Die HafenCity im Kontext des Leitbildes - Utopie in Klinker, Glas und Stahl


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

35 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Forschungsgegenstand und Kontext
1.2 Methodik

2. Vom historischen Verständnis der Stadt zum modernen Begriff urbaner Räume
2.1 Historische Definitionen der Stadt
2.1.1 Historischer Materialismus und seine moderne Restauration durch die New Urban Sociology
2.1.2 Stadt bei Weber
2.1.3 Kurzes Resümee der historischen Studien
2.2 Aktuelle Tendenzen

3. Stadt als Raum differenzierter Systeme
3.1 Zeit im Verhältnis zum Raum
3.2 Raum in der Stadtsoziologie

4. Vision HafenCity
4.1 Geschichte
4.2 Die Vision HafenCity im Leitbild

5. Der Raum der Ströme

6. Die HafenCity im Licht der Theorie

7. Fazit

1. Einleitung

Auf einem Häuserblocke sitzt er breit. Die Winde lagern schwarz um seine Stirn. Er schaut voll Wut, wo fern in Einsamkeit die letzten Häuser in das Land verirr'n.

Auszug aus „Der Gott der Stadt“ von Georg Heym

Die europäische Stadt konstituierte sich aus zwei grundverschiedenen und doch interdependenten Charakteristika: Einerseits ist die europäische Stadt emanzipatorischer Raum, in welchem sich die sozialen und ökonomischen Sprengkräfte entwickeln konnten, welche die geschlossenen Kreisläufe der feudalen Gesellschaft durchbrachen und in dem sich jene bürgerliche Freiheit entfaltete, die für unsere heutige Gesellschaftsform normativ ist; andererseits potenzierte sich mit der Verstädterung auch die individuelle Einsamkeit (soziale Kälte) und die gesellschaftliche Entfremdung (arbeitsteilige Stadtökonomie mit Marktprinzip). Privatsphäre und Öffentlichkeit traten dabei in ein dialektisches Wechselspiel: Die Polarität aus Öffentlichkeit, als Raum der „unvollständigen Integration“,1 in den der Bürger lediglich in funktionalen Rollen, in einem offenen System loser Beziehungen eintritt und der Privatsphäre, als Ort der „vollständigen Integration“, bildeten die konstitutiven Merkmale des städtischen Lebens. Erst in der Privatsphäre lokalisierte sich das persönliche Glück oder Elend des Citoyens.

Die persönliche Intimität und Daseinsschwere wird, nach Simmel, in der Öffentlichkeit mit „Blasiertheit“2 überlegt und das Glück und Unglück wird folglich erst in der Privatsphäre sichtbar. Jedoch scheinen sich in den letzten einhundert Jahren diese grundlegenden Bedingungen des städtischen Lebens, die wir heute als Urbanität bezeichnen, grundlegend verändert zu haben. Vermutlich ging diese Transformation von der Privatsphäre aus: Die Individualisierung als grundlegende Tendenz sowie der Bedeutungsverlust der Familienbeziehung zu Gunsten von formalisierten, oftmals monetären bzw. vertraglichen Beziehungsgeflechten, entgrenzte die Privatsphäre in die

Öffentlichkeit hinein. Der Terror der Intimität (Sennet) in der Öffentlichkeit führte, gemeinsam mit ökonomischen Segregationstendenzen, zu den modernen sozialräumlichen Disparitäten und einer ökonomisch funktional differenzierten „Verräumlichung“ der Stadtlandschaften. Diese sozial und ökonomisch häufig monofunktionalen Stadtraummodelle polarisieren Problemlagen wie z.B. die Konzentration von Randgruppen in Armutsquartieren. Der große Trend des 20. Jahrhunderts in der europäischen Stadt war die Segregation und die räumliche, ökonomisch-funktionale Differenzierung. Insgesamt scheint die Stadt hierdurch an Lebensqualität verloren zu haben, auch wenn die Qualität des Wohnens enorm zugenommen hat. Jedoch gilt letztbenanntes ebenso, wenn nicht sogar insbesondere, für den ländlichen Raum, wogegen die Segregationstendenz in der Stadt deutlicher ist.

