Anforderungen bei der Gestaltung intergenerationeller Lernprozesse


Hausarbeit, 2013

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Intergenerationelles Lernen
2.1 Definition
2.2 Legitimation
2.3 Projekte

3 Intergenerationelles Engagement
3.1 Definition
3.2 Legitimation
3.3 Projekte

4 Vergleich beider intergenerationeller Arrangements

5 Eine Studie zum intergenerationellen Lernen
5.1 Forschungsstand
5.2 Forschungsdesign
5.3 Ergebnisse

6 Konsequenzen für die Erwachsenenbildung

7 Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

Die deutsche Bevölkerung wird im Zuge des demographischen Wandels kontinuierlich älter. Die Geburtenzahlen sinken bei gleichzeitiger Steigerung der Lebenserwartung. Das bedeutet zugleich, dass sich auch die erwerbsarbeitsfreie Zeit verlängert, aus der für die Gesellschaft neue zu nutzende Potentiale vonseiten der Senioren abgeleitet werden. Die Verschiebung des Altersdurchschnitts hat Auswirkungen auf die Zielgruppe von Bildungseinrichtungen. Insbesondere die Altenbildung in Einrichtungen der Erwachsenenbildung erhält großen Zulauf. Während in den letzten Jahren v.a. Konzepte zur Bildung im dritten und vierten Lebensalter entwickelt wurden, tendiert man heutzutage zu einer Beschäftigung mit geeigneteren Lernformen für Senioren. Intergenerationelle Projekte gewinnen in diesem Zusammenhang zunehmend an Bedeutung. Intergenerationelles Lernen soll dabei eine Verbindung von Altenbildung mit der Bildung und Förderung junger Menschen darstellen (vgl. Franz 2006, 1; Franz/Scheunpflug 2009, 437f.).

Mit diesem Ansatz und den Anforderungen für die Profession bei der Gestaltung intergenerationeller Lernprozesse beschäftigt sich die vorliegende Arbeit. Im ersten Kapitel wird daher zunächst der Begriff des intergenerationellen Lernens erläutert sowie dessen Legitimation. Anschließend werden zur Konkretisierung einige Projekte exemplarisch vorgestellt. Im zweiten Kapitel geht es dann um eine Abgrenzung zum intergenerationellen Engagement. Auch hier wird zunächst eine Definition gegeben, um daraufhin dessen Legitimation und Projektbeispiele zu thematisieren. Das dritte Kapitel stellt zur Verdeutlichung der Differenz einen Vergleich beider intergenerationeller Arrangements dar. Im vierten Kapitel wird schließlich eine Studie präsentiert, die sich mit Orientierungen zu intergenerationellen Lernprozessen auseinandersetzt. Diese bilden eine wichtige Grundlage für die in Kapitel fünf aufgezeigten Anforderungen an die Erwachsenenbildner zur professionellen Inszenierung einer intergenerationellen Veranstaltung. Abschließend folgt ein Fazit.

Es sei darauf hingewiesen, dass für einen besseren Lesefluss zwar immer nur die männliche Form verwendet wird, die weiblichen Vertreter jedoch immer mit eingeschlossen sind.

2 Intergenerationelles Lernen

2.1 Definition

Intergenerationelles Lernen bezeichnet einen Lernprozess, der durch Kommunikation oder das Arbeiten an einem gemeinsamen Thema zwischen jüngeren und älteren Generationen entsteht. Im Idealfall kann voneinander, miteinander und übereinander gelernt werden, sodass eine Wechselseitigkeit herrscht und beide Seiten davon profitieren können (vgl. Franz 2006, 2). Häufig wird jedoch in diesen Projekten entsprechend des Senioritätsprinzips ein unilinearer Lernprozess initiiert, der sich an traditionellen Modellen der Familie oder des Lehrling-Meister-Verhältnisses orientiert, in denen die unwissenden Jungen von den erfahrenen Alten lernen. Gesellschaftliche Rahmenbedingungen auf dem Arbeitsmarkt und in der Folge auch in den Familien verstärken diese Tendenz ebenso wie das Ressourcen fokussierende Bild des Alters (vgl. ebd., 11). Weiterhin handelt es sich bei intergenerationellem Lernen um eine Form des informellen Lernens, da generationelle Unterschiede in der Regel nicht explizit und intentional thematisiert werden, wodurch eine bewusste Reflexion nicht stattfindet. Es setzt sich daher zusammen aus einer Vielzahl an für informelle Lernprozesse spezifischen Lernformen wie u.a. Alltagslernen oder Lernen am Arbeitsplatz. Allerdings gibt es ein paar Forschungsvorhaben, die sich damit beschäftigen, wie diese Thematik in Institutionen der Erwachsenenbildung auch explizit gemacht und somit dem formalen Lernen zugeordnet werden kann. Auf einer makrosozialen Ebene stellt intergenerationelles Lernen eine Weitergabe von Normen und Werten dar (vgl. ebd., 2ff.). Der Ursprung dieses Konzepts liegt im Bereich der familiären Bildung. Gegenwärtig ist intergenerationelles Lernen als eine besondere Form der Altenbildung vorrangig eine Aufgabe der Erwachsenenbildung (vgl. ebd., 1f.).

2.2 Legitimation

Die Bedeutung intergenerationellen Lernens ergibt sich aus dem bereits geschilderten gesellschaftlichen Wandel. Sylvia Kade stellt in diesem Zusammenhang bspw. eine „'fehlende Lernkultur' zwischen den Generationen“ (ebd., 2f.) fest, die sich auf die gesamte Kultur bezieht. Aus diesem Grund wird intergenerationelles Lernen auf zwei Ebenen legitimiert. Auf der mikrosozialen Ebene steht die Reaktion der einzelnen auf die strukturelle Veränderung von Arbeitsmarkt und Familie im Vordergrund. So ist es z.B. aufgrund der Tendenz zu multilokalen Mehrgenerationsfamilien nicht mehr selbstverständlich, dass im familiären Rahmen Generationenlernen stattfindet, weshalb Angebote konstruiert werden müssen, die diese entstandene Lücke an intergenerationellen Lernprozessen schließen. Die makrosoziale Ebene betrachtet hingegen die Tradierung kulturellen und gesellschaftlichen Wissens, welche das Weiterbestehen einer Kultur gewährleisten. Auch in diesem Fall ist zu betonen, dass sich die Gelegenheit einer Weitergabe von Erfahrungen und Wissen nicht mehr spontan bietet, da die jüngeren und älteren Generationen seltener zusammenkommen. Es wird also deutlich, dass intergenerationelle Projekte unter diesen Bedingungen an Bedeutung gewinnen, da sie das nicht mehr selbstverständliche implizite, informelle Lernen und den Austausch zwischen den Generationen fördern (vgl. ebd., 2f.).

2.3 Projekte

Projekte intergenerationellen Lernens orientieren sich zum einen an Familien und zum anderen an traditionellen Lernformen wie dem Meister-Gesellen-Verhältnis, weil dort ursprünglich informelles, implizites Lernen zwischen den Generationen stattfand. Das heißt, dieses Lernen wurde nicht explizit thematisiert und geschah daher beiläufig. Außerdem baute dieses Lernen u.a. auf Formen der Nachahmung und dem bereits geschilderten Senioritätsprinzip auf (vgl. ebd., 2; 6). Beispiele für solche Projekte sind Mentorenprogramme, (Vorlese-)Paten, Leihomas, etc. Die Idee hinter diesen Projekten ist, dass Senioren nach ihrer Erwerbszeit ehrenamtliche Beiträge für die Gesellschaft leisten sollen, da sie über gesellschaftliche Potentiale und die nötige Zeit verfügen. In den meisten Fällen, wird angenommen, sei dies auch in ihrem eigenen Interesse. Projekte aus der Erwachsenenbildung zum intergenerationellen Lernen versuchen allerdings, die Vorstellung vom Senioritätsprinzip aufzulösen und es durch einen gegenseitigen Austausch von Wissen, Erfahrungen und Perspektiven zu ersetzen. Der abnehmende Kontakt zwischen den Generationen aufgrund der besagten Änderungen von gesellschaftlichen Strukturen soll durch diese Projekte aufgefangen werden, indem sie den Dialog von Jung und Alt fördern. Neben dem Austausch der Generationen stellen Großelterndienste etc. auch eine Entlastung für berufstätige Eltern dar (vgl. ebd., 6f.).

3 Intergenerationelles Engagement

Abzugrenzen vom intergenerationellen Lernen ist das intergenerationelle Engagement. Es handelt sich zwar bei beidem um intergenerationelle Arrangements, die auch in einigen Punkten dieselben Ziele verfolgen, doch unterscheiden sie sich zugleich in ihrer Didaktik sowie Konzeption und sollten daher auch differenziert betrachtet werden (vgl. ebd., 1f.).

3.1 Definition

Intergenerationelles Engagement bezweckt ebenfalls ein implizites, beiläufiges Generationenlernen, das auf Wechelseitigkeit beruht. Allerdings steht diese Art des Lernens nicht im Vordergrund und wird daher auch nicht mit dem Titel intergenerationell versehen. Man lernt bei Projekten des intergenerationellen Engagements voneinander, miteinander und übereinander, indem man sich gemeinsam für eine dritte Sache, zum Beispiel die Umwelt, engagiert. Diese dritte Sache steht im Mittelpunkt. Das Interesse für ein Thema und der Einsatz dafür bilden eine Verbindung zwischen verschiedenen Generationen, die den Abbau von Vorurteilen, Stereotypen sowie Hemmungen ermöglicht und somit eine Grundlage für gegenseitige Akzeptanz legt, welche wiederum eine Voraussetzung für intergenerationelles Lernen darstellt. Durch die gemeinsame Arbeit an einem Ziel, bei der das unterschiedliche Alter der Projektteilnehmer nicht im Vordergrund steht, können die Generationen also voneinander profitieren. Es wird deutlich, dass auch bei Projekten zum intergenerationellen Engagement nicht auf unilineare Lernprozesse nach dem Senioritätsprinzip abgezielt wird, sondern auf den gegenseitigen Austausch (vgl. ebd., 7f.).

3.2 Legitimation

Da es sich bei intergenerationellem Engagement auch um ein intergenerationelles Arrangement handelt, können die gleichen Gründe wie bei intergenerationellem Lernen als Legitimation angeführt werden. Zusätzlich ist jedoch auch der Beitrag für die Gesellschaft zu nennen. Hier spielen zum einen die strukturellen Wandlungen der Gesellschaft als auch das veränderte Bild des Alters eine Rolle, das sich von einer defizitorientierten Perspektive abgewandt hat. Insbesondere von Senioren wird erwartet, sich bei der intergenerationellen Freiwilligenarbeit einzubringen. „Dahinter steht die Vorstellung einer Gesellschaft, in der Rentner noch über 20 Jahre nach ihrer Pensionierung aktiv leben und sich dann für gemeinnützige Themen engagieren sollen“ (ebd. 8). Es wird heutzutage von der Möglichkeit des lebenslangen Lernens ausgegangen, was das hohe Alter auch miteinschließt. Die Aktivität der älteren Generationen lässt für die Gesellschaft profitable, nutzbare Ressourcen und Potentiale vermuten, die sie durch die Anrufung der Verantwortung der Senioren für die Gesellschaft und die Jüngeren einfordert. Die Bundesarbeitsgemeinschaft für Seniorenorganisation weist auf den hohen Stellenwert der ehrenamtlichen Tätigkeit von Älteren für das Funktionieren des Sozialstaats und die Volkswirtschaft hin. Sie spricht damit einen finanziellen Aspekt an, der sich die zeitlichen und finanziellen Ressourcen älterer Generationen zunutze macht. Die unbezahlten Dienste von Senioren werden zur Reduktion von Personalkosten in Anspruch genommen und auf diese Weise instrumentalisiert. Dahinter verbirgt sich allerdings die große Gefahr der Ausbeutung der Betroffenen sowie ein fachlicher Verlust, da die Senioren nicht so gut ausgebildet sind wie z.B. die Hilfslehrer. Es muss entsprechend darauf geachtet werden, dass die intergenerationelle Freiwilligenarbeit unter den richtigen Bedingungen bzw. Gründen stattfindet und gefördert wird, sodass die Legitimation intergenerationellen Engagements sich nicht in das Gegenteil umwandelt (vgl. ebd., 9f.).

3.3 Projekte

Auf der Grundlage der genannten Verantwortungsanrufung entstanden eine Reihe selbst organisierter Seniorenorgemeinschaften, die sich für einzelne Teilbereiche der Gesellschaft engagieren (vgl. ebd., 11). Hinzu kommen Organisationen wie das Generationen Netzwerk Umwelt, das bezogen auf sein Thema generationenübergreifende Angebote für Personen und Einrichtungen in Form von Projekten, Workshops und Lernwerkstätten entwickelt. Auf diese Weise können junge und alte Menschen gemeinsam an einem Umweltthema arbeiten und etwas bewirken. Gleichzeitig wird ein Informationsaustausch sowie das gegenseitige Lernen ermöglicht (vgl. ebd., 8). Insbesondere in den USA und in Großbritannien sind die sogenannten Community Services bekannt. Es geht dabei um die Rekrutierung von Jüngeren und Älteren für intergenerationelle Projekte, die bestimmte Serviceleistungen für die Gesellschaft beinhalten. So ist bspw. der bereits genannte unbezahlte Einsatz von Senioren in der Schule sehr populär. In Deutschland findet dieses Konzept seine Entsprechung im Bürgerschaftlichen Engagement (vgl. ebd., 9). „Eine Aktivierung der Generationen als Bürger ihrer eigenen Stadt steht im Vordergrund solcher Initiativen“ (ebd., 9). Insbesondere Vereine und lokale Verbände sind bei der Zusammenführung von Bedeutung. Auf Bundesebene stellt Bürgerschaftliches Engagement ein sozialpolitisches Ziel dar, für das Förderungsstrukturen geschaffen werden sollen. Kritik hieran wird u.a. von Knopf geäußert, der einen leichten Druck als Motor für intergenerationelle Hilfsbereitschaft ablehnt (vgl. ebd., 9f.).

4 Vergleich beider intergenerationeller Arrangements

Um die Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede zusammenfassend zu verdeutlichen, werden im Folgenden beide intergenerationelle Arrangements einander gegenübergestellt.

Intergenerationelles Lernen und Engagement eignen sich beide hervorragend, um Generationenlernen zu fördern. Alt und Jung kommen in Kontakt miteinander und tauschen sich aus, sodass beide Seiten voneinander profitieren können. Das Vorgehen beider intergenerationeller Arrangements ist dabei jedoch sehr unterschiedlich, wie schon anhand ihrer Ziele und Titel deutlich wird. Während beim intergenerationellen Lernen der gegenseitige Lernprozess im Vordergrund steht und Themen bzw. Projekte genau zu diesem Zweck entwickelt werden, geht es beim intergenerationellen Engagement nur in zweiter Linie darum. Stattdessen geht es erstrangig um das Engagement für eine dritte Sache, bei dem nebenher auch Generationenlernen stattfindet. Dies führt in der Folge zum zweiten Unterschied, denn wenn man sich für oder gegen eine Sache engagiert, so ist man politisch gerichtet. Projekte zum intergenerationellen Lernen hingegen sind politisch neutral. Eine dritte Differenz besteht im Ursprung beider intergenerationeller Arrangements, der sehr eng mit den jeweiligen Zielen zusammenhängt. Intergenerationelles Engagement entstand aufgrund der gesellschaftlichen Erwartungshaltung, dass Ältere ihre Verpflichtung den Jüngeren gegenüber erfüllen mögen (vgl. ebd., 12f.). Begründet wird dies mit der heiklen Generationenkonstellation, welche auf der einen Seite die Generation der Nachkriegskinder beinhaltet, die in jungen Jahren wenig hatten und sich im Laufe ihres Lebens Reichtum aufbauen konnten. Auf der anderen Seite steht die sogenannte Generation Praktikum, die in Wohlstand aufwächst, aber aufgrund der schwierigen Arbeitsmarktsituation nicht auf den Aufbau von eigenständig erwirtschaftetem Vermögen vertrauen kann. Daraus wird eine Verantwortung der Älteren für die Jüngeren abgeleitet, da sie ihnen eine schwierige gesellschaftliche Lage als Erbe hinterließen (vgl. ebd., 4f.). Beim intergenerationellen Lernen auf der anderen Seite geht es lediglich um die Ermöglichung des Kontakts und des Austauschs der Generationen, welcher auf der Basis des gesellschaftlichen Wandels der Lebensverhältnisse erschwert wird (vgl. ebd., 13).

Die Gegenüberstellung beider intergenerationeller Arrangements unterstreicht nochmals die Differenz zwischen ihnen und zeigt daher nachdrücklich, dass die Tendenz einer Vermischung nicht gerechtfertigt ist. Als Fachkraft in der Erwachsenenbildung ist daher bei der Konzeption eines Projekts darauf zu achten, welches Ziel man verfolgt und wie dies umgesetzt werden kann. Bei der Gestaltung fließen jedoch auch die eigenen Einstellungen und Bilder der Generationen mit ein. In der nachfolgend vorgestellten Studie wird darauf eingegangen, welche Rolle eine professionelle Ausbildung diesbezüglich spielt und welche Auswirkungen eine solche hat.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Anforderungen bei der Gestaltung intergenerationeller Lernprozesse
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V594049
ISBN (eBook)
9783346207135
ISBN (Buch)
9783346207142
Sprache
Deutsch
Schlagworte
anforderungen, gestaltung, lernprozesse
Arbeit zitieren
Nadine Schall (Autor), 2013, Anforderungen bei der Gestaltung intergenerationeller Lernprozesse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/594049

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