In der gegenwärtigen soziologischen Diskussion taucht immer wieder die Problematik der Veränderung von Kapitalismusformen unter den Bedingungen der globalisierten Welt auf. Dabei werden ganz unterschiedliche und sich teilweise sogar widersprechende Hypothesen aufgestellt. Diese reichen von der strikten Konvergenzhypothese über die Hybridisierungsthese bis hin zur Divergenzhypothese.
Um Aussagen dieser Art, egal welcher Ansatz dabei vertreten wird, aber überhaupt treffen, deren Gehalt bestimmen und eventuell Vorhersagen machen zu können, ist es unerlässlich die Ausgangssituation oder den Ausgangspunkt an dem Veränderungen eintreten zu beschreiben und zu sein Zustandekommen zu erklären. Erst im Hinblick auf das Entstehen von bestimmten ökonomischen Systemen sind Aussagen über deren Entwicklung und deren Wandel möglich. In diesem Aufsatz soll genau dieser Ausgangspunkt und dessen Grundlagen aufgezeigt werden. Es soll verdeutlicht werden, wie zwei Produktionssysteme - die Standardisierte Massenproduktion (SMP) und die Diversifizierte Qualitätsmassenproduktion (DQMP) - beschaffen sind und vor allem welche Bedingungen für deren Entstehen verantwortlich sind. Da eine direkte Verbindung zwischen der Kultur, welche ich als Ursache der Unterscheidung ansehe, nur sehr schwer hergestellt werden kann, werde ich darstellen wie die jeweiligen kulturellen Besonderheiten ihren Ausdruck über den Umweg anderer Institutionen in den zwei unterschiedlichen Produktionssystemen finden.
Inhaltsverzeichnis
1. Ausgangspunkt und Fragestellung
2. Soziale Produktionssysteme
2.1 Dimensionen der Produktionssysteme
2.2 Weitere Unterscheidungsmöglichkeiten
3. Institutionelle Einbettung
3.1 Institutionelle Komplementaritäten
3.2 Relevante Institutionen
3.2.1 Diversifizierte Qualitätsmassenproduktion
3.2.2 Standardisierte assenproduktion.
4. Kulturelle Bedingungen
4.1 Kultur, Handeln, Institutionen und Ökonomie
4.2 USA
4.3 Deutschland
5. Kulturelle Ausformung der Institutionen
5.1 Kulturelle Ausprägungen in den USA
5.2 Kulturelle Ausprägungen in Deutschland
6. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss kultureller Bedingungen auf die Ausformung ökonomischer Produktionssysteme, mit einem komparativen Fokus auf Deutschland und die USA. Die zentrale Forschungsfrage zielt darauf ab, wie sich Unterschiede in kulturellen Werten – wie Individualismus und Universalismus – über den Umweg institutioneller Arrangements in den Produktionssystemen der "Standardisierten Massenproduktion" (SMP) und der "Diversifizierten Qualitätsmassenproduktion" (DQMP) niederschlagen.
- Analyse soziologischer Hypothesen zum Wandel von Kapitalismusformen (Konvergenz vs. Divergenz).
- Konzeptionelle Abgrenzung sozio-ökonomischer Produktionssysteme anhand ihrer institutionellen Einbettung.
- Vergleich der kulturellen Codes in den USA (situative Freiheit, Chancengleichheit) und Deutschland (innere Freiheit, Resultatsgleichheit).
- Untersuchung der industriellen Beziehungen sowie der Ausbildungssysteme als vermittelnde Institutionen.
- Synthese der Ergebnisse im Kontext des theoretischen Spannungsfeldes von Oberflächen- und Tiefenstrukturen.
Auszug aus dem Buch
1. Ausgangspunkt und Fragestellung
In der gegenwärtigen soziologischen Diskussion taucht immer wieder die Problematik der Veränderung von Kapitalismusformen unter den Bedingungen der globalisierten Welt auf. Dabei werden ganz unterschiedliche und sich teilweise sogar widersprechende Hypothesen aufgestellt. Diese reichen von der strikten Konvergenzhypothese über die Hybridisierungsthese bis hin zur Divergenzhypothese. Eine Divergenzhypothese wird zum Beispiel von Lane im Hinblick auf Corporate Governance Strukturen vertreten, wobei sie eine Annäherung der deutschen Corporate Governance Strukturen an das US-Amerikanische Modell beobachtet (vgl. Lane 2003, S. 97) oder von Berger und Dore, die eine Konvergenz der Technologien beschreiben (vgl. Berger/Dore, S. 2). Eine Hybridisierungsthese vertritt unter anderem Höpner. In seinem Artikel „ Wer beherrscht die Unternehmen?“ macht er die Beobachtung, dass die Mitbestimmung im Zuge der Globalisierung keinen Bedeutungsverlust erleidet, sondern einem Funktionswandel unterliegt (vgl. Höpner, S. 210). Zwei bekannte Vertreter der Konvergenzhypothese sind Hall und Soskice, die in der Einleitung ihrer Veröffentlichung „Varieties of Capitalism“ die Ansicht vertreten „... world trade has been increasing for fifty years without enforcing convergence. ... nations often prosper not by becoming more similar but by building on their institutional differences.” (Hall/Soskice, S. 60)
Diese kurze Aufzählung von unterschiedlichsten Ansichten zeigt die Uneinigkeit über die gegenwärtigen Prozesse, denen die ökonomischen Systeme unterliegen. Um Aussagen dieser Art, egal welcher Ansatz dabei vertreten wird, aber überhaupt treffen, deren Gehalt bestimmen und eventuell Vorhersagen machen zu können, ist es unerlässlich die Ausgangssituation oder den Ausgangspunkt an dem Veränderungen eintreten zu beschreiben und zu sein Zustandekommen zu erklären. Erst im Hinblick auf das Entstehen von bestimmten ökonomischen Systemen sind Aussagen über deren Entwicklung und deren Wandel möglich. In diesem Aufsatz soll genau dieser Ausgangspunkt und dessen Grundlagen aufgezeigt werden. Es soll verdeutlicht werden, wie zwei Produktionssysteme - die Standardisierte Massenproduktion (SMP) und die Diversifizierte Qualitätsmassenproduktion (DQMP) - beschaffen sind und vor allem welche Bedingungen für deren Entstehen verantwortlich sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Ausgangspunkt und Fragestellung: Das Kapitel führt in die Debatte über den Wandel von Kapitalismusformen ein und definiert das Ziel der Arbeit, die Entstehungsbedingungen von Produktionssystemen zu untersuchen.
