Ziel der Hausarbeit ist es, mithilfe theoretischer Erklärungsansätze ein besseres Verständnis vom Drogenkonsum einer Einzelperson zu ermöglichen. Dazu wird zunächst näher auf das, als Untersuchungsmethode gewählte, problemzentrierte Interview eingegangen. Es werden die Themenkomplexe des Interviews skizziert, der methodische Zugang zum Feld, sowie ein grobes Bild vom Fall und ihrem drogenaffinen Verhalten.
Im Anschluss daran wird detailliert auf das erhobene Material eingegangen, welches sich in die Themenkomplexe Biografie und Devianz unterteilen lässt. Im nächsten Abschnitt findet eine Analyse des Verhaltens aus devianztheoretischer Perspektive statt. Schlussendlich erfolgt eine Evaluation der Ergebnisse der Arbeit und eine Beantwortung der übergeordneten Fragestellung.
Bei einer Stichprobe aus dem Jahr 2015 gaben 4,1% aller 18 bis 25-jähriger jungen Erwachsenen in Deutschland an, regelmäßig illegale Drogen zu konsumieren. Mit der Individualisierung und Pluralisierung der Lebensstile einzelner Mitglieder der modernen Gesellschaft geht einher, dass ihnen mehr Handlungsfreiheiten geboten werden. Dadurch lösen sie sich von den restriktiven Verhaltensregeln ihrer Familie, sozialen Klasse bzw. Schicht.
Die individuelle Lebensgestaltung des Einzelnen bringt zudem mit sich, dass er immer mehr selbst bestimmen muss, anstatt das zu tun, was er in seinem sozialen Milieu in entsprechenden Situationen normalerweise machen würde. Die Vielfältigkeit der Handlungsmöglichkeiten hat als Folge, dass normales und nicht normales Handeln nicht mehr klar differiert werden kann. Es ist immer gesellschafts- und kontextabhängig.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Techniken der Datenerhebung
2.1 Das Problemzentrierte Interview
2.2 Leitfadenentwicklung
2.3 Interviewplanung und –durchführung
2.4 Soziobiografische Kurzdarstellung
2.5 Interviewauswertung
3. Biografisch-lebensweltliche Einzelfalldarstellung
3.1 Lebenswelt und Biografie
3.2 Devianzproblematik
3.2.1 Konsequenzen
4. Devianztheoretische Erklärungsansätze
4.1 Die Theorie der differentiellen Kontakte
4.2 Bindungstheorie
5. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das abweichende Verhalten, speziell den Drogenkonsum, der 24-jährigen Probandin E. Ziel ist es, durch die Verknüpfung einer biografischen Einzelfallanalyse mit etablierten soziologischen Devianztheorien ein tieferes Verständnis für die Entstehung und Aufrechterhaltung dieses Verhaltens zu gewinnen.
- Biografische Analyse und Lebenswelt der Probandin E.
- Methodik des problemzentrierten Interviews zur Datenerhebung
- Anwendung der Theorie der differentiellen Kontakte nach Sutherland
- Anwendung der Bindungstheorie nach Hirschi auf den Einzelfall
Auszug aus dem Buch
4.1 Die Theorie der differentiellen Kontakte
Einer der bedeutendsten Kriminologen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Edwin H. Sutherland. Er entwarf die lerntheoretische Theorie der differentiellen (Assoziation oder) Kontakte erstmals im Jahr 1939. Später wurde der Entwurf von seinem Schüler Cressey 1955 modifiziert und angepasst (vgl. Lamnek, 2007, S.192).
Grundannahme der Theorie Sutherlands ist, dass von der Norm abweichendes Verhalten vor allem durch Interaktionen (ebenda) mit anderen Personen erlernt wird. Eine Person wird dann delinquent (straffällig), wenn Gesetzesverletzungen begünstigende Einstellungen gegenüber den Einstellungen, die Gesetzesverletzungen negativ bewerten, überwiegen (vgl. Lamnek, 2007, S. 192 ff.). „Differentielle Kontakte“ bedeutet, dass die Person mit abweichenden und differentiellen Verhaltensmustern in Kontakt steht. Sutherland formulierte insgesamt neun Thesen, die Ursachen und Prozesse beschreiben, die delinquentes Verhalten hervorrufen können (siehe Lamnek, 2007, S.192 ff.):
1. „Kriminelles Verhalten ist gelerntes Verhalten“ (ebenda). Dies bedeutet, dass kriminelles Verhalten weder vererbt noch veranlagt ist. Jeder kann es durch „kriminelles Training“ (ebenda) erlernen.
2. „Kriminelles Verhalten wird in Interaktionen mit anderen Personen in einem Kommunikationsprozess gelernt“ (ebenda). Der Lernprozess geschieht vorwiegend in kleinen, intimen Gruppen. Kommunikation wird hier als verbale und non-verbale, direkte und indirekte Kommunikation verstanden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Devianz in der modernen Gesellschaft ein, definiert zentrale Begriffe wie Norm und soziale Kontrolle und legt die Zielsetzung der Arbeit sowie das Fallbeispiel E. dar.
2. Techniken der Datenerhebung: Es wird begründet, warum zur Untersuchung abweichenden Verhaltens im biographischen Kontext qualitative Methoden notwendig sind, und das Problemzentrierte Interview inklusive Leitfaden und Durchführung detailliert vorgestellt.
3. Biografisch-lebensweltliche Einzelfalldarstellung: Dieses Kapitel fasst das Interview mit E. strukturiert zusammen, wobei sowohl ihre Biografie und Lebensumstände als auch ihr Drogenkonsum und die bisherigen Konsequenzen beleuchtet werden.
4. Devianztheoretische Erklärungsansätze: Hier wird das Fallbeispiel E. mittels der Theorie der differentiellen Kontakte und der Bindungstheorie theoretisch analysiert, um Hintergründe für ihr Verhalten zu identifizieren.
5. Schlussbemerkung: Der Autor fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert die Möglichkeiten und Grenzen der Einzelfallanalyse und schließt mit einem Plädoyer für Toleranz und ein tieferes Verständnis abweichenden Handelns.
Schlüsselwörter
Devianz, abweichendes Verhalten, Drogenkonsum, Problemzentriertes Interview, Theorie der differentiellen Kontakte, Bindungstheorie, soziale Kontrolle, Biografie, Einzelfallanalyse, Sozialisation, Straffälligkeit, Jugend, Lebenswelt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Analyse abweichenden Verhaltens am Beispiel der 24-jährigen Probandin E., die regelmäßig illegale Drogen konsumiert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Devianz, Drogenkonsum im biographischen Kontext, soziale Lernprozesse sowie die Bedeutung sozialer Bindungen für das Individuum.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch die Anwendung wissenschaftlicher Devianztheorien ein besseres Verständnis für die Motive und die Entstehung des drogenaffinen Verhaltens von E. zu erlangen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt ein problemzentriertes Interview als qualitative Erhebungsmethode und kombiniert diese mit einer theoretischen Auswertung anhand des Einzelfalls.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Beschreibung, die biographische Darstellung des Falls E. sowie die Analyse dieses Falls mittels der Theorie der differentiellen Kontakte und der Bindungstheorie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Devianz, Drogenkonsum, Einzelfallanalyse, Theorie der differentiellen Kontakte, Bindungstheorie und biographische Forschung.
Warum spielt die Freundin P. eine so wichtige Rolle für das Verhalten von E.?
Aus Sicht der Theorie der differentiellen Kontakte fungiert P. als zentrale Bezugsperson, die E. in Kontakt mit Drogen brachte und deren deviante Verhaltensmuster E. durch regelmäßige Interaktion übernommen hat.
Welchen Einfluss hat das Fehlen konventioneller Bindungen bei E.?
Gemäß der Bindungstheorie fehlt es E. an sogenannten "Social Bonds", wie berufliche Ziele oder Vereinsaktivitäten, wodurch für sie kein Risiko entsteht, durch ihr delinquentes Handeln etwas Wertvolles zu verlieren.
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- Victoria Resino (Autor), 2019, Devianz und soziale Kontrolle. Theoretische Ansätze für ein besseres Verständnis des Drogenkonsums bei jungen Menschen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/593589