Die Rolle von Hedgefonds als Finanzintermediäre. Heuschrecke oder Honigbiene?

Eine perspektivengetriebene ökonomische Analyse auch unter Berücksichtigung empirischer Forschungsergebnisse


Hausarbeit, 2019

29 Seiten, Note: 3,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Gang der Untersuchung

2. Begriffliche und theoretische Grundlagen
2.1 Hedgefonds Aktivismus
2.2 Hedgefonds Aktivismus als Anlagestrategie
2.3 Hedgefonds als Finanzintermediäre
2.4 Regulierungen von Hedgefonds

3. Perspektivengetriebene Diskussion: Die Rolle von Hedgefonds als Finanzintermediäre: Heuschrecke oder Honigbiene? Eine perspektivengetriebene ökonomische Analyse auch unter Berücksichtigung empirischer Forschungsergebnisse
3.1 Definition der Untersuchungsperspektiven und deren Beurteilungskriterien
3.2 Analyse aus Perspektive 1: Ein aktivistischer Hedgefonds Manager der seine Strategie versteht und selbst als Investor tätig ist
3.3 Analyse aus Perspektive 2: Ein Aufsichtsratsvorsitzender eines DAX-Konzerns dieser die Auswirkungen des Hedgefonds Aktivismus als negativ für Unternehmen und Mitarbeiter bezeichnet
3.4 Analyse aus Perspektive 3: Ein Investor eines DAX-Konzerns, der langfristige Ziele mit dem Unternehmen verfolgt
3.5 Analyse aus Perspektive 4: Ein Mitarbeiter eines DAX-Konzerns, an dessen erster Stelle der Erhalt seines Arbeitsplatzes und der seiner Mitarbeiter steht
3.6 Kollidierende und harmonisierende Beziehungen

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

„Manche Finanzinvestoren verschwenden keinen Gedanken an die Menschen, deren Arbeitsplätze sie vernichten. Sie bleiben anonym, haben kein Gesicht, fallen wie Heuschreckenschwärme über Unternehmen her, grasen sie ab und ziehen weiter." Eine bestimmte Schicht von Leuten aus der Wirtschaft und auf den internationalen Finanzmärkten führe sich auf, "als gebe es für sie keine Schranken und Regeln mehr. Gegen diese Form von Kapitalismus kämpfen wir."1

Seit dieser Aussage des damaligen Bundesvorsitzenden der SPD, Franz Müntefering, existiert der Heuschreckenbegriff für Investorengruppen, die möglichst schnell hohe Renditen erwirtschaften wollen.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob die Rolle von Hedgefonds als Finanzintermediäre eher als Heuschrecke oder Honigbiene zu betrachten sind. In Anbetracht dessen diskutieren verschiedene Perspektiven mit unterschiedlichen Kriterien Hedgefonds als Heuschrecke oder Honigbiene.

1.2 Gang der Untersuchung

Um die Forschungsfrage – Die Rolle von Hedgefonds als Finanzintermediäre: Heuschrecke oder Honigbiene? – beantworten zu können, werden zuerst begriffliche und theoretische Grundlagen. sowie die Regulierung von Hedgefonds in Deutschland dargestellt. Hierbei wird der Hedgefonds Aktivismus in den Vordergrund gestellt.

Im Hauptteil der Arbeit erfolgt eine perspektivengetriebene Diskussion. Dazu werden vorab vier Perspektiven definiert, welche unmittelbar Einfluss auf den Hedgefonds Aktivismus haben, oder von den Auswirkungen betroffen sind. Danach werden Kriterien definiert, welche aktivistische Hedgefonds auf Basis der unterschiedlichen Sichtweisen beurteilen. ZEIT Online (2005), S.1.

Danach wird eine Analyse konfligierender und harmonischer Beziehungen zwischen den Betrachtungsweisen vorgenommen. Dazu werden die Perspektiven ihre Argumente diskutieren und mögliche Gemeinsamkeiten bzw. Konflikte preisgeben. Abschließend erfolgt eine Zusammenfassung der Ergebnisse.

