Die Anwendung von Empowerment als wesentlicher Teil der Sozialen Arbeit


Hausarbeit, 2019

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Empowerment
2.1 Ursprünge der Empowermenttheorie
2.2 Verschiedene Definitionen
2.3 Drei Handlungsansätze und deren Umsetzung
2.4 Gestaltung von Empowerment
2.4.1 Voraussetzungen
2.4.2 Konkrete inhaltliche Gestaltung

3 Kritik

4 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Ein wesentliches Merkmal der Menschheit ist das Verlangen ihre Leben selbst zu bestimmen (vgl. Seckinger 2018: S.308). Bedingt durch politische Vorgaben und persönliche Einschränkungen (physisch und psychisch) ist dieses Verlangen nicht immer leicht umzusetzen. Wissenschaftlich wird diese Umsetzung von Selbstbestimmung mit Empowerment beschrieben und hat sich als ein prägender Teil der Sozialen Arbeit entwickelt. Ziel ist es den Menschen, die eingeschränkt sind, so viele Freiräume wie möglich und Zugang zu ihren Ressourcen zu verschaffen. Der Klient1 soll dies alleine oder mithilfe eines assistierenden beruflichen Helfers schaffen.

Diese Arbeit setzt sich mit dem allgemeinen Empowerment in der Sozialen Arbeit auseinander. Inwiefern spielt Empowerment eine wichtige Rolle in der Sozialen Arbeit?

Zu Beginn dieser Arbeit findet die Klärung des Ursprungs von Empowerment Beachtung, wobei die vier wesentlichen Entstehungsgeschichten skizziert werden. Im Anschluss werden vier verschiedene Definitionsansätze beschrieben. Für die Umsetzung von Empowerment ist es hilfreich sich an Handlungsansätzen zu orientieren. Es haben sich drei Handlungsansätze entwickelt: Ressourcenorientierung, Partizipationsorientierung und die Verknüpfung verschiedener Handlungsebenen. Bei der Umsetzung von Empowerment durchlaufen alle Handlungsansätze die gleichen fünf Phasen. Um mithilfe eines Handlungsansatzes Empowerment anzuwenden, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt werden. Für die anschließende Gestaltung und das bessere Verständnis muss zwischen verschiedenen Ressourcenarten unterschieden werden. Dies dient der Übersichtlichkeit. Im letzten Teil dieser Arbeit werden Kritikpunkte erwähnt, die gegen das Empowerment-Konzept sprechen, bevor im Fazit die Arbeitsergebnisse zusammengefasst werden.

2 Empowerment

Unter dem Begriff Empowerment wird die Stärkung der Autonomie und Selbstverfügung des Menschen verstanden. Es werden Prozesse der Selbstbemächtigung beschrieben, die Menschen, trotz ihres Mangels und ihrer Benachteiligung darin bestärken, ihre Herausforderungen anzugehen. Es werden hierbei Fähigkeiten betont, persönliche Angelegenheiten selbst in die Hand zu nehmen, bestehende Ressourcen zu nutzen und neue Fähigkeiten zu entwickeln. Selbstbestimmung über den Alltag zu gewinnen, ist das allgemeine Ziel von Empowerment (vgl. Herringer 2014: S.20). Im Sinne der Selbstbemächtigung spielt die Machtverteilung zwischen Individuum, Gesellschaft und sozialer Gruppe eine entscheidende Rolle. Nur wenn alle drei Ebenen beachtet werden und im Gleichgewicht stehen, kann Empowerment erfolgreich sein. Laut Francescato und Tomai müssen alle drei Ebenen verknüpft werden, da jeder Mensch in seine Umwelt eingebettet ist und kaum aus eigener Kraft das Empowern möglich ist. Außerdem steht Empowerment im Spannungsverhältnis mit Bürger-, Menschen- und sozialen Rechten. Empowerment bedeutet also nicht nur Selbstbestimmung, sondern auch die Zunahme an sozialer Gerechtigkeit (natural helping systems) (vgl. Seckinger 2018: S.307).

2.1 Ursprünge der Empowermenttheorie

Bedeutende Wurzeln der Empowermenttheorie kommen aus der Pädagogik der Unterdrückten, der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, dem Feminismus und der Selbsthilfebewegung.

