Der Einsatz von Chat-Diensten im DaZ-Unterricht

Chancen und Grenzen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2019

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Hintergrund
2.1 DaZ-Unterricht
2.2 Chat-Dienste
2.2.1 Definition nach Schlickau
2.2.2 Definition nach Würffel und Rösler
2.3 Effektivität und Effizienz

3. Chat-Dienste im DaZ-Unterricht
3.1 ICQ, Schulhofchat und Skype im Vergleich
3.2 Einsatz im DaZ-Unterricht

4. Studien zur Effektivität und Effizienz von Chat-Diensten im Unterricht
4.1 Chancen
4.2 Grenzen

5. Fazit und Reflexion

6. Literaturverzeichnis

7. Internetquellen

1. Einleitung

Die heutige Zeit ist geprägt durch eine enorme Neuerung: den digitalen Wandel. Dabei spricht man auch von Digitalisierung. Technologische Entwicklungen verändern unter an-derem, wie wir uns informieren, wie wir konsumieren und selbstverständlich wie wir kommu-nizieren (vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie 2019). Auf letzteren Aspekt soll in dieser Arbeit eingegangen werden, da die Digitalisierung nicht nur die Kommunikation von IT-Unternehmen, Autohändlern und Krankenhäusern verändert, sondern auch die der Schule. Wo es früher lediglich Schulbücher und Frontalunterricht gab, wird heutzutage offener Unter-richt und ein breites Spektrum an Medien gewünscht. Dies ist unter anderem einigen Bei-spielen aus dem LehrplanPLUS unter dem Reiter Fachlehrplan zu Deutsch als Zweitsprache zu entnehmen, welche damit bei weitem noch nicht vollständig sind:

„Die Schülerinnen und Schüler nutzen Zeitungen und Zeitschriften, Hörfunk und Fernsehen, Ton- und Bildträger sowie das Internet. … iwählen mediale Angebote nach eigenen Bedürfnissen und Interessen aus und beurteilen sie (z.B. im Hinblick auf Eignung für sachliche Informationen). bestimmen Schreibabsicht (Erlebtes und Erfundenes, Gedanken und Ge-iiiiiiifühle, Bitten und Wünsche, Aufforderungen und Vereinbarungen, Er-iiiiiiifahrungen und Sachverhalte) und Adressat zur Planung ihres Textes.“ (Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung 2017)

Als Medien wurden für diese Arbeit die Chat-Dienste ausgewählt, da sie nicht nur annähernd synchron, d.h. zeitgleich, verlaufen, sondern auch noch eine eigene Wahl der Teilnehmer-gruppe sowie der Anzahl an Chats ermöglichen und sowohl öffentlich, als auch privat geführt werden können. Damit sind optimale Bedingungen für den Unterricht gegeben, da jener bei dieser Anzahl an Optionen individuell geplant werden kann. Warum kein anderes Medium gewählt wurde, soll anhand folgender, selbsterstellter Tabelle unter Rückgriff auf Schlickau 2009 geklärt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die bewerteten Kriterien am oberen Rand der Tabelle sind die besonderen Merkmale der Schwerpunkte nach Schlickau, wie neue Medien funktionieren: Synchronizität vs. Diachroni-zität (der zeitliche Gesichtspunkt), Diskursivität (begriffliches, begründetes Denken), Medialität (graphisch, phonisch oder Bildübermittlung) und die Adressatenkreise (Offenheit bzw. Geschlossenheit). Anhand dieser Kriterien ist zu erkennen, dass Chat-Dienste fast synchron verlaufen, da es nur kleine Zeitverschiebungen im Bereich von Zehntelsekunden gibt. Zudem sind sie eher gemäßigt diskursiv, da man sich stets noch einmal korrigieren kann und nicht zwangsläufig spontan agieren muss und größtenteils graphisch, wobei es auch phonische Anteile an Chat-Diensten gibt. Die Adressatenkreise können ebenfalls frei gewählt werden. Da die Zielgruppe eine vierte Klasse sein wird, sollten sie nicht mit Diskursivität und phonischer Medialität überfordert, aber auch nicht durch eine diachrone Zeiteinteilung unterfordert werden, weshalb die Wahl auf die Chat-Dienste fiel.