Der urbane Raum muss mit neuen Konzepten den gewandelten Bedürfnissen und Problemlagen der Citoyen angepasst werden, da die Polarität aus Öffentlichkeit und Privatsphäre nicht mehr als Kompensation für ungelöste gesellschaftliche Probleme (Armut, Gewalt, Sucht etc.) wirkt. Die allseits beschworene Renaissance der Stadt kann insofern nur durch die Überwindung der sozialen Probleme selbst oder durch eine klare Abschottung der „gewünschten Bürger“ von den unerwünschten Störenfrieden (Drogensüchtige, Obdachlose, Kriminelle, politische Gruppierungen und Künstler mit systemkritischem Potential etc.) in Form von „Gated Communities“ erreicht werden. Die Überwindung der sozialen Probleme selbst ist nicht mehr primärer Inhalt der Hamburger Stadtentwicklung, was am hier vorliegenden Untersuchungsgegenstand, der HafenCity-Vision und dem Leitbild „Metropole Hamburg - Wachsende Stadt“, abgelesen werden kann. In der Konkurrenz um die „gewünschte Zuwanderung“, die hohes Steueraufkommen und Arbeitsplatzeffekte mit sich bringen soll, und im Kampf gegen die Abwanderung von einkommensstarken Familien ins Umland (Suburbanisierung), wird auf hohem Niveau geplant, wobei die stadtplanerischen Alternativen aufgrund der negativen städtebaulichen Erfahrungen der letzten einhundert Jahre (Gettoisierung, ethnische Segregation, Suburbanisierung etc.) bescheiden ausfallen. Es kommt zu einer intensiven Suche nach neuen und praktikablen Modellen der Stadtentwicklung, die den ökonomischen Ansprüchen der Investoren gerecht werden und nicht die historischen Fehler wiederholen. Die Rekultivierung der Wasserfront, wie sie mit der Hamburger HafenCity im Brachland des ehemaligen Zollgebietes angestrebt wird, erscheint hierbei als ein adäquates und international anerkanntes Erfolgskonzept, das aus Metropolen wie Barcelona, London und Sydney bekannt ist.

Der primäre Zweck dieses elitären urbanen Raumes soll eine hohe Attraktivität für Investoren und potentielle Nutzer sein. Insofern soll die HafenCity auf finanzstarke Investoren und Nutzer gewissermaßen magnetisch wirken. Dabei produziert die moderne Stadtplanung und -architektur in der HafenCity gerade jenen Typus der scheinbar identitätslosen, globalen und überall gleichen Stadtlandschaft, die Georg Heyme im oben zitierten „Gott der Stadt“ als unmenschlich und beängstigend brandmarkt. Diese Furcht, die aus Tiefeninterviews mit Hamburger BürgerInnen deutlich wurde, soll hier im Hamburg-spezifischen Kontext des politischen Leitbildes „Metropole Hamburg - Wachsende Stadt“ ideologiekritisch analysiert werden. Die HafenCity-Vision richtet sich explizit nicht an alle Hamburger BürgerInnen, sondern versucht bestimmte Zielgruppen zu erreichen. Andere bleiben aufgrund ökonomischer wie auch und insbesondere „geschmacklicher“ Faktoren ausgeschlossen. Eine der hier zu prüfenden Thesen ist insofern, ob es sich bei der HafenCity-Vision um eine Vision einer einerseits ökonomischen, andererseits aber auch und insbesondere einer distinktiven Gated Community handelt. In dieser Arbeit werden die Visionen und Vorstellungen der HafenCity- Initiatoren (soweit diese bekannt und identifizierbar sind) über die künftige Funktion und den Nutzen dieses ambitionierten Projektes ideologiekritisch aufgearbeitet. Die zu ergründende Frage ist, wie mit der HafenCity-Vision unnahbaren „Geistern“ der Globalisierungshybris hinterher gejagt wird - mediale Geister, die aus der Zeit der New Economy rühren und deren Neuheit, bei aller vorhandenen Euphorie, kritisch reflektiert werden sollte. Die Sprache der Initiatoren über die HafenCity-Vision sowie die öffentliche Rezeption dieser Vorstellungen sollen Anhaltspunkte dieser Untersuchung sein.

