Kinderliteratur verfolgt seit jeher eine Absicht und hat eine besondere Wirkung auf Kinder. Verschiedene Studien belegen, dass sich Kinder bestimmte Verhaltensweisen aus den Büchern, wie Essgewohnheiten, abschauen. Der Einfluss von Kinderbüchern auf den Erwerb sozialer Kompetenzen ist bislang noch nicht geklärt.
Auf welche Weise kann das (Vor-)Lesen von Kinderbüchern soziale Kompetenzen fördern? Regt Kinderliteratur bestimmte soziale Kompetenzen mehr an als andere? Und inwieweit kann man potenzielle Handlungsweisen von Kindern auf Bücher zurückführen?
Diese Publikation beleuchtet Chancen und Grenzen von Kinderliteratur im Hinblick auf die Förderung sozialer Kompetenzen. Anhand von ausgewählten Kinderbüchern erläutert sie, wie Kinder die dargestellten Verhaltensweisen wahrnehmen und in ihr Verhalten einbeziehen. Außerdem enthält dieses Buch Tipps, wie Lehrer Kinderliteratur sinnvoll in den Unterricht integrieren können.
Aus dem Inhalt:
- soziales Lernen;
- Mobbingprävention;
- soziale Kompetenz;
- Modellernen;
- Toleranzbereitschaft
Inhaltsverzeichnis
1 Kinderliteratur
1.1 Ziele von Kinderliteratur im Wandel der Zeit
1.2 Bedeutung des (Vor-)Lesens von Kinderliteratur für die Entwicklung
2 Soziale Kompetenz
2.1 Dimensionen sozialer Kompetenz
2.2 Bedeutung des sozialen Lernens für Mobbingprävention
2.3 Entwicklung sozialer Kompetenzen
3 Entwicklung und Beschreibung des Kriterienkataloges
3.1 Das Kinderbuch Uli Unsichtbar
3.2 Rechtfertigung der Buchauswahl
4 Relevante Kompetenzbereiche für die Studie
5 Forschungsanliegen und Fragestellungen der vorliegenden Studie
5.1 Können soziale Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern durch das Lesen von Kinderliteratur gefördert werden?
5.2 Werden die Bereiche sozialer Kompetenz in unterschiedlichem Maße gefördert?
5.3 Profitieren Jungen und Mädchen gleichermaßen von einer Protagonistin als Modell?
5.4 Sind Veränderungen der Handlungsweisen abhängig von der Sympathie, die die Schülerinnen und Schüler der Protagonistin entgegenbringen?
5.5 Stehen Veränderungen im kindlichen Verhalten im Zusammenhang mit den im Buch präsentierten Verhaltensweisen und Einstellungen?
6 Methodik
6.1 Methodenbeschreibung
6.2 Beschreibung der Stichprobe
6.3 Beschreibung des Erhebungsinstruments
6.4 Durchführung
6.5 Methode der Datenauswertung
7 Darstellung der Ergebnisse
7.1 Können soziale Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern durch das (Vor-) Lesen von Kinderliteratur gefördert werden?
7.2 Werden die Bereiche sozialer Kompetenz in unterschiedlichem Maße gefördert?
7.3 Profitieren Jungen und Mädchen gleichermaßen von einer Protagonistin als Modell?
7.4 Sind Veränderungen der Handlungsweisen abhängig von der Sympathie, die die Schülerinnen und Schüler der Protagonistin entgegenbringen?
7.5 Stehen Veränderungen im kindlichen Verhalten im Zusammenhang mit den im Buch präsentierten Verhaltensweisen und Einstellungen?
8 Diskussion
8.1 Auseinandersetzung mit den Ergebnissen der empirischen Studie
8.2 Methodenkritische Betrachtung
9 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial von Kinderliteratur zur Förderung sozialer Kompetenzen bei Grundschulkindern, insbesondere im Hinblick auf die Mobbingprävention. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert darauf, ob durch das Vorlesen eines gezielt ausgewählten Kinderbuches eine positive Entwicklung in verschiedenen sozialen Kompetenzbereichen bei Schülerinnen und Schülern initiiert werden kann.
- Analyse von Kinderliteratur als Instrument zur Förderung sozialer Verhaltensweisen.
- Untersuchung von Modelllernen nach Bandura durch literarische Protagonistinnen.
- Überprüfung der Bedeutung von Sympathie für die Wirksamkeit von Buchmodellen.
- Differenzierte Betrachtung der Wirksamkeit in verschiedenen Kompetenzdimensionen wie Kooperation, Empathie und Konfliktfähigkeit.
- Evaluation von geschlechtsspezifischen Unterschieden bei der Identifikation mit literarischen Modellen.
Auszug aus dem Buch
1.2 Bedeutung des (Vor-)Lesens von Kinderliteratur für die Entwicklung
Im vorangegangenen Kapitel wurde aufgezeigt, dass die Ziele von Kinder- und Jugendliteratur einem zeitlichen Wandel unterlegen haben. Wie zuvor erwähnt, wird Kinder- und Jugendliteratur auch heute noch eingesetzt, um bestimmte Ziele zu verfolgen.
Dem Vorlesen kommt dabei eine nicht zu unterschätzende Bedeutung zu. Für Schülerinnen und Schüler der Grundschule stellt Lesen einen mühsamen Prozess des Dekodierens dar. „Die Schwierigkeit, die einzelnen Wörter als sinnvolle Wörter zu dekodieren, führt häufig dazu, dass viele [Leserinnen und Leser] nicht zu einem vollständigen Textverstehen gelangen“ (Garbe, Holle & Jesch, 2009, S. 107). Dementsprechend fällt es ihnen noch schwer, Literatur zu genießen und die Literatur kann auch nur eingeschränkt auf Kinder wirken. In seiner literarisch-ästhetischen Funktion ermöglicht das Vorlesen Kindern, am literarischen Leben teilnehmen zu können, ohne selbst zu lesen (Garbe, Holle & Jesch, 2009).