Pädagogik der Unterdrückten

Der brasilianische Pädagoge Paulo Freire betrachtete es als sein Ziel, den Menschen darin zu stärken eine kritische Sicht auf die Welt zu entwickeln und ihr Leben selbst zu gestalten (vgl. Seckinger 2018: S. 308). Die Vermeidung von Ungleichheiten und Unterdrückung sind wesentliche Aspekte seines Erziehungskonzepts. Klassische Expertenrollen müssen hierbei neu definiert werden. Aufgabe der Experten ist weniger die Mehrung theoretischen Wissens, sondern vielmehr die Entwicklung geeigneter und praxisorientierter Lösungsansätze (vgl. Seckinger 2014: S. 308).

US-amerikanische Bürgerrechtsbewegungen

Durch Demonstrationen und öffentliche Kundgebungen hat die Bürgerrechtsbewegung in den USA Einfluss auf die gesellschaftlich politische Beachtung genommen. Sie hatten teilweise die Überzeugung, dass Selbstbestimmung durch eigenes Engagement in gemeinschaftlichen Aktionen möglich ist. (vgl. Seckinger 2018: S. 308).

Feminismus

Die Frauenbewegung hat seit den 1960er Jahren zur dauerhaften Umgestaltung von der Gesellschaft beigetragen und damit große Impulse für die Empowermenttheorie ausgelöst. Wirksam war vor allem das Handeln auf den drei Ebenen, dem Individuum, der Gesellschaft und der sozialen Gruppe (vgl. Seckinger 2018: S.308).

Selbsthilfebewegung

Menschen organisieren sich in Selbsthilfegruppen, damit ihre Rechte durch die Gruppe besser verteidigt werden können. Durch Gruppenreflexion wird ein Weg aus ihrer Unzufriedenheit entworfen und Ideen für die Zukunft entwickelt. Unter den Psychiatrie-Erfahrenen fanden solche gruppendynamischen Prozesse statt. Das Ziel war es, ihr Leben in Eigenverantwortung, anstatt unter Fremdbestimmung zu leben. Hierbei geht es nicht darum, die Gruppe als Gruppe zu stärken, sondern inner- und außerhalb der Gruppe eine Machtgleichheit zu schaffen (vgl. Seckinger 2018: S.308-309).

2.2 Verschiedene Definitionen

Aufgrund der Komplexität und der verschiedenen Zugänge zum Begriff Empowerment haben sich verschiedene Definitionen entwickelt.

(1) In politischer Hinsicht wird der Begriff „power“ mit „politischer Macht“ übersetzt. Im Rahmen des Empowerments wird diese Interpretation so gedeutet, dass politisches Empowerment die unterschiedlichen Machtverhältnisse ausgleichen und politische Mitbestimmung ermöglichen soll. „In politischer Definition bezeichnet Empowerment so einen konflikthaften Prozeß der Umverteilung von politischer Macht“ (Herringer 2014: S.14). Wiederzufinden ist dieser Ansatz beispielsweise in Bürgerrechtsbewegungen und feministischen Bewegungen.
(2) Die lebensweltliche Sicht übersetzt Empowerment mit Kompetenz und Alltagsvermögen. Das Ziel von Empowerment ist hierbei, die Krisen und Belastungen des Alltags mit eigener Kraft zu bewältigen. Sie betont die Fähigkeit des Individuums, das Leben in Selbstorganisation zu gestalten.
(3) In reflexiver Sicht beschreibt Empowerment den Erwerb von Selbstbestimmung durch einen selbst. Es wird von einem Bild des Wandels gesprochen, in dem Menschen Unabhängigkeit gewinnen. Es werden eigene Kräfte geschärft und neue Einstellungen aufgenommen. Besonders wichtig ist in dieser Sicht die Selbsthilfe des Menschen (vgl. Herringer 2014: S.16).
(4) Im Gegensatz zum reflexiven Empowerment wird im transitiven Ansatz die Hilfe einer Person im Prozess der Selbstbestimmung betont. Die Begleitung des Menschen im Prozess der Selbstbestimmung und des Strebens nach Autonomie durch einen beruflichen Helfer rückt besonders in den Fokus. Die Aufgaben des beruflichen Helfers bestehen darin, Gewinnung von Selbsthilfe zu unterstützen und die Ressourcen des Menschen darzustellen und weitere zu offenbaren (vgl. Herringer 2014: S. 17).