1.1. Forschungsgegenstand und Kontext

Der erste Forschungsauftrag des instituts.was,3 der „Soziale Masterplan HafenCity“,4 führte zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Charakter der HafenCity und seiner sozialpolitischen Konnotation. Die privatrechtlich organisierte Exekutive der HafenCity-Vision, die HafenCity GmbH, reagierte auf den angestoßenen Diskursprozess überaus nervös. Andererseits ließ sich die interessierte Öffentlichkeit bereitwillig für die Thematik aktivieren und die lokale Presse zeigte sich interessiert. Die „Hamburger Morgenpost“ titelte unter Bezugnahme auf diese Arbeit am 1.

August 2005 auf einer Doppelseite: „Wir wollen hier kein Luxusquartier“.5 Eine prägnante Botschaft die den gängigen sprachlichen Codes der HafenCity- Vision diametral entgegensteht. Es wurde erstmals deutlich, dass die HafenCity-Vision an zweifelhafte Annahmen gekoppelt ist, die oftmals nicht mit den Stadtvorstellungen der BürgerInnen kompatibel sind. Insofern erschien es zeitweise sogar so, als würde die HafenCity gegen den Willen der Mehrheit der BürgerInnen erbaut. Doch woher rühren die sozialen und ökonomischen Grundannahmen, wie eine hohe Flexibilität von gut ausgebildeten, hochqualifizierten SpezialistInnen (Human Ressources) und die viel beschworene hohe internationale Attraktivität dieses Projektes? Erst die Sicherheit mit der diese Annahmen verfochten werden, macht die HafenCity- Vision immun gegen jede sozialpolitische Kritik. Wer die Annahmen er „Visionäre“ nicht teilt, wird kurzerhand als unwissend abgeurteilt und im Diskurs, der ohnehin Mangelware ist, schlicht ignoriert. Die Forschungsfrage lässt sich deshalb kurz und prägnant auf folgende Formel reduzieren: Woher rühren die Dogmen der HafenCity-Vision? Dokumentiert sind diese im Leitbild „Metropole Hamburg - Wachsende Stadt“6 sowie im „Masterplankonzept HafenCity“, was im Folgenden aufgezeigt wird. Aufgabe dieser Arbeit will es sein, die Herkunft dieser Dogmen und der allgemeinen HafenCity-Hybris theoretisch zu erklären. Hierzu wird eine der bekanntesten Theorien der modernen Stadtforschung, der „Raum der Ströme“ von Manuel Castells, vorgestellt und gezeigt werden, dass die Initiatoren der HafenCity-Vision den gleichen Grundannahmen anhängen, wie sie in Castells Theorie dokumentiert sind. Kritisch wird dies deshalb reflektiert, weil Castells Theorie ein typisches Abbild einer hochmodernen Informations- und Netzwerkgesellschaft ist. Sie geht völlig in den teilweise unreflektierten Vorstellungen über die Globalisierung auf.

1.2 Methodik

Das Leitbild und die HafenCity-Vision stehen in einem interdependenten Zusammenhang und zwar in folgendem Verhältnis:

- Die Idee der HafenCity (1997) ist zwar älter als das Leitbild (2002 und 2003), jedoch nimmt das Leitbild die Vision der HafenCity in sich auf und erkennt es als ein elementares Projekt der Wachsenden Stadt an.7

Ein reflexiver Zusammenhang der typisch für Leitbilder jedweder Art sein muss, denn die Vision der „Wachsende Stadt“ entsteht natürlich nicht im luftleeren Raum, sondern greift oftmals auf vorhandene Projekte zurück (Pfadabhängigkeit). Werden diese als hilfreich oder notwendig erkannt, stoßen sie im Leitbildprozess auf positive Resonanz. Es wird versucht diese Visionen zu beschleunigen, zu intensivieren und gestalterisch zu beeinflussen.

Die angestellte Studie zeigt als Arbeitsergebnis auf, dass die HafenCity-Vision und ihre städtebaulichen Vorstellungen, in einer postmodernen Stadtentwicklungstheorie zu finden sind - im Raum der Ströme, den Manuel Castells beschrieben hat. Castells allerdings schrieb seine Theorie in der Hochzeit der New Economy und sah die Welt im Umbruch zur „Netzwerkgesellschaft“. Seine vielbeachtete Theorie weist daher Schwächen und Gefahren auf. Teilweise beruhen diese auf der Hybris des damaligen Zeitgeistes (Big Bubble in der New Economy). Insgesamt handelt der Raum der Ströme die globalen Erfahrungen des so genannten „Schrumpfen des Raumes“ ab und schlägt manchmal in eine futuristische Hypothese um.

dieser Theorie reflektiert Herr zu werden, ist ein epistemologischer Ausflug in die moderne Raum- und Zeitvorstellung der Stadtsoziologie notwendig. Entgegen den älteren Theorien der Stadt begreift die moderne Urbanistik Stadt längst nicht mehr als monozentrisches kulturelles und politisches Gebilde, sondern arbeitet über sozial, kulturell und vor allem funktional differenzierte (urbane) O r t e und R ä u m e. Grundlegend und von außerordentlicher Bedeutung erscheint auch Max Webers Studie über die okzidentale Stadt, deren endogene ökonomische Erneuerungskraft er deutlich von anderen (nicht-europäischen) Stadttypen abgrenzte. Diese ökonomische Dominanz, wie sie für Hamburg historisch typisch und eindeutig identifizierbar ist, gewinnt im Raum der Ströme global an Bedeutung und wird als allgemeingültiges Stadtmodell präsentiert. Insofern beschreibt der Raum der Ströme auch die sehr eurozentristische Vorstellung, wonach sich das europäische Stadtmodell global durchgesetzt habe und als Folgeerscheinung eine Beschleunigung der endogenen urbanen Erneuerungskräfte notwendig werde, um dem Schritt und Tempo der Globalisierung Stand halten zu können.

2. Vom historischen Verständnis der Stadt zum

modernen Begriff urbaner Räume

In der Stadt kommen „krisenhafte Entwicklungen der Gesellschaft“8 kanalisiert zum Ausdruck und insofern ist Stadt immer auch ein Katalysator sozialer Phänomene, Probleme und Tendenzen. Dennoch wird die soziologische Bedeutung der Stadt als Erkenntnisobjekt immer wieder bezweifelt. So meinte Werner Sombart bereits 1907 „die Großstadt sei kein Erkenntnisobjekt einer speziellen Soziologie“.9 Es hat sich jedoch entgegen dieser Skepsis die Auffassung durchgesetzt, dass es ein besonderes materielles und kulturelles Substrat gebe, das mit Stadtsoziologie zu fassen sei. Seit jener Kritik ist annähernd ein Jahrhundert vergangen und es sind essenzielle Umbrüche im Lebensstil eingetreten.10 Dennoch feiert diese Kritik immer wieder fröhlichen Urstand, so zum Beispiel bei Peter Saunders, dem der Verdacht düngt, „daß es so etwas wie Stadtsoziologie überhaupt nicht gibt“.11 Diese grundlegende Skepsis vieler Theoretiker ist mit der mannigfachen Vermengung sozialer bzw. soziologischer Phänomene mit dem speziellen Substrat der Stadt zu begründen. Freilich werden fast alle speziellen soziologischen Forschungsgegenstände (und vermutlich sogar besonders gut) in der Stadt zu finden sein. Insofern handelt es sich bei dieser Kritik um die Frage, was genau Stadtsoziologie thematisch überhaupt umfassen soll. Klar ist jedoch, dass die Stadt mindestens als Untersuchungsgegenstand für allgemeine Fragestellungen aufgrund ihres katalysierenden Charakters interessant ist. Wesentlich problematischer als die angedeutete Problematik der Abgrenzung ist, dass sich der Untersuchungsgegenstand selbst oft derartig rasch transformiert, dass manche Theorien mit ihrer Veröffentlichung bereits wieder überholt sind.

