In der Arbeit wird das Märchen "Frau Trude" der Gebrüder Grimm auf ausgewählte textgrammatische und stilistische Aspekte hin untersucht. Zu Beginn wird auf Textsorten im Allgemeinen eingegangen, um danach textsortenspezifische Merkmale des Märchens zu erläutern. Im Anschluss daran werden Begriff und Bedeutung der Minimalen Textgrammatischen Einheiten (MTE) definiert. In einem weiteren Punkt werden Möglichkeiten der Vernetzung dieser besprochen. Im Speziellen sind dies die Vernetzung durch Referent/Koreferenz, durch Isotopie und die Verknüpfung durch Konnektoren. Erläuterungen zur Vernetzung durch Strukturrekurrenz sollen den Abschluss der Arbeit bilden. Alle genannten Aspekte werden nach einer kurzen theoretischen Einführung auf das Märchen Frau Trude angewandt.
Textgrammatik und Stilistik sind vergleichsweise sehr junge Disziplinen in der Sprachwissenschaft und beschäftigen sich mit der kommunikations- und funktionsbezogenen Sprachbetrachtung. Das heißt, ein Text ist nicht lediglich eine Aneinanderreihung von Sätzen oder Zeichen. Er weist inhaltliche, wie formale, komplexe Zusammenhänge auf, die dem Text als Ganzes eine kommunikative Funktion verleihen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DIE TEXTSORTE ALS UMFANGREICHSTE TEXTLINGUISTISCHE EINHEIT
2.1 TEXTSORTE ‚MÄRCHEN‘
2.2 ANWENDUNGSBEISPIEL: MÄRCHEN ‚FRAU TRUDE‘
3. MINIMALE TEXTGRAMMATISCHE EINHEITEN
3.1 BEGRIFFSKLÄRUNG MTE
3.2 ANWENDUNGSBEISPIEL: EINLEITUNG ‚FRAU TRUDE‘ IN MTE
4. VERNETZUNG DER MTE
4.1 VERNETZUNG DURCH REFERENZ/KOREFERENZ
4.2 VERNETZUNG DURCH ISOTOPIE/ ISOSEMIE
4.3 VERNETZUNG DURCH KONNEXION
4.4 VERNETZUNG DURCH STRUKTURREKURRENZ
5. SCHLUSS
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, die textlinguistischen und stilistischen Strukturen eines Märchens systematisch zu analysieren, um aufzuzeigen, wie ein kohärenter Text durch das Zusammenspiel kleinster textgrammatischer Einheiten (MTE) und verschiedener Vernetzungsstrategien entsteht.
- Textsortenbestimmung und linguistische Merkmale des Märchens
- Strukturanalyse durch Minimale Textgrammatische Einheiten (MTE)
- Mechanismen der Textvernetzung (Referenz, Isotopie, Konnexion)
- Bedeutung von Strukturrekurrenz für die textuelle Kohärenz
Auszug aus dem Buch
3. Minimale Textgrammatische Einheiten
Die Grammatik erfasst durch Beschreibung die Kombinationsmöglichkeiten von Sprachzeichen. Sie ist hierarchisch angelegt und steigt von der Morphemebene (Wortbildung und Flexion) über die Satzebene (Syntax) bis zur Textebene. Während sich also die Syntax mit der Lehre des Satzbaus beschäftigt, ist für die Textgrammatik der komplette Text, bestehend aus mehreren textgrammatischen Einheiten, von Bedeutung. Diese Einheiten werden als Minimale Textgrammatische Einheiten bezeichnet, kurz MTE. Ihr normales Erscheinungsbild ist der Satz. Zu beachten gilt es jedoch, dass eine Minimale Textgrammatische Einheit neben einfachen Sätzen auch aus komplexen Sätzen mit mehreren neben- oder untergeordneten Propositionen bestehen kann. Ebenso können MTE als Ellipsen, Parenthesen oder Setzungen auftreten. In der Regel sind die Minimalen Textgrammatischen Einheiten fortlaufend gereiht. Wird bei kontinuierlicher Reihung eine MTE in eine andere eingeschoben, so nennt man dies Parenthese bzw. Schaltsatz. In einer Analyse werden die beiden Teile des unterbrochenen Satzes, der als Trägersatz bezeichnet wird, mit den Buchstaben a und b markiert. Eine Ausnahme bildet hier beispielsweise die Lyrik. Hier findet ein Bruch der Reihung statt, wenn eine MTE auf jeweils eine Zeile oder eine komplette Strophe verteilt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Diese Einleitung führt in die Disziplinen der Textgrammatik und Stilistik ein und erläutert die methodische Vorgehensweise anhand des Märchens „Frau Trude“.