Zum transitiven Ansatz wurden viele verschiedene Definitionen von Wissenschaftlern formuliert, darunter ist auch die Definition nach Weiß, der erläutert, dass Empowerment die Fähigkeiten der Menschen aufdecken und erweitern muss. Strenge Vorgaben für Lösungsansätze werden von Weiß im Empowerment jedoch abgelehnt (vgl. Herringer 2014: S. 17). Eine weitere Definition zum transitiven Ansatz wurde von Theunissen formuliert. Die beruflichen Helfer seien nur Assistenten des Individuums. Das Individuum selbst muss der Experte seines Lebens werden. Die Aufgabe des beruflichen Helfers sei es nicht die Aufgaben für den Klienten zu erledigen, sondern ihm bloß bei der Bewältigung zur Seite zu stehen. Beide Definitionsansätze verbinden das Ziel, die Verbesserung der Lebensqualität durch die Kraft des Klienten selber zu stärken (vgl. Herringer 2014: S. 17-18).

Die Verbindung zum englischen Begriff agency wird immer öfter im Empowerment betont. Zu verstehen ist agency als die Macht über das eigene Handeln. Dieses Handeln beschreibt die Kraft und den Mut, in Situationen der Unterdrückung Widerstand zu leisten und Selbstbestimmung zu erreichen (vgl. Herringer 2014: S.18).

Aufgrund der unscharfen Trennungen der verschiedenen Empowerment-Definitionen und der vielen Überschneidungen muss ein weiteres Differenzierungsmerkmal herangezogen werden.

Empowerment ist zum einen als kollektiver Prozess der Selbstaneignung von politischer Macht zu verstehen und zum anderen „als professionelles Konzept der Unterstützung von Selbstbestimmung“ (Herringer 2014: S.19).

Schon in den ersten Ansätzen von Empowerment wurden Prozesse politischer Selbstbestimmung angeregt. Der Fokus dieses Ansatzes liegt in der Abschaffung von Ungleichheiten (vgl. Herringer 2014 S. 18f.).

Im zweiten Ansatz geht es um den professionellen Prozess der Aneignung von Selbstbestimmung unabhängig von einer bestimmten Thematik. „Handlungsziel einer sozialberuflichen Empowerment-Praxis ist es, Menschen das Rüstzeug für ein eigenverantwortliches Lebensmanagement zur Verfügung zu stellen und ihnen Möglichkeitsräume aufzuschließen, in denen sie sich die Erfahrung der eigenen Stärke aneignen und Muster einer solidarischen Vernetzung erproben können.“(Herringer 2014: S. 19f.).

2.3 Drei Handlungsansätze und deren Umsetzung

In der Unterstützung von Empowerment durch berufliche Helfer dienen folgende Handlungsansätze als Orientierung. Durch die Unterteilungen der großen Komplexität von Empowerment, wird hierdurch die Arbeit der Sozialarbeiter übersichtlicher.

(1) Ressourcenorientierung: Berufliche Helfer stehen vor der Herausforderung vorhandene Potentiale des Betroffenen zu erkennen. Außerdem sollen neue Potentiale erkundet und gefunden werden, um das Ressourcennetz zu erweitern (vgl. Dorschky 2017: S.232).
(2) Partizipationsorientierung: In Zusammenarbeit zwischen Sozialarbeiter und Betroffenen müssen Fragen und Zustände geklärt werden, in denen es um die Lebensentwürfe des Betroffenen geht. Das Ziel ist es, bei der Erstellung des Lebensentwurfs die Interessen der Betroffenen im hohen Maße zu integrieren (vgl. Dorschky 2017: S. 232).
(3) Verknüpfung verschiedener Handlungsebenen: In der Arbeit mit Klienten müssen neben der eigentlichen Aufgabe auch Einflussnahmen der Umwelt und der Psyche des Klienten Beachtung finden. Die Umsetzung des Empowerments in Einrichtungen der Sozialen Arbeit bringt eine zu beachtende Komplexität mit sich. Bei einer Umsetzung müssen einerseits die Personal- und Organisationsentwicklung und andererseits Rituale beachtet werden. Empowerment kann nicht spontan und umfassend in Organisationen umgesetzt werden. Sie müssen sich an Rahmenbedingungen und gesetzlichen Vorgaben bewegen (vgl. Dorschky 2017: S. 232).

