Das Bild des Okzidents im Orient. Eine Reflexion der arabischen Gesellschaften durch eine massenmediale Diskursanalyse zwischen den Kulturen


Essay, 2019

32 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

EINE BESCHREIBUNG DER ARABISCHEN KULTUR

DIE TEILUNG DER ARABISCHEN KULTUR

DIE BEDUINENGESELLSCHAFT

DIE BAUERNGESELLSCHAFT

DIE STÄDTISCHE GESELLSCHAFT
Die Bourgeoisie /Bürgertum
Die ärmere und arme gesellschaftliche Schicht

EIN ÜBERBLICK ÜBER DIE BEZIEHUNG ZWISCHEN DEM ARABISCHEN ORIENT UND DEM OKZIDENT
Die Ebene der Verbreitung des Islam
Die Ebene der Kreuzzüge und des Orientalismus
Die Ebene des Imperialismus, des Kolonialismus und der Globalisierung

EIN ÜBERBLICK ÜBER DIE ARABISCHEN MASSENMEDIEN

EINE ANALYSE DES MEDIALEN DISKURSES ZWISCHEN ORIENT UND OKZIDENT

SCHLUSSFOLGERUNG

LITERATURLISTE

EINLEITUNG

Es war immer meine Ambition, eine ergänzende Arbeit zu meiner Dissertation zu schreiben. Die Dissertation bearbeitete vor mehr als 10 Jahren die interkulturelle Kommunikation in Bezug auf die Beziehung zwischen dem sogenannten orientalischen arabisch-muslimischen Raum und dem sogenannten okzidentalen europäisch-amerikanischen Raum. Sie konzentrierte sich auf das Bild des Orients in der Wahrnehmung der okzidentalen öffentlichen Meinung durch die Analyse der Massenmedien am Beispiel der österreichischen Printmedien.

Heute behandelt diese Arbeit das Bild des Okzidents in der Wahrnehmung der arabischen Öffentlichkeit durch eine Analyse der arabischen Massenmedien.

Die Arbeit fängt mit einer Beschreibung der arabischen Kultur an. Sie wird als homogen, mosaikisch, pluralistisch, übergängig, entfremdet und als expressiv erklärt.

Die Arbeit fährt dann mit der Teilung der arabischen Gesellschaften fort. Sie teilt diese Gesellschaften in Beduinen -, Bauern - und in städtische Gesellschaften, die miteinander in Dependenz, Kooperation und in Konkurenz zusammenleben, ein.

Dann erklärt die Arbeit in einem Überblick die Beziehung zwischen dem arabischen Orient und dem Okzident. Die Verbreitung des Islam, die Kreuzzüge, Imperialismus, Kolonialismus, Orientalismus und Globalisierung sind Phänomene, die die konstruktive und destruktive Entstehung und Entwicklung der interkulturellen Interaktionen zwischen dem Orient und dem Okzident über die Geschichte reflektieren und die Dynamik der heutigen Kommunikation zwischen den Kulturen spiegeln.

Im Rahmen von Konflikt und Dialog zwischen den Kulturen wird die gegenwärtige massenmediale Kommunikationsumwelt im arabischen Raum beobachtet. Die Arbeit will eine Diskursanalyse der arabischen Printmedien machen, um einen Überblick über die Sicht der arabischen öffentlichen Meinung gegenüber dem Okzident zu präsentieren.

Die Arbeit wählt für ihre Analyse drei arabischen Zeitungen, die so unabhängig wie möglich innerhalb ihrer kulturellen Landschaft sein können.

Es wird Al-Arab Zeitung ‚العرب’ als internationale Zeitung, Al-Hayat Zeitung ‘الحياة’ als regionale und internationale Zeitung und Al-Khaleej Zeitung ‚الخليج’ als lokale und regionale Zeitung für die Diskursanalyse gewählt, um die folgenden Hypothesen zu verifizieren oder zu falsifizieren:

- Der Blick der arabischen Öffentlichkeit gegenüber dem Okzident besteht aus folgenden Richtungen:

- Die 100% arabische blinde Imitation des Okzidents, Assimilation und die absolute Abneigung der eigenen Authentizität.
- Die absolute Ablehnung des Okzidents und die blinde Festhaltung an den eigenen Ideologien und Radikalitäten und die unklare Mischung zwischen Tradition, Religion und Politik.
- Die ausgewogene Richtung, die ihre eigene authentische kulturelle Identität behält, auf sie durch konstantes Lernen aufbaut, und sich von den konstruktiven Perspektiven des Okzidents inspirieren lässt.

