Diese Arbeit stellt die Frage, wie sehr Gewalt männlich geprägt ist und welchen Anteil Frauen daran haben. Um diese Frage zu beantworten, wird das Gewaltverhalten der Geschlechter überprüft, indem beide als Täter und Opfer analysiert werden. Um das Gewaltverhalten der Männer zu untersuchen, wird unter anderem die polizeiliche Kriminalitätsstatistik herangezogen.
In der Öffentlichkeit wird eher die Meinung vertreten, dass Gewalt hauptsächlich ein männliches Problem ist, was trotz Forschungsergebnissen, die dem widersprechen, kaum die öffentliche Meinung beeinflusst. Zu sehr ist das öffentliche Denken noch von den typischen Geschlechterzuschreibungen geprägt, das Frauen eher als Opfer sieht denn als Täter. Die Fakten scheinen die öffentliche Meinung zu stützen, orientiert man sich an den Daten der Kriminalstatistik. Denn auch hier sind es Männer, die deutlich bei den Gewaltdelikten dominieren. Der Grund dafür liegt wohl darin, dass Männer vor allem körperliche Gewalt ausüben, die Spuren hinterlässt und einfacher nachzuweisen ist. Um aber ein differenziertes Bild über die Gewaltproblematik zu erhalten, ist es nötig, auch die versteckte Gewalt in den Blick zu nehmen. Weil diese nur sehr schwer nachzuweisen ist, da sie sich der Sichtbarkeit meist entzieht, kann der Eindruck entstehen, dass diese nicht existiert. Dem soll diese Arbeit entgegenwirken und mit einem erweiterten Gewaltbegriff untersuchen, ob Männer wirklich gewalttätiger sind als Frauen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff Gewalt
3. Gewalt als Männerproblem
3.1 Männer als Gewalttäter
3.2 Männer als Opfer von Gewalt
4. Frauen als Täter und Opfer von Gewalt
4.1 Frauen als Täterinnen
4.2 Frauen als Opfer
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die gesellschaftliche Wahrnehmung von Gewalt als primär männliches Problem und hinterfragt, inwieweit Frauen ebenfalls einen Anteil am Gewaltgeschehen haben. Ziel ist es, durch die Einbeziehung versteckter Gewaltformen und eine Erweiterung des Gewaltbegriffs ein differenzierteres Bild der Geschlechterrollen in Bezug auf Täterschaft und Viktimisierung zu zeichnen.
- Kritische Analyse der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS)
- Die Rolle von Geschlechterstereotypen in der Gewaltforschung
- Männer als Opfer von Gewalt in der öffentlichen Wahrnehmung
- Formen der Täterinnenschaft und Viktimisierung bei Frauen
- Der Einfluss psychischer Gewalt auf die Gewaltwahrnehmung
Auszug aus dem Buch
3.2 Männer als Opfer von Gewalt
Wenn von Gewalt von Männern gesprochen wird, so kommt einem direkt in den Sinn, dass die Opfer Frauen sein müssen. Doch in Wirklichkeit trifft es eher die Männer, was in der Öffentlichkeit nicht gerne diskutiert wird. Gahleitner sagt dazu:
Die von Männern ausgehende Gewalt ist überwiegend gegen andere Männer gerichtet, nicht nur in Kriegen, sondern auch im Alltag. Gewalt gegen Männer hingegen ist ein global weit verbreitetes und zugleich kulturell weitgehend ignoriertes Phänomen. Sie wird von vielen Betroffenen verleugnet und gesellschaftlich bislang so gut wie nicht als soziales und schon gar nicht als politisches Problem wahrgenommen (Gahleitner 2007: 21f.).
Männer sind oft nicht fähig, die erfahrene Gewalt als solche zu erkennen, denn im Alltag gibt es verschiedene Zwänge, die fließend in die Gewalt übergehen, also schwer von Gewalt zu unterscheiden sind, auch melden Männer erfahrene Gewalt nicht, entweder weil sie sie als „normal“ empfinden oder sich schämen diffamiert zu werden, deshalb schweigen die Männer eher (vgl. ebd.: 34).
Männer haben auch Probleme sich als Opfer zu begreifen, Gahleitner sagt dazu:
Das eigene Opfersein als Mann will nicht wahrgenommen werden, da dies doppelt blockierend an die eigene ‚Schwäche` und das eigene Versagen erinnert. Die Widerfahrnisse von Ohnmacht, Passivität und das Ausgeliefertsein werden abgewehrt. Auf dem Hintergrund des Systems der zweigeschlechtlichkeit stellt der Begriff des ‚männlichen Opfers‘ ein kulturelles Paradox dar (…) (vgl. ebd.: 28).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Diskrepanz zwischen öffentlicher Meinung, die Gewalt als Männerthema sieht, und der Notwendigkeit einer differenzierteren Betrachtung unter Einbeziehung versteckter Gewalt.
2. Der Begriff Gewalt: Dieses Kapitel erläutert die Schwierigkeit einer einheitlichen Gewaltdefinition und zeigt auf, wie der Begriff in der Wissenschaft von einer rein physischen zu einer erweiterten Auffassung gewachsen ist.
3. Gewalt als Männerproblem: Hier wird diskutiert, warum Gewalt primär mit Männern assoziiert wird und welche Rolle Kriminalstatistiken und gesellschaftliche Konstruktionen dabei spielen.
3.1 Männer als Gewalttäter: Dieser Abschnitt vertieft die Gründe für die statistische Dominanz männlicher Täter und beleuchtet den Einfluss von Geschlechterrollenbildern.
3.2 Männer als Opfer von Gewalt: Das Kapitel beleuchtet die oft ignorierte Problematik männlicher Opfer und die psychologischen Hürden, die eine Auseinandersetzung mit der eigenen Opferrolle erschweren.
4. Frauen als Täter und Opfer von Gewalt: Dieser Teil untersucht die Rolle der Frau in der Gewaltdebatte und analysiert gesellschaftliche Erwartungshaltungen.
4.1 Frauen als Täterinnen: Hier wird analysiert, warum Frauen eher zu indirekten oder relationalen Gewaltformen neigen und weshalb sie seltener als Täterinnen in Statistiken erscheinen.
4.2 Frauen als Opfer: Dieser Abschnitt fokussiert auf sexuelle Gewalt gegen Frauen und die strukturellen Probleme bei der Anzeigeerstattung und Stigmatisierung.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine monokausale Erklärung von Gewalt nicht möglich ist und ein erweiterter, geschlechtersensibler Gewaltbegriff für ein tieferes Verständnis unerlässlich ist.
Schlüsselwörter
Gewaltforschung, Geschlechterrolle, Kriminalstatistik, Männlichkeit, Täterschaft, Viktimisierung, physische Gewalt, psychische Gewalt, Partnergewalt, Geschlechterstereotypen, sexuelle Gewalt, Gewaltprävention, Dunkelziffer, soziale Konstruktion, Gewaltbegriff.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob Gewalt ein reines Männerproblem darstellt oder ob Frauen ebenfalls einen signifikanten Anteil an Gewalthandlungen haben, wobei gesellschaftliche Vorurteile hinterfragt werden.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Definition von Gewalt, die Interpretation polizeilicher Kriminalstatistiken, die Konstruktion männlicher und weiblicher Geschlechterrollen sowie die Thematik der Gewalt gegen Männer.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch eine wissenschaftliche Analyse ein differenzierteres Verständnis von Gewalt zu erlangen, das über die einseitige Wahrnehmung von Männern als Täter und Frauen als Opfer hinausgeht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die verschiedene fachwissenschaftliche Ansätze und empirische Studien zur Gewaltforschung vergleicht und kritisch einordnet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Gewalt als Männerproblem, die Analyse von Männern als Opfer sowie eine differenzierte Betrachtung von Frauen als Täterinnen und Opfer.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Gewaltbegriff, Geschlechterrollen, Kriminalitätsstatistik, Viktimisierung und soziale Konstruktion geprägt.
Warum werden in Statistiken weniger Frauen als Täterinnen erfasst?
Frauen nutzen häufiger unprototypische, wie etwa relationale oder verbale Gewaltformen, die schwerer nachweisbar sind und das Entdeckungsrisiko für sie senken.
Welches Paradoxon ergibt sich für Männer als Gewaltopfer?
In einer zweigeschlechtlichen Ordnung gilt das „männliche Opfer“ als Paradoxon, da Männern Stärke und Macht zugeschrieben werden, was das Eingeständnis von eigener Schwäche erschwert.
Wie beeinflusst die öffentliche Meinung die Gewaltforschung?
Die öffentliche Meinung prägt die Wahrnehmung, was dazu führt, dass Forschungsergebnisse, die nicht ins traditionelle Geschlechterbild passen, weniger Resonanz finden oder tabuisiert werden.
Welche Rolle spielt psychische Gewalt?
Psychische Gewalt wird oft verharmlost oder nicht wahrgenommen, obwohl sie langfristig schwerere Schäden anrichten kann als physische Angriffe.
- Citation du texte
- Ann Fuhl (Auteur), 2016, Ist Gewalt ein reines Männerproblem oder haben Frauen auch einen Anteil daran? Die Betrachtung der Geschlechter als Täter und Opfer von Gewalt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/595734