Das Ziel dieser Arbeit wird sein, herauszufinden, inwiefern Chat-Dienste gewinnbringend für den DaZ-Unterricht sind. Dafür wird betrachtet, wie Chat-Dienste und der DaZ-Unterricht überhaupt definiert werden, wie sich einzelne Chat-Dienste voneinander unterscheiden und wie sie eingesetzt werden können. Ebenso wird betrachtet, ob es Studien zur Effizienz und Effektivität von Chat-Diensten gibt – sollte dies der Fall sein, werden diese in die Arbeit einbezogen.

2. Theoretischer Hintergrund

Um zielgerichtet analysieren zu können, inwiefern Chat-Dienste Vorteile für den DaZ-Unterricht mit sich bringen, ist es wichtig, eine einheitliche Grundlage für die gesamte Arbeit zu schaffen. Demzufolge werden die Begriffe DaZ-Unterricht, Chat-Dienste sowie Effizienz und Effektivität definiert.

2.1 DaZ-Unterricht

Zunächst einmal sollen die Fächer DaZ und DaF voneinander abgegrenzt werden. Laut dem Wiki der Zentrale für Unterrichtsmedien 2018 wird Deutsch als Fremdsprache vorwiegend im Ausland unterrichtet und es herrscht eine oftmals gemeinsame Erst-Sprache. Meist handelt es sich bei den Lernenden um eine homogene Lerngruppe. Das Ziel vom Fach DaF ist in vielen Fällen der Erwerb einer zertifizierten Qualifikation. Indes heißt es zu Deutsch als Zweitsprache, dass es überwiegend in Deutschland erworben wird und eine Referenz-sprache tendenziell eher fehlt. Es handelt sich meistens um heterogene Lerngruppen mit vielen verschiedenen Erst-Sprachen. Das Ziel von DaZ ist die Integration in den Unterricht.

Dabei unterscheidet sich DaZ von DaF auch insofern, dass die Sprache schon außerhalb der Schule erworben wird, dies ungesteuert und meist defizitär (vgl. Zentrale für Unterrichts-medien 2018).

Da in dieser Arbeit davon ausgegangen wird, dass die Übersetzung in Deutschland stattfindet und die Kinder/Jugendlichen die Sprache ebenso in ihrer außerschulischen Umgebung erwerben, wird in diesem Fall von Deutsch als Zweitsprache ausgegangen.

Dem Selbstverständnis des Faches ist zu entnehmen, dass Sprachverstehen und Sprachhandlungsfähigkeit als grundlegend für die Entwicklung zu einem sozial aktiven Menschen angesehen werden. Außerdem schätzt es das Fach, dass gerade mehrsprachige Schüler durch die Einbeziehung ihrer Erstsprache eine Wertschätzung ihrer vielfältigen sprachlichen Ressourcen erfahren können. Dazu kommt, dass eben jene Wertschätzung der Mehrsprachigkeit Förderungen mit sich bringt hinsichtlich der transkulturellen Identität und der Akzeptanz der Lebenssituationen im Einflussbereich mehrerer Kulturen. Für eine gelungene Integration ist dies laut LehrplanPLUS zentral (vgl. Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung 2017). Weiterhin ist auf Seiten des LehrplanPLUS im Selbstver-ständnis des Faches DaZ zu lesen, dass es „darüber hinaus […] den Erwerb und die Weiter-entwicklung der Fach- und Bildungssprache Deutsch [fördert].“

Demzufolge ist das Ziel vom Fach DaZ, Sprachverstehen und Sprachhandlungsfähigkeit zu vermitteln, wobei die Fach- und Bildungssprache unbedingt gefördert werden soll. Dies gilt es bei der Anwendung von Chat-Diensten zu beachten.

2.2 Chat-Dienste

Chat-Dienste sind laut Dr. Siepermann – Doktor der Staatswissenschaften an der TU Dortmund – eine „Möglichkeit der synchronen, textorientierten Kommunikation mehrerer Teilnehmer über das Internet, […] die unabhängig voneinander existieren“ (Gabler Wirt-schaftslexikon 2018). Dass Chat-Dienste jedoch noch ausführlicher definiert werden können, zeigen die Beispiele von Schlickau und Würffel/Rösler.

2.2.1 Definition nach Schlickau

Schlickau geht 2009 (vgl.) sehr detailliert auf Chat-Dienste ein und definiert sie als neue Medien. Sie sind deshalb neue Medien für ihn, da sie die Kommunikation mit weit entfernten Partnern günstig realisieren, sie einfach zugänglich sind und eine zeitgleiche Adressierung mehrerer Personen ermöglichen. Die Chat-Dienste an sich erklärt Schlickau damit, dass sie eine schriftbasierte und annähernd synchrone Kommunikationsform bilden. Sie besitzen eine offene Teilnehmergruppe und ermöglichen eine Unterordnung in Channels. Einige Beispiele dafür sind ICQ („I seek you“) und IRC (Internet Relay Chat) (vgl. Kratzenberg 2013 & Kara-deniz 2019). Außerdem ist es nach Schlickau möglich, mehrere voneinander unabhängige Chats zu führen und diese entweder öffentlich oder unbeobachtet einzustellen. Der Sprecher-wechsel beim Chat zeigt, dass die gleichzeitige Verfassung von Beiträgen möglich ist, wo-durch es zu Überschneidungen und Auslassungen kommen kann. Zudem weisen Chat-Dienste eine hohe Produkthaftigkeit vor, da Beiträge zunächst fertiggestellt und überdacht werden können, bevor man sie dem/der/den Anderen zugänglich macht. Ebenfalls gibt es die direkte Variante, was bedeutet, dass es einen zweigeteilten Bildschirm gibt, auf dem das Entstehen eines Beitrages mitsamt aller Korrekturen beobachtet werden kann. Dies ent-spricht einem Charakteristika der mündlichen Kommunikation. Schlickau erwähnt außerdem, dass zwar Mehrfachadressierungen möglich sind, aber noch keine face-to-face-Kommu-nikation vorliegt.

Abschließend wird aufgezeigt, dass die Gemeinsamkeit aller Chat-Dienste sei, dass die Kommunikation nach der Channelauswahl direkt mit Angehörigen der Zielkultur verlaufe und die Benutzung der Fremdsprache somit eine faktische Notwendigkeit darstellt. Außerdem lohne sich aufgrund der relativ schnellen Reaktionsforderung vor allem die Einzel- oder maximal die Partnerarbeit, wobei dies natürlich je nach Klasse variieren kann. Zudem findet kein gelenkter Spracherwerb, sondern eine interessengeleitete Nutzung statt. Da der Text von Schlickau für die heutige Zeit und den immer schneller werdenden Wandel recht veraltet ist, werde ich mich weniger auf diesen beziehen und den aktuelleren Texten mehr Aufmerksamkeit schenken. Dennoch sei gesagt, dass große Teile des Textes von Schlickau noch heute gültig sind.

2.2.2 Definition nach Würffel und Rösler

Würffel und Rösler haben bereits mehrere Texte mit Themengebiet neue Medien heraus-gebracht. Im Folgenden beziehe ich mich auf „Lernmaterialien und Medien“ aus dem Jahr 2014, was dadurch bereits wesentlich aktueller ist, als Schlickaus Werk aus dem Jahr 2009.