2. Soziale Produktionssysteme: Hier werden die Idealtypen der Standardisierten Massenproduktion (SMP) und der Diversifizierten Qualitätsmassenproduktion (DQMP) theoretisch definiert und anhand von Dimensionen wie Standardisierung und Wettbewerbstyp abgegrenzt.
3. Institutionelle Einbettung: Dieses Kapitel erläutert, wie ökonomisches Handeln in institutionelle Kontexte eingebettet ist und führt das Konzept der institutionellen Komplementaritäten ein.
4. Kulturelle Bedingungen: Das Kapitel verknüpft Kultur mit ökonomischen Systemen und kontrastiert die kulturellen Prägungen in den USA (Individualismus/Chancengleichheit) mit denen in Deutschland (Innere Freiheit/Resultatsgleichheit).
5. Kulturelle Ausformung der Institutionen: Hier wird detailliert analysiert, wie sich die unterschiedlichen kulturellen Codes in spezifischen Institutionen wie industriellen Beziehungen und Ausbildungssystemen manifestieren.
6. Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert abschließend die Implikationen für die Debatte um Divergenz und Konvergenz von Wirtschaftssystemen.
Schlüsselwörter
Soziale Produktionssysteme, Diversifizierte Qualitätsmassenproduktion, Standardisierte Massenproduktion, Institutionelle Einbettung, Institutionelle Komplementaritäten, Kulturelle Bedingungen, Richard Münch, Individuallismus, Universalismus, Industrielle Beziehungen, Ausbildungssysteme, Konvergenzhypothese, Divergenzhypothese, Soziologie, Wirtschaftssysteme.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen kulturellen Werten und der Ausgestaltung nationaler ökonomischer Produktionssysteme in Deutschland und den USA.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind Soziale Produktionssysteme, institutionelle Einbettung, kulturelle Codes (Individualismus/Universalismus) sowie industrielle Beziehungen und Ausbildungssysteme.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie kulturelle Unterschiede die Entstehung unterschiedlicher Produktionsweisen – SMP und DQMP – maßgeblich beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine komparative Analyse, die auf der soziologischen Systemtheorie und dem Konzept der institutionellen Einbettung basiert, unter Rückgriff auf Richard Münchs Kulturtheorie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die institutionellen Grundlagen der Produktion und zeigt auf, wie kulturelle Prägungen die spezifische Gestaltung von Arbeitsbeziehungen und Qualifizierungsstrukturen determinieren.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Soziale Produktionssysteme, Institutionenökonomik, kulturelle Codes, industrielle Beziehungen und den Systemvergleich zwischen Deutschland und den USA beschreiben.
Warum wird die Diversifizierte Qualitätsmassenproduktion primär mit Deutschland assoziiert?
Weil das deutsche System auf institutionellen Arrangements basiert, die kollektive Koordination und spezifische Qualifikationen fördern, was für diese Produktionsform essenziell ist.
Welche Rolle spielt die "innere Freiheit" in der deutschen Kultur laut dieser Analyse?
Die "innere Freiheit" prägt laut Münch eine kulturelle Haltung, die weniger auf aktiven, privaten ökonomischen Individualismus setzt, sondern eher auf soziale Sicherheit und kollektive Strukturen.
Wie beeinflussen Gewerkschaften das Produktionssystem in den USA?
In den USA sind Gewerkschaften schwächer ausgeprägt, da die dortige Marktlogik und das Prinzip der individuellen Vertragsfreiheit eine kollektive Institutionalisierung von Arbeitskonflikten erschweren.
- Quote paper
- Carlo Cerbone (Author), 2006, Die kulturellen Bedingungen der Produktionssysteme, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59292