Ziel dieser Arbeit ist die Bearbeitung und zumindest logische Belegung der These "Je stärker die Beziehung zum Stammklientel in der offenen Kinder- und Jugendarbeit ist, umso mehr nimmt der Sozialarbeiter/Sozialpädagoge eine Vorbildfunktion für die Klientel ein". Es gilt mit der Bearbeitung dieser These herauszufinden, ob die Rolle eines Vorbilds in der offenen Kinder- und Jugendarbeit die Fachlichkeit des Sozialarbeiters in irgendeiner Form beeinträchtigt, beziehungsweise, ob professionelle Soziale Arbeit unter diesen Umständen Gefahren birgt oder ob dieser "Zustand" gegebenenfalls sogar Chancen für Fachkraft und Klientel entstehen lassen und eine effektivere Zusammenarbeit ermöglicht.
In der offenen Kinder- und Jugendarbeit bietet das freizeitpädagogische/klientelinteressenorientierte Arbeitsumfeld, sowie die Niedrigschwelligkeit der Angebote der Sozialarbeiter/innen eine förderliche Basis um eine Beziehung zur Klientel aufzubauen und diese durch weitere Angebote zu stärken. Klientel welche täglich eine Institution der offenen Kinder- und Jugendarbeit besuchen stehen neben dem Austausch in der dort ansässigen Peer Group auch im Austausch mit dem Sozialarbeiter.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffserklärungen
2.1 Vorbild
2.2 Soziale Beziehung
2.3 Kernaufgabe der Jugendarbeit
3. Der Sozialarbeiter als Vorbild
3.1 Entwicklungspsychologische Merkmale in der Adoleszensphase/Pubertät
3.2 Zwischenfazit / Erforschbarkeit der These
3.3 Der Sozialarbeiter als fester Bestandteil in der Lebenswelt der Klientel
3.4 Chancen und Gefahren als Fester Bestandteil der Lebenswelt der Klientel
3.5 Nähe versus Distanz
4. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die These, dass eine intensive Beziehung zwischen Sozialarbeitern und dem Stammklientel in der offenen Kinder- und Jugendarbeit dazu führt, dass die pädagogische Fachkraft verstärkt als Vorbild wahrgenommen wird, und analysiert die sich daraus ergebenden Chancen und Risiken für die professionelle Beziehungsgestaltung.
- Rolle des Sozialarbeiters als Vorbild in der Adoleszenzphase
- Lebensweltorientierung nach Hans Thiersch im Kontext der offenen Jugendarbeit
- Dynamik zwischen Nähe und Distanz in der pädagogischen Arbeit
- Reflexion über Chancen und Gefahren der Modellfunktion
- Herausforderungen der professionellen Beziehungsgestaltung
Auszug aus dem Buch
3.4 Chancen und Gefahren als Fester Bestandteil der Lebenswelt der Klientel
Durch die gegebene Lernbereitschaft ist im Bereich der Sozialen Beratung, also der „Beratung […] vor allem in sozialen Schwierigkeiten“ (Thiersch, 2014 S. 120) das Handlungsmaxim der Alltagsnähe (vgl. Thiersch/et al. 2012, S. 189) leichter erreichbar und die damit verbundenen Ziele erfüllbarer. Der Sozialarbeiter kann als ernstzunehmende und erreichbare Hilfsinstitution in der Lebenswelt der Klientel anerkannt werden, welches zudem die nötige Herstellung zur Beratungswilligkeit (Thiersch, 2014 S.125) erleichtern kann, da die Klientel zunehmend die Beratung zum Sozialarbeiter aufsucht um den erlebten Alltag zu reflektieren und anhand der Erkenntnis des daraus resultierenden Verhalten/der Reaktion des Sozialarbeiters seine Alltagsbewältigungsstrategien zu hinterfragen und gegebenenfalls zu ändern (vgl. zu 3.3).
Dennoch kann die Funktion des Vorbilds die Gefahr bergen, dass die Klientel genau diese Beratung des Sozialarbeiters nicht als eine Methode zur Selbsthilfe sieht, sondern die Beratung als Vorgabe eines Handlungsleitfadens interpretiert, in der die Meinung des Sozialarbeiters, sowie das darauffolgende Handeln der Klientel aus Sicht der subjektiven Wirklichkeitskonstruktion nach Watzlawick, als einzige Wirklichkeit verstanden werden kann (Dummann/Mennemann 2018, S.76). Es könnte die Gefahr bestehen, dass die Alltagsbewältigung der Klientel somit unbemerkt auf den Sozialarbeiter ausgelagert wird und dadurch keine nachhaltige Zielentwicklung im Rahmen der Koproduktion zwischen Klientel und Sozialarbeiter stattfinden kann (vgl. Dummann/Mennemann 2018, S. 79).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die These der Vorbildfunktion des Sozialarbeiters in der offenen Kinder- und Jugendarbeit theoretisch zu belegen und kritisch zu hinterfragen.
2. Begriffserklärungen: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe „Vorbild“, „Soziale Beziehung“ und den gesetzlichen Auftrag der „Kernaufgabe der Jugendarbeit“.
3. Der Sozialarbeiter als Vorbild: Das Hauptkapitel beleuchtet die entwicklungspsychologischen Hintergründe der Klientel sowie die Chancen, Gefahren und das notwendige Nähe-Distanz-Verhältnis im pädagogischen Alltag.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit professioneller Reflexion und Supervision zur Bewältigung der Vorbildrolle.
Schlüsselwörter
Offene Kinder- und Jugendarbeit, Sozialarbeiter, Vorbildfunktion, Soziale Beziehung, Lebensweltorientierung, Adoleszenz, Pubertät, Entwicklungsaufgaben, Beratung, Nähe versus Distanz, Koproduktion, Reflexion, Pädagogik, Sozialwesen, Fachlichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkung zwischen der Beziehungsintensität in der offenen Jugendarbeit und der Übernahme des Sozialarbeiters als Vorbild durch die jugendliche Klientel.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind die Rolle des Vorbilds, lebensweltorientierte Soziale Arbeit, die Herausforderungen der Adoleszenz und das Spannungsfeld zwischen Nähe und Distanz.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, logisch zu belegen, dass eine stärkere Beziehung die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass der Sozialarbeiter eine Vorbildfunktion einnimmt, und dies hinsichtlich seiner Auswirkungen auf die professionelle Arbeit zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit Fachliteratur sowie einer reflexiven Betrachtung der Rolle des Sozialarbeiters auf Basis qualitativer Ansätze.
Was steht im inhaltlichen Mittelpunkt des Hauptteils?
Der Hauptteil analysiert, wie Jugendliche in ihrer Entwicklungsphase Vorbilder wählen und welche Chancen sowie Gefahren entstehen, wenn der Sozialarbeiter Teil dieser Lebenswelt wird.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Vorbildfunktion, Lebensweltorientierung, Soziale Beziehung und professionelles Handeln beschreiben.
Warum ist das Thema "Nähe versus Distanz" in dieser Arbeit so kritisch?
Da der Sozialarbeiter als Vorbild fester Bestandteil der Lebenswelt wird, drohen professionelle Grenzen zu verschwimmen, was eine klare Distanzierung für die Fallarbeit erschweren kann.
Welche Rolle spielt die "Koproduktion" im Fazit des Autors?
Die Koproduktion bezeichnet die Zusammenarbeit, bei der die Gefahr besteht, dass der Sozialarbeiter durch seine Vorbildrolle die Ziele der Klientel unbewusst dominiert oder steuert.
Warum ist eine selbstkritische Haltung für den Sozialarbeiter notwendig?
Angesichts der fachlichen Autonomie muss der Sozialarbeiter jede Situation reflektieren, um nicht aus Versehen die eigene Meinung anstatt der Selbsthilfe der Klientel in den Vordergrund zu stellen.
- Citation du texte
- Nico Meints (Auteur), 2020, Der Sozialarbeiter als Vorbildfunktion in der Jugendarbeit. Wie beeinflusst die Stärke der Beziehung das Verhältnis zwischen Sozialpädagoge und Klientel?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/593832