Die Citibank Privatkunden AG & Co KAaA wird durch Verbraucherschützer und Schuldnerberater im besonderem Maße gerügt: Ihre Methoden seien teilweise rüde und die Verträge folglich häufig durch einseitigen ökonomischen Nutzen
geprägt. Der Autor erörtert die als aggressive kritisierte Kreditkultur wissenschaftlich. Es wird untersucht, ob die beobachteten Geschäftsmethoden der Citibank den Vorwurf des Predatory Lendings rechtfertigen. Der Begriff Predatory Lending stammt aus den USA und wird als einseitigen und sittenwidrige Gestaltung von Kreditbeziehungen zu Lasten des Kreditnehmers verstanden.
Zur Prüfung dieser These erörtert der Autor einleitend den übergeordneten Zusammenhang und führt eine empirische Medienanalyse durch. Dabei behandelt er die Frage, wie über die Citibank gesprochen wird. Die Sichtweisen unterscheiden sich diametral – je nach Perspektive. Darauf aufbauend wird die Kreditkultur der Citibank detailliert erörtert und die besondere Problematik der Kettenkredite, Umschuldungsverluste und überteuerten Restschuldversicherungen behandelt.
Zur Prüfung der erstellten Thesen wird eine empirische Untersuchung angestellt: In Zusammenarbeit mit Verbraucherzentralen, Schuldnerberatern und wissenschaftlichen Instituten wurden zehn so genannte Kettenkreditnehmer empirisch untersucht. Dabei wurden 50 Kreditverträge ausgewertet und tabellarisch und grafisch verarbeitet. Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Predatory Lending bei der Citibank in den untersuchten Fällen vorliegt. Auf diese Erkenntnis aufbauend, werden die negativen sozialen, ökonomischen und
institutionellen Implikationen des Predatory Lending thematisiert. In diesem Zusammenhang schließt der Autor mit einem kritischen Resümee.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Theoretischer Hintergrund
1.2 Problemstellung und Eingrenzung
1.3 Methodik
2. Medienanalyse
2.1 Shareholder-Öffentlichkeit
2.2 Steakholder-Öffentlichkeiten
2.3 Politische Öffentlichkeit
2.4 Verbraucherschützer und Gewerkschaften
2.5 Exkurs: Predatory Lending der Citibank in den USA
3. Konsumentenkredit – Definition und Bedeutung
3.1 Eine Bewertungs-Matrix
3.2 Die Kreditkultur der Citibank
4. Die Verschuldungsspirale der Citibank
4.1 Dispositionskredit
4.2 Kreditkarte
4.3 Ratenkredit
4.3.1 Vergabesystem
4.3.2 Kosten der Ratenkredite
4.3.2.1 Zinsen
4.3.2.2 Bearbeitungsgebühren
4.3.2.3 RSV
4.3.2.3.1 Kosten der RSV
4.3.2.3.2 Argumentation der Citibank
4.3.2.3.3 Implikation der RSV
5. Empirische Betrachtung der Kettenkredite
5.1 RSV obligatorisch
5.2 Streuung der RSV-Prämien
5.3 Argument für eine Umschuldung
5.4 Steigende Kosten für geliehenes Geld
5.5 Effektivzinsen
5.6 Kosten des Kreditbedarfs
6. Transformation der Bankentheorie
7. Sozialwissenschaftlicher Transfer
7.1 Predatory Lending – eine Definition
7.2 Predatory Lending bei der Citibank
7.3 Ökonomie der Kreditkultur
7.4 Faktoren und Indikatoren für Predatory Lending
7.4.1 Juristische und individuelle Faktoren
7.4.2 Gesellschaftliche Indikatoren
7.4.3 Institutionelle Transformation
8. Soziale Implikation der Kreditkultur
9. Institutionelle Transformation
10. Soziologische Replik
11. Unternehmensethische Aspekte
12. Resümee
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Diplomarbeit untersucht das aggressive Geschäftsmodell der Citibank im Bereich der Konsumentenfinanzierung, insbesondere im Ratenkreditsegment, und analysiert die soziologischen und institutionellen Auswirkungen dieses Modells auf die Gesellschaft. Die zentrale Forschungsfrage ist, ob die Citibank durch systematische Umschuldungspraktiken, obligatorische und überteuerte Restschuldversicherungen sowie ein intransparentes, auf Gewinnmaximierung ausgerichtetes System eine Form des "Predatory Lending" betreibt, die Kunden in einer Verschuldungsspirale fängt und sozial sowie ökonomisch schädigt.
- Analyse der Medienberichterstattung und öffentlichen Wahrnehmung der Citibank.
- Untersuchung der "Verschuldungsspirale" durch die Kombination von Girokonto, Kreditkarte und Ratenkredit.
- Empirische Auswertung von Kettenkreditverträgen zur Verdeutlichung der Mehrfachbelastungen.
- Kritische Würdigung der Rolle von Restschuldversicherungen (RSV) als Kostenfaktor und Instrument der Kundenbindung.
- Transfer der ökonomischen Befunde in einen soziologischen Kontext unter Berücksichtigung von Machtasymmetrien und institutionellem Wandel.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Den Verbraucherschützern und Schuldnerberatern ist das aggressive Geschäftsgebaren der deutschen Citibank Privatkunden AG & Co. KGaA, Düsseldorf (Citibank) vertraut. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Citibank-Kunden überdurchschnittlich häufig bei Verbraucherinsolvenzen vertreten sind. In einem Beitrag der ARD-Sendung Plus-Minus wurde sogar die Auffassung von Schuldnerberatern geäußert, dass „jeder zweite Überschuldungsfall (...) mit der Citibank zu tun (hat)“. Mit den individuellen, familiären und sozialen Folgen dieser aggressiven Kreditkultur wurde ich bei meiner Arbeit am Institut für Finanzdienstleistungen e.V. (IFF) konfrontiert. Durch diese eindrucksvolle Erfahrung reifte mein Verständnis dafür, dass sich die Soziologie nicht nur mit einer abstrakten Gesellschaftsperspektive begnügen darf, sondern dass sich gerade diese Disziplin permanent an der ökonomischen Realität orientieren muss, welche die soziale Realität der Menschen heute von Grund auf prägt.
Eine beizeiten bequeme Distanz zur ökonomischen Realität muss überwunden werden und eine effektive Schnittstelle zwischen den Einzeldisziplinen mit ihren teilweise einseitigen Rationalitäten geschaffen werden. Somit kann mittels eines interdisziplinären Ansatzes eine wertvolle Theorie der Praxis erreicht werden. Das Thema Citibank mag anfänglich als nicht soziologisch erscheinen, allerdings wirkt die Citibank intensiv auf die Gesellschaft ein - und dies global. In diesem Zusammenhang wurden die Citibank und in den vergangenen 30 Jahren immer wieder Gegenstand öffentlicher Kritik. David Caplovitz, ein berühmter Überschuldungsforscher aus den USA, verdeutlicht diesen Sachverhalt: „(Die) Citibank zerstört mit seinem System soziale Strukturen und Familien.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das aggressive Geschäftsgebaren der Citibank ein und stellt die Relevanz des Themas im soziologischen sowie ökonomischen Kontext dar.
2. Medienanalyse: Hier wird die Wahrnehmung der Citibank und Citigroup durch verschiedene Öffentlichkeitssphären (Shareholder, Steakholder, Politik) untersucht.
3. Konsumentenkredit – Definition und Bedeutung: Dieses Kapitel definiert Konsumentenkredite und führt eine Bewertungs-Matrix sowie die Kreditkultur der Citibank ein.
4. Die Verschuldungsspirale der Citibank: Hier wird das Drei-Wege-System der Citibank analysiert, das systematisch zur unproduktiven Ver- und Überschuldung verleitet.
5. Empirische Betrachtung der Kettenkredite: Dieses Kapitel belegt die systemische Mehrfachbelastung durch obligatorische RSV und Umschuldungen anhand von 50 Kreditverträgen.
6. Transformation der Bankentheorie: Hier wird der Wandel des Bankenethos unter dem Einfluss der Shareholder-Orientierung diskutiert.
7. Sozialwissenschaftlicher Transfer: Dieses Kapitel bewertet die empirischen Ergebnisse aus institutionentheoretischer Perspektive und definiert "Predatory Lending".
8. Soziale Implikation der Kreditkultur: Hier wird die Standardisierung und Entindividualisierung der Kreditvergabe als Ursache für soziale Exklusion herausgearbeitet.
9. Institutionelle Transformation: Dieses Kapitel analysiert, wie die Citibank als Vorzeigemodell die Institutionen der Bankenbranche nachhaltig verändert.
10. Soziologische Replik: Hier werden die Schäden durch Predatory Lending im Sinne Bourdieus als Reduktion ökonomischen und sozialen Kapitals interpretiert.
11. Unternehmensethische Aspekte: Dieses Kapitel hinterfragt die Corporate Culture der Citibank im Kontext von Unternehmensethik und ökonomischem Fundamentalismus.
12. Resümee: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Einordnung und Forderungen an eine notwendige Neubewertung durch Öffentlichkeit und Rechtssprechung.
Schlüsselwörter
Citibank, Konsumentenkredit, Predatory Lending, Verschuldungsspirale, Restschuldversicherung, Kettenkredit, Soziologie, Finanzielle Exklusion, Institutionenökonomik, Shareholder-Value, Bankenethos, Überschuldung, Umschuldung, Consumer Banking, Unternehmensethik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Geschäftsmodell der Citibank im Bereich Konsumentenkredite und dessen Auswirkungen auf Kunden und Gesellschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Fokus stehen Kreditkultur, Verschuldungsdynamiken, der Einsatz von Restschuldversicherungen und soziologische sowie unternehmensethische Analysen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Verdacht auf "Predatory Lending" bei der Citibank anhand empirischer Daten zu prüfen und die gesellschaftlichen Konsequenzen zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Medienanalyse durchgeführt sowie eine empirische Untersuchung von 50 Kreditverträgen (Kettenkredite) vorgenommen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Verschuldungsspirale, die Rolle der Restschuldversicherung als Kostenfaktor und den soziologischen Transfer dieser Erkenntnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Citibank, Konsumentenkredit, Predatory Lending, Kettenkredit, Restschuldversicherung und soziale Exklusion.
Warum wird die Restschuldversicherung (RSV) als problematisch angesehen?
Sie gilt als überteuert, oft obligatorisch für die Kreditvergabe und trägt massiv zur Verteuerung des Kredits bei, ohne dass diese Kosten transparent im Effektivzins erscheinen.
Was sind Kettenkredite im Kontext der Arbeit?
Dies sind Kredite, die durch ständige Umschuldungen und Aufstockungen bei der Citibank immer wieder neu gebunden werden, wobei bei jedem Schritt Gebühren und Versicherungsprämien anfallen.
- Quote paper
- Oliver J. Haas (Author), 2004, Kritische Analyse der Geschäftsmethoden der Citibank Privatkunden AG - Pretatory Lending?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59379