In dieser Arbeit wird der Frage nachgegangen, welchen Beitrag das Rollenspiel in der Psychomotorik zur Förderung des Selbstkonzeptes sozial ängstlicher Kinder leisten kann.
Dazu werden zunächst die Modelle zum Selbstkonzept von Shavelson, Hubner und Stanton (1976) sowie von Zimmer (2012) vorgestellt, auf die im Verlauf der Arbeit Bezug genommen wird und damit verbundene Konstrukte näher beleuchtet. Nach einer Beschreibung des Störungsbildes "Soziale Ängstlichkeit" wird der Zusammenhang von Selbstkonzept und sozialer Ängstlichkeit genannt. Anschließend beschäftigt sich der Autor mit der Psychomotorik und erörtert, inwiefern diese Form der Bewegungsförderung zum Aufbau eines positiven Selbstkonzeptes beitragen kann. Das Rollenspiel in der Psychomotorik stellt ein erprobtes Mittel dar, um das Selbstkonzept zu fördern. Welche Chancen und Grenzen diese Interventionsmaßnahme zur Förderung des Selbstkonzeptes sozial ängstlicher Kinder birgt, wird abschließend untersucht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Selbstkonzept sozial ängstlicher Kinder
2.1 Modelle des Selbstkonzeptes und die Bedeutung von Selbstwirksamkeit und Ursachenzuschreibungen
2.1.1 Selbstkonzept nach Shavelson, Hubner und Stanton
2.1.2 Selbstkonzept nach Zimmer
2.1.3 Selbstwirksamkeit, Kausalattribution und erlernte Hilflosigkeit
2.2 Soziale Ängstlichkeit im Kindesalter
2.3 Zusammenhang von Selbstkonzept und sozialer Ängstlichkeit
3. Das Rollenspiel in der Psychomotorik als Beitrag zur Förderung des Selbstkonzeptes sozial ängstlicher Kinder
3.1 Psychomotorik als Maßnahme zur Förderung des Selbstkonzeptes
3.1.1 Empirische Belege für die positiven Auswirkungen von Psychomotorik auf das Selbstkonzept
3.1.2 Prinzipien der psychomotorischen Förderung
3.2 Das Rollenspiel als psychomotorische Interventionsmaßnahme zur Förderung des Selbstkonzeptes sozial ängstlicher Kinder
3.2.1 Chancen des Rollenspiels in der Psychomotorik
3.2.2 Das Rollenspiel in der Therapie sozial ängstlicher Kinder
4. Fazit und Ausblick
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Beitrag, den das Rollenspiel innerhalb der Psychomotorik zur Förderung des Selbstkonzeptes bei sozial ängstlichen Kindern leisten kann, wobei der Fokus auf dem Aufbau von Selbstwirksamkeit und der Erprobung neuer Handlungsalternativen liegt.
- Theoretische Modelle des Selbstkonzeptes nach Shavelson, Hubner, Stanton und Zimmer
- Diagnostik und psychologische Merkmale sozialer Ängstlichkeit im Kindesalter
- Psychomotorische Förderung als Intervention zur Stärkung des Selbstkonzeptes
- Chancen und therapeutische Einsatzmöglichkeiten des Rollenspiels
- Prinzipien der pädagogischen Begleitung und des Modelllernens
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Chancen des Rollenspiels in der Psychomotorik
Das Beispiel aus der Einleitung zeigt, dass Kinder in einer anderen Rolle Kompetenzen zeigen können, die sie sonst nicht zeigen. In der Rolle von Dracula ist Nils mutig und aufgeschlossen. Die Übernahme einer Rolle ermöglicht ihm also Verhaltensweisen zu erproben, die in der Realität kaum erreichbar erscheinen. Durch das Rollenspiel können Handlungsspielräume neu entworfen und Handlungsalternativen ausprobiert werden, ohne die fatalen Folgen fürchten zu müssen, die ihre Anwendung im Ernstfall haben könnte. Es besteht die Möglichkeit der Umkehrung von üblichen Macht- und Einflussfaktoren sowie der Konstruktion eines veränderten Selbst (vgl. Zimmer, 2004, S. 66; Zimmer, 2012, S. 83).
Symbolische Spielhandlungen bieten darüber hinaus die Möglichkeit, Probleme auszudrücken und schaffen Chancen, diese zu bewältigen:
„Mit der Reproduktion und auch der Vorwegnahme von Situationen, die angstbesetzt sind, kann das Kind Spannungen abbauen, Aggressionen abreagieren, unerfüllte und unerlaubte Wünsche in konkreter und symbolischer Form realisieren und so ein seelisches Gleichgewicht stabilisieren“ (Zimmer, 2012, S. 83).
