Die Bedeutung von Medien für Heranwachsende. Social Media als Sozialisationsinstanz für Jugendliche am Beispiel Instagram


Hausarbeit, 2017

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sozialisation in der Jugendphase
2.1 Definition Sozialisation
2.2 Sozialisationstheorie nach Hurrelmann

3. Mediensozialisation in der Jugendphase
3.1 Mediensozialisation und Medienkompetenz
3.2 Nutzung moderner Medien

4. Soziale Online-Netzwerke und die Sozialisation Jugendlicher
4.1 Das Online-Netzwerk Instagram
4.2 Möglichkeiten des Netzwerkes Instagram
4.3 Risiken des Netzwerkes Instagram

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im fortwährenden Medienwandel der letzten Jahre hat sich nicht nur der Alltag vieler Menschen geändert und angepasst, auch das Heranwachsen in der Medienkultur ist ein anders als noch vor einigen Jahren. Medien sind allgegenwärtig und ein elementarer Teil unseres Lebens geworden.

Doch welche Rolle spielen Medien für Jugendliche und wie wirken sie auf Heranwachsende? Nehmen sie eine besondere Rolle für die Sozialisation von Heranwachsenden an? Welche förderlichen oder nachteiligen Auswirkungen kann der Medienkonsum auf Jugendliche haben?

Bevor diese Fragen beantwortet werden können, muss zunächst eine definitorische Basis geschaffen werden. Dazu wird der zentrale Begriff der Sozialisation bezugnehmend zu den Thesen nach Klaus Hurrelmann definiert. Darauf aufbauend soll Sozialisation im Wechselspiel zu den Medien näher betrachtet werden, weshalb auf „Mediensozialisation“, dessen Ansätze und Dimensionen eingegangen wird. Im Verhältnis dazu wird auch die „Medienkompetenz“ näher beleuchtet, um eine eindeutige Abgrenzung zu schaffen. Es wird geklärt in welchem Verhältnis Medienkompetenz zur Mediensozialisation steht und wie diese definiert wird. Anschließend soll die Nutzung der modernen Medien anhand der JIM-Studie 2016 näher betrachtet werden, um ein aktuelles Bild der Medienlandschaft zu schaffen.

Schließlich wird das Online-Netzwerk Instagram als wichtiges Medienangebot der heutigen Zeit vorgestellt und näher beleuchtet. Abschließend werden sowohl Vor- als auch Nachteile der App in den Vordergrund gestellt, um ein differenziertes Bild der App als Sozialisationsinstanz für Jugendliche schaffen zu können.

2. Sozialisation in der Jugendphase

Die Sozialisation in der Jugendphase ist ein wichtiger Grundbaustein für die weitere Entwicklung Jugendlicher. So ist diese eine eigenständige, wichtige Lebensphase, in der „erhebliche Veränderungen der körperlichen, geistigen, emotionalen und sozialen Entwicklung bewältigt werden“1 müssen. Die Entwicklung einer intellektuellen und sozialen Kompetenz, des inneren Bildes von Geschlechtszugehörigkeit, aber auch die Entwicklung selbstständiger Handlungsmuster für die Nutzung des Konsumwarenmarktes, eines Werte- und Normsystems und eines politischen und ethischen Bewusstseins gehören zu den elementaren Entwicklungsaufgaben in der Jugendphase2.

Um sich zu einem handlungsfähigen und autonomen Individuum zu entwickeln und die eigene Identität mit ihren Werten und Normen in der Gesellschaft zu finden und sich zu integrieren, erfolgt die Phase der produktiven Auseinandersetzung mit der inneren und äußeren Realität in turbulenter Form. Gekennzeichnet ist die Phase durch eine schrittweise Distanzierung vom Elternhaus und der Zunahme von Kontakten zu Gleichaltrigen, welche einen wichtigen Stellenwert einnehmen. Für Jugendliche ist es von besonderer Bedeutung in einer Gruppe integriert zu sein und sowohl Anerkennung als auch Akzeptanz zu erhalten. Typisch für die Jugendphase sind zudem die Such- und Tastphase, das Ausprobieren von Grenzen und Neuem und eine Protesthaltung. Oftmals kann psychischer Stress entstehen, da nicht alle Jugendlichen die soziale Kompetenz und Bewältigungsstrategie haben, um diesen Anforderungen gerecht zu werden.3

Hierdurch entsteht eine eigenartige Mischung aus Selbständigkeit und Abhängigkeit, aus Selbst- und Fremdbestimmung, die hohe Spielräume und zugleich auch Zwänge für die Lebensgestaltung mit sich bringt. Vor allem im Freizeit- und Konsumbereich, bei der Nutzung von Medien […] ist der Spielraum Jugendlicher für selbstbestimmte Verhaltensweisen heute relativ groß.4

2.1 Definition Sozialisation

Der Sozialisationsbegriff ist vielfältig aufzufassen und gibt zahlreiche Möglichkeiten der Definition. So betrachtet Hurrelmann Sozialisation wie folgend:

Sozialisation ist die lebenslange Aneignung von und Auseinandersetzung mit den natürlichen Anlagen, insbesondere den körperlichen und psychischen Grundmerkmalen, die für den Menschen, die „innere Realität“ bilden, und der sozialen und physikalischen Umwelt, die für den Menschen die „äußere Realität“ bilden.5

Diese These besagt, dass Sozialisation ein lebenslanger Prozess ist, bei dem sich die Persönlichkeit in „wechselseitiger Abhängigkeit von der gesellschaftlich vermittelten sozialen und materiellen Umwelt entwickelt“6.

