In der Vergangenheit zeigten sich viele Beispiele, in denen ein ungenügendes Risikomanagement zu Finanzkrisen in Unternehmen wie Metallgesellschaft AG (1993), Baring’s (1995)etc. geführt hat. Vor diesem Hintergrund und aufgrund aktueller Entwicklungen wie die Liberalisierung der Finanzmärkte, Entwicklung von Finanzinnovationen und vor allem der bankaufsichtsrechtlichen Neuregelungen werdenhöhere Anforderungenan dasbankinterne Erfolgs- und Risikomanagementgestellt. Sowohl der effiziente Einsatz von Risikokapital als auch die Limitierung von Risiken sind essenziell im Bankgeschäft. Dabei nimmt dieBedeutung des Value-at-Risk(VaR) als Risikomaß zu. Durch die kürzlich eingeführte bankaufsichtsrechtliche Anerkennung des VaR wurde seine breite Akzeptanz entscheidend gesteigert. Dies führte neben einer Anregung zur Messung der Risiken innerhalb der Banken auch zu einer Forderung nach Limitierung von Risiken durch den VaR. Vor allem der Handelsbereich innerhalb einer Bank ist hiervon betroffen. Ein konsistentes Limitsystem auf Basis des VaR führt zu organisatorischer Vereinfachung und effizienteren Ergebnissen. Bisherige Limitsysteme durch Volumenbeschränkung der Positionen berücksichtigen das Risiko nur unzureichend, weswegen eine Weiterentwicklung den Einsatz des VaR als Basis für ein vorteilhaftes Limitsystem benötigt.
Trotzdem beschäftigt sich die Forschung hauptsächlich mit der Risikomessung und weniger mit der Risikosteuerung. Diese Arbeit soll den Einsatz vonVaRLimitsystemen als Instrumentender Risikosteuerungdarstellen. Ziel dieser Arbeit ist es, zu zeigen, welche Möglichkeiten bestehen, ein schlüssiges VaR-Limitsystem in Banken und dabei vor allem im Eigenhandelsbereich einzurichten. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Value-at-Risk
2.1 Definition und Aussage des VaR
2.2 Berechnung des VaR
3. Limitsysteme in Banken
3.1 Gestalt und Wirkungsweise von Limitsystemen
3.2 Gründe für die Einführung von Limitsystemen
3.3 Eignung des VaR für Limitsysteme
4. Value-at-Risk Limitsysteme
4.1 Zeitadjustierung der Limite
4.1.1 Die SQRT-Methode
4.1.2 Weitere Ansätze
4.2 Allokation des Gesamtlimits auf die Handelsbereiche
4.2.1 Anforderungen an eine effiziente Risikokapitalallokation
4.2.2 Allokationsmethoden
4.2.2.1 Zentrale Optimierungsansätze
4.2.2.2 Optimierung durch Einführung eines Treasurers
4.2.2.3 Interner Markt für Risikokapital
4.3 Variabilität der Limite
4.3.1 Starre Limite
4.3.2 Verlustbegrenzungslimite
4.3.3. Dynamische Limite
4.3.4 Limitvergleich
4.3.5 Weitere Ansätze
5. Schlussbetrachtungen
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit verfolgt das Ziel, Möglichkeiten für die Einrichtung eines schlüssigen VaR-basierten Limitsystems in Banken, primär im Bereich des Eigenhandels, aufzuzeigen und dabei die Risikosteuerung als zentrales Instrument zu beleuchten.
- Bedeutung des Value-at-Risk für das Risikomanagement
- Methoden der zeitlichen Disaggregation und Skalierung von Limits
- Allokation von Risikokapital auf verschiedene Handelseinheiten
- Vergleich und Evaluation verschiedener Limitkonzepte wie starre, verlustbegrenzte und dynamische Limite
- Simulation von Handelsstrategien und deren Auswirkungen auf das Gesamtrisiko
Auszug aus dem Buch
4.2.2.2 Optimierung durch Einführung eines Treasurers
DRESEL schlägt zur Lösung des Problems der sich verändernden Korrelationen durch Verschiebungen der Portfoliozusammensetzungen die Einführung eines sog. Treasurers vor. Dieser „Residualhändler“ bekommt das VaR-Limit zugewiesen, das aufgrund einer kleiner als erwarteten Korrelation zwischen den Portfolios der Händler nicht ausgenutzt wird. Er handelt dann einen Index aus gleichgewichteten Anteilen der einzelnen Wertpapiere und stellt sein Exposure so ein, dass der Gesamt VaR genau eingehalten wird.
In einer Simulationsstudie zeigt DRESEL, dass der Gesamtertrag der Handelsabteilung durch die Einführung des Treasurers im Mittel um mehr als 100% steigt. Gleichzeitig steigt jedoch auch die Standardabweichung des Gesamtertrages um mehr als das Doppelte. Durch die Einführung des Treasurers wird eine deutlich höhere Auslastung des Gesamtlimits erreicht, wodurch folgerichtig auch ein höheres tägliches Gesamtinvestitionsvolumen erreicht wird. Dies ermöglicht die Erwirtschaftung höherer Erträge, bringt jedoch gleichzeitig eine höhere Volatilität des Gesamtportfolios mit sich. Das VaR Limit wird jedoch in Höhe des geforderten Konfidenzniveaus eingehalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit moderner Risikomanagementsysteme angesichts von Finanzkrisen und regulatorischen Anforderungen, wobei der Value-at-Risk als zentrales Instrument positioniert wird.
2. Der Value-at-Risk: Dieses Kapitel erläutert die Konzeption des VaR als Downside-Risikomaß sowie die gebräuchlichen Berechnungsmethoden wie die Varianz-Kovarianz-Methode.
3. Limitsysteme in Banken: Hier wird die Rolle von Limitsystemen als Instrument des passiven Risikomanagements untersucht, insbesondere deren Gestalt, die Gründe für ihre Einführung und die Eignung des VaR als Basis.
4. Value-at-Risk Limitsysteme: Der Hauptteil der Arbeit analysiert detailliert die praktische Implementierung, von der zeitlichen Anpassung über Allokationsmethoden wie die zentrale Optimierung und den internen Markt, bis hin zur Variabilität der Limite.
5. Schlussbetrachtungen: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert die kritischen Herausforderungen, insbesondere die Problematik instabiler Korrelationen und das Versagen des VaR in Extremszenarien.
Schlüsselwörter
Value-at-Risk, VaR, Risikomanagement, Limitsysteme, Eigenhandel, Risikokapital, Kapitalallokation, Marktrisiko, Treasurer, SQRT-Methode, Portfolio-Varianz, Korrelation, Risikosteuerung, Bankenaufsicht, Simulation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und dem Einsatz von Limitsystemen auf Basis des Value-at-Risk (VaR), um das Risikomanagement und die Risikokapitalallokation in Banken effizienter zu gestalten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die mathematische Berechnung des VaR, die zeitliche Skalierung von Risikolimiten, verschiedene Methoden zur Allokation von Risikokapital an Handelseinheiten sowie der Vergleich unterschiedlicher Limit-Steuerungsmodelle.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie ein schlüssiges VaR-Limitsystem im Eigenhandelsbereich eingerichtet werden kann, das eine effiziente Steuerung und Maximierung des Ergebnisses bei gleichzeitiger Risikobegrenzung ermöglicht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus theoretischer Fundierung, mathematischer Modellierung und einer computergestützten Simulationsrechnung, um die Auswirkungen verschiedener Allokationsansätze und Limit-Variabilitäten zu prüfen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Verfahren zur zeitlichen Adjustierung von Limiten (SQRT-Methode), Strategien zur Risikokapitalallokation (Zentrale Optimierung, Treasurer-Modell, interner Markt) sowie verschiedene Limit-Systematiken (starre, verlustbegrenzte und dynamische Limite) detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Value-at-Risk, Risikokapitalallokation, Limitmanagement, Eigenhandel, Korrelation und Risikosteuerung charakterisiert.
Welche Funktion hat der "Treasurer" in den vorgestellten Modellen?
Der Treasurer fungiert als Residualhändler, der das nicht genutzte Risikokapital anderer Händler übernimmt, um die durch Korrelationseffekte entstandene Unterauslastung des Gesamtlimits zu kompensieren und so die Handelseffizienz zu steigern.
Warum ist die Instabilität von Korrelationen ein Problem für Limitsysteme?
Da Korrelationen zwischen Handelsportfolios ex-ante oft nicht exakt bekannt sind und über die Zeit stark schwanken können, besteht bei einer statischen Allokation die Gefahr einer systematischen Limitüberschreitung oder einer ineffizienten Unterauslastung des knappen Risikokapitals.
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- Michael Frick (Author), 2005, Limitsysteme auf Basis des Value-at-Risk in Banken, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59510