„Erlebnisorientierung ist die unmittelbarste Form der Suche nach Glück.“1 Dieses Zitat des Soziologen Gerhard Schulze enthält ein wesentliches Element unserer momentanen gesellschaftlichen Situation: die Erlebnisorientierung. Vergleicht man die kulturellen und sozialen Tendenzen beispielsweise der 50er Jahre in Deutschland mit den neunziger Jahren bzw. heute, wird ein grundlegender Wandel sichtbar. Allein die Wert- und Moralvorstellungen scheinen sich im Laufe der Jahrzehnte kontinuierlich verschoben zu haben. Neue Lebensorientierungen führten zu neuen Konsumgewohnheiten; unsere Gesellschaft wurde zur Wohlstandsgesellschaft, unser Konsum zum Erlebniskonsum.
Gegenstand dieser Hausarbeit ist es, genannte Wandelprozesse vor allem im Zeitraum der neunziger Jahre zu beleuchten, und zwar im Hinblick auf soziologisch-kulturelle Entwicklungen einerseits und deren Einfluss auf die Werbung andererseits. Dabei sollen Ursachen für die Herausbildung der sogenannten Erlebnisgesellschaft benannt und deren Wesen charakterisiert werden, um abschließend diese Merkmale an Werbebeispielen der neunziger Jahre nachzuweisen. Das Interesse meiner Arbeit begründet sich vor allem in der Aktualität der Problematik, denn die „Erlebnisgesellschaft“ ist kein Phänomen der Vergangenheit, sondern eher ein gesellschaftlicher Wandelprozess, der bis heute andauert. Mein Ziel ist es, einen Überblick über den Zusammenhang zwischen Erlebnisorientierung und veränderten Konsumgewohnheiten zu verschaffen, um eventuell zukünftige Tendenzen im Sinne von „Wird sich der Erlebnistrend in Gesellschaft und Werbung fortsetzen?“ bzw. „Welche Trends herrschen Anfang des 21. Jahrhunderts vor?“ aufzeigen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Erlebnisgesellschaft
2.1. Charakterisierung der Erlebnisgesellschaft
2.2. Der neue Konsum
2.3. Freizeit als Bestandteil der Erlebnisgesellschaft
3. Aspekte der Erlebnisgesellschaft: Einkaufen als Zeitvertreib
3.1. Shopping
3.2. Manifeste der Erlebnisgesellschaft: Shopping Malls und künstliche Erlebniswelten
4. Werbung in der Erlebnisgesellschaft
4.1. Die Voraussetzungen
4.2. Die Reaktion der Werbemacher
5. Ausblick und Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den soziologisch-kulturellen Wandel zur sogenannten Erlebnisgesellschaft während der neunziger Jahre in Deutschland und analysiert, wie dieser Wandel die Werbestrategien beeinflusst hat. Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen Erlebnisorientierung und veränderten Konsumgewohnheiten aufzuzeigen.
- Charakterisierung der Erlebnisgesellschaft und ihre Auswirkungen auf den Konsum.
- Die Transformation des Einkaufs zu einer Freizeitbeschäftigung (Shopping).
- Die Bedeutung von künstlichen Erlebniswelten wie Shopping Malls.
- Die Anpassung der Werbebranche an den Erlebnischarakter durch emotionale Inszenierung.
- Der Einfluss von Globalisierung, Mediatisierung und Individualisierung auf das Konsumentenverhalten.
Auszug aus dem Buch
4.2. Die Reaktion der Werbemacher
Durch die starke Konkurrenz der Anbieter wurden die Produkte immer ausgereifter, aber auch immer ähnlicher und somit für die Kunden austauschbar. „Werbung und Produktdesign müssen zur Imageprofilierung verstärkt auf Erlebnisstrategien zurückgreifen, denn bei der heute vorhandenen Erlebnisorientierung kann man sich eher durch Produktimages als durch Produkteigenschaften voneinander abheben.“
Da die sachliche Produktqualität für die Konsumenten selbstverständlich geworden ist, versuchen die Hersteller, Aufmerksamkeit durch Werbung zu erlangen. Um sich aber in der Informations- und Werbeflut einer Erlebnisgesellschaft überhaupt abheben zu können, wurde nicht nur in der Vergangenheit zu Werbemitteln gegriffen, die „bislang gültige Konventionen und Grenzen“ bewusst überschreiten. An dieser Stelle hat sich besonders der Textilhersteller BENETTON - wenn auch negativ – hervorgetan.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Erlebnisorientierung als zentrales Element der heutigen Gesellschaft ein und skizziert das Ziel, deren Einfluss auf Konsumgewohnheiten und Werbung in den 1990er Jahren zu untersuchen.
2. Die Erlebnisgesellschaft: Dieses Kapitel charakterisiert den Wandel von der Mangel- zur Erlebnisgesellschaft, definiert den neuen Konsum als Erlebniskonsum und beleuchtet die Rolle der Freizeit.
3. Aspekte der Erlebnisgesellschaft: Einkaufen als Zeitvertreib: Es wird analysiert, wie Shopping vom bloßen Warenkauf zum freizeitorientierten Erlebnis wird, wobei Shopping Malls als manifeste Erlebniswelten dienen.
4. Werbung in der Erlebnisgesellschaft: Dieser Teil untersucht die Voraussetzungen wie Globalisierung und Mediatisierung und beschreibt, wie Werbemacher mit emotionalen Strategien und Provokation auf den veränderten Konsumenten reagieren.
5. Ausblick und Fazit: Das Fazit fasst die Kontinuität der Erlebnisgesellschaft zusammen, stellt aber eine Verschiebung hin zu mehr Qualitätsanspruch und Kompetenzsuche bei den Konsumenten fest.
Schlüsselwörter
Erlebnisgesellschaft, Erlebnisorientierung, Konsumgesellschaft, Erlebniskonsum, Freizeit, Shopping, Shopping Malls, Werbung, Werbestrategien, Imageprofilierung, Individualisierung, Globalisierung, Mediatisierung, Provokation, Konsumentenverhalten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht den gesellschaftlichen Wandel zur Erlebnisgesellschaft in Deutschland während der 1990er Jahre und dessen direkten Einfluss auf Konsum und Werbung.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Erlebnisorientierung, die Veränderung des Konsumverhaltens, das Einkaufen als Freizeitbeschäftigung sowie die Anpassung der Werbebranche an diese Trends.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen der Suche nach Erlebnissen und veränderten Konsumgewohnheiten aufzuzeigen, um Rückschlüsse auf Trends in Gesellschaft und Werbung zu ziehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung soziologischer und kulturhistorischer Konzepte, die durch Beispiele aus der Werbepraxis der neunziger Jahre illustriert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die soziologische Charakterisierung der Erlebnisgesellschaft, die Analyse von Einkaufen als Zeitvertreib inklusive Shopping Malls und die Untersuchung werblicher Reaktionen auf diese Entwicklungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Erlebnisgesellschaft, Erlebniskonsum, Shopping, Werbung, Imageprofilierung und Individualisierung.
Wie hat sich die Rolle des Einkaufens in den 90ern verändert?
Das Einkaufen wandelte sich vom zweckgebundenen Erwerb von Gütern zum "Einkaufs-Happening", bei dem das sinnliche Erleben im Vordergrund steht und nicht zwingend eine Kaufabsicht vorliegen muss.
Warum nutzte Benetton provokante Werbekampagnen?
Um in der Reizüberflutung der Erlebnisgesellschaft Aufmerksamkeit zu erlangen und die Marke durch Tabubrüche sowie den bewussten Verzicht auf die Sprache traditioneller Werbung von der Konkurrenz abzuheben.
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- Katja Friedrich (Author), 2006, Unterhaltung und Vergnügen: Lebensstile und Werbung der neunziger Jahre vor dem Hintergrund der Erlebnis-, Freizeit- und Konsumgesellschaft , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59566