Diese Hausarbeit beansprucht keinen normativen Status was die Frage der Normalität betrifft, sondern vielmehr, was als solche gilt und welche Auswirkungen derartige Konzeptionen auf unsere Wahrnehmung der "abnormalen" Personen hat. Denn es scheint relevanter, zu betrachten, wie Normen zustande kommen, welche Gemeinsamkeiten alle „Normalen“ haben, von welchen Faktoren die Klassifizierung abhängt und zu guter Letzt, inwiefern man behaupten kann, wir würden Abnormales negativ aufnehmen, uns davor fürchten und es womöglich als Monster bezeichnen. Dazu werde ich die Monster in Tomeos Kurzgeschichten hinzuziehen, analysieren, welche Andersartigkeit sie zu Außenseitern macht und wie mit ihnen umgegangen wird. Dazu erscheint mir vor allem die Kurzgeschichte „El mayordomo miope“ zweckmäßig, da oft überspitzte, aber scharfe Einteilungen der Beteiligten in normale Menschen und mindere Kreaturen getroffen werden, aber auch seine Geschichte „El miope y el bisco“ und „Amado Monstruo“ sollen dabei helfen. Was verbindet Monster generell und insbesondere bei Tomeo? Was macht sie gleichermaßen zu Außenseitern? Was ist ein Solcher und wie wird mit ihnen umgegangen?
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Normalität und Abweichung
Das Monster
Müssen Monster gehasst werden und was wollte Tomeo mit seinen Geschichten erreichen?
Wie lässt sich dies alles zusammenfassen?
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie gesellschaftliche Normen entstehen, wie die Abgrenzung zum „Unnormalen“ funktioniert und warum Menschen dazu neigen, Andersartigkeit negativ zu bewerten und als „Monster“ zu klassifizieren. Ziel ist es, anhand von Javier Tomeos Kurzgeschichten zu analysieren, welche Mechanismen der Ausgrenzung wirken und wie eine offenere Haltung gegenüber dem Fremden erreicht werden kann.
- Soziale Konstruktion von Normalität und Abweichung
- Die Etymologie und historische Bedeutung des Monsterbegriffs
- Machtpolitische Gründe für die Ausgrenzung von Außenseitern
- Die Rolle von Angst und Selbstbild bei der Kategorisierung des Fremden
- Analyse der Kurzgeschichten von Javier Tomeo
Auszug aus dem Buch
Normalität und Abweichung
Zuerst sollte geklärt werden was es bedeutet unnormal zu sein, da dies scheinbar eines der intrinsischen Merkmale von Monstern ist. Dabei gilt es zu untersuchen ob Normen eine feste Größe, eine unveränderliche Konstante oder abhängig von anderen äußeren Faktoren sind. Erst einmal sind wir oft sehr schnell dazu in der Lage zu erkennen, ob sich etwas von etwas anderem unterscheidet. So gehört die „vermeintlich eindeutige Unterscheidung zwischen Normalität und Abweichung […] zum Repertoire des sogenannten ‚gesunden Menschenverstands‘“1 Ob ein Farbklecks eine andere Farbe hat als ein anderer, ein Haus größer ist als das daneben. Die Welt in Kategorien zu unterteilen und zu ordnen hilft uns sie zu verstehen, daher wäre es unsinnig zu verlangen Unterschiede nicht wahrnehmen zu wollen.
Doch um diese Art der Unterschiede geht es hier nicht. Vielmehr steht die wertende und urteilende Unterscheidung im Vordergrund, die dazu dienen kann Menschen zu vereinen oder auch voneinander abzugrenzen. Zwar sehen wir welchen Nachnamen eine Person hat oder wie viele Cousinen, lassen unser Bild über die Person allerdings nicht nachhaltig davon prägen. Bei anderen Unterschieden wie der Farbe der Haut, der Anzahl von Gliedmaßen oder auch der Sehfähigkeit kann dies mitunter anders aussehen. Woran liegt das? Welche Abweichungen von der Norm scheinen uns relevant und wie wird diese Norm bestimmt? Zunächst kann festgehalten werden, dass es verschiedene Arten von Normen gibt, von technischen, sozialen, medizinischen über funktionalen, idealen bis hin zu ästhetischen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung legt das Ziel fest, nicht das „Normale“ an sich zu definieren, sondern die Wirkung der gesellschaftlichen Normierung und die Kategorisierung des „Abnormalen“ als Monster zu untersuchen.
Normalität und Abweichung: Dieses Kapitel erläutert, dass Normalität eine soziale Konstruktion ist, die durch Machtstrukturen und Bedürfnisse nach Ordnung bestimmt wird, wobei Abweichler oft als bedrohlich wahrgenommen werden.
Das Monster: Hier wird die historische und begriffliche Wandlung des Monsters von einer göttlichen Warnung hin zum medizinischen oder sozialen „Fehler der Natur“ analysiert.
Müssen Monster gehasst werden und was wollte Tomeo mit seinen Geschichten erreichen?: Das Kapitel diskutiert Tomeos Ansatz, durch Literatur Empathie für das Andersartige zu wecken und hinterfragt die Notwendigkeit der Ausgrenzung.
Wie lässt sich dies alles zusammenfassen?: Das Fazit fasst zusammen, dass die Produktion von Normalität zwangsläufig Abweichung erzeugt und plädiert für einen toleranteren Umgang mit dem Unbekannten.
Schlüsselwörter
Normalität, Abweichung, Monster, soziale Konstruktion, Ausgrenzung, Außenseiter, Javier Tomeo, Andersartigkeit, Machtstrukturen, Identität, Diskriminierung, Toleranz, Normbildung, Wahrnehmung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der soziologischen und literarischen Analyse, warum Menschen das „Andersartige“ als Monster kategorisieren und wie diese Prozesse gesellschaftlich konstruiert sind.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten zählen die Entstehung von gesellschaftlichen Normen, die Etymologie des Monsterbegriffs sowie die psychologischen und machtpolitischen Hintergründe von Ausgrenzung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu verdeutlichen, dass Normalität keine natürliche Gegebenheit, sondern eine soziale Konstruktion ist, und einen Weg zu einem toleranteren Umgang mit dem „Monströsen“ aufzuzeigen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt eine kulturwissenschaftliche Analyse sowie die Untersuchung von literarischen Werken des Autors Javier Tomeo, ergänzt um soziologische Theorien zur Etikettierung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden Konzepte der Normalität diskutiert, die historische Definition des Monsters betrachtet und Tomeos Kurzgeschichten als Fallbeispiele für den Umgang mit Außenseitern herangezogen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Normalität, Abweichung, Monster, soziale Konstruktion und die gesellschaftliche Machtausübung bei der Definition von „Normalen“ und „Anderen“.
Welche Rolle spielt Javier Tomeo in dieser Arbeit?
Javier Tomeo dient als literarisches Fallbeispiel; seine Kurzgeschichten illustrieren, wie die Stigmatisierung von Menschen mit körperlichen oder sozialen Abweichungen funktioniert und wie dieser begegnet werden kann.
Warum erschafft die Gesellschaft „Monster“?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Gesellschaft Monster benötigt, um sich selbst als normal, sicher und überlegen zu definieren – es ist ein Werkzeug der Identitätsstiftung und Machtausübung.
Ist „Unnormalität“ immer ein Problem?
Die Arbeit argumentiert, dass nicht das „Anderssein“ an sich problematisch ist, sondern die Art und Weise, wie eine Gesellschaft auf dieses Anderssein reagiert und es durch Stigmatisierung als Bedrohung labelt.
- Citar trabajo
- Robert Ruschlau (Autor), 2019, Wieso fürchten wir uns vor dem Unnormalen? Der Umgang mit Monstern in den Kurzgeschichten Javier Tomeos, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/594534