Die Umsetzung von Empowerment läuft immer in fünf Phasen ab. In der ersten Phase werden soziale Probleme, wie Ungleichheiten aufgedeckt. Im zweiten Schritt müssen diese Ungleichheiten realisiert werden. Im Anschluss werden die gemeinsamen Interessen der sozialen Gruppen aktiviert, um so einen größeren Einfluss auf das eigene Leben zu nehmen. In der vierten Phase beginnt der Prozess der Veränderung. In der letzten Phase wird die Veränderung realisiert und „Benachteiligungen werden abgebaut“ ( Seckinger 2018: S.309).

2.4 Gestaltung von Empowerment

Bevor Empowerment mithilfe einer Handlungsorientierung umgesetzt werden kann, müssen unterschiedliche Voraussetzungen erfüllt werden. Bei der konkreten inhaltlichen Gestaltung müssen, nach Erfüllung der Voraussetzungen, die Ressourcen in verschiedene Arten unterteilt werden.

2.4.1 Voraussetzungen

In der ersten Phase des Empowerments geht es um drei Voraussetzungen, der Subjektorientierung (Autonomie), der Umfeldorientierung und der Partnerschaftlichkeit. Die erste Voraussetzung gibt dem beruflichen Helfer vor, dass er seinem Klienten mit Respekt und Einfühlungsvermögen gegenübertreten soll. Wenn der Klient gegen Grundwerte verstößt, darf der berufliche Helfer keine Hemmungen haben, Kritik zu äußern (vgl. Sohns 2009: S. 83). Die zweite Voraussetzung für die Arbeit mit Empowerment ist die Umfeldorientierung. Unter dieser versteht man zum einen die Ressourcensuche und -analyse und zum anderen die Überlegung welches Handeln Einfluss auf die Ressourcen nehmen könnte. Man folgt den Prinzipien der Lebensweltorientierung und der systemischen lösungsorientierten Praxis (vgl. Sohns 2009: S. 83f.). Die machtausgeglichene Beziehung zwischen beruflichem Helfer und Klient spiegelt sich in der Partnerschaftlichkeit. Abmachungen zwischen den beiden Parteien sollten in dieser Rubrik getroffen werden. Diese sollten klar kommuniziert und übersichtlich sein. Die Position des beruflichen Helfers muss definiert werden, da er sich in einem Zwiespalt zwischen der Loyalität zum Klienten und dem Auftrag der Gesellschaft beziehungsweise den gesellschaftlichen Regeln und Normen befindet. Daher wird vom beruflichen Helfer ein Handeln auf zwei Ebenen verlangt. Einerseits muss der berufliche Helfer seinem Klienten ein mögliches Leben in dem bestehendem Staatssystem darstellen. Andererseits muss der berufliche Helfer dem Staat und der Gesellschaft gerecht werden, indem er dem Klienten Selbstbestimmung und Unabhängigkeit vermittelt. Durch die Analyse von Problemen, erwirbt der Klient neue Kompetenzen und trägt zur Weiterentwicklung der Gesellschaft bei (vgl. Sohns 2009: S. 84).

[...]


1 Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung personenspezifischer Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichwohl für jedes Geschlecht.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Anwendung von Empowerment als wesentlicher Teil der Sozialen Arbeit
Hochschule
Fachhochschule des Mittelstands
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
14
Katalognummer
V593740
ISBN (eBook)
9783346179180
ISBN (Buch)
9783346179197
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Selbstbestimmung, methode, soziale Arbeit, empowerment, Anwendung, methoden
Arbeit zitieren
Lea Hölkemann (Autor), 2019, Die Anwendung von Empowerment als wesentlicher Teil der Sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/593740

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