Diese Ausarbeitung soll zwei zentrale Aspekte darstellen. Einerseits dient sie dazu einen Einblick in das oben genannte Thema zu geben, andererseits darzustellen, ob aktivistische Hedgefonds als Heuschrecken oder Honigbiene zu betrachten sind.

2. Begriffliche und theoretische Grundlagen

2.1 Hedgefonds Aktivismus

Der Begriff Hedgefonds bedeutet ins Deutsche übersetzt „Absicherungsfonds“ (hedge = absichern). Denn ursprünglich galten Hedgefonds als Absicherung gegen diverse Risiken. Diese Aufgabe erfüllen sie heute aufgrund hohen Verlustrisikos kaum noch.2 „Ein Hedgefonds ist ein von einer Kapitalanlagegesellschaft aufgelegtes Kapitalmarktprodukt, an dem Kapitalanleger Anteile erwerben können. Mit dem eingeworbenen Kapital erwirbt der Fonds Wertgegenstände, insbesondere Wertpapiere aus unterschiedlichen Anlagebereichen, um das Anlagekapital auf den internationalen Finanzmärkten zu vermehren“.3 Hedgefonds werden überwiegend für große Investoren aufgelegt, an denen sie oft auch selbst beteiligt sind.

Sie gehören deshalb zu den Alternative Investments, der Königsklasse der Investmentfonds und gelten als Geldsammelstellen (Firmen), die durch Hedgefonds Manager treuhänderisch verwaltet werden, mit dem Ziel, möglichst rasch hohe Renditen zu erwirtschaften. 4 Sie lehnen sich deshalb nicht an Vergleichsmaßstäbe wie z.B. Aktienindizes an, sondern werden flexibel und unabhängig von der derzeitigen Marktentwicklung gemanagt. Die geringe Transparenz und die wenigen gesetzlichen Regulierungen ermöglichen Hedgefonds Managern große Handlungsspielräume, die durch unterschiedliche Strategien unter Einsatz verschiedene, spekulative Instrumente, steigende Renditen und höhere Performance versprechen.5 Mehr als die Hälfte der Hedgefonds werden offshore geführt, das heißt außerhalb der westlichen Industrieländer.6 Dies hat in erster Linie steuerliche Gründe, aber auch geringere Beschränkungen für die eingesetzten Finanzinstrumente.7 Des Weiteren gibt es heutzutage die Möglichkeit über Computerprogramme selbst kleine Zielgesellschaften relativ einfach zu analysieren.8

Der Hedgefonds-Aktivismus (eng.: hedge fund activism), der zu den ereignisgetriebenen Strategien gehört, hat sich erst seit der Jahrtausendwende auf dem Markt als eine neue Strategie etabliert. Hier versuchen Investoren mithilfe von Hedgefonds aktiv auf die Geschäfte ausgesuchter Portfolio Unternehmen einzugehen und somit direkt auf Ihr Investment einzuwirken. Anders als gewöhnliche Investmentfonds erzielen Hedgefonds damit ihre Renditen nicht auf Grund des allgemeinen Marktwachstums, sondern verwenden hierzu Marktinsuffizienzen ohne Fehlbewertungen. Durch diese Strategie versprechen sich Hedgefonds höhere Renditen. Nach eingehender Analyse wählen sie ihrer Ansicht nach unterbewertete Unternehmen aus, bei denen ein hohes Liquiditätsvolumen besteht und versuchen dann, deren Unternehmensentscheidungen zu beeinflussen. Diese Vorgehensweisen lassen sich als Hedgefonds-Aktivismus (Hedgefonds Activism) zusammenfassen.9