Ein sehr schüchternes Kind, das beispielsweise Angst hat, zu einem Kindergeburtstag zu gehen, bei dem es eingeladen ist, könnte diese Kindergeburtstagssituation spielen und sich selbst in die Rolle einer mutigen und extrovertierten Person versetzen. So kann die Furcht möglicherweise reduziert werden (vgl. ebd.). Im Rahmen psychomotorischer Angebote ist es aus diesem Grund wichtig, intrinsisch motivierte Spielhandlungen der Kinder aufzugreifen und sie als aktive Mitgestalter der Bewegungshandlungen anzuerkennen (vgl. ebd. S. 90; Schlesinger, 2016, S. 171). Durch selbstinitiierte Spielhandlungen können Kinder sich selbst ausdrücken und Selbstwirksamkeit erfahren (vgl. Zimmer, 2012, S. 91).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Relevanz des Themas dar, definiert das Selbstkonzept als mentales Modell und skizziert die Forschungsfrage nach dem Beitrag des Rollenspiels zur Förderung sozial ängstlicher Kinder.
2. Das Selbstkonzept sozial ängstlicher Kinder: Dieses Kapitel erläutert theoretische Modelle des Selbstkonzepts, untersucht die Dynamik von Selbstwirksamkeit und erlernter Hilflosigkeit und analysiert den Zusammenhang zwischen sozialer Ängstlichkeit und einem negativen Selbstwertgefühl.
3. Das Rollenspiel in der Psychomotorik als Beitrag zur Förderung des Selbstkonzeptes sozial ängstlicher Kinder: Das Kapitel beschreibt die Potenziale psychomotorischer Interventionen und detailliert, wie durch Rollenspiele im geschützten Rahmen neue Handlungserfahrungen und Kompetenzen zur Angstbewältigung gewonnen werden können.
4. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse zusammen, wonach Rollenspiele in der Psychomotorik durch die Förderung von Selbstwirksamkeit maßgeblich zur positiven Beeinflussung des Selbstkonzeptes beitragen können, wobei bei stark ängstlichen Kindern ein langsames Vorgehen empfohlen wird.
5. Literaturverzeichnis: Umfassende Auflistung der verwendeten wissenschaftlichen Fachliteratur und Quellen.
Schlüsselwörter
Psychomotorik, Selbstkonzept, Rollenspiel, soziale Ängstlichkeit, Selbstwirksamkeit, erlernte Hilflosigkeit, Kausalattribution, Kindesalter, Bewegungsförderung, Sozialkompetenz, Handlungsalternativen, Modelllernen, therapeutische Intervention, Selbstbild, Selbstwertgefühl
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den theoretischen und praktischen Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Rollenspielen in der Psychomotorik und der gezielten Förderung des Selbstkonzeptes bei Kindern mit sozialen Ängsten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder sind die psychologische Modellbildung des Selbstkonzepts, die Symptomatik sozialer Ängstlichkeit bei Kindern sowie die Interventionsprinzipien der Psychomotorik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie psychomotorische Rollenspiele genutzt werden können, um bei sozial ängstlichen Kindern ein positives Selbstkonzept aufzubauen und Ängste schrittweise abzubauen.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender psychologischer und psychomotorischer Fachmodelle sowie der Auswertung empirischer Studien zu Selbstkonzept und Interventionen.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Selbstkonzepts und der sozialen Ängstlichkeit sowie die praktische Darstellung des Rollenspiels als Interventionsmaßnahme inklusive methodischer Prinzipien.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Psychomotorik, Selbstwirksamkeit, soziale Ängstlichkeit, erlernte Hilflosigkeit, Rollenspiel und Selbstkonzeptförderung.
Warum wird bei sozial ängstlichen Kindern vom sofortigen Gruppentraining abgeraten?
Da diese Kinder oft geringe Kompetenzerwartungen haben und sich in sozialen Situationen überfordert fühlen, wird empfohlen, zunächst durch Einzelsitzungen eine stabile Kind-Therapeut-Beziehung aufzubauen.
Welche Rolle spielt das „Modelllernen“ innerhalb der psychomotorischen Intervention?
Das Modelllernen ermöglicht es dem Kind, durch Beobachtung und Identifikation mit starken Modellen Ängste zu verbalisieren und selbstsicheres Handeln in geschützten Rollen zu erproben.
Welche Bedeutung kommt der „kognitiven Repräsentation“ im Kontext des Selbstkonzepts zu?
Sie beschreibt das Wissen einer Person über eigene Fähigkeiten, Eigenschaften und Gefühle, welches als zentrales mentales Modell für das eigene Handeln dient.
Warum ist das Rollenspiel für die Arbeit mit dem Selbstkonzept besonders effektiv?
Es erlaubt den Kindern, in einer "Als-ob-Situation" Handlungsalternativen auszuprobieren, ohne die negativen Konsequenzen befürchten zu müssen, die sie in der Realität mit sozialen Situationen verbinden.
- Arbeit zitieren
- Tabea Taulien (Autor:in), 2019, Welchen Beitrag kann das Rollenspiel in der Psychomotorik zur Förderung des Selbstkonzeptes sozial ängstlicher Kinder leisten?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/593686