Der Sozialisand agiert dabei aktiv als Gestalter seiner Umwelt und setzt sich sowohl aktiv als auch produktiv mit der sozialen und materiellen Umwelt und sich selbst auseinander. Die kommunikative Kompetenz bietet hierbei die zentrale Grundlage der Sozialisationsprozesse, zu welchen sämtliche Erziehung- und Lernprozesse zählen. Mithilfe dieser soll das Individuum handlungs- und gesellschaftsfähig durch die Verinnerlichung gesellschaftlicher Werte, Normen und Verhaltensweisen werden, um verschiedene Rollen in der Gesellschaft übernehmen zu können.7

2.2 Sozialisationstheorie nach Hurrelmann

Folgt man Hurrelmanns Sozialisationstheorie, teilt sich die Sozialisation in sieben Thesen auf. Als erste These bezeichnet Hurrelmann, dass die Sozialisation sich in einem Wechselspiel von Anlage und Umwelt vollzieht. Dabei stellen die Gene nur Möglichkeiten zur Verfügung, die abhängig von der Umwelt aktiviert werden. So können genetische Veranlagungen durch äußere Einflüsse zurückgehalten oder aber auch freigelegt werden. Die eine Hälfte der Persönlichkeits- und Verhaltensmerkmale und eines Menschen lässt sich somit von den genetischen Dispositionen ableiten, während die andere Hälfte auf die Bedingungen der eigenen Umwelt zurückzuführen ist.8

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung1: Das Zusammenspiel von Anlage und Umwelt bei der Persönlichkeitsentwicklung

Als zweite These benennt Hurrelmann den Verlauf der Persönlichkeitsentwicklung in wechselseitiger Relation von körperlichen und psychischen Anlagen, welche die innere Realität bilden, und den sozialen und physikalischen Umweltbedingungen, welche hingegen die äußere Realität bilden. So ist die Art und Weise, wie mit den eigenen Anlagen umgegangen wir einzigartig und individuell. Die innere Realität setzt sich dabei aus der genetischen Veranlagung, der körperlichen Konstitution, der Intelligenz, dem psychischen Temperament und den Grundstrukturen der Persönlichkeit zusammen. Die äußere Realität dagegen wird durch die Familie, Freundesgruppen, Erziehungs- und Bildungseinrichtungen, soziale Organisationen, Massenmedien, Arbeitsbedingungen, Wohnbedingungen und der physikalischen Umwelt charakterisiert. Das Verhältnis der beiden Realitäten wird immer wieder neu eingestellt während des Verlaufs der Persönlichkeitsentwicklung und vorübergehend in ein Gleichgewicht gebracht.9

Betrachtet man die dritte These nach Hurrelmann, so lässt sich Sozialisation als „Prozess der dynamischen und ‚produktiven’ Verarbeitung der inneren und äußeren Realität“10 ansehen. Der Begriff „produktiv“ ist in diesem Zusammenhang mit „prozesshaft“ gleichzustellen, da verdeutlicht werden soll, dass Sozialisation eine aktive und dynamische Aktion ist, wenn auch sie nicht dauerhaft präsent im Bewusstsein ist. Das Individuum hat dabei die ständige Aufgabe seine eigenen Anlagen und deren Veränderung zu beobachten und zu diagnostizieren und sein Handeln dabei anzupassen. Gleiches gilt für die äußere Realität, bei welcher ebenfalls Veränderungen betrachtet werden müssen und anschließend das eigene Handeln einbezogen werden muss.11

Der vierten These folgend setzt eine gelingende Persönlichkeitsentwicklung eine den eigenen Anlagen angemessene soziale und materielle Umwelt voraus, wobei die wichtigsten Vermittler als Sozialisationsinstanzen hierfür Familie, Kindergärten und Schulen sind. Die Familie ist in diesem Zusammenhang eine primäre Sozialisationsinstanz, da sie eine Schlüsselfunktion im Sozialisationsprozess hat und vor allem in den ersten Jahren eines Menschen zentral ist. Grundlegende Strukturen der Persönlichkeitsentwicklung sind durch den Kontakt in der Familie geprägt. Jedoch werden die Sozialisationsimpulse in der Familie im Verlauf des Heranwachsens mit Impulsen aus Kindergärten, Schulen oder Ausbildungsbereiche überdeckt. Durch mehrere Bezugspersonen mit unterschiedlichen Erfahrungen kann es so zu Entwicklungsproblemen bei Kindern und Jugendlichen kommen, da die Sozialisationsimpulse und Erziehungsstile widersprüchlich sein können.12

Hurrelmanns fünfte These erweitert den Einfluss der Persönlichkeitsentwicklung um weitere soziale Organisationen und Systeme, die Funktionen für Arbeit, Freizeit, Unterhaltung und soziale Kontrolle erbringen. Aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklung sind eine soziale Verlagerung und somit verbreitetere Sozialisationseffekte entstanden, die Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung des Individuums haben, welcher viel Kontakt zu diesen hat. Ursprünglich nicht für die Sozialisation entstandene soziale Systeme werden somit auch zu wichtigen Sozialisationsinstanzen. Wie bereits erwähnt gehören zu den ‚primären Sozialisationsinstanzen’ Familie und Freundeskreis und zu den ‚sekundären Sozialisationsinstanzen Institutionen wie Kindergärten, Schulen oder Hochschulen. Als ‚tertiäre Sozialisationsinstanzen’ lassen sich die Massenmedien und die Peergroup finden, aber auch öffentliche Institutionen aus Politik, Wirtschaft, Justiz, Religion, Freizeiteinrichtungen etc. Obgleich jene keine direkte Aufgabe im Bezug zur Sozialisation haben, entstehen durch die intensive Einlassung der Nutzer bedeutsame Konsequenzen für deren Persönlichkeitsentwicklung. Dabei wirken die drei Gruppen der Sozialisationsinstanzen in einem wechselseitigen Verhältnis.13

Nach der sechsten These von Hurrelmann besteht die Persönlichkeitsentwicklung lebenslang aus einer „nach Lebensphasen spezifischen Bewältigung von Entwicklungsaufgaben“14. In jedem Lebensalter bestehen Anforderungen, welche als ‚Entwicklungsaufgaben’ bezeichnet werden. Die erfolgreiche Lösung jener gewährleistet die Weiterentwicklung der Persönlichkeit. Es sind grundlegende Fähigkeiten von Nöten, um eine Verarbeitung vornehmen zu können, wobei jeder Verlauf von Aneignung und Auseinandersetzung die Kenntnisse und das Können des Sozialisanden weiterentwickelt. Unter Verarbeitung ist in diesem Zusammenhang auch die Arbeit am eigenen Selbst gemeint, wobei innere und äußere Realität in Einklang gebracht werden sollen. Bis zum Ende der Adoleszenz bauen Jugendliche ein Verhältnis von äußeren Erwartungen und inneren Bedürfnissen auf, wodurch eine intensive Spannung von Individualität und sozialer Integration entsteht. Vor allem in den Industriegesellschaften kann davon ausgegangen werden, dass die Persönlichkeitsentwicklung nie komplett abgeschlossen ist, sondern viel mehr in Schüben im Fluss befindet.15

[...]


1 Vgl. Hurrelmann, Klaus: Lebensphase Jugend: Eine Einführung in die sozialwissenschaftliche Jugendforschung. 7., vollständig überarbeitete Aufl. Weinheim, Basel: Beltz Juventa 2004, S. 7.

2 Vgl. Hurrelmann: Lebensphase Jugend, S. 27f.

3 Vgl. Ebd. S. 33f.

4 Vgl. Ebd. S. 8.

5 Vgl. Hurrelmann, Klaus: Einführung in die Sozialisationstheorie. 8., vollständig überarbeitete Aufl. Weinheim: Beltz Studium 2002, S. 15f.

6 Vgl. Hurrelmann: Einführung in die Sozialisationstheorie, S.15.

7 Vgl. Ebd. S.11f.

8 Vgl. Ebd. S. 24.

9 Vgl. Hurrelmann: Einführung in die Sozialisationstheorie, S. 26f.

10 Vgl. Ebd. S. 28.

11 Vgl. Ebd. S. 28f.

12 Vgl. Ebd. S. 30f.

13 Vgl. Hurrelmann: Einführung in die Sozialisationstheorie, S. 32ff.

14 Vgl. Ebd. S. 35.

15 Vgl. Ebd. S. 35ff.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung von Medien für Heranwachsende. Social Media als Sozialisationsinstanz für Jugendliche am Beispiel Instagram
Hochschule
Universität zu Köln  (Humanwissenschaftliche Fakultät)
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
15
Katalognummer
V594764
ISBN (eBook)
9783346171122
ISBN (Buch)
9783346171139
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Instagram, sozialisation, sozialisationsinstanz, social media, Jugendliche
Arbeit zitieren
Vitalina Reisenhauer (Autor), 2017, Die Bedeutung von Medien für Heranwachsende. Social Media als Sozialisationsinstanz für Jugendliche am Beispiel Instagram, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/594764

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Bedeutung von Medien für Heranwachsende. Social Media als Sozialisationsinstanz für Jugendliche am Beispiel Instagram



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden