In der Arbeit werden die Bildfiguren des „Sklavenwunders“, sowie deren Komposition genauer beschrieben. Jacopo Robusti, genannt Jacopo Tintoretto (* 29. September 1518 in Venedig; † 31. Mai 1594 in Venedig) war ein venezianischer Maler. Sein Name, welcher übersetzt so viel heißt wie „das Färberlein“, leitet sich von dem Handwerk seines Vaters ab.
Eines der berühmtesten Werke Tintorettos stellt das Gemälde „Das Wunder des hl. Markus“ (oder auch genannt „Sklavenwunder“) dar, welches Tintoretto im Auftrag der venezianischen Bruderschaft Scuola di San Marco malte und das ihm viel Lob einbrachte. Das „Sklavenwunder“ ist neben drei weiteren Auftragsbildern („Die Entführung der Leiche des hl. Markus“, „Die Auffindung der Leiche vom Hl. Markus“, „Der hl. Markus errettet einen Sarazenen“) für die Scuola di San Marco in das Frühwerk Tintorettos einzuordnen.
Inhaltsverzeichnis
1. Das Sklavenwunder als Massenkomposition
2. Die Frau mit Kind
3. Der stehende Scherge
4. Der Sklave
5. Markus
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit analysiert die künstlerische Gestaltung und die kompositorischen Vorbilder der Bildfiguren in Jacopo Tintorettos berühmtem Werk „Das Wunder des hl. Markus“, auch bekannt als „Sklavenwunder“. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Tintoretto durch die Integration verschiedener kunsthistorischer Referenzen eine innovative und naturalistische Darstellung erreichte.
- Analyse der kompositorischen Vorbilder und deren Einfluss auf die Massenkomposition.
- Untersuchung der ikonographischen Bedeutung der dargestellten Figuren.
- Deutung der Rolle von Architektur und Raumelementen für die Bilddramaturgie.
- Vergleich der künstlerischen Techniken, insbesondere der „figura serpentinata“ und Verkürzungen.
- Betrachtung der Rolle der christlichen Ikonographie und deren bewusster Überschreitung durch den Maler.
Auszug aus dem Buch
3.) „Der stehende Scherge“:
Dem stehenden Schergen im Bild kommt eine zentrale Bedeutung zu. Die Blickführung kann wie folgt beschrieben werden: Hat der Betrachter den hellen Körper des Sklaven entdeckt, so wandert der Blick über die hell beleuchtete linke Ferse des Schergen über die S-förmige Körperhaltung und die Armhaltung hin zum Kopf des befehlsgebenden Herrscher. Die Kopfhaltung des Schergen sowie die Drapierung seines Turbans hingegen lenken den Blick zum heiligen Markus. Dadurch bildet der Folterknecht eine Verbindung zwischen den drei Protagonisten. Inhaltlich verkörpert der Scherge den Wendepunkt der dargestellten Ereignisse. Als Werkzeug des heidnischen Herrn wird der Scherge durch die Berührung des Markus zum Instrument der Bekehrung, da die kapitulierende Geste des Schergen den Herrscher zur Umkehr bewegt.
Das älteste Vorbild der Figur des Schergen stellt die Bronzefigur des „Betenden Knaben“ dar, welche vermutlich 1503 aus Rhodos nach Venedig kam. Die Arme des „Betenden Knaben“ sind jedoch eine erst später -vermutlich im 17. Jahrhundert- angefertigte Rekonstruktion. Daher ist unklar, ob die Skulptur in der originalen Fassung tatsächlich einen betenden Knaben oder eventuell doch einen sogenannten Knabensieger darstellte.
Für seine Figur des Schergen ließ Tintoretto sich von einem Apostel aus Tizians „Assunta“ inspirieren. Seitenverkehrt und mit komplementär umgefärbtem Gewand taucht dieser Apostel so als Folterknecht in Tintorettos „Sklavenwunder“ wieder auf.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das Sklavenwunder als Massenkomposition: Dieses Kapitel erläutert die kompositorischen Vorbilder, wie etwa Werke von Andrea Mantegna und Andreas Vesalius, die Tintoretto für die Anordnung der Menschenmassen und die Raumtiefe dienten.
2. Die Frau mit Kind: Hier wird die Rolle der zentralen Frauenfigur als Personifikation der Karitas analysiert, die eine Brücke zur venezianischen Laienbruderschaft Scuola di San Marco schlägt.
3. Der stehende Scherge: Dieser Abschnitt beschreibt die zentrale Funktion des Schergen als Bindeglied zwischen den Protagonisten und analysiert dessen Vorbilder, darunter antike Bronzefiguren und Tizians Apostel.
4. Der Sklave: Der Fokus liegt hier auf der künstlerischen Technik der „figura serpentinata“ und der Verkürzung des menschlichen Körpers als Ausdruck von Vitalität.
5. Markus: Das abschließende Kapitel behandelt die Darstellung des heiligen Markus und dessen innovative, fliegende Haltung, die in der zeitgenössischen Ikonographie als Regelbruch verstanden wurde.
Schlüsselwörter
Jacopo Tintoretto, Sklavenwunder, Scuola di San Marco, Venezianische Malerei, Massenkomposition, figura serpentinata, Karitas, Kunstgeschichte, Ikonographie, Manierismus, Bildkomposition, Hl. Markus, Verkürzung, Tizian, Renaissance.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der detaillierten Analyse der Bildfiguren und der kompositorischen Struktur von Jacopo Tintorettos Gemälde „Das Wunder des hl. Markus“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die kompositorischen Einflüsse anderer Künstler, die ikonographische Bedeutung der Figuren sowie die technische Umsetzung der Körperdarstellung im 16. Jahrhundert.
Welches Ziel verfolgt die Analyse?
Ziel ist es, die künstlerischen Vorbilder und die Intention des Malers bei der Gestaltung der einzelnen Figuren sowie deren Beitrag zum Gesamteindruck des „Sklavenwunders“ herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine kunsthistorische Analyse angewandt, die durch vergleichende Bildbetrachtung und die Untersuchung historischer Quellen gestützt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen der Massenkomposition, der einzelnen Protagonisten wie der Frau mit Kind, des Schergen, des Sklaven und des heiligen Markus.
Welche Begriffe beschreiben die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist charakterisiert durch Begriffe wie venezianische Malerei, Manierismus, Kompositionslehre und ikonographische Deutung.
Warum spielt die „figura serpentinata“ eine so wichtige Rolle im Text?
Die „figura serpentinata“ wird als Ausdruck lebendiger Darstellung im Manierismus hervorgehoben, mit der Tintoretto seine Figuren, insbesondere den Sklaven, dynamisch und plastisch gestaltet.
Wie unterscheidet sich Tintorettos Darstellung des heiligen Markus von der Tradition?
Tintoretto stellt den Heiligen fliegend dar, was in der damaligen Ikonographie eigentlich nur Gottvater oder Engeln vorbehalten war, und verstößt damit bewusst gegen konservative Bildkonventionen.
- Citar trabajo
- Teresa Lübbert (Autor), 2013, Die Bildfiguren des "Sklavenwunders" von Jacopo Tintoretto. Venezianische Malerei des 16. Jahrhunderts, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/594593