die von Anfang an auch in anderen Bereichen tätig wurde. So bleibt ihm seine Verbundenheit mit Paris erhalten, da Cotta dort ab 1799 als Diplomat in französischen Angelegenheiten fungiert.[15] Neben seiner Verlegertätigkeit wollte er zudem der deutschen Kunst als Kunsthändler einen Aufschwung bringen. Dies gelang ihm als Gönner, Stifter und Auftraggeber vieler zeitgenössischer Künstler in Deutschland.[16] Außerdem ist auch Cotta durch die schlechten Zeiten gezwungen, sein Vermögen durch Grunderwerb zu sichern. So kauft er beispielsweise 1807 ein Kapuzinerkloster in Baden-Baden, dass er zu einem Kurpalast umbaut. Es folgen weitere Güter in der Nähe von Heilbronn wie z.B. das Gut Dotternhausen.[17] Für Verleger wie Georg Joachim Göschen und Cotta sind solche Landgüter natürlich auch ein „repräsentatives Zeichen ihres Erfolgs“[18] Cotta nützte diesen Grunderwerb zudem zur Wiederherstellung seines alten Familienadels. Ab 1814 nimmt Cotta unter Mithilfe seines Mentors Freiherr von Stein dann selbst regen Anteil an der Politik Württembergs und Deutschlands. So wirkt er auch im Verfassungskampf in Württemberg mit, der am 25.September 1819 mit der Unterzeichnung der Verfassung endet.[19] Anschließend war er bis 1830 Mitglied des Landtages, wo er vor allem in zoll- und handelspolitischen Angelegenheiten engagiert war, da er von dessen Bestimmungen als Buchhändler persönlich betroffen war.[20]

„1822 zog er als Abgeordneter der Ritterschaft des Albkreises in die Zweite Kammer

des württembergischen Landtags ein, wo er als Vizepräsident und Vorsitzender des

Finanzausschusses fungierte.“[21]

Cotta wird nach dessen Amtsantritt Berater von König Wilhelm I. und dessen Frau Katharina, die ihn noch als Kronprinzenpaar auf dem Wiener Kongress kennen und schätzen gelernt hatten. Am 23.August 1821 stirbt Cottas erste Gattin Wilhelmine nach schwerer Krankheit in Dotternhausen. Danach wird er durch seine zweite Frau Elisabeth Freiin von Gemmingen unterstützt.[22] Sein Sohn Georg wird unterdessen Landwirt auf den Gütern seines Vaters.

„(J.F.)Cotta förderte die landwirtschaftliche Revolution in Württemberg durch seinen forst- und agrarwissenschaftlichen Verlag und seine Rolle im Landschaftsverein, dessen >Correspondenz-Blatt< er übrigens auch verlegte“[23]

Zwischen 1820 und 1830 versuchte Cotta teils erfolglos die Bodensee- und Donaudampfschifffahrt einzuführen und betrieb Flachsspinnerei in Württemberg.[24] Doch Johann Friedrich Cotta galt auch als „Freund und Helfer aller Bedürftigen“[25]. Bereits 1816 hebt er als einer der ersten auf seinen eigenen Gütern die Leibeigenschaft auf.[26] Er leistet große wohltätige Hilfe bei der Landesnot im Jahre 1817. Von Anfang an unterstützt er den von Königin Katharina am 6. Januar 1817 gegründeten „Wohltätigkeitsverein“ und übernimmt sogar dessen Leitung.

„Johann Friedrich Cotta war der rastlose Verleger, Politiker und Industrielle, den die

Vielzahl seiner Geschäfte in >>Flugreisen<< von Ort zu Ort hetzten.“[27]

Cotta hatte durch seine Unternehmungen mit Politikern, Ministern und Gelehrten zu tun, zudem brachten ihn seine Reisen und Aufenthalte nach Stuttgart, Augsburg, München, Karlsruhe, Berlin, Mainz, Paris, Rom und Wien, nach Holland und in die Schweiz.[28] Zeit zum Ausspannen nahm sich der viel beschäftigte Mann höchstens in seinem Badischen Hof in Baden-Baden.[29] Am 29. Dezember 1832 folgt Johann Friedrich Cotta seinem besten „Mitarbeiter“ Goethe, der im selben Jahr gestorben war, im Alter von 68 Jahren in den Tod.

3. Der Verleger Cotta

Da Johann Friedrich Cotta bei der Übernahme des Familien-Verlages einige Bedenken hatte, wendete er sich in einem Brief an den erfahrenen Buchhändler Philipp Erasmus Reich.[30] Er sollte ihn bei seinem Kauf und der Berechnung eines fairen Wertes beraten. Schon in diesem Brief werden allerdings auch die Grundzüge von Cottas zukünftigem Verlagsprogramm deutlich. So will er zunächst alte Schulden der Buchhandlung begleichen und anschließend neue Werke auf der kommenden Ostermesse bar kaufen. Zudem will er nur `gute´ Autoren unter Vertrag nehmen und außerdem hochwertig gedruckte Bücher herstellen. Allerdings war es nach der Übernahme relativ schwer für Cotta, das Kapital für seine ersten Verlagstitel aufzutreiben. Ein willkommener Geldsegen waren da die 300 Dukaten, die er von der Fürstin aus Warschau für das lange, vergebliche Warten auf die Erzieherstelle erhielt. Doch spürbare wirtschaftliche Besserung brachte erst die Verbindung mit dem gleichaltrigen Universitätsfreunde“[31], dem Kanzleiadvokaten Christian Jakob Zahn an Ostern 1789. Durch diesen Geldgeber erlebte die Cotta´sche Buchhandlung einen deutlichen Aufschwung. Zahn blieb bis April 1798 Teilhaber bei Cotta und hatte somit maßgeblichen Anteil an dem späteren Erfolg des Verlages.[32] Erste Veröffentlichungen des Hauses kamen 1788 heraus und auch auf der Leipziger Buchmesse –seinem späteren Haupt-Absatzmarkt- war Cotta in diesem Jahr bereits vertreten.[33] Erste belletristische Veröffentlichung Cottas war ein Journal und zwar die von Marianne Ehrmann herausgegebene Zeitschrift >>Amaliens Erholungsstunden<<.[34] Der Verlag war traditionell wissenschaftlich ausgelegt gewesen und auch unter Johann Friedrich, der den Verlag mit „wirtschaftlicher Begabung, Ehrgeiz und Fleiß errichtete“[35], war höchstens die Hälfte der Titel Literatur. Doch Cotta hatte ein besonderes Auge für gute Literatur.[36] Cotta hatte von Anfang an gelernt, dass es besser ist, gute und wichtige Autoren persönlich für den Verlag zu gewinnen, als wie damals häufig praktiziert durch Gelehrte oder Mittelsmänner zu werben.[37] Dennoch wurde seine Arbeit im Verlag bereits durch hunderte Arbeiter und Gehilfen gestützt, da es ihm möglich war, sehr gut ausgebildete Kräfte durch gute Bezahlung, Unterstützung und sein hohes Ansehen an sich zu binden.[38] Cotta versuchte Redakteure zu finden, die seine Anschauungen ohnehin teilten, so dass er die eigentliche Arbeit nicht ständig überwachen musste.[39] Außerdem wartete Cotta nicht auf Manuskripte, sondern bietet durch seine Journale und Zeitschriften `Publikationsforen´ an und wird somit selbst zu einem Produzenten von Texten. Schiller und Goethe waren auf diese Weise bereits seit 1794 bei seinem Verlag und legten dadurch den Grundstein für die spätere Weltbedeutung der Cotta´schen Buchhandlung.[40] Die `Lesewut´ zu Beginn des 19. Jahrhunderts kamen Cotta zusätzlich entgegen, da dadurch hohe Auflagen verlegt werden konnten, auch wenn das Niveau nicht immer besonders hoch sein musste.[41] Die schöne Ausstattung beschränkte sich im Verlag zunächst ohnehin auf die auflagenstarken Journale und Zeitschriften. Erst mit der Zeit wurde auf den „Schmuck des Buches“ mehr Wert gelegt, begünstigt u.a. durch Cottas wachsendem Interesse an bildender Kunst.[42] Mit der Zeit war Cotta auch aufgrund dieser ästhetischen Ausschmückung mehr als konkurrenzfähig und konnte gewisse Bedingungen stellen, aber auch bieten.[43] Er lernte, die Hauptprobleme seiner Zeit zu akzeptieren: „Zensur, unberechtigter Nachdruck und Bildung von angemessenen Autorenhonoraren bei vertretbaren Buchpreisen.“[44] Werbung für seine Titel machte Cotta neben den Verlagskatalogen v.a. durch Anzeigen in seinen eigenen Journalen, bei besonderen Veröffentlichungen durch bescheiden ausgestattete Prospekte[45]:

[...]


[1] Schäffle 1895, S. 1

[2] Schäffle 1895, S. 1

[3] Vgl. Schäffle 1895, S. 2

[4] Vgl. Schäffle 1895, S. 1

[5] Vgl. Schäffle 1895, S. 2

[6] Vgl. Kröner 1932, S. 5

[7] Schäffle 1895, S. 10

[8] Vgl. Kröner 1932, S. 5

[9] Vgl. Schäffle 1895, S. 10

[10] Vgl. Schäffle 1895, S. 16

[11] Schäffle 1895, S. 11

[12] Vgl. Kröner 1932, S. 6

[13] Vgl. Schäffle 1895, S. 5f

[14] Wittmann 1999, S. 150

[15] Vgl. Schäffle 1895, S. 21

[16] Vgl. Schäffle 1895, S. 31f

[17] Vgl. Fischer 2000, S. 1

[18] Fischer 2000, S. 2

[19] Vgl. Kröner 1932, S. 36f

[20] Vgl. Kröner 1932, S. 38

[21] Fischer 2000, S. 2

[22] Vgl. Schäffle 1895, S. 25

[23] Fischer 2000, S. 6

[24] Vgl. Kröner 1932, S. 48ff

[25] Kröner 1932, S. 54

[26] Vgl. Kröner 1932, S. 55

[27] Fischer 2000, S. 8

[28] Vgl. Schäffle 1895, S. 170

[29] Vgl. Fischer 2000, S. 8

[30] Vgl. Schäffle 1895, S. 12-15

[31] Kröner 1932, S. 7

[32] Vgl. Kröner 1932, S. 7f

[33] Vgl. Schäffle 1895, S. 15

[34] Vgl. Kuhn 1980, S. 42

[35] Kuhn 1980, S. 5

[36] Vgl. Kuhn 1980, S. 6

[37] Vgl. Kröner 1932, S. 7

[38] Vgl. Schäffle 1895, S. 37

[39] Vgl. Kuhn 1980, S. 43

[40] Vgl. Kröner 1932, S. 8

[41] Vgl. Kuhn 1980, S. 33

[42] Vgl. Kuhn 1980, S. 127

[43] Vgl. Kuhn 1980, S. 9

[44] Kuhn 1980, S. 6

[45] Vgl. Kuhn 1980, S. 65

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Johann Friedrich Cotta - der Verleger des 19.Jahrhunderts
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Veranstaltung
Geschichte des Buchwesens
Note
1,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
16
Katalognummer
V59250
ISBN (eBook)
9783638532440
ISBN (Buch)
9783638884716
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit beleuchtet das Leben des großen Klassik-Verlegers Johann Friedrich Cotta als Person, Politiker, Geschäftsmann und Verleger. Besonderes Augenmerk wird außerdem auf sein Verhältnis mit seinen beiden Autoren Goethe und Schiller gelegt.
Schlagworte
Johann, Friedrich, Cotta, Verleger, Jahrhunderts, Geschichte, Buchwesens
Arbeit zitieren
Diplom-Germanist / -Journalist Martin Siegordner (Autor), 2002, Johann Friedrich Cotta - der Verleger des 19.Jahrhunderts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59250

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