Gerade in den letzten Jahren wurde der deutsche Markt zunehmend attraktiver für aktivistische Investoren. Dies zeigt sich einerseits an der häufig zersplitterten Eigentümerstruktur der Unternehmen andererseits an strategischen Fehlentscheidungen, sinkenden Gewinne und fallenden Aktienkursen.10 Steht bei den Aktionären des Unternehmens primär die Maximierung ihres Investments an erster Stelle, hat das Management häufig eigene, unterschiedliche Interessen, die zu einer Unterbewertung des Unternehmens führen können. Aktivistische Investoren nutzen moderne Finanzinstrumente und kaufen sich über den Kapitalmarkt Minderheitsbeteiligungen an vermeintlich unterbewerteten börsennotierten Unternehmen, um Wertlücken zu schließen und dadurch eine Überrendite durch eine Steigerung des Unternehmenswertes zu erzielen.11 Hierbei bleiben sie aber zunächst unter der Schwelle von drei Prozent, ab der eine Unternehmensbeteiligung öffentlich gemacht werden muss und versuchen zunächst unter verschlossenen Türen konkrete Forderungen an das Management zu stellen. Werden diese Forderungen ignoriert, erhöht der Investor den Druck. Nicht selten erfolgt dann ein öffentlicher Brief an das Management mit konkreten Maßnahmen. Ab diesem Zeitpunkt erfährt auch die Öffentlichkeit von dem Investor.12

Aktivistische Investoren fordern weitestgehend eine Veränderung der Unternehmensstrategie und drohen mit Ihren Rechten als Aktionäre. Unter anderem werden hier Proxy-Fights13 und Gerichtsverfahren gegen aktuelle Manager genutzt, um Ihre Ziele zu verwirklichen.14

So versucht ein Aktionär durch seine Stimmrechte mehr Verwaltungsmacht auszuüben. Der aktivistische Investor beteiligt sich an der Hauptversammlung und bringt konstruktive Vorschläge die sich allerdings von deren des Aufsichtsrates unterscheiden. Schafft es der Investor andere Aktionäre von seinem Vorhaben zu überzeugen, so kann er sich kurzfristig Stimmen leihen oder bevollmächtigt werden und so im Interesse dieser abstimmen.15 Allerdings – um gravierende Änderungen im Aufsichtsrat – zu beschließen, muss eine dreiviertel Mehrheit aller Aktionäre dafür stimmen. Aktivistische Investoren können also nur durch einen Proxy Fight, mit ausreichend Stimmen anderer Anteilseigner hohe Macht ausüben, wie beispielsweise einen Wechsel der Aufsichtsratsmitglieder.16

2.2 Hedgefonds Aktivismus als Anlagestrategie

Generell kann man den Hedgefonds Aktivismus in freundlichen oder feindlichen Aktivismus untergliedern. So wird bei freundlichen Absichten der Hedgefonds Manager eine friedliche Zusammenarbeit mit dem Unternehmen angestrebt. Der feindliche Aktivismus hingegen hat das Ziel ohne Rücksicht auf das Unternehmen seine Ziele duchzusetzen.

Eine Studie aus dem Jahr 2010, die als Grundlage über 1300 Fälle von Hedgefonds Aktivismus in einer Zeitspanne von 2001 bis 2007 gemeldet hatte, hat ergeben, dass sich mehrere Ziele für den Hedgefonds Aktivismus ergeben. So fanden Brav, Jiang und Kim heraus, dass fast die Hälfte aller Hedgefonds Manager das Ziel verfolgt, friedlich und regelmäßig mit dem Management des Unternehmens zu kommunizieren um den Aktionärswert zu erhöhen. 17,4% haben die Absicht, Änderungen der Ausschüttungspolitik bzw. die Kapitalstruktur des Unternehmens grundlegend zu verändern. So fordern diese unter anderem eine Erhöhung des Fremdkapitals und eine höhere Dividendenausschüttung. Circa 25% streben eine Grundlegende Veränderung der Geschäftsstrategie an wie zum Beispiel Fusionen, Übernahmen oder Umstrukturierung der Firma. 20% zielen auf eine Veräußerung oder Übertragung von Unternehmensanteilen oder des ganzen Unternehmens, die sie oftmals selbst erwerben. Die restlichen Hedgefonds Manager versuchen demnach im Aufsichtsrat Aufsichtsratsmitglieder zu entbehren und mehr Transparenz in der Unternehmensführung zu schaffen, denn häufig wird gerade dem Aufsichtsrat fehlende Transparenz und Nichterfüllung der Wünsche von Aktionären vorgeworfen.17