2. DIE TEXTSORTE ALS UMFANGREICHSTE TEXTLINGUISTISCHE EINHEIT: Das Kapitel definiert den Begriff der Textsorte anhand verschiedener Kriterien und arbeitet spezifische Merkmale des Märchens als Erzähltext heraus.
3. MINIMALE TEXTGRAMMATISCHE EINHEITEN: Hier erfolgt eine theoretische Begriffsbestimmung der MTE sowie deren praktische Anwendung und Segmentierung am Beispiel des Märchens „Frau Trude“.
4. VERNETZUNG DER MTE: Dieses Kapitel untersucht detailliert, wie durch Strategien wie Referenz, Isotopie, Konnexion und Strukturrekurrenz semantische Zusammenhänge zwischen den MTE hergestellt werden.
5. SCHLUSS: Die Arbeit fasst die Ergebnisse der textlinguistischen Analyse zusammen und bestätigt die Funktion der untersuchten Merkmale für die Kohärenz des Märchens.
Schlüsselwörter
Textgrammatik, Stilistik, Textsorte, Märchen, Frau Trude, MTE, Minimale Textgrammatische Einheiten, Referenz, Koreferenz, Isotopie, Isosemie, Konnexion, Strukturrekurrenz, Textkohärenz, Textlinguistik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht textgrammatische und stilistische Strukturen eines literarischen Textes, um zu zeigen, wie ein kohärenter Text konstruiert ist.
Welches Märchen dient als zentrales Analysierobjekt?
Als exemplarisches Anwendungsbeispiel dient das Märchen „Frau Trude“ der Gebrüder Grimm.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die interne Vernetzung eines Textes aufzuzeigen und zu demonstrieren, wie verschiedene sprachliche Einheiten und Strategien zur Textkonstitution beitragen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine textlinguistische Analyse durchgeführt, die auf der Segmentierung in Minimale Textgrammatische Einheiten (MTE) und der Untersuchung von Kohäsionsmitteln basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bestimmung der Textsorte, die Definition und Segmentierung der MTE sowie die Analyse der verschiedenen Vernetzungsstrategien im gewählten Märchen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Textgrammatik, Minimale Textgrammatische Einheiten (MTE), Kohärenz, Referenz, Isotopie und Konnexion.
Wie definiert der Autor eine „Minimale Textgrammatische Einheit“?
Eine MTE ist eine Einheit, die über die klassische Syntax hinausgeht und als grundlegender Baustein für die textuelle Kohärenz fungiert, wobei ihr normales Erscheinungsbild der Satz ist.
Welche Rolle spielt die „magische Dreizahl“ im analysierten Märchen?
Die Dreizahl fungiert als stilistisches Mittel, das für die Textsorte „Märchen“ charakteristisch ist und durch sprachliche Wiederholungen im Text gezielt zur Wirkung des Märchens beigetragen wird.
- Arbeit zitieren
- Julius Graf (Autor:in), 2017, Textgrammatik und Stilistik. Textgrammatische Analyse des Märchens "Frau Trude" der Brüder Grimm, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/593936