Das Vorlesen erfüllt darüber hinaus noch weitere Funktionen. In seiner kulturellen Funktion kommt dem Vorlesen eine „Schlüsselqualifikation bei der Aufnahme und Verwertung von Informationen [zu]“ (Gressnich, Müller & Stark, 2015, S. 181). Bücher sollen Kinder unterstützen, ihre Umwelt besser zu verstehen. Außerdem zeigt Kinder- und Jugendliteratur Heranwachsenden neue und bekannte Dinge auf und führt sie in reales und fantastisches Geschehen ein (Marquardt, 1995). Zudem ermöglicht sie Erfahrungen mit der „konzeptionellen Schriftlichkeit im Medium der Mündlichkeit“ (Gressnich, Müller & Stark, 2015, S. 182).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Kinderliteratur: Dieses Kapitel erläutert den Begriff der Kinder- und Jugendliteratur und untersucht deren Wandel von erzieherischen Zielen bis hin zur heutigen Bedeutung für die Lesekompetenz.
2 Soziale Kompetenz: Hier werden verschiedene Definitionen sozialer Kompetenz dargelegt, ein strukturiertes Modell von fünf Kompetenzdimensionen vorgestellt und die theoretische Fundierung des Modelllernens nach Bandura beleuchtet.
3 Entwicklung und Beschreibung des Kriterienkataloges: Das Kapitel beschreibt die Erstellung eines Kriterienkatalogs zur Analyse von Kinderliteratur und stellt das ausgewählte Kinderbuch "Uli Unsichtbar" sowie die Begründung für dessen Einsatz vor.
4 Relevante Kompetenzbereiche für die Studie: In diesem Abschnitt werden die für die Untersuchung zentralen Kategorien des Kriterienkatalogs definiert und ihre Relevanz für die Mobbingprävention begründet.
5 Forschungsanliegen und Fragestellungen der vorliegenden Studie: Hier werden die konkreten Forschungsfragen formuliert, die den Einfluss von Kinderliteratur auf die soziale Kompetenz von Grundschulkindern untersuchen.
6 Methodik: Dieses Kapitel beschreibt das qualitative Forschungsdesign, das Fragebogeninstrumentarium, die Stichprobe sowie die Durchführung der Vorher- und Nachhermessung.
7 Darstellung der Ergebnisse: Die Ergebnisse der empirischen Studie werden hier mittels statistischer Auswertungen und grafischer Darstellungen detailliert präsentiert.
8 Diskussion: Die empirischen Befunde werden interpretiert, in Bezug zur theoretischen Literatur gesetzt und einer kritischen methodischen Reflexion unterzogen.
9 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse der Studie zusammen und bietet einen Ausblick auf die praktische Anwendung sowie zukünftige Forschungsbedarfe.
Schlüsselwörter
Kinderliteratur, Soziale Kompetenz, Mobbingprävention, Grundschule, Vorlesen, Modelllernen, Verhaltensweisen, Soziales Lernen, Literaturpädagogik, Kompetenzförderung, Qualitative Forschung, Protagonisten, Identifikation, Konfliktlösung, Kooperation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, inwiefern das Vorlesen von Kinderliteratur soziale Kompetenzen bei Grundschulkindern fördern kann und ob sich dadurch Verhaltensweisen im schulischen Alltag positiv beeinflussen lassen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Kerngebiete sind die Kinder- und Jugendliteratur im historischen Wandel, die theoretische Definition und Dimensionierung sozialer Kompetenzen sowie das Modelllernen nach Bandura im Kontext literarischer Figuren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist zu erforschen, ob soziale Kompetenzen durch literarische Modelle gefördert werden können und ob Kinder das Verhalten der Protagonistin in Konfliktsituationen auf eigene Lebenswelten übertragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt ein qualitatives Forschungsdesign mit einer Vorher- und Nachhermessung, bei der Schülerinnen und Schüler einer dritten Klasse mittels offener Fragebogen-Dilemmata befragt wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen der Kriterienkatalog entwickelt, das Buch "Uli Unsichtbar" analysiert und anschließend die empirischen Ergebnisse der Studie deskriptiv und mittels statistischer Testverfahren ausgewertet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Soziale Kompetenz, Kinderliteratur, Mobbingprävention, Modelllernen, Grundschulbildung und Verhaltensänderung sind die prägenden Begriffe dieser Publikation.
Welche Rolle spielt die Protagonistin Ulrike für die Untersuchung?
Ulrike fungiert im gewählten Kinderbuch als symbolisches Modell. Ihre Handlungsweisen, insbesondere bei der Konfliktlösung und beim Einstehen für Mitschüler, dienen den Kindern als Vorbild für sozial kompetentes Verhalten.
Hat die Sympathie der Kinder gegenüber der Protagonistin einen Einfluss auf die Ergebnisse?
Ja, die Studie zeigt, dass eine signifikante Verbesserung der sozialen Kompetenz eher bei den Kindern auftrat, die eine ausgeprägte Sympathie für die Protagonistin empfanden, was die Bedeutung der Modellakzeptanz unterstreicht.
- Arbeit zitieren
- Denise Günnewig (Autor:in), 2020, Wie Kinderbücher soziale Kompetenzen fördern. Kinderliteratur und ihr Einfluss auf die Verhaltensweisen von Kindern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/594417