Würffel und Rösler beginnen ihren Text damit, dass neue Studien zeigen, dass junge Menschen soziale Meiden zunehmend als selbstverständlichen Bestandteil ihrer Lebenswelt erachten. Unterstützen kann man dies mit den KIM- und JIM-Studien (vgl. Medienpäda-gogischer Forschungsverbund Südwest 2016 & 2017). Weiter im Text von Würffel und Rösler heißt es, dass online-Communities wie Facebook bei den 12- bis 19-Jährigen von etwa 78% mehrmals pro Woche genutzt werden. Dabei geht es vor allem darum, Freunde im Internet zu treffen, zu kommunizieren, Bilder und Nachrichten zu veröffentlichen und aus den letzten beiden Punkten folglich: miteinander zu chatten. Das Chatten geschieht dabei zunehmend auch mobil, unter anderem mit dem internetfähigen mobilen Telefon.

Im nächsten Absatz erläutern Würffel und Rösler den Nutzen von Chat-Diensten im Sprach-unterricht:

„Die Lernenden kommunizieren einzeln oder in der Gruppe untereinander, außerdem mit der Lehrkraft. In Unterrichtsprojekten ist es auch denkbar, dass die Lerngruppe mit einer Lerngruppe an einer anderen Schule oder in einem anderen Land über soziale Medien kooperiert.“ (Rösler & Würffel 2014)

Daraus lassen sich bereits konkrete Vorstellungen zu zukünftigen Unterrichtsmodellen entnehmen, wenn es um die weltweite Vernetzungen via Chat-Dienste geht.

Ein weiteres sehr wichtiges Merkmal von Chat-Diensten ist, dass Menschen miteinander auch über große Entfernungen miteinander in Beziehung treten können. Damit ist nicht nur das grobe Anschreiben gemeint, sondern ebenso das Freundschaften schließen und gegen-seitiges Teilhaben am Leben. Unterschieden wird hier in drei Kategorien: mich informieren, mit anderen in Kontakt bleiben und mit ihnen kommunizieren sowie Texte publizieren. Würffel und Rösler meinen damit, dass man Chat-Dienste nutzen kann, um unter anderem auf dem neuesten Stand zu politischen Themen oder ähnlichem zu sein (informieren), um zu erfahren, wie es Freunden und Verwandten geht, wenn sie gerade nicht persönlich anzutreffen sind (kommunizieren), oder um zu überprüfen, ob man etwas gelungenes erstellt hat, indem man Feedback seines öffentlichen Chats bekommt (Texte publizieren).

Weitere Klassifizierungen zu Chats sind, dass sie sowohl per Tastatur, als auch per Mikrofon ausgeführt werden können. Sie sind nicht an graphische Gegebenheiten gebunden, sondern können auch über so genannte Teamspeak-Server und somit phonisch laufen (vgl. CHIP 2019). Ebenso werden sie als synchron eingestuft, weshalb Beteiligte direkt aufeinander reagieren. Lediglich einige weniger Ausnahmen werden als synchron und asynchron eingestuft, indem die Kommunikation zwar synchron, die Bereitstellung von Material aller-dings asynchron erfolgt (virtuelle Klassenzimmer).

Als Abschluss ermuntern die Autoren, dass man für eine Umsetzung von Chat-Diensten im Unterricht nicht zwangsläufig einen Computerraum braucht. Die Kinder können nach dem bring-your-own-device-Schema selbst mit ihren mobilen Endgeräten arbeiten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Der Einsatz von Chat-Diensten im DaZ-Unterricht
Untertitel
Chancen und Grenzen
Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
17
Katalognummer
V593811
ISBN (eBook)
9783346207067
ISBN (Buch)
9783346207074
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Chat-Dienste, Chat, IKS, DaZ, Deutsch als Zweitsprache
Arbeit zitieren
Sophie Engelien (Autor:in), 2019, Der Einsatz von Chat-Diensten im DaZ-Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/593811

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