Zum Belastungs- und Beanspruchungsprofil von Training und Wettspiel im Profifußball

Eine aktuelle internationale Literaturanalyse


Bachelorarbeit, 2019

55 Seiten, Note: 2,6


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Leistungsstruktur im Fußball
2.2 Allgemeines Belastungs- und Beanspruchungsprofil im Fußball-Wettkampf
2.3 Belastungsprofil
2.4 Beanspruchungsprofil
2.5 Psychologisches und kognitives Beanspruchungsprofil
2.6 Bedeutung der Positionsspezifik
2.7 Beanspruchungen im Fußballtraining

3 Methodik
3.1 Methodische Vorgehensweise
3.2 Methodenkritik

4 Diskussion
4.1 Leistungsstruktur
4.2 Laufleistung und Metabolismus
4.3 Psychologisches und kognitives Beanspruchungsprofil
4.4 Positionsspezifik
4.5 Beanspruchungen im Fußballtraining

5 Ausblick
5.1 Leistungsstruktur
5.2 Laufleistung und Metabolismus
5.3 Visuelle Wahrnehmung
5.4 Entscheidungsfindung im Training
5.5 Psychologische Leistungsfähigkeit
5.6 Positionsspezifik
5.7 Beanspruchungen im Fußballtraining
5.8 Konkrete Umsetzung in die Trainingspraxis
5.9 Forschungsbedarf

6 Abstract

7 Anhang

8 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb.1. Spielmomente im Fußball

Abb.2. Strukturmodells leistungsbestimmender Faktoren im Sportspiel Fußball

Abb.3. Venn Diagramm nach dem integrierten Ansatz für die Kategorie von high-intensity running

Abb.4. Venn Diagramm nach dem integrierten Ansatz für die Kategorie von high-intensity running

Abb.5. Phasen des taktischen Handelns

Abb.6. Angriffs- und Abwehrtechniken fußballspezifischer Handlungen

Abb.7. Koordinative Anforderungskategorien: Informationsanforderungen und Druckbedingungen

Abb.8. Druckbedingungen und Informationsanforderungen des direkten Torschusses

Abb.9 Ablaufmodell strukturierender Inhaltsanalyse

Abb.10. konkretes Beispiel einer Spielform für das provozieren von tiefen Läufen hinter die Abwehrkette und in den Strafraum (rot aus einem 5-2-1-2 System ohne Halbverteidiger, Schwarz aus einem flachen 4-4-2 ohne Stürmer und Flügelspieler)

Abb.11. Abgeleitete Trainingsbausteine

Abb.12. konkretes Trainingsbeispiel in Form eines 4 vs. 3 +1 auf vier Minitore

Tabellenverzeichnis

Tab.1. Hochintensive Bewegungen im Fußballspiel

Tab.2. Interpretation und Beschreibung der passenden Trainingsmaßnahmen für vier Spielertypen mit unterschiedlichen Ergebnissen im reactive agility test

Tab.3. Leistungsindikatoren für die unterschiedlichen Positionen im Fußball

Tab.4. Konditionelle Rahmenbedingungen für Kleingruppenspiele

Tab.5. Vergleich der technischen Aktionen zwischen Small Sided Games, Medium Sided Games und Large Sided Games

Tab.6. Gestaltung der Trainingsbausteine im vorliegenden Trainingsbeispiel

1 Einleitung

Der Profifußball hat sich in den letzten 10 Jahren enorm weiterentwickelt. Durch eine immer weiter zunehmende Professionalisierung ist das Spiel schneller und athletischer geworden. Für den einzelnen Spieler bedeutet dies, dass er unter deutlich veränderten Druckbedingungen auf dem Platz entscheiden und handeln muss. Doch wie gestaltet sich die Leistungsstruktur im heu- tigen Profifußball wirklich? Und wie sieht das konkrete Belastungs- und Beanspruchungsprofil eines Profifußballers innerhalb dieser Leistungsstruktur überhaupt aus? Um dieser Frage nach- zugehen, wird im Rahmen einer aktuellen internationalen Literaturanalyse zum Belastungs- und Beanspruchungsprofil von Training und Wettspiel im Leistungsfußball der Forschungsstand zu verschiedenen Parametern untersucht.