- Die gegenwärtige interkulturelle Beziehung zwischen dem Orient und dem Okzident beruht auf der Abhängigkeit der arabischen Welt vom Okzident im konsturktiven und im destruktiven Sinne. Die arabische Öffentlichkeit besitzt die Wahrnehmung, dass der Okzident für sie unter allen Umständen verantwortlich ist. Die arabische Welt macht den Okzident für ihren Erfolg und für ihren Misserfolg verantwortlich, und sie wartet immer darauf, dass der Okzident sie in welche Richtung auch immer führt. Die interkulturelle Beziehung blieb und ist immer eroberisch und erschien und erscheint immer wieder in verschiedenen Gewändern von Konflikt und Dialog. Auf jeden Fall ist die unbewusste Wahrnehmung der arabischen öffentlichen Meinung, dass diese Abhängigkeit vom Okzident selbstverständlich ist, weit verbreitet und diese arabische öffentliche Meinung fühlt sich in ihrer Existenz und Entwicklung mit dem Okzident verbunden.

EINE BESCHREIBUNG DER ARABISCHEN KULTUR

Wie in meiner Dissertation erklärt wurde, beschreibt der Soziologe Halim Barakat die arabische Gesellschaft als eine Einheit von zusammentreffenden Widersprüchen. Das bedeutet, dass kulturelle Eigenschaften einander widersprüchlich gegenüberstehen, doch auch mit ihrer Gegenseitigkeit zusammen leben.

Halim Barakat beschreibt die arabische Gesellschaft mit den folgenden Merkmalen der Widersprüchlichkeit, die einerseits zu einer Vielfalt, aber auch zu einer Zerstreutheit führt:

- Die arabische Gesellschaft ist eine Einheit: aber auch eine chaotische Gesellschaft, weil die politische Ordnung und Organisation fehlt.
- Die arabische Gesellschaft besteht aus einer Vielfalt, die abhängig von der Umwelt ist, wie auch von der gesellschaftlichen Ordnung, der wirtschaftlichen Situation, der geographischen Angehörigkeit, der Kultur, der Phase der Entwicklung und der Tradition.

Durch diese Faktoren entstehen in der arabischen Gesellschaft die folgenden Arten des sozialen Lebens:

- Das homogene Leben:

Dieser Lebensart gehört jene Gesellschaft an, die als die idealste beschrieben wird. Denn hier ähneln sich die Teile der Gesellschaft -unabhängig von ihren kleinen Verschiedenheiten- in den meisten Lebensweisen. Sie besitzt einen menschlichen Konsens, eine politische Einheit, eine geographisch-landwirtschaftliche Einheit am “Nil“ und in den Oasen in der Wüste. Sie besitzt eine geschichtliche Tradition.

Diese Art der Gesellschaft befindet sich in Ägypten, Libyen und in Tunesien.

- Das mosaikische Leben:

Dieser Lebensart gehört die Gesellschaft an, die das Gegenteil der homogenen Gesellschaft ist. Sie besteht aus mehreren gesellschaftlichen Gruppierungen, die sich mit ihrer Lebensweise über die allgemeine Lebensart hinwegsetzen.

Diese Art der Gesellschaft hat keine Harmonie in sich. Sie besteht aus der Anpassung aneinander und aus dem Konflikt untereinander, weil die Gruppierungen sich nicht auf eine gemeinsame Basis einigen können. Das führt zu einer politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Konfrontation.

Ein klares Beispiel für diese Art der Gesellschaft ist der Libanon. Denn das Land besteht aus mehreren gesellschaftlichen Gruppierungen, die eine eigene Identität als sogenannte „Schare“ besitzen. Durch das Festhalten der Gruppierungen an ihren verschiedenen Identitäten, verliert das Land sein politisches, wirtschaftliches und gesellschaftliches Gleichgewicht, wo die Menschen zwischen dem Versuch des Zusammenlebens und den Konflikten überleben.

- Die pluralistische Gesellschaft:

Es ist eine Art der arabischen Gesellschaft, die aus verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen besteht, die ihre eigene Identität besitzen, die es aber geschafft haben, eine Art des Zusammenlebens zu kultivieren, indem sie einen zentralistischen Staat gebaut haben und indem sie sich auf eine gemeinsame Basis einigen.