Zu ähnlichen Ergebnissen kommen auch Schor und Greenwood. Demnach steht bei 45% der Fälle für Hedgefonds Manager an erster Stelle den Unternehmenswert unterbewerteter Unternehmen zu steigern.18 Die Erfolgsrate ist laut Brav, Jiang und Kim mit 31% bemerkenswert, gerade weil Hedgefonds Manager häufig auf starken Widerstand des Unternehmens stoßen.19 Klein und Zur sprechen sogar von einer Erfolgsrate von 60%, wobei hier auch der Hedgefonds Manager eine friedliche Zusammenarbeit mit dem Unternehmen anstrebte.20

Schor und Greenwood fanden unter anderem heraus, dass die Hedgefonds Manager im Allgemeinen nicht vorhaben, das Unternehmen zu übernehmen oder zu veräußern. Sie beabsichtigen hauptsächlich das Ziel, als Minderheitsaktionäre mit meist nur geringen Anteilswerten wertsteigende Änderungen im Unternehmen durchzuführen, selbst davon zu profitieren und damit den Shareholder-Value zu erhöhen.21

Es ist zu erkennen, dass gerade der deutsche Markt in den letzten Jahren zunehmen attraktiver für aktivistische Hedgefonds geworden ist. So wurde von der Mehrheit der Finanzvorstände in Europa bestätigt, dass der Hedgefonds Aktivismus in den letzten Jahren für viele Unternehmen zugenommen hat und sich die Kommunikation mit den Anteilseignern im Unternehmen verändert hat. Es wird vor allem versucht, auf die Forderungen des Hedgefonds Aktivismus näher einzugehen und das Unternehmen gemeinsam mit den Hedgefonds Managern zu führen. Eine empirische Untersuchung des Bundesverbandes der Unternehmensjuristen (BUJ) hat ergeben, dass ein Drittel der Befragen Unternehmen von einer Zunahme aktivistischer Investoren ausgehen. Allerdings ging hieraus auch hervor, dass über 60% der befragten Unternehmen bislang keine Strategien für die Abwehr solcher Aktivisten entwickeln konnten.22

[...]


1 Vgl. Olten (2014), S. 35.

2 Vgl. Olten (2014), S. 35.

3 Steffan (2009), S.1.

4 Vgl. Kaiser (2004), S.5.

5 Vgl. Deutsche Bank/Maxblue (n.d).

6 Vgl. Financial Conduct Authority (2015), S. 13.

7 Vgl. Franke (2003), S. 302.

8 Vgl. Cheffins/Armour (2011), S. 35.

9 Vgl. Klein/Zur (2006), S.3. ff.

10 Vgl. Becht/Franks/Grant/Wagner (2014), S. 40.

11 Vgl. Kahan/Rock (2006), S. 1029.

12 Vgl. Göpfert (2019), S.1.

13 Als Proxy-Fight wird der Kampf um Aktionärsstimmen bezeichnet , eine Übernahmetechnik, bei der versucht wird, über Stimmrechtsvollmachten die Kontrolle zu bekommen, ohne Mittel für den Aktienkauf einsetzen zu müssen.

14 Vgl. Kahan/Rock (2006), S. 1029.

15 Vgl. Schuster (2004), S.30ff.

16 Vgl. Vogel (2002), S.24.

17 Vgl. Brav/Jiang/Kim (2010), S.8ff.

18 Vgl. Schor/Greenwood (2009), S.30.

19 Vgl. Brav/Jiang/Kim (2010), S. 12ff.

20 Vgl. Klein/Zur (2006), S.4.

21 Vgl. Brav/Jiang/Kim (2010), S. 18.

22 Vgl. Deutscher Bundestag (2018), S.6.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Die Rolle von Hedgefonds als Finanzintermediäre. Heuschrecke oder Honigbiene?
Untertitel
Eine perspektivengetriebene ökonomische Analyse auch unter Berücksichtigung empirischer Forschungsergebnisse
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
3,0
Jahr
2019
Seiten
29
Katalognummer
V593472
ISBN (eBook)
9783346178794
ISBN (Buch)
9783346178800
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Finanzintermediär, Hedgefonds, Honigbiene, Heuschrecke
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Die Rolle von Hedgefonds als Finanzintermediäre. Heuschrecke oder Honigbiene?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/593472

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