Es ist bemerkenswert, wie Laclos bereits durch die beiden Vorworte einen substantiellen Zug seines Werks vorwegnimmt. Indem er sich einmal als Herausgeber (Editeur) und einmal als Redakteur ausgibt, jedoch nicht als der, der er tatsächlich ist, nämlich Autor des Romans, läßt er - wenn auch nur zum Spaß - selbst um seine eigene Person eine Divergenz zwischen Schein und Sein entstehen und kündigt damit die Rollenspiele der beiden Verschwörer Merteuil und Valmont an. Hinter den Masken von Herausgeber und Redakteur verbreitet er zudem Unsicherheit über die Authentizität der Briefsammlung, wobei sich die Aussagen der beiden zunächst gar nicht widersprechen, da die offensichtliche Ironie, mit welcher der Herausgeber die dargestellte Sittenlosigkeit als Hinweis für die Fiktionalität des Geschriebenen wertet, dessen Realitätsbezug folglich geradezu unterstreicht. Die Echtheit der Briefe zu beweisen scheint auch Anliegen des Redakteurs zu sein, wenn dieser mit äußerster Pedanterie und Sorgfalt den Hergang seiner Arbeit sowie sämtliche widrigen Umstände derselben darlegt. [...]
Inhaltsverzeichnis
- Einführung
- Zum soziokulturellen Hintergrund
- Das Böse
- Zur Funktion der Sprache
- Verstellung und Manipulation bei Mme de Merteuil
- Die Verführung der Présidente
- Rhetorische Schwächen bei Valmont
- Der Untergang des Bösen
- Die Verführbarkeit der Opfer
- Zur Rolle des Lesers
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Hausarbeit befasst sich mit der Darstellung von Schein und Sein in Choderlos de Laclos' "Les Liaisons dangereuses". Der Fokus liegt auf den Figuren der Marquise de Merteuil und Valmont, deren manipulative Strategien und das von ihnen verkörperte Böse im Mittelpunkt der Analyse stehen.
- Soziokultureller Hintergrund der Libertinage im 18. Jahrhundert
- Das Verhältnis von Schein und Sein in der Handlung und den Figuren
- Das Böse als treibende Kraft der Intrigen
- Die Rolle der Sprache als Mittel der Manipulation
- Die Frage nach der Verführbarkeit der Opfer
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung beleuchtet den soziokulturellen Hintergrund der "Liaisons dangereuses" im Kontext des 18. Jahrhunderts und stellt die Bedeutung des Schein und Sein im Werk heraus. Das Kapitel "Verstellung und Manipulation bei Mme de Merteuil" analysiert die strategischen Vorgehensweisen der Marquise, ihre Motivationen und ihre Fähigkeit zur Selbstkontrolle. In "Die Verführung der Présidente" wird der Prozess der Manipulation und die rhetorischen Schwächen von Valmont untersucht. Das Kapitel "Der Untergang des Bösen" thematisiert das Scheitern der Intrigen und die daraus resultierenden Konsequenzen. "Die Verführbarkeit der Opfer" befasst sich mit der Frage, warum die Figuren im Roman den Manipulationen der Protagonisten erliegen.
Schlüsselwörter
Die zentralen Begriffe dieser Arbeit sind: Libertinage, Schein und Sein, Manipulation, Sprache, Böse, Verführbarkeit, Verführung, Macht, Gesellschaftssatire, Briefroman.
Häufig gestellte Fragen
Welche Rolle spielt das Motiv „Schein und Sein“ in Laclos' Roman?
Das Motiv ist zentral für die Handlung: Die Protagonisten Merteuil und Valmont nutzen Maskeraden, Rollenspiele und sprachliche Manipulation, um ihre wahren Absichten zu verbergen und ihre Opfer zu kontrollieren.
Wie nutzt die Marquise de Merteuil die Sprache zur Manipulation?
Merteuil setzt Sprache als strategisches Instrument ein, bewahrt stets die Selbstkontrolle und nutzt die Divergenz zwischen ihren Worten und ihren Taten, um gesellschaftliche Macht auszuüben.
Was wird über die Verführbarkeit der Opfer im Roman ausgesagt?
Die Arbeit untersucht, warum die Opfer den Intrigen erliegen, und beleuchtet dabei sowohl die rhetorische Überlegenheit der Täter als auch die soziokulturellen Schwachstellen der Opfer im 18. Jahrhundert.
Was ist der soziokulturelle Hintergrund der „Liaisons dangereuses“?
Der Roman ist im Kontext der Libertinage des 18. Jahrhunderts angesiedelt, einer Strömung, die durch moralische Freiheit, aber auch durch kalte intellektuelle Berechnung geprägt war.
Wie inszeniert sich der Autor Laclos selbst in den Vorworten?
Laclos gibt sich fiktiv als Herausgeber oder Redakteur aus, um die Authentizität der Briefsammlung infrage zu stellen und bereits vor Beginn der Handlung das Spiel mit „Schein und Sein“ zu eröffnen.
- Citar trabajo
- Thomas Roghmann (Autor), 2003, Schein und Sein in Choderlos de Laclos' "Les Liaisons dangereuses", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59436