2.1 Historische Definitionen der Stadt

Entgegen vieler kurzlebiger Theorien haben sich zwei Werke über die Stadt als grundlegend erwiesen, die hier in kurzer Form vorgestellt werden sollen. Ihre Essenzen sind die Grundlage fast aller späteren Theorien. Alle modernen Theorien beziehen sich, mindestens in Form einer Abgrenzung, auf sie. Eine sinnvolle Einordnung neuerer stadtsoziologischer Forschungsansätze kann also sinnvoll auf dem Fundament der Stadtvorstellungen von Marx und Weber geliefert werden.

2.1.1 Historischer Materialismus und seine moderne Restauration durch die New Urban Sociology

Karl Marx identifiziert für das 18. Jahrhundert die Stadt im Bezug auf ihren Gegenpart - das Land. Die effiziente Entwicklung des Kapitalismus beruht zuerst auf diesem Gegensatz. Die „freie Reichsstadt“ steht im Widerspruch zur feudalen Ordnung, die vornehmlich mit ländlichen Gebieten gleichgesetzt ist.12 Im Kapital heißt es: „Die Grundlage aller entwickelten und durch Warentausch vermittelten Teilung der Arbeit ist die Scheidung von Stadt und Land. Man kann sagen, daß die ganze ökonomische Geschichte der Gesellschaft in der Bewegung dieses Gegensatzes resümiert.“13 Bei Marx ist die Stadt, wie Siebel und Häussermann es treffend beschreiben, „unabhängige Variable“14 und somit Subjekt in der Geschichte. Der Gegensatz von Stadt und Land wird zu Gunsten des modernen bürgerlichen Produktionssystems aufgelöst und mündet im 19. Jahrhundert im Gegensatz zwischen Arbeit und Kapital in der Stadt. Die radikalen und oft unmenschlichen Auswüchse dieser kapitalistischen Verstädterung mit ihren Elendsvierteln und der weit verbreiteten Armut inspirieren Marx und Engels bei ihrer Stadtanalyse. Damit endet seine Analyse freilich nicht, aber die späteren Auswüchse der funktionalen und herrschaftsbetonten Differenzierung zwischen unterschiedlichen sozialen und ökonomischen Räumen in der Stadt und ihre sozialpolitische Milderungsversuche sind in dieser Epoche noch nicht absehbar. Auch nicht die Wirkung der modernen Transport- und Kommunikationssysteme und deren Effekte wiederum auf die funktionale Differenzierung von Städten im globalen Kontext - die „Schrumpfung des Raums“. Später wird die New Urban Sociology die Marx´sche Analyse restaurieren und die Widersprüche von funktional differenzierten Sphären der Exekutive, Produktion und Distribution an die Stelle des Widerspruchs von Arbeit und Kapital rücken. Da Castells, auf dem bald entscheidender Bezug genommen wird, Begründer dieser Schule ist, erweist sich die Einführung in das dialektische Modell von Marx als unumgänglich.

Marx sieht in der Stadt eine besondere politische Gemeinschaft, die zuerst zur Überwindung der Feudalherrschaft führte und später der Hort der Arbeiterbewegung wurde.15 Insofern ist Stadt bei Marx ein politischer und ökonomischer Ort mit revolutionären Kräften. Marx brillanter Analyse steht eine unzutreffende Kapitalismus-Vision gegenüber: Marx prognostizierte, dass sich der Kapitalismus durch seine immanenten Widersprüche und die damit einhergehenden zwangsläufigen Krisen selbst überwinden müsste. Eine Vorstellung die bekanntermaßen bis heute nicht eingetreten ist. Die soziale Sprengkraft der Klassengegensätze, als systemimmanenter Widersprüche des Kapitalismus, wurde über viele historische Umwege, zumindest in den deutschen Städten, durch eine tief greifende und wirksame Sozialpolitik so weit entspannt, dass aus dieser Quelle keine revolutionären Kräfte mehr entspringen. Die krassen Gegensätze und Widersprüche sind nunmehr global über die Erde verteilt.

[...]


1 Bahrdt, H-P. zitiert in: Häussermann, H., Siebel, W.: Stadtsoziologie - Eine Einführung, Frankfurt 2004, S. 56

2 Simmel, G.: Die Großtädte und das Geistesleben, ex: Die Großstadt. Vorträge und Aufsätze zur Städteausstellung. (Jahrbuch der Gehe-Stiftung Dresden, hrsg. von Th. Petermann, Band 9, Dresden 1903, S. 188

3 Im Juni 2005 wurde das institut.was gegründet, welches für freie, wissenschaftliche Kompetenz in sozialer Stadtentwicklung steht. Unter seinem Dach werden die Probleme des Alltages von Morgen fokussiert, seine Konzepte fordern zum Handeln im Jetzt auf, heißt es in seiner Präambel. Dieser hohe Anspruch soll durch die Interdisziplinparität der Forschenden angestrebt werden. Es vereint insofern junge, kreative Wissenschaftler aus Soziologie und Architektur, aus Betriebs- und Volkswirtschaftslehre. Es steht für integrative Emanzipation sowie für Freiheit und Offenheit in Wissenschaft und Praxis ein.

4 www.institut-was.de, Rubrik Sozialer Masterplan HafenCity

5 Pauls, S.: Hamburger Morgenpost, Wir wollen hier kein Luxusquartier, 1. August 2005, S. 8 f. (Auch verfübar unter www.institut-was.de, Rubrik Presse)

6 Es sind zwei „Leitbildteile“ verfügbar. Der erste Teil wurde am 11.07.2002 unter dem Titel „Leitbild: Metropole Hamburg - Wachsende Stadt“ veröffentlicht und soll im Folgenden als Leitbild 2002 zitiert sein. Am 22.07.2003 wurde die „Fortschreibung des Leitbildes: Metropole Hamburg - Wachsende Stadt“ veröffentlicht, die als Leitbild 2003 zitiert wird.

7 Vgl. Kapitel: Die Vision der HafenCity im Leitbild

8 Korte, H.: Einführung in Spezielle Soziologien, hrsg. v. B. Schäfers, Stuttgart 1993, S. 246

9 Ebd.

10 Die Rede ist hier freilich im Besonderen von den westlichen Gesellschaften. Der Verweis auf andere Gesellschaftsformen wird hier regelmäßig unterlassen (aus Gründen der vereinfachten Schreibweise).

11 Saunders, P.: Soziologie der Stadt, New York 1987, S. 15 f.

12 Vgl. Siebel, W., Häussermann, H.: Stadtsoziologie - Eine Einführung, Frankfurt 2004, S. 90 f.

13 Marx, K. zitiert in Sauders, P.: Soziologie der Stadt, New York 1987, S. 27

14 Siebel, W., Häussermann, H.: Stadtsoziologie, a.a.O., S. 91

15 Ebd., S. 28-30

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Die HafenCity im Kontext des Leitbildes - Utopie in Klinker, Glas und Stahl
Hochschule
Universität Hamburg  (Department für Wirtschaft und Politik)
Veranstaltung
Lernwerkstatt: Metropole Hamburg - Wachsende Stadt durch schrumpfendes Gemeinwesen ?
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
35
Katalognummer
V59380
ISBN (eBook)
9783638533386
ISBN (Buch)
9783638718981
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Entstehung der Hafencity wird aus einem kulturkritischen Standpunkt analysiert. Als theoretische Grundlagen wird auf Weber und Marx zurückgegriffen. An Marx knüpft die Schule der "New Urban Sociology" (NUS) an, der auch Manuel Castells angehört. Bei der Entstehung der Hafencity wird ähnlichen Paradigmen, wie in der NUS, gefolgt (Globalisierungsparadigma / Raum der Ströme). Die Arbeit entstand am instiut.was und wurde in Auszügen im "Sozialen Masterplan Hafencity" veröffentlicht.
Schlagworte
HafenCity, Kontext, Leitbildes, Utopie, Klinker, Glas, Stahl, Lernwerkstatt, Metropole, Hamburg, Wachsende, Stadt, Gemeinwesen
Arbeit zitieren
Oliver J. Haas (Autor), 2005, Die HafenCity im Kontext des Leitbildes - Utopie in Klinker, Glas und Stahl, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59380

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