Der soziale Alltag in unserer Gesellschaft ist geprägt und durchwirkt von Interaktions-und Kommunikationsprozessen. Diese dienen dazu, Handlungsweisen aufeinander abzustimmen, Bedürfnisse und Emotionen auszudrücken sowie Wissen zu vermitteln und anderen eigene Gedanken mit zu teilen. Kommunikation ist dabei Ausdruck eines essenziellen Mitteilungsbedürfnisses. Dies betrifft sowohl den beständigen Wunsch nach Informationen, als auch das Bestreben nach Integration in die gemeinsame soziale Welt. (vgl. CRYSTAL, 1995, S. 10)
Dabei ist sprachlich vermittelte Kommunikation nicht nur auf die Vermittlung von referentiellen Sprechakten beschränkt. Sprachlich vermittelte zwischenmenschliche Kommunikation bezieht sich auch auf die Gefühlslagen und die situativ abhängigen Befindlichkeiten der jeweilig beteiligten Kommunikanten. Diese Sprechakte zwischenmenschlicher Kommunikation finden sich in gängigen Kommunikationsmodellen, wie beispielsweise in dem „Vier-Seiten Modell“ von SCHULZ VON THUN analytisch zergliedert wieder. SCHULZ VON THUN (1998) beschreibt in diesem Modell die zwischenmenschliche Kommunikation als eine wechselseitige, sich in den Nachrichten des jeweilig anderen aufeinander beziehende interaktive Handlungsweise. Diese wird durch vier Bestandteile dargestellt: den Sachinhalt, die Selbstoffenbarung, die Beziehung und den Appell (siehe SCHULZ VON THUN, 1998, S. 25ff).
Inhaltsverzeichnis
- Das Modell der Humankommunikation als Voraussetzung für die gewaltfreie Kommunikation
- Die vier Seiten einer Nachricht
- Kommunikationszufriedenheit
- Kommunikationsökonomie
- Kommunikativer Habitus in der gewaltfreien Kommunikation nach ROSENBERG (2004) im Sinne einer Humankommunikation (JOURDAN 1993)
- Der Prozess der gewaltfreien Kommunikation
- Anwendungsbeispiel
- Beispiel: Schmutzige WG Küche
- Beobachtung
- Gefühle
- Bedürfnis
- Bitte
- Mediation und gewaltfreie Kommuniktion
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Dieser Text befasst sich mit dem Modell der Humankommunikation als Grundlage für gewaltfreie Kommunikation. Er untersucht die vier Seiten einer Nachricht nach Schulz von Thun und erweitert diese um die Konzepte der Kommunikationszufriedenheit und -ökonomie nach Jourdan.
- Das Modell der Humankommunikation nach Schulz von Thun
- Die Bedeutung von Kommunikationszufriedenheit
- Die Einflussfaktoren der Kommunikationsökonomie
- Die Anwendung der gewaltfreien Kommunikation in konkreten Situationen
- Die Rolle der Mediation in der gewaltfreien Kommunikation
Zusammenfassung der Kapitel
Der Text beginnt mit einer Einführung in das Modell der Humankommunikation, das von Schulz von Thun entwickelt wurde. Dieses Modell analysiert die vier Seiten einer Nachricht: Sachinhalt, Selbstoffenbarung, Beziehung und Appell. Anschließend wird das Modell um die Konzepte der Kommunikationszufriedenheit und -ökonomie nach Jourdan erweitert. Es wird erläutert, wie die Kommunikation durch Faktoren wie Symmetrie, Gleichverteilung asymmetrischer Handlungen, gemeinsame Gestaltung des kommunikativen Rahmens und eine offene Kommunikationshaltung optimiert werden kann. Außerdem werden die Einflussfaktoren der Kommunikationsökonomie, wie physische, psychische, mentale, kommunikationstechnische, kommunikationsethische, kulturelle, politische, gesellschaftliche, sozialpsychologische Faktoren, dargestellt.
Im weiteren Verlauf des Textes wird der Prozess der gewaltfreien Kommunikation nach Rosenberg (2004) im Sinne einer Humankommunikation (Jourdan 1993) vorgestellt. Dabei wird der Schwerpunkt auf die vier Schritte Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte gelegt.
Abschließend wird die Anwendung der gewaltfreien Kommunikation in konkreten Situationen, beispielsweise in einer WG-Küche, anhand eines Beispiels illustriert. Der Text zeigt, wie durch die Anwendung der gewaltfreien Kommunikation Konflikte gelöst und eine positive Kommunikationsatmosphäre geschaffen werden kann.
Schlüsselwörter
Humankommunikation, gewaltfreie Kommunikation, Schulz von Thun, Vier-Seiten-Modell, Kommunikationszufriedenheit, Kommunikationsökonomie, Jourdan, Rosenberg, Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis, Bitte, Mediation.
Häufig gestellte Fragen
Was sind die vier Seiten einer Nachricht nach Schulz von Thun?
Jede Nachricht enthält vier Botschaften: den Sachinhalt, die Selbstoffenbarung (was ich von mir kundgebe), die Beziehung (was ich von dir halte) und den Appell (was ich von dir will).
Welche Rolle spielt die gewaltfreie Kommunikation (GFK) im Alltag?
GFK dient dazu, Bedürfnisse und Gefühle auszudrücken, ohne den anderen zu verurteilen, um so Konflikte konstruktiv zu lösen und die Kommunikation zu verbessern.
Was sind die vier Schritte der GFK nach Marshall B. Rosenberg?
Der Prozess besteht aus: 1. Beobachtung (ohne Bewertung), 2. Gefühl, 3. Bedürfnis und 4. einer konkreten, erfüllbaren Bitte.
Was versteht man unter Kommunikationsökonomie?
Die Kommunikationsökonomie nach Jourdan betrachtet verschiedene Einflussfaktoren wie physische, psychische, kulturelle und gesellschaftliche Bedingungen, die den Erfolg einer Nachricht beeinflussen.
Wie kann GFK am Beispiel einer WG-Küche angewendet werden?
Statt Vorwürfen („Du bist unordentlich“) formuliert man eine Beobachtung („Das Geschirr steht seit gestern hier“), nennt das Gefühl („Ich bin genervt“), das Bedürfnis nach Ordnung und eine Bitte.
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- Michael Frenz (Author), 2006, Das Modell der Humankommunikation als Voraussetzung für die gewaltfreie Kommunikation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59500