Notwendigkeit, Zielsetzung und Aufgabe der Sprachpflege. Sprachberatung am Germanistischen Institut der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

22 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung

1 Sprachpflege
1.1 Definition
1.2 Geschichtlicher Überblick der Sprachpflege
1.2.1 Sprachpflege im 17. Jahrhundert
1.2.2 Sprachpflege im 18. und 19. Jahrhundert (bis etwa 1830)
1.2.3 Sprachpflege von circa 1830 bis 1918
1.2.4 Sprachpflege von 1919 bis 1945
1.2.5 Sprachpflege von 1946 bis circa 1970
1.3 Abgrenzung zu Sprachkultur, Sprachkritik und Sprachpolitik

2 Praktische Sprachpflege
2.1 Geschichte der Sprachberatungsstellen
2.2 Was Sprachberatungen leisten
2.3 Praktische Sprachpflege in der Sprachberatung in Halle/Saale
2.4 Eine Auswahl aus aktuellen Anfragen

3 Fazit

4 Literaturverzeichnis
4.1 Literatur aus einer Online-Recherche

0 Einleitung

In den vergangenen zehn Jahren wurde wohl kaum ein amtliches Regelwerk so oft reformiert wie die deutsche Rechtschreibung. Es wurde vielfach diskutiert und wiederholt Ergänzungen bzw. Änderungen vorgenommen, dutzende Schulbücher mussten neu gedruckt werden.[1] Hilfe für die unsicheren und irritierten Bürger gab und gibt es bei verschiedenen Institutionen und Sprachberatungsstellen, die praktische Sprachpflege betreiben.

Das Ziel meiner Hausarbeit soll sein, die Notwendigkeit, Zielsetzung und Aufgaben der gegenwärtigen Sprachpflege aufzuzeigen. Dazu wird der Begriff der Sprachpflege definiert und von den Begriffen Sprachkultur, Sprachkritik und Sprachpolitik abgegrenzt. Zusätzlich soll die Frage geklärt werden, warum (bis heute?) eine gewisse Skepsis und Sensibilität gegenüber deutscher Sprachpflege bzw. Sprachpolitik besteht und wie es dazu kam? Ich werde kurz auf die Geschichte der Sprachpflege eingehen, um die Entwicklung der sprachpflegerischen Arbeit ab dem 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart darzustellen. Im zweiten Kapitel werde ich auf Sprachberatungsstellen in Deutschland näher eingehen und deren Arbeit erläutern. Des Weiteren beschäftige ich mich in der Seminararbeit mit der Sprachberatung am germanistischen Institut der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, deren Aufgaben und einigen aktuellen Beispielen.

1 Sprachpflege

1.1 Definition

Der Begriff der Sprachpflege hat in der Wissenschaft kaum eine einheitliche Terminologie erfahren. Albrecht Greule (1986) bemerkte dazu, Sprachpflege bliebe mit dem Verweis auf den DUDEN, der „heiligen Kuh“ der Deutschen, eine bloße Normvermittlung, „bestenfalls werden je nach Kommunikationssituation variierende sprachliche Alternativen genannt.“[2] Dass Sprachpflege aber mehr als nur eine Normvermittlung ist, beschreibt Greule folgendermaßen:

„Sprachpflege hat mehr zu leisten, als nur mitzuteilