Resilienz bei Kindern aus alkoholbelasteten Familien. Risikofaktoren sowie Maßnahmen zur Resilienzförderung


Hausarbeit, 2018

19 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Risikofaktoren für Kinder alkoholabhängiger Eltern

3. Schutzfaktoren für Kinder alkoholabhängiger Eltern
3.1 Das Challenge-Modell
3.2 Das Schutzfaktorenkonzept
3.2.1 Kindbezogene Ressourcen
3.2.2 Umgebungsbezogene Ressourcen

4. Maßnahmen zur Stärkung der Resilienz der betroffenen Kinder
4.1 Kindbezogene Ansätze
4.1.1 Einzelfallhilfe
4.1.2 Gruppenarbeit
4.1.3 Familienorientierte Arbeit
4.2 Multiplikatorenarbeit und Sensibilisierung der Öffentlichkeit

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Ich wusste, dass meine Mutter Alkoholikerin war. (…) Sie hat es über’s Herz gebracht, uns abends alleine zu lassen und in die Kneipe zu gehen. Ganz zu schweigen davon, wie oft sie uns etwas versprach und ihr Versprechen nicht einhielt. Natürlich war das jedes Mal eine Enttäuschung, aber ich wusste ja, dass sie Alkoholikerin war, und die sind nun mal so“ (Fuhrmann 2008, S. 36; zit. n. Hille 2008, S. 3).

In Deutschland sind mehr als 2,6 Millionen Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren von einer elterlichen Alkoholabhängigkeit betroffen. Sie unterliegen einem erhöhten Risiko, im Laufe ihres Lebens selbst eine Suchtstörung zu entwickeln oder schwerwiegende psychische Störungen auszubilden (vgl. Klein 2005, S. 4f). Eine Modellstudie mit der Thematik „Prävention und Frühintervention bei Kindern aus suchtbelasteten Multiproblemfamilien“ ergab, dass Kinder aus Familien mit einer Alkoholproblematik im Durchschnitt einen schlechteren Schulabschluss erreichen, ihr Leben deutlich negativer bewerten und von anderen häufiger als ziellos und sozial unangepasst beschrieben werden als die Kontrollgruppe (vgl. Klein & Zobel 2001, S. 97ff). Auf der anderen Seite gibt es jedoch auch Heranwachsende aus suchtbelasteten Familien, die im Laufe ihres Lebens nicht auffällig werden (vgl. Zobel 2000, S. 26). Durch sogenannte Schutzfaktoren, also Variablen, die vorhandene Risiken abschwächen und die Entwicklung damit positiv beeinflussen, können diese Kinder trotz widriger Umstände zu mündigen und lebensfrohen Bürgern heranwachsen. Werner bezeichnet „die Konsequenz solch abschwächender Prozesse, die Risiken und Belastungen zwar nicht beseitigen, es dem Individuum aber ermöglichen, wirkungsvoll damit umzugehen“ (Werner 2006, S. 29) als Resilienz (vgl. ebd.).

Doch welche Faktoren wirken den vorhandenen Risiken bei Kindern mit alkoholabhängigen Eltern entgegen und wie können diese Faktoren durch spezielle Maßnahmen nachhaltig gestärkt beziehungsweise aufgebaut werden?

In dieser Hausarbeit werden zunächst die Risikofaktoren dargelegt, denen Kinder aus Familien mit einer Suchtstörung ausgesetzt sind. Das dritte Kapitel beschreibt dann mithilfe von zwei Modellen, welche Ressourcen die Entwicklung trotz vorhandener Risikofaktoren positiv beeinflussen, sodass die Grundlage für das vierte Kapitel gelegt ist. In diesem Teil werden zunächst konkrete Maßnahmen vorgestellt, die von einigen Einrichtungen eingesetzt werden, um die Resilienz der Kinder zu stärken. Darauf folgen allgemeine Ansätze zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Situation dieser Kinder, damit die Menschen besser informiert sind und betroffene Kinder besser erreicht werden können.

2. Risikofaktoren für Kinder alkoholabhängiger Eltern

Kinder von suchtkranken Eltern sind zahlreichen Risiken ausgesetzt, die sich negativ auf ihre Entwicklung auswirken können:

An erster Stelle beeinflusst der Alkohol selbst enorm die Stimmung und das Verhalten des süchtigen Elternteils. Die Stimmungslabilität kann so ausgeprägt sein, dass das Kind das Gefühl hat, je nach Alkoholspiegel des Vaters bzw. der Mutter, mit unterschiedlichen Personen konfrontiert zu sein (vgl. Klein 2005, S. 49). Das Verhalten des/der Abhängigen ist von Willkürlichkeit und Widersprüchlichkeit geprägt (vgl. Zobel 2000, S. 27):

„Der nüchterne, fürsorgliche Vater, der gestern noch versprochen hatte, bei den Hausaufgaben zu helfen, verliert am nächsten Tag im alkoholisierten Zustand jede Beherrschung und verurteilt sein Kind bei der Durchsicht der Aufgaben gnadenlos für jeden Fehler. Fürsorge und Versprechungen aufgrund von schlechtem Gewissen gehen beim Abhängigen einher mit Desinteresse und Ablehnung“ (ebd. S. 24).

Das Kind wird durch die massiven Umschwünge in der Stimmung und im Verhalten des/der Abhängigen extrem verunsichert und verängstigt (vgl. ebd. S. 191; Klein 2005, S. 49; Zobel 2001, S. 39).

Neben diesen alkoholspezifischen Einflüssen nennt Klein alkoholunspezifische Einflüsse, die unabhängig vom Alkoholmissbrauch (z.B. psychische Störungen) oder von diesem vermittelt (z.B. sozialer Abstieg) auf die Kinder einwirken.

Zu diesen alkoholunspezifischen Faktoren zählen zunächst die fehlende Bindung und die negative Familienatmosphäre, die sich unter anderem durch die Inkonsistenz im Verhalten des abhängigen Elternteils (vgl. Klein 2005, S. 49) sowie körperliche und seelische Gewalt im Elternhaus ergeben (vgl. ebd. S. 31). Die Folge sind ambivalente Gefühle des Kindes gegenüber der Bezugsperson, Wut, Enttäuschung sowie aggressive Verhaltensweisen (vgl. Brisch 2007, S.137). Störungen im Bindungsverhalten sind teilweise so ausgeprägt, „dass diese als Psychopathologie diagnostiziert werden können“ (ebd. S. 141f). Aggressivität des Vaters bzw. der Mutter kann darüber hinaus bei dem Kind eine ausgeprägte Angststörung auslösen (vgl. Zobel 2001, S. 39).

Durch die Alkoholabhängigkeit ergeben sich zudem Familieneffekte, die nach Klein „Ehestreitigkeiten bis hin zur Trennung oder Scheidung sowie soziale Isolation und Rollenumkehr“ (2005, S. 50) beinhalten. In Familien mit einem alkoholabhängigen Elternteil ist die Fähigkeit zum konstruktiven Umgang mit Konflikten häufig herabgesetzt (vgl. ebd.) und es finden signifikant mehr elterliche Auseinandersetzungen und mehr Eltern-Kind-Konflikte statt. Die Kinder erleben meist weniger Tagesstruktur und weniger familiäre Rituale wie ein gemeinsames Abendessen oder Ausflüge. Aus Scham neigen Familien mit einem Alkoholproblem dazu, sich von Verwandten und Freunden/Freundinnen zu isolieren (vgl. Zobel 2000, S. 28).

Aufgrund der dysfunktionalen familiären Situation „sind Kinder alkoholabhängiger Eltern gefährdet, bestimmte Rollen in fixierter und rigider Form zu lernen und auszuführen“ (Klein 2005, S. 37), die als Anpassungs- und Bewältigungsleistungen verstanden werden können (vgl. ebd.). So kann es sein, dass ein Kind die Rolle des Vaters übernimmt, sich selbst die Verantwortung für die jüngeren Geschwister zuschreibt und zum Partnerersatz für den trinkenden Elternteil wird (vgl. Zobel 2000, S. 31). Die Übernahme von Rollen in der Kindheit beeinflusst die weitere Entwicklung, sodass die Kinder selbst im Erwachsenenalter dysfunktionales Rollenverhalten zeigen können (vgl. Klein 2005, S. 37).

Die Alkohol- und Familieneffekte bewirken, dass die Erziehungsfähigkeit der Eltern deutlich herabgesetzt ist. Die Kinder erhalten nicht die nötige Förderung, Unterstützung und Zuwendung, die sie für eine gesunde Entwicklung benötigen. In schlimmen Fällen führt dies bis hin zu einer groben Vernachlässigung der Kinder auch bezüglich des täglichen Bedarfs wie beispielsweise regelmäßige Mahlzeiten, Körperpflege, saubere Kleidung und Arztbesuche (vgl. Zobel 2000, S. 201). Dazu kommt, dass die Eltern ihre Vorbild- beziehungsweise Modellfunktion nicht erfüllen. Den Kindern werden kaum Bewältigungsstrategien vermittelt, sondern sie lernen lediglich, dass Alkohol für den Elternteil Erleichterung schafft und so Probleme verdrängt werden können. Nach der Theorie des sozialen Lernens von Bandura ist es möglich, dass die Kinder das Trinkverhalten der Eltern imitieren und später fortsetzen (vgl. ebd. S.163).

Die Fähigkeit zu einer kindgerechten Erziehung und Fürsorge kann durch elterliche Komorbidität, also das Vorhandensein von weiteren psychischen Störungen, noch weiter beeinträchtigt sein. Klein weist darauf hin, dass alkoholabhängige Personen nicht selten an Depressionen, einer Angst- oder Persönlichkeitsstörung leiden (vgl. 2005, S. 51). Insbesondere eine antisoziale Persönlichkeitsstörung hat einen enormen Einfluss auf die Familienatmosphäre, kann die familiären Probleme potenzieren und Auffälligkeiten bei den Kindern fördern (vgl. Zobel 2000 S. 181).

Als weiteren Risikofaktor für Kinder aus alkoholbelasteten Familien sind sozioökonomische Stressoren wie Arbeitslosigkeit und finanzielle Schwierigkeiten zu nennen.

„Finanzielle Belastungen der Familie können durch die konkreten Kosten des Alkoholkonsums entstehen und die dadurch zunehmend auftretenden finanziellen Schwierigkeiten wiederum i.S. eines ‚Teufelskreises‘ den Alkoholkonsum der Betroffenen beeinflussen und erhöhen“ (Klein 2005, S. 52).

Die innerhalb der Familie verfügbaren ökonomischen und materiellen Ressourcen haben einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der Kinder, da diese „die Ausgestaltung des familiären Entwicklungsraumes im Hinblick auf eine lernunterstützende Förderung von Kindern“ (Ehmke et al. 2005, S. 239) mitbestimmen.

3. Schutzfaktoren für Kinder alkoholabhängiger Eltern

Im zweiten Kapitel wurde der Fokus auf die Risiken gelegt, denen Kinder aus alkoholbelasteten Familien ausgesetzt sind. Durch eine rein defizitorientierte Sichtweise werden jedoch viele Betroffene allein aufgrund eines Alkoholproblems der Eltern als krank bzw. behandlungsbedürftig eingestuft (vgl. Zobel 2000, S. 23). Zudem sind einige der genannten Risikofaktoren kaum beeinflussbar, sodass diese Informationen für eine Verbesserung der Situation der Kinder nicht hilfreich sind (vgl. Hille 2008, S. 5). Aus diesem Grund wurden in den letzten Jahren Anstrengungen unternommen, neben dem pathologieorientierten Standpunkt auch die Ressourcen und Resilienzen der Kinder in den Blick zu nehmen und die Resultate für Hilfeansätze nutzbar zu machen (vgl. Klein 2005, S. 24). Im Folgenden werden zwei Modelle vorgestellt, die Resilienzen und Schutzfaktoren berücksichtigen und sich in der Arbeit mit Kindern aus alkoholbelasteten Familien als hilfreich erweisen: Das Challenge-Modell und das Schutzfaktorenkonzept.

3.1 Das Challenge-Modell

Wolin und Wolin haben dem früher gängigen Störungsmodell das Challenge-Modell gegenübergestellt, das die kindliche Wahrnehmung und Bewertung der gegebenen Umstände in den Mittelpunkt rückt (vgl. Zobel 2000, S. 51). Bei Kindern aus alkoholbelasteten Familien werden zwei Reaktionsweisen unterschieden:

„Werden die familiären Erlebnisse und Erfahrungen vom Kind primär als Herausforderung (challenge) wahrgenommen, widerstehen die Kinder den krankmachenden Einflüssen der Familienumgebung und zeigen in ihrer weiteren Entwicklung Stärken und Resilienzen. Wenn die Familienumgebung allerdings in erster Linie als schädigend wahrgenommen wird, liegt dagegen die Entwicklung von Störungen nahe“ (ebd. S. 52).