Es besteht immer die Gefahr innerer Konflikte zwischen der Mehrheit und der Minderheit des Volkes, da keine wirkliche Demokratie vorhanden ist, aber die Konflikte bleiben innere Konflikte.

Diese Art der Gesellschaft besteht beispielsweise in Jordanien, Syrien, Algerien, Irak und im Jemen.

- Die arabische Gesellschaft als eine „ übergängige“ Gesellschaft:

Sie lebt in einer Art der Zerrissenheit zwischen Tradition und Moderne, zwischen der Idee der Teilung oder Einigung der arabischen Welt, zwischen den reichen herrschenden Klassen und den armen proletarischen Klassen und zwischen Unterordnung und Patriotismus.

- Die arabische Gesellschaft ist eine entfremdete Gesellschaft:

Seit der Niederlage in den Kriegen von 1967 und durch die Eroberung von Beirut im Jahr 1982 lebt die arabische Gesellschaft einen Pessimismus und eine Schwäche gegenüber äußerlichen Konfrontationen. Das bedeutet, dass die arabische Welt keine Kontrolle über sich selbst oder über ihre Bodenschätze oder über ihre Wirtschaft oder Politik hat. Und so lebt die Gesellschaft in einer Unsicherheit ohne Courage oder Ziel oder Ambition. Das führt zu einem Fremdheitsgefühl der arabischen Gesellschaft in ihrer eigenen Heimat.

- Die arabische Gesellschaft ist eine Gesellschaft, die aus den sozialen Beziehungen entsteht und die als natürlich und spontan definiert werden kann. Das bedeutet, die Gruppenbeziehungen sind eine Priorität in der arabischen Gesellschaft, wo die Individuen für die und durch die gemeinsame Gruppe der Gesellschaft existieren.
- Die arabische Gesellschaft ist eine expressive Gesellschaft:

Die Individuen der Gesellschaft leben von der Spontanität, Emotionalität und Offenheit des Ausdrucks. Sie drücken sich ohne Planung oder Zukunftsdenken über ihr Glück oder ihre Traurigkeit - oder andere Gefühle- gegenüber ihrer Lage oder ihrer Umgebung aus.

DIE TEILUNG DER ARABISCHEN KULTUR

DIE BEDUINENGESELLSCHAFT

Der Begriff Beduinentum kommt vom arabischen Wort Al.Badia ‘البادية’. Er bedeutet der Anfang. Und er symbolisiert die anfängliche einfache Lebensart der Menschen, die auf einer existenziellen grundsätzlichen Lebensweise beruht.

Die Beduinen leben normalerweise in der Wüste und sie gestalten eine Lebensart, die aus der Anpassung an die Härte der Natur und an die Hitze des Klimas besteht.

Nur 5% der arabischen Bevölkerung lebt in der Wüste, obwohl ihre Fläche 80% des arabischen Bodens ausmacht.

Das soziale System der Beduinengesellschaft baut auf der Blutsverwandtschaft auf, worin die Individuen für die Familienverwandtschaft und von ihr leben und sich für sie opfern.

Die gesellschaftliche Ordnung der Beduinen bildet sich vom kleinen Familienkreis zum Clan Al.Hamula ‚الحمولة‘ bis zum Stamm Al.Aschiira ‚العشيرة.’ Die Familie besteht aus Mutter, Vater, Söhnen und ihren Gattinnen und Kindern und den nicht verheirateten Töchtern. Denn die Töchter, die heiraten, gehören den Familien ihrer Männer an.

Der Clan besteht aus mehreren Familien, die einem Grossvater gehören, der normalerweise fünfter Generation ist.

Der grösste Kreis ist der Stamm. Er besteht aus allen Familien und Clänen. Der Stamm hat ein Oberhaupt, der Scheich ‘شيخ‚ genannt wird. Er ist der Repräsentant seines Stammes gegenüber anderen Stämmen, gegenüber dem Staat und den anderen Gesellschaften der Welt.

Die Beduinen beziehen sich auf Religion, aber vermischen sie mit ihren eigenen Ritualen und Praktiken.

Die Beduinen haben ihre eigenen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Systeme gebildet, die sich weder an eine Gesellschaft noch an einen Staat binden.

Die Beduinen halten an ihren eigenen Werten fest, weil sie sich dadurch definieren und weil sie glauben, dass ihre Existenz davon abhängt. Die Werte zeigen sich im Zusammenhalt, im Rittertum, in Gastfreundschaft und an den Werten des täglichen Zusammenlebens: der Einfachheit, der Toleranz, der Ehrlichkeit, der Geduld, der Freiheit, der Spontaneität und der Selbständigkeit.

Heute versuchen die Staaten das Beduinentum abzuschaffen, um eine Kontrolle über die Grenzen zu erschaffen. Um dies zu erreichen, bieten die arabischen Regierungen den Beduinen Wohnungen, Häuser, materielle Sicherheit, Arbeitsstellen und bürokratische staatliche Positionen.

DIE BAUERNGESELLSCHAFT

Die Mehrheit der arabischen Gesellschaft ist eine bäuerliche, die zwischen den 1940er Jahren und den 1980er Jahren vermehrt in die Städte abwanderte.

Im Gegensatz zu den Beduinen, die als vertikale oder horizontale Wanderer in der Wüste leben, hat die Bauerngesellschaft eine feste Beziehung zu ihrem Boden. Als Symbol der Fruchtbarkeit wird der Boden für die Bauern als existenzielle Quelle ihres Lebens, als ihr Stolz und ihre Ehre, als Zentrum ihrer sozialen Stellung und Basis ihrer Beziehungen gesehen.

Die Bauerngesellschaft glaubt an Religion und verbindet sie mit dem Wert ihres Bodens. Sie glaubt an den Tod, der durch die Fruchtbarkeit und das Weiterleben des Bodens zur Wiedergeburt führt. Denn die Bauern wünschen in ihrem eignen Boden begraben zu werden, weil sie an eine Art Wiedergeburt in der Fruchtbarkeit des Bodens glauben.

Das wirtschaftliche existenzielle System der Bauerngesellschaft beruht auf dem feudalistischen Prinzip des Zusammenlebens. Eine herrschende Minderheit besitzt den Boden und die Mehrheit bearbeitet ihren Boden gegen einen Lohn, der aus Bargeld oder Landesprodukten und Ernte besteht.

Der Grundbesitz und die Ehefrau symbolisieren für die Bauern Gesellschaft: Fruchtbarkeit, Liebe, Geben, Brüderlichkeit, Zusammenleben, Kooperation, Ehre, Opfern und Rache.

Der Repräsentant der Bauerngesellschaft ist der Bürgermeister Al.Mukhtar ‘المختار’. Er wird gewählt und vertritt seine Leute vor dem Staat, verwaltet das Dorf, sammelt die Steuern ein und wacht über den Frieden und die Sicherheit.

Heute wandern die jungen Bauern von den Dörfern in die Stadt aus den folgenden Gründen aus:

- Die Vermehrung der Bevölkerung am Land.
- Die Abwesenheit der Arbeitschance am Land im Gegensatz zur Stadt.
- Die schnelle Entwicklung der Stadt.
- Die Ambition der Verbesserung der Lebensqualität in der Stadt.
- Die existenziellen und kulturellen Angebote, die das Leben in der Stadt erleichtern, versichern und verbessern.

DIE STÄDTISCHE GESELLSCHAFT

Die arabischen Städte zeigen sich in verschiedenen Arten wie: die Handelsstädte, Wallfahrtstädte, feudale Städte, Offenbarungsstädte und die Industriestädte.

Die gesellschaftliche Ordnung der arabischen Stadt teilt sich in folgende Ordnung:

Die Bourgeoisie /Bürgertum

Sie besteht aus drei Arten:

- Das Großbürgertum, das die herrschende Schicht der Gesellschaft repräsentiert. Es legt Wert auf Erfolg, materiellen Gewinn und auf der Modernisierung.
- Der Mittelstand, der aus Händlern und Industriellen besteht. Er versucht das Niveau des Großbürgertums zu erreichen. Er strebt Individualität, Selbstständigkeit, technischen und modernen Fortschritt an, um Erfolg und um den materiellen Gewinn zu erlangen.
-Das Kleinbürgertum, das das Großbürgertum imitiert. Es versucht zwischen ihrer Schicht und den höheren Schichten zu vermitteln. Es neigt in ihrer Ausbildung zu Medizin, Architektur und Wirtschaft, weil es glaubt, dass diese Fachbereiche zum materiellen Erfolg führen.

Die Frauen helfen ihren Männern durch ihre Arbeit, um den finanziellen Erfolg zu erreichen.

Diese Gesellschaft hat wenig Zeit für den Glauben und für Religion, weil sie von den weltlichen Anforderungen in Anspruch genommen wird.

Die ärmere und arme gesellschaftliche Schicht

Diese Schicht ist eine arme Schicht, die vom materiellen Erfolg und der Zufriedenheit träumt.

Sie hält an den Werten der Familienverbundenheit, am Zusammenhalt, an guter Nachbarschaft, Freundschaft, Glaubwürdigkeit und an Toleranz fest.

Sie hat einen festen Glauben und Religion und glaubt an Gott, weil sie damit die Hoffnung verbindet, in Zukunft ein gesichertes Leben führen zu können.

Die Beziehung zwischen den drei Gesellschaften der Beduinen, der Bauern und der Städter bewegt sich zwischen wechselseitiger Kooperation und gegenseitiger Separation.

Auf der Ebene der Kooperation verlassen sich die Gesellschaften aufeinander. Denn die Beduinen bekommen von den Bauern ihre Nahrung und zeigen sich verantwortlich für die Viehzucht und die Bodenbetreuung.

Die Beduinen bekommen Löhne, Privilegien und Macht von der Stadt, dafür bewachen sie sie gegen äussere Gefahr und beschützen für sie die Handelswege.

Die Bauern bieten der Stadt handwerkliche und landwirtschaftliche Produktion an, dafür versorgt sie die Stadt mit Elektrizität, Technologie und Ausbildung.

Auf der Ebene der Separation strebt jede Gesellschaft ihre Souveränität und Herrschaft über die anderen an. Alle drei gesellschaftlichen Gruppierungen fühlen Abneigung und Neid gegeneinander.

Die Beduinen betrachten die Bauern als bodenabhängig in ihrer Landwirtschaft. Und sie sehen die Städter als luxusunterworfene Konsumgesellschaft.

Die Bauern betrachten die Beduinen als faule Eroberer. Und sie sehen die Städter als verwöhnte Luxusgesellschaft.

Die Städter sehen die Bauern als konservativ, unflexibel, primitiv und als Analphabeten an.

Auf der anderen Seite beneiden die Beduinen und die Bauern die Städter wegen ihres luxuriösen, aktiven, beschäftigten und vielfältigen kulturellen Lebens.

Die Städter beneiden die Beduinen wegen ihrer Courage und ihres Selbstbewusstseins. Und sie beneiden die Bauern wegen ihres ruhigen, sozialen und familiären Lebens.

EIN ÜBERBLICK ÜBER DIE BEZIEHUNG ZWISCHEN DEM ARABISCHEN ORIENT UND DEM OKZIDENT

Die Beziehung zwischen dem Orient und dem Okzident bewegte sich bis heute zwischen Missverständnissen und auf gegenseitig angetaner Gewalt, aber auch auf konstruktiver wechselseitiger Kommunikation, die aus dem Austausch von Ideen und Waren bestand.

Die Politikforscherin Zeina Jadaan erklärt die folgenden Grundsätze der interkulturellen Kommunikation zwischen dem Orient und dem Okzident:

Die Ebene der Verbreitung des Islam

Die Verbreitungsidee des Islam entstand nach dem Sterben des Propheten Muhammad. Denn die Schwäche des persischen und des byzantinischen Reiches, die religiöse Toleranz und Offenheit der damaligen islamischen Kultur und die gleichzeitige Entstehung des Politisierungsphänomens unterstützten das Projekt der islamischen Ausbreitung.

Zwischen dem 8. Jahrhundert und dem 11. Jahrhundert verbreiteten sich die Muslime in Persien, Ägypten und an der nordafrikanischen Küste bis nach Spanien.

Nach dem Untergang der Ummayyaden Dynastie und nach der Zurückeroberung Europas durch Spanien stieg das Reich der Osmanen auf. Es eroberte den Balkan und Serbien und später erreichte es die Grenzen Wiens unter der Führung von Suleiman dem Grossen im Jahr 1529 zum ersten Mal und im Jahr 1683 zum zweiten Mal.

Die Ebene der Kreuzzüge und des Orientalismus

Die Kreuzzüge verbreiteten sich in drei historischen Eroberungswellen:

- Die erste Welle fand zwischen den Jahren 1095-1099 statt. Im Namen des Christentums wurde Palästina erobert.
- Die zweite Welle fand in den Jahren 1147-1148 statt. Hier wurde das levantinische Konzept von Frieden, Respekt, Toleranz und Verständnis gegenüber dem Islam und zwischen den Völkern adaptiert.
- Die dritte Welle fand fünfzig Jahre später statt, als Salah Al-Diin Jerusalem von den Europäern zurückeroberte. Hier kehrte die erste Idee der Kreuzzüge und der Eroberungen in Europa zurück, bis Salah Al-Diin -als Vertreter der Muslime- und König Richard Löwenherz -als Vertreter der Christen- einen hundertjährigen Friedensvertrag im Jahr 1192 unterschrieben.

Nach der Phase der Kreuzzüge entstand das okzidentale Phänomen des Orientalismus. Er entwickelte sich von einer intellektuellen wissenschaftlichen Bewegung über den Orient zu einer ideologischen eurozentristischen Richtung und dann zu einer politischen Denk- und Überzeugungskonzeption, die die okzidentale Überlegenheit unterstützt und bestätigt und dem wirtschaftlichen Profit und der Machtverbreitung des Okzidents dient.

Hier wäre es wichtig zu erwähnen, dass der Orientalismus in seiner konstruktiven oder destruktiven Perspektive auf einer klischeehaften, wunschbildlichen und stereotypischen Wahrnehmung des Okzidents gegenüber dem Orient beruht.

Die Ebene des Imperialismus, des Kolonialismus und der Globalisierung

Imperialismus und Kolonialismus sind zwei okzidentale Phänomene, die europäisch anfingen, um später eine europäisch-amerikanische Kooperation und Konkurrenz zu bilden. Beide sind okzidentale Eroberungsprojekte über den rohstoffreichen geo-politisch und strategisch wichtigen Orient.

Der Imperialismus fing mit dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches an. Er reflektierte das erobernde und expandierende Machinteresse Europas im Orient.

Der Kolonialismus war die Fortsetzung vom Imperialismus. Er definierte sein Machtinteresse klarer, indem er seine Ziele auf die Besitzergreifung der arabischen Welt fokussierte, indem er die Aufteilung dieser Welt, die Ausbeutung ihrer Ressourcen und die Beeinflussung der Kulturen der eroberten Gesellschaften praktizierte, um die okzidentalen Machtinteressen zu erfüllen.

Heute erscheint auch das Phänomen der Globalisierung mit seinen positiven und negativen Perspektiven um den Orientalismus, den Imperialismus und den Kolonialismus fortzusetzen und weiter zu leiten.

Globalisierung wird als Prozess mit einer modernen Wahrnehmung gesehen, der aus den folgenden Aktivitäten besteht:

- Die weltweite Verbreitung von Information.
- Die weltweite Öffnung der politischen Grenzen.
- Die Erfindung und Entwicklung von Ähnlichkeiten, Gemeinsamkeiten und eine weltweite menschliche Einheit.
- Die Erfindung einer weltweiten Wirtschaft die eine ökonomische Grenzüberschreitung schafft und die eine Verbreitung des Weltmarktes erzielt.

Aufgrund dieses historischen Hintergrunds kann die Globalisierung ihre theoretischen konstruktiven Grundideen nicht erfüllen. Denn die Grundidee der Globalisierung wäre eine Weltgesellschaft zu schaffen, die auf Respekt, Toleranz, Pluralität und Wechselseitigkeit in den verschiedenen kulturellen Lebensbereichen beruht.

Die heutigen Praktiken der Realität reflektieren aber das Gegenteil von dem, was unter dem Deckmantel der Globalisierung behauptet wird.

Mit ihrer internationalen Dependenz, Rückständigkeit, nationalen Diktaturen, innerlichen Chaos, hierarchischen Ungleichheit und mit ihrer Unfähigkeit, strategisch reif zu planen, haben die arabischen Gesellschaften keine andere Wahl ausser dem Schicksaal unter den globalisierenden grossen Weltmächten zu überleben. Dies bedeutet, dass das Weltsystem in einer globalen Unausgewogenheit lebt. Denn der Mächtige besitzt die Macht und der Ohnmächtige hat keine Autorität, wird dafür ausgebeutet, verurteilt, klischeehaft beurteilt und bleibt am Rande der Entwicklung.

Diese weltweite Lage der tiefen Klüfte führt zu der Verbreitung der Präsenz der Mächtigen in der Welt. Denn der Mächtige hat die Macht seine eigene Wirklichkeit zu schaffen und sie durch die massenmedialen Systeme in die weltweite Öffentlichkeit zu verbreiten.

Im Bezug auf die interkulturelle Beziehung zwischen dem Okzident und dem arabischen Orient kommuniziert der Okzident politisch und massenmedial orientalistisch und anti-thesisch mit dem Orient und über ihn. Hier wird der Orient als Gegenüber betrachtet und meistens feindlich behandelt.

Nicht nur das Machtinteresse ist der Grund der missverständlichen interkulturellen Kommunikation zwischen dem Okzident und dem Orient, sondern auch die Unwissenheit der Kulturen übereinander -welche zur Angst vor dem Anderen führt-, der rassistische Blickwinkel der einflussreichen öffentlichen Meinungsführer, der politische historische Hintergrund der interkulturellen Kommunikation, der Zionismus, der arabisch-israelische Konflikt, die Bürgerkriege, die sogenannten arabischen Frühlingsrevolutionen, der interkulturelle Extremismus und die rechte Radikalität führen zum Auswanderungs- und zum Fluchtphänomen zwischen den Kulturen und zum interkulturellen Konflikt.

EIN ÜBERBLICK ÜBER DIE ARABISCHEN MASSENMEDIEN

Da das Ziel dieser Arbeit die arabischen Printmedien zu analysieren ist, fängt sie mit der Definition von Zeitung und Magazin in der arabischen Wahrnehmung an:

Zeitung wird auf Arabisch‚صحافة’: ‚ Sahafa‘ genannt und ihre Bedeutung wird mit dem Wort: Buch oder Brief oder Papier verbunden. Und von hier kam auch später eine der Qur’an Benennungen ‚مصحف’ : ‘Mus-haf’, welche das Buch bedeutet, das Papiere und Briefe beinhaltet. Ein anderer Name für Zeitung ist auch ‚جريدة’ ‘Jariida’. Und dieses Wort stammt vom Palmenblatt, das die Völker im arabischen Raum in ihren Anfängen zum Schreiben verwendeten.

Magazin heisst auf Arabisch ‚مجلّة’ ‘Majallah’ und seine arabische Wurzel bedeutet Klarheit, Erscheinen, Gewissheit. Andere definieren es als Prächtige Quelle der Weisheit und Philosophie.

Der moderne Begriff der Printmedien entwickelte sich im arabischen Raum nach Gutenbergs Erfindung der Druckerei im 15. Jahrhundert (1436 n.Chr.) und mit der französischen Ägyptenexpedition in den Jahren 1798-1801 n.Chr. weiter. Sie trugen die weltweit bekannte Definition von Printmedien. Sie wurden als Kommunikationsmedien gesehen, die die Öffentlichkeit spiegeln. Sie hatten die Aufgabe, Bildung aller Art und Informationen über die Kulturen in all ihren Bereichen in der Öffentlichkeit zu verbreiten.

Die vorislamische Ära kannte das Prinzip der Massenmedien. Die arabische Welt war für ihre starke, rhetorische, hochqualifizierte und poetische Sprache berühmt. Und so war die mündliche Kommunikation ein Hauptmedium für die Poesie, für die Prosa und für die Nachrichtenerzählung über die Gesellschaften und ihre Lebensweise, über ihre Probleme, über ihre Meinungen und über ihre politischen, sozialen und ökonomischen Angelegenheiten. Sie wurde auch als Medium der staatlichen Ankündigungen an die Öffentlichkeit angewendet.

[...]

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Das Bild des Okzidents im Orient. Eine Reflexion der arabischen Gesellschaften durch eine massenmediale Diskursanalyse zwischen den Kulturen
Autor
Jahr
2019
Seiten
32
Katalognummer
V595207
ISBN (eBook)
9783346211026
ISBN (Buch)
9783346211033
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bild, diskursanalyse, eine, gesellschaften, kulturen, okzidents, orient, reflexion, Kultur, Kommunikation, Interkulturelle Kommunikation, Massenmedien, arabische Gesellschaft, Europäischen Gesellschaften, U.S.A., Struktur, Aufbau, Feindbild, Cliche´, Islam, Religion, Tradition, Ideologie
Arbeit zitieren
Razan Jadaan (Autor), 2019, Das Bild des Okzidents im Orient. Eine Reflexion der arabischen Gesellschaften durch eine massenmediale Diskursanalyse zwischen den Kulturen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/595207

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