Der Mehrwert eines aktuellen Belastungs- und Beanspruchungsprofil ergibt sich für viele Berei- che der Sportpraxis. So sind Bereiche wie Belastungssteuerung und Verletzungsprävention heutzutage Kernelemente der täglichen Arbeit von Vereinen auf Topniveau. Aber der haupt- sächliche Mehrwert ergibt sich aus dem Ziel, jede Trainingseinheit möglichst nah am Wettspiel zu gestalten. Dementsprechend werden auch die Beanspruchungen im Fußballtraining näher beleuchtet. Aus den gewonnenen Erkenntnissen werden dann Trainingsprinzipien abgeleitet, die dann in konkreten Trainingsbeispielen veranschaulicht werden.

Bei der Auswahl der zu untersuchenden Parameter werden trainingswissenschaftliche Grund- größen wie die Laufleistung, Agility, VO2max, Herzfrequenz und die Blutlaktatkonzentration nä- her betrachtet. Darüber hinaus werden zusätzlich alle Faktoren untersucht, die das taktische Handeln eines Spielers in jeder Aktion auf dem Feld maßgeblich beeinflussen. Dies ist aufgrund der oben beschriebenen Veränderungen im Spiel unabdingbar. Durch das gestiegene Spiel- tempo kommt es im Spiel laufend zu neuen Situationen, die der Spieler wahrnehmen und inter- pretieren muss.

Die Torhüter bleiben im Rahmen dieser Arbeit unberücksichtigt, da ihre Anforderungen im Wett- spiel sich zu denen von Feldspielern enorm unterscheiden und den Rahmen dieser Arbeit über- schreiten würden. Darüber hinaus findet auch der Bereich der Periodisierung in dieser Arbeit keine Berücksichtigung. Alle Aussagen zur Trainingspraxis beziehen sich auf jeweils eine Trai- ningseinheit bzw. Trainingsform. Entsprechend des bereits gesichteten Forschungsmaterials sind die Erkenntnisse aus dieser Arbeit zu einem Großteil auf Offensivaktionen mit Ball ausge- richtet, da es zu detaillierten Verteidigungshandlungen nicht ausreichend Untersuchungen gibt.

2 Theoretischer Hintergrund

2.1 Leistungsstruktur im Fußball

Die Leistungsstruktur im Fußball ist determiniert durch die vom International Football Association Board (IFAB) (2016) festgelegten Spielregeln. Diese haben sich bezüglich ihrer Kernelemente (Feldgröße, Spieleranzahl, Größe des Tores und Bruttospielzeit) in den letzten Jahrzehnten nicht verändert.

Die Aktionen, die ein Fußballspieler und seine Mannschaft haben, sind also auf diesen Aktions- raum und diese Aktionszeit beschränkt, wobei es gerade hinsichtlich der Spielzeit notwendig ist, sich für weitere Untersuchungen an der Netto-Spielzeit zu orientieren. Während Tschan, Baron, Smekal & Bachl (2001) die Nettospielzeit mit ca. 60-62 Minuten benennen, beruft sich Misslintat (2011) auf eine Spielzeit von im Mittel 55,14 ± 3 Minuten.

Um sich nun der Leistungsstruktur der Spieler innerhalb dieses Rahmens besser bewusst werden zu können, macht eine Unterteilung der Spielzeit in unterschiedliche Spielphasen je nach mögli- chen Spielsituationen Sinn. Henseling und Maric (2015) unterteilen hier in vier „Spielmomente“:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1. Spielmomente im Fußball (Henseling & Maric, 2015, S.20)

Da der Ballbesitz pro Spiel im Schnitt bis zu 400mal auf Profiniveau wechselt (Anderson & Sally, 2014), ist der Übergang zwischen den vier Spielphasen fließend und beständig. Für den Spieler selbst bedeutet dies, dass er im Schnitt alle 3,4 Sekunden eine neue Aktion ausführt (Rienzi, Drust, Reilly, Carter & Martin, 2000). Die Ballaktionen sind mit 2 Ballkontakten und 1,1 Sekunden pro Ballkontaktzeit sehr kurz und machen mit 53,4 Sekunden Gesamtzeit pro Spiel nur einen sehr geringen Teil der Gesamtaktionen aus (Carling, 2010).

Im Kontext mit der Anzahl von Spielern, der Größe des Feldes, dem Spielen mit dem Fuß und den kurzen Ballkontaktzeiten in sich ständig wechselnden Umgebungsbedingungen spielt der Zufall im Fußball eine große Rolle. Der Einfluss des Zufalls, also der Einfluss aller Faktoren auf das Spielergebnis, die nicht prognostizierbar sind, liegt in der Bundesliga bei 52,7% (Quitzau & Vöpel, 2009). Die Relevanz für das Belastungs- und Beanspruchungsprofil für den einzelnen Spieler, ergibt sich aus der Notwendigkeit, dass er ständig auf neue, teils unvorhersehbare Er- eignisse auf dem Spielfeld reagieren können muss. Darüber hinaus verfolgt diese Arbeit das Ziel, die restlichen Faktoren mit ihren 47,3% Einfluss auf das Spielergebnis auf ihren Forschungsstand zu untersuchen.

Der große Einfluss des Zufalls resultiert im Fußball unter anderem aus der Seltenheit eines Tores. So fielen bei der Fußball Weltmeisterschaft 2010 lediglich 2,10 Tore pro Spiel und dementspre- chend 1,05 Tore pro Mannschaft (Buschmann, Krüger & Otto, 2013). Dies liegt an der großen Anzahl an Spielern und dem verhältnismäßig kleinen Ziel. So herrschen im Strafraum, in dem 82,07% der erfolgreichen Torschüsse abgegeben werden (Buschmann et al., 2013) hoher Raum- Zeit und Gegnerdruck, was die Vorbereitung des Torschusses und den Torschuss selbst enorm erschwert. Im Rahmen dieser Arbeit wird das auch beim abschließenden Trainingsbeispiel be- rücksichtigt, da Tore durch ihre Wichtigkeit im Spiel, auch im Training einen entsprechenden Stel- lenwert haben.

2.2 Allgemeines Belastungs- und Beanspruchungsprofil im Fußball-Wettkampf

Im Rahmen der beschriebenen Leistungsstruktur bringt der Profifußballer seine Leistung. Die in diesem Kontext auftretenden Belastungen und Beanspruchungen werden im Folgenden auf ihren Forschungsstand untersucht. Dabei beschränke ich mich auf die in Abbildung 2 in Anlehnung an Weineck (2004) genannten leistungsbestimmenden Faktoren, die er unter dem Gesamtbegriff Kondition einordnet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2. Strukturmodells leistungsbestimmender Faktoren im Sportspiel Fußball (modifiziert nach Weineck, 2004, S.14)

Im Bereich der Ausdauer werden sowohl die Belastungen an den Spieler in Form von Laufleis- tungen (-Distanzen, -Geschwindigkeiten), als auch die Beanspruchungen in Form von metaboli- schen Parametern (Herzfrequenz, VO2Max, Blutlaktatkonzentration) sowie das Empfinden des Spielers (RPE) näher beleuchtet.

Im Bereich der psychischen Leistungsgrundlagen werden neben den koordinativen-, auch die kognitiven und motivationalen Eigenschaften auf ihren jeweiligen Forschungsstand untersucht.

2.3 Belastungsprofil

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Laufleistung

Um die Belastungen, die an einen Profifußballer im Wettspiel gestellt werden genauer zu verste- hen, macht es zunächst Sinn, sich einen Überblick über seine Laufleistung im Spiel zu verschaf- fen. Einen Überblick über verschiedene Studien zu Laufleistungen bietet die Tabelle „Laufleistun- gen“ (s. Anhang Nr.2). Entsprechend der Studie von Dalen, Ingebrigtsen, Ettema, Hjelde und Wisloff (2016) regeben sich folgende Orientierungswerte:

- Gesamtlaufdistanz: 9951 ± 491m – 11990 ± 771m
- Gehen: 3704 ± 276m – 4084 ± 153m
- Joggen: 4184 ± 484 – 5155 ± 516m
- Laufen: 1197 ± 176m – 2174 ± 409m
- Hochgeschwindigskeitsläufe: 484 ± 134m – 1138 ± 282m
- Sprints: 110 ± 55m – 330 ± 133m

Darüber hinaus beschäftigten sich noch diverse weitere Studien mit der Laufleistung. So konnten Chmura, Andrzejewski, Konefał, Mroczek, Rokita & Chmura (2017) bei der WM 2014 einen Zu- sammenhang zwischen dem Titelgewinn und den mehr gelaufenen Kilometern insgesamt und der höheren Anzahl an High-Intensity Läufen der deutschen Nationalmannschaft feststellen. In einem Ligawettbewerb stellten Chmura, Konefał, Chmura, Kowalczuk, Zając, Rokita und Andrze- jewski (2018) fest, dass bei gewonnenen Spielen in den Bundesliga Saisons 14/15, 15/16 und 16/17, die Flügelspieler und Stürmer mehr Läufe mit einer Geschwindigkeit von >21km/h absol- vierten als bei verlorenen oder unentschiedenen Spielen. Bei den Spielern auf den anderen Po- sitionen (AV, IV, ZM) lag der Wert in den Geschwindigkeitskategorien 17-21 km/h und 21-24 km/h bei gewonnenen Spielen niedriger. Dalen et al. (2016) ergänzen zu den Belastungen in Form von Laufleistungen noch die Richtungswechsel, Beschleunigungen und das Abstoppen, die in den Geschwindigkeitskategorien anderer Untersuchungen keinerlei Berücksichtigung finden, obwohl sie nach ihrer Untersuchung bis zu 17% der Gesamt-Lauf-Belastung ausmachen. Betrachtet man die Werte in der Tabelle etwas genauer, fällt auf, dass ein direkter Vergleich und somit ein ab- schließendes, eindeutiges Fazit zu den Laufleistungen schwierig ist. Wie Misslintat (2011) bereits ausgeführt hat, unterscheiden sich die Untersuchungen in ihren Messmethoden, Geschwindig- keits- und Positionskategorien. Gerade bei den Positionskategorien wäre eine möglichst ausdif- ferenzierte Betrachtung für einen Überblick über die individuellen Belastungen sehr wichtig, da sich bei der Vielzahl von verschiedenen Systemen auch die Laufleistungen auf den Positionen jeweils unterscheiden (Misslintat, 2011). Zudem ist der Wert dieser Laufdaten für die Praxis nur bedingt hilfreich.

Dieser Meinung sind Bradley & Ade (2018), die die Laufleistungen in den verschiedenen Ge- schwindigkeitskategorien mit dem taktischen Verhalten in Verbindung bringen, um Trainern eine konkretere Vorstellung der gelaufenen Geschwindigkeiten im Kontext mit dem Spiel zu geben. Hierbei verbinden sie den Lauf in einer bestimmten Geschwindigkeitskategorie mit der jeweiligen technischen und taktischen Handlung (Abb. 3).

Abb. 3. Venn Diagramm nach dem integrierten Ansatz für die Kategorie von high-intensity running (nach Bradley & Ade, 2018, S. 658)

Für eine praktikable Abgrenzung der einzelnen Aktionen sind die taktischen Handlungen dabei genau definiert (s. Tab. 1). Es gibt dennoch einen Bereich, der die nach den gebildeten Aktions- kategorien nicht zuweisbaren Aktionen miterfasst (other). Die Ergebnisse werden dann in Abbil- dung 4 für Innenverteidiger (CB), Außenverteidiger (FB), zentrale Mittelfeldspieler (CM), Flügel- spieler (WM) und zentrale Stürmer (CF) und dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1. Hochintensive Bewegungen im Fußballspiel (modifiziert nach Bradley & Ade, 2018, S.659)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4. Venn Diagramm nach dem integrierten Ansatz für die Kategorie von high-intensity running (nach Bradley & Ade, 2018, S. 658)

Diese Werte geben Aufschluss in welchen konkreten taktischen Aktionen die Spieler in welchen Geschwindigkeitskategorien wie viele Läufe absolvieren.

Abschließend kann man feststellen, dass die Laufleistung im Spiel in der jüngeren Vergangenheit vielfach auf unterschiedliche Weisen und Zusammenhänge mit Ergebnissen untersucht wurde. Durch die genannten Schwierigkeiten beim Vergleich der Studien ist eine abschließende Nen- nung der genauen Laufleistung nicht möglich. Darüber hinaus eröffnet der integrierte Ansatz nach Bradley und Ade eine interessante Perspektive für zukünftige Untersuchungen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Agility

Dalen et al. (2016) und Chmura et al. (2018) deuten in ihren Studien an, welche Bedeutung den Richtungswechseln und Hochgeschwindigkeitsläufen im Profifußball zukommen kann. Dement- sprechend macht es für das Belastungsprofil Sinn, sich auch mit der Agility zu beschäftigen. Sheppard und Young (2006) definieren Agility als eine schnelle Ganzkörperbewegung mit Rich- tungs- oder Geschwindigkeitsänderung als Reaktion auf einen sportartspezifischen Stimulus. Folgt man dieser Definition, muss man sich neben der reinen Bewegungsgeschwindigkeit auch die Reaktionszeit auf den Stimulus angucken. Gabbet, Kelly & Sheppard (2008) haben dies mit Testbatterien zu Schnelligkeit, Geschwindigkeit bei Richtungsänderung und Reaktions-Agility bei Rugby Union Spielern untersucht. Dabei fanden sie heraus, dass erstklassige Spieler in allen Testbatterien schneller waren als zweitklassige. Auf Grundlage ihrer Beobachtungen definierten sie vier verschiedene Typen von Spielern und gaben Empfehlungen für ein gezieltes Training (s. Tab. 2).

Tab. 2. Interpretation und Beschreibung der passenden Trainingsmaßnahmen für vier Spielertypen mit unterschied- lichen Ergebnissen im reactive agility test (modifiziert nach Gabbet, Kelly & Sheppard, 2008, S.180)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ein zielgerichtetes Training zur Verbesserung der Agility muss entsprechend der Erkenntnisse von Gabbet et al. (2008) zum Spielertypen passen und ist dementsprechend bestmöglich indivi- duell zu gestalten. Da die Schnelligkeit auch bei der Talentsichtung eine große Rolle spielt, aber nicht immer in dieser ausgiebigen Form getestet werden kann, dienen die Werte von Misslintat (2011) als Orientierung für die gelaufenen Geschwindigkeiten auf Top-Niveau:

- Durchschnittliche Maximalgeschwindigkeit: 29,52 ± 2,17 km/h
- Mittlere Bestzeit Antritt: 1,96 ± 0,13s
- Mittlere Bestzeit 10m fliegend: 1,23 ± 0,11s
- Mittlere Bestzeit 20m fliegend: 2,57 ± 0,25s

Diese Werte bleiben im weiteren Verlauf der Arbeit, wenn es um Ableitungen aus dem Belas- tungs- und Beanspruchungsprofil für die Trainingspraxis geht, außen vor. Die empfohlenen Trai- ningsinterventionen von Gabbet et al. (2008) fließen mit ein.

2.4 Beanspruchungsprofil

Nun macht es Sinn, sich die Auswirkungen der im vorherigen Kapitel beschriebenen Laufleistun- gen auf den Metabolismus genauer anzusehen. Hierbei werden aktuelle Untersuchungen zur VO2Max, Herzfrequenz und Laktatverläufen (Blutlaktatkonzentration und Geschwindigkeit an der aerob-anaeroben Schwelle) in einer Tabelle miteinander verglichen (s. Anhang Nr.1 Metabolische Parameter). Demnach liegt die VO2max in der Regel zwischen 53,7-63,0 ml/kg/min, der Blut- laktatspiegel bei 4-8 mmol/l und die Herzfrequenz bei 160-170 Schlägen/min. Diese Werte sind nach Kalapotharakos, Ziogas und Tokmakidis (2011) nützlich, um die aerobe Leistungsfähigkeit vor Beginn einer Saison präzise einschätzen zu können. Zur Aussagekraft der VO2max. fanden Arnason, Sigurdsson, Gudmundsson, Holme, Engebregtsen & Bahr (2004) heraus, dass es keine signifikanten Unterschiede bei den Werten der Spieler zwischen erfolgreichen und unerfolgrei- chen Teams beim Vergleich von Mannschaften aus den beiden höchsten isländischen Ligen gibt. Der Wert scheint dementsprechend ab einem gewissen Level ähnlich und nicht ausschlaggebend für den Erfolg zu sein. Ferrauti, Giesen, Merheim und Weber (2006) stellten darüber hinaus fest, dass die Werte der VO2max und der Blutlaktatkonzentration im Spielverlauf abnehmen, während die Herzfrequenz konstant bleibt. Problematisch sind auch hier wieder, wie bei den Laufleistun- gen, Vergleiche zwischen den einzelnen Studien, da auch hier unterschiedliche Probanden un- tersucht und in unterschiedliche Kategorien eingeteilt wurden. Eine angemessene Kritik liefert zusätzlich die Einschätzung von Misslintat (2011), dass zu den metabolischen Parametern nicht ausreichend aktuelle oder gar keine Untersuchungen mit Profifußballern aus der Wettkampf- phase vorliegen. Im Bereich der Herzfrequenz könnte sich dies durch den technologischen Fort- schritt ändern, sobald Trackingsysteme wie Catapult oder Polar im Wettspiel erlaubt sind. Die grundsätzliche Bedeutung der Ausdauerleistungsfähigkeit im Fußball lässt sich anhand dieser Werte ablesen (Ferrauti, 2006). Für eine tiefergehende Betrachtung dieser Werte, u.a. in Form von Beanspruchungen im Fußballtraining, wozu es diverse Untersuchungen gibt, reicht der Um- fang dieser Arbeit nicht aus.

2.5 Psychologisches und kognitives Beanspruchungsprofil

Im psychologischen und kognitiven Beanspruchungsprofil geht es um die Anforderungen an die verschiedenen Sinnessysteme und den Umgang des Spielers mit den daraus erhaltenden Infor- mationen. Hierbei steht am Ende einer jeden Aktion die für den Außenstehenden sichtbare, tak- tische Handlung. Der Prozess, der während der gesamten Aktion im Spieler stattfindet, wird von Henseling und Maric (2015) in 6 Phasen unterteilt (Abb. X).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5. Phasen des taktischen Handelns (modifiziert nach Bruckmann & Recktenwald, 2010, S.42)

Diese 6 Phasen geben mit der visuellen Wahrnehmung (Phase 1), dem Entscheidungsfindungs- prozess samt motivationalen Einflüssen (Phase 2-4 und 6) und der Koordination (Phase 5) die Struktur für das folgende Kapitel.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.5.1. Visuelle Wahrnehmung

Durch das steigende Spieltempo werden immer höhere Anforderungen and die Sinnessysteme und Wahrnehmungsleistungen der Spieler gestellt (Jendrusch, 2009). Diese spielen als erste Phase des taktischen Handelns (Henseling & Maric, 2015) eine entscheidende Rolle für den Er- folg der gesamten Aktion. So konnten McGuickan, Cole, Jordet, Chalkley & Pepping (2018) fest- stellen, dass Spieler effektivere Entscheidungen treffen und diese technisch umsetzen können, je mehr sie sich in den 10 Sekunden, bevor sie den Ball bekommen, orientieren. Die Orientierung vor der Ballannahme ist auf höchstem Niveau entscheidend, da die Spieler ab diesem Moment häufig keine Zeit zur Beobachtung der entscheidenden Bezugspunkte und zur Entscheidungsfin- dung mehr haben (Henseling & Maric, 2015). Nach Arrigo Sacchi, einem renommierten italieni- schen Trainer, sind diese Bezugspunkte: der Ball, der freie Raum, die Gegenspieler und die Mit- spieler (Osmanbasic, 2015). Dennoch sieht Jendrusch (2009) Die Bedeutung der visuellen Wahr- nehmungsleistung für die Spielleistung als unterschätzt an.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.5.2. Entscheidungsfindungsprozess

Wie im Aspekt zur visuellen Wahrnehmung bereits angedeutet, müssen Fußballspieler in einem sich ständig verändernden und unvorhersehbarem Umfeld permanent antizipieren und reagieren. Dementsprechend deuten Huijgen, Leemhuis, Kok, Verburgh, Oosterlaan, Elferink-Gemser & Visscher (2015) die Wichtigkeit kognitiver Funktionen für den Erfolg im Fußball an.

Jedoch ist ein Spieler, wie bereits in der Leistungsstruktur zu sehen, nur für 53,4 Sekunden von ca. 55-60 Minuten Gesamtspielzeit am Ball (vgl. Kapitel 2.1). Dementsprechend macht es Sinn, seine Aktionen, in On- and Off-the-Ball Situationen zu unterscheiden (Kannekens, Elferink-Gem- ser & Visscher, 2011). Oder nach Nopp (2012) in „Angriffs- und Abwehrhandlungen“:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6. Angriffs- und Abwehrtechniken fußballspezifischer Handlungen (nach Döbler, 1988, S.262)

[...]

Ende der Leseprobe aus 55 Seiten

Details

Titel
Zum Belastungs- und Beanspruchungsprofil von Training und Wettspiel im Profifußball
Untertitel
Eine aktuelle internationale Literaturanalyse
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Fakultät für Sportwissenschaften)
Note
2,6
Autor
Jahr
2019
Seiten
55
Katalognummer
V595211
ISBN (eBook)
9783346178480
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fußball, Trainingswissenschaft, Entscheidungsfindung
Arbeit zitieren
Jasper Möllmann (Autor), 2019, Zum Belastungs- und Beanspruchungsprofil von Training und Wettspiel im Profifußball, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/595211

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