Die Autoren differenzieren insgesamt sieben Resilienzen, die die Kinder vor den negativen Folgen des elterlichen Alkoholkonsums schützen sollen: Einsicht, Unabhängigkeit, Beziehungen, Initiative, Kreativität und Moral (vgl. Klein & Zobel 2001, S.95).

Damit ein Kind mit den häuslichen Umständen so umgehen kann, dass sie eher förderlich als schädlich sind, muss es zu der Einsicht kommen, dass in seinem Familienleben etwas nicht stimmt. In der Kindheit ist diese Einsicht zunächst ein Empfinden, das sich zu einem Wissen entwickelt, wenn der/die Betroffene Erfahrungen macht und Informationen über das Alkoholproblem und über die Auswirkungen der Krankheit erhält. Das Wissen über die Folgen des Alkoholkonsums kann im weiteren Verlauf zu einem Verständnis für die komplexen Zusammenhänge führen, „die das Kind davor schützen, die familiären Probleme auf sie zu beziehen und sich deshalb minderwertig zu fühlen“ (Zobel 2000, S. 53).

Unabhängigkeit hilft Kindern alkoholabhängiger Personen, da sie sich dem elterlichen Trinken besser entziehen können und diesem so weniger ausgesetzt sind. Sie beginnt mit einer inneren Distanz zu dem häuslichen Geschehen und führt mit der Zeit zu einer emotionalen und physischen Distanz zur Familie. Getrennte Wohnräume und freie Entscheidungen sind für erwachsene Kinder von abhängigen Eltern besonders von Bedeutung, da viele Betroffene sowohl seelisch als auch räumlich dem Elternhaus verhaftet bleiben, in der Hoffnung, die Alkoholproblematik lösen zu können.

Des Weiteren sind Beziehungen, vor allem zu psychisch gesunden und stabilen Menschen, enorm wichtig für die Entwicklung von Heranwachsenden. Kinder mit einem alkoholabhängigen Elternteil können so lernen, dass Alkohol nicht zu einem alltäglichen Leben gehört, dass es alternative Problemlösestrategien gibt und dass sie wertgeschätzt und anerkannt werden. Indem sie andere Elternmodelle erleben, sind sie in der Lage, das eigene Elternhaus kritisch zu beurteilen (vgl. Hille 2008, S. 16; Zobel 2000, S. 54). Hille betont darüber hinaus, dass eine emotionale Beziehung zu einem Tier hilfreich sein kann, da sie für die Kinder ebenfalls Spielpartner darstellen können, zuhören und nicht urteilen (vgl. 2008, S. 54).

„Der Aufbau von Initiative beginnt mit dem Erforschen der Umwelt im Sinne von Versuch und Irrtum“ (Zobel 2000, S. 54). Durch spielerisches Erkunden kann das Kind Zusammenhänge von Ursache und Wirkung verstehen und Selbstwirksamkeitserfahrungen sammeln. Dabei ist es wichtig, die Eigeninitiative des Kindes zu fördern und es in seinen Unternehmungen zu verstärken, damit es lernt, dass es auch Fehler machen darf, ohne direkt kritisiert zu werden. Aus der Eigeninitiative kann sich im weiteren Verlauf zielgerichtetes Arbeiten entwickeln, das schließlich in der Begeisterung für Projekte und Leistungsmotivation gipfelt.

Kinder können im Spiel ihre Kreativität ausleben, indem sie sich austoben und ausprobieren. Die Möglichkeit, selbst schöpferisch aktiv zu werden sowie künstlerische Förderung hilft gerade Kindern aus alkoholbelasteten Familien, sich vom Alltag abzulenken und in eine andere, selbst gestaltete Welt einzutauchen. Betroffene bekommen durch künstlerisches Gestalten zudem einen Zugang zu ihrer eigenen Befindlichkeit und können diese in ihren Werken mitteilen.

Humor muss von vielen Kindern alkoholabhängiger Eltern erst gelernt werden, da die häuslichen Bedingungen nur wenig Spaß zulassen. In lustigen Spielen mit Gleichaltrigen oder Erwachsenen erfahren diese Kinder, dass Lachen befreiend wirkt und können so für eine gewisse Zeit Abstand von der familiären Situation nehmen.

Moral schließlich ermöglicht es Menschen, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Da die Prinzipien und Regeln des alkoholabhängigen Elternteils häufig je nach Einnahmemenge variieren, ist es für die Kinder von besonderer Bedeutung, sich ein stabiles Netz von Normen und Werten anzueignen (vgl. Hille 2008, S. 16f; Zobel 2000, S.54f).

3.2 Das Schutzfaktorenkonzept

Schutzfaktoren bestimmen „die individuelle Widerstandsfähigkeit gegenüber potenziell schädigenden Einflüssen und sind damit in der Lage, das Risiko für die Entstehung von psychischen Erkrankungen und Verhaltensauffälligkeiten deutlich zu senken“ (Bauer et al. 2012, S. 7).

Im Folgenden sollen zunächst kindbezogene Faktoren aufgezählt werden, die den durch die Alkoholabhängigkeit der Eltern entstandenen Belastungen entgegenwirken, um anschließend umgebungsbezogene Ressourcen zu identifizieren.

3.2.1 Kindbezogene Ressourcen

Wichtige Eigenschaften beziehungsweise Fähigkeiten von Kindern aus einem alkoholbelasteten Haushalt sind Selbstwirksamkeitserwartungen und Kontrollüberzeugungen (vgl. Klein 2005, S. 43). Die Möglichkeit, sein eigenes Handeln zu kontrollieren, mit der Erfahrung, dass eigene Ziele selbstständig erreicht werden, hilft Heranwachsenden „entsprechend positive Kontrollerwartungen/-überzeugungen herauszubilden“ (Jordan 2010, S. 343) und Selbstwirksamkeitserfahrungen zu machen. Gerade bei Kindern von Alkoholabhängigen, die häufig vernachlässigt und kritisiert werden und diese Erlebnisse in ihr Selbstkonzept übernehmen (vgl. Klein 2005, S. 43), können „positive selbstbezogene Kognitionen … die Bewältigung von Belastungssituationen erleichtern“ (Klein 2005, S. 43). Kinder mit einem positiven Selbstkonzept erwarten, dass sie ihr Leben aus eigener Kraft beeinflussen können, sind in der Lage Probleme selbstständig zu bearbeiten und übernehmen Verantwortung für sich und ihr Handeln (vgl. Hille 2008, S. 25). Zobel bringt die Bedeutung der oben genannten Fertigkeiten bei Kindern und Jugendlichen aus suchtbelasteten Elternhäusern wie folgt auf den Punkt:

„Der Aufbau von Selbstwirksamkeitserwartungen ist … ein zentraler Faktor, um ihnen ein Gefühl für ihre Leistungsfähigkeit und Handlungsfähigkeit zu geben. Selbstwirksamkeitserwartungen schützen vor depressiven Attributionen und bewirken lösungsorientiertes Verhalten“ (2000, S. 209).

Voraussetzung für diese internalen Kontrollüberzeugungen ist eine positive Lebenseinstellung, die sich auf die Annahme stützt, „man werde das Leben schon meistern und anstehende Probleme bewältigen“ (ebd. S. 208). Da Kinder aus Familien mit einem Alkoholmissbrauch häufig keine anderen Bewältigungsstrategien als den Suchtmittelkonsum vermittelt bekommen, ist es für sie von besonderer Bedeutung, sich ein Bewältigungsverhalten anzueignen, das von dem der trinkenden Eltern abweicht und sie auf eine effektive Art und Weise emotional entlastet (vgl. ebd.).

In einem engen Zusammenhang mit den Selbstwirksamkeitserwartungen und den internalen Kontrollüberzeugungen steht das Kohärenzgefühl.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Resilienz bei Kindern aus alkoholbelasteten Familien. Risikofaktoren sowie Maßnahmen zur Resilienzförderung
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Institut für Sonderpädagogik)
Veranstaltung
Zur Wirkungsweise von Risiko- und Resilienzfaktoren in der kindlichen Entwicklung
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
19
Katalognummer
V593679
ISBN (eBook)
9783346197733
ISBN (Buch)
9783346197740
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Resilienz, Resilienzförderung, Schutzfaktor, Risikofaktor, alkoholabhängig, Eltern, Kind, Challenge-Modell, Einzelfallhilfe, Gruppenarbeit, Familienorientierte Arbeit
Arbeit zitieren
Tabea Taulien (Autor), 2018, Resilienz bei Kindern aus alkoholbelasteten Familien. Risikofaktoren sowie Maßnahmen zur Resilienzförderung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/593679

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