Ein Sozialarbeiter wird von einem Straßenräuber überfallen.
"Geld oder Leben" schreit der Räuber.
"Tut mir leid,", antwortet der Sozialarbeiter, "als Sozialarbeiter besitze ich weder das eine noch das andere."
Soziale Arbeit: Ein trostloses Geschäft!?
1 Einleitung
Zahlreiche Menschen haben keine genaue Vorstellung darüber, was Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen eigentlich leisten. Grund dafür ist vor allem die Heterogenität der Aufgabenbereiche. So sind SozialarbeiterInnen zum Beispiel in der Kinder- und Jugendhilfe, in der Familienhilfe, in Schulen oder auch in der Schuldnerberatung und als Streetworker tätig. Laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sind in Deutschland rund 276.000 Erwerbstätige mit (Fach-) Hochschulabschluss für den Studienbereich Sozialwesen als SozialarbeiterInnen und SozialpädagogInnen beschäftigt. Im Vergleich: Im Jahr 1996 lag die Zahl bei rund 124.000. In den letzten 20 Jahren hat sich die Erwerbstätigenzahl (mit (Fach-)Hochschulabschluss) im Bereich Sozialwesen somit fast verdoppelt.
Dennoch lässt die gesellschaftliche Akzeptanz und Wertschätzung dieser Berufsgruppe zu wünschen übrig. Dies spiegelt sich in der Unwissenheit der Bevölkerung bzgl. der Aufgaben und Tätigkeiten des Arbeitsbereiches wieder. Die Bezeichnung und Berufsklasse „Sozialarbeiter“ (als gutmütiger Öko-Freak mit Jesuslatschen) ist gängig, der genaue Aufgaben- und Leistungsbereich jedoch unklar. Für die allgemeine Mehrheit erscheinen SozialarbeiterInnen entbehrlich, denn diese wirken ohnehin „nur“ in Problemzonen, in denen sie sich schließlich nicht wiederfinden. Der einhergehende Mehrwert für die gesellschaftliche Entwicklung bleibt vergessen. Als Resultat dümpeln SozialarbeiterInnen oftmals in den dunklen Tiefen des Niedriglohnsektors, der Teilzeitbeschäftigung, der befristeten Arbeitsverträge und angeblich politischer Ohnmacht als stille Helden vor sich hin. Dabei stellt sich mir die Frage: Warum mache ich das eigentlich?
Die vorliegende Arbeit soll Aufschluss über die mögliche Zukunft der Sozialen Arbeit geben. Es werden die bestehenden Chancen von SozialarbeiterInnen und SozialpädagogInnen auf dem heutigen Arbeitsmarkt erörtert und die Veränderungen beschrieben, welcher die Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der Sozialen Arbeit unterworfen sind.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Was ist Soziale Arbeit?
2.1 Was bedeutet „sozial“?
2.2 Historische Wurzeln der sozialen Arbeit
2.3 Gegenstand der Sozialen Arbeit heute
2.4 Handlungsfelder der Sozialen Arbeit
3 Stand und Entwicklungen am Arbeitsmarkt
3.1 Arbeitgeber der Sozialen Arbeit
3.2 Soziale Arbeit im Wachstum
3.3 Soziale Arbeit im Spannungsfeld
3.4 Kompetenz- und Arbeitsplatzanforderungen im Sozialsektor
3.5 Risiken und Chancen für die Zukunft
4 Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Hausarbeit untersucht die Entwicklung des Arbeitsmarktes für Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter sowie die Frage, ob Soziale Arbeit ein „trostloses Geschäft“ ist. Ziel ist es, die Chancen und Veränderungen auf dem modernen Arbeitsmarkt zu analysieren und das Berufsbild kritisch zu hinterfragen.
- Historische Entwicklung und Wurzeln der Sozialen Arbeit
- Strukturen und Akteure des aktuellen Arbeitsmarktes
- Wachstumstrends und Personalpolitik im Sozialsektor
- Anforderungsprofile und notwendige Schlüsselkompetenzen
- Zukünftige Risiken und Chancen durch Ökonomisierung
Auszug aus dem Buch
3.3 Soziale Arbeit im Spannungsfeld
Soziale Arbeit befindet sich im überdurchschnittlichen Wachstum und die Nachfrage nach qualifizierten Kräften ist groß. Die Personalpolitik in der Sozialwirtschaft befindet sich jedoch in einem zunehmenden Spannungsverhältnis (vgl. Dahme et al 2005, S. 160 ff.). Ein Grund dafür stellt die defizitäre Finanzpolitik der Sozialwirtschaft dar. Die Finanzierung sozialer Dienstleistungen war bis Mitte der 1990er-Jahre durch die Vollkostenrechnung gesichert, was bedeutet, dass die Sach-, Personal- und Investitionskosten der sozialen Organisationseinheiten vom Kostenträger im Nachhinein vollständig erstattet wurden. Aufgrund steigender Kosten im Sozialsektor wurde diese Finanzierungsform jedoch abgeschafft und eine Umstellung auf Leistungsentgelte vorgenommen.
Seitdem stehen soziale Organisationen in der Pflicht ihre Leistungen unter Berücksichtigung von betriebswirtschaftlichen Instrumenten zu definieren und die entstehenden Kosten der Leistungserbringung prospektiv abzuschätzen. Auf dieser Grundlage werden Leistungsverträge zwischen Kostenträger und Leistungserbringer geschlossen. Unabhängig davon welche Kosten tatsächlich bei der Leistungsausführung entstanden sind, übernimmt der Kostenträger nur die zuvor vereinbarte Summe. Als Resultat sind soziale Organisationseinheiten (insbesondere die gemeinnützigen) heute dazu gezwungen Kosteneinsparungen vorzunehmen und weitere Finanzierungsquellen zu erschließen, was wiederum einen erhöhten Personalaufwand zur Folge hat (vgl. Holdenrieder 2013, S. 39 ff.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Heterogenität der Sozialen Arbeit ein, thematisiert das Image des Berufsfeldes und legt das Ziel der Arbeit fest, die Zukunftschancen für Fachkräfte zu beleuchten.
2 Was ist Soziale Arbeit?: In diesem Kapitel werden der Begriff „sozial“ definiert, die historischen Grundlagen der Armenfürsorge erläutert und der heutige Gegenstand sowie die Handlungsfelder der Sozialen Arbeit skizziert.
3 Stand und Entwicklungen am Arbeitsmarkt: Das Hauptkapitel analysiert Arbeitgeberstrukturen, das Beschäftigungswachstum, ökonomische Spannungsfelder, Anforderungsprofile an das Personal sowie künftige Risiken und Chancen.
4 Schlussbetrachtung: Das Fazit beantwortet die Leitfrage und kommt zu dem Schluss, dass Soziale Arbeit nur im geschäftlichen Sinne trostlos ist, jedoch gesellschaftlich eine der wichtigsten Aufgaben darstellt.
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Arbeitsmarkt, Sozialsektor, Fachkräftemangel, Ökonomisierung, Sozialpädagogik, Leistungsentgelte, Wohlfahrtsverbände, Berufsbild, Soziale Gerechtigkeit, Personalpolitik, Beschäftigungsentwicklung, Schlüsselkompetenzen, Sozialstaat, Modernisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Berufsfeld Soziale Arbeit im Kontext der aktuellen Arbeitsmarktbedingungen, um zu klären, ob das Image als „trostloses Geschäft“ berechtigt ist.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung, den Trägerstrukturen, dem Wachstum des Sektors, den Arbeitsanforderungen und den ökonomischen Zwängen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Chancen und Herausforderungen für Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter auf dem heutigen Arbeitsmarkt zu identifizieren und zu reflektieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin verwendet eine theoretische Analyse unter Einbeziehung aktueller Statistiken und fachwissenschaftlicher Literatur zur Sozialen Arbeit.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Arbeitgebertypen, das Spannungsfeld zwischen ökonomischer Finanzierung und pädagogischem Anspruch sowie die notwendigen Kompetenzanforderungen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Sozialwirtschaft, Ökonomisierung, Fachkräftemangel, Berufsethik und gesellschaftlicher Wandel.
Was bedeutet der Wandel von der Vollkostenrechnung zu Leistungsentgelten konkret für die Einrichtungen?
Einrichtungen müssen ihre Kosten nun im Vorhinein planen und mit Kostenträgern fixierte Verträge schließen, was den Druck zu Effizienz und Kosteneinsparungen massiv erhöht.
Warum ist das Berufsbild der Sozialen Arbeit laut Autorin trotz des hohen Bedarfs „trostlos“?
Das „Trostlose“ bezieht sich primär auf die schlechte Bezahlung, die hohe Arbeitsbelastung und die defizitäre Finanzierung, die im Kontrast zur gesellschaftlichen Bedeutung des Berufs stehen.
- Citation du texte
- Alwina Thomas (Auteur), 2020, Die Entwicklung des Arbeitsmarktes für Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter. Ist Soziale Arbeit ein trostloses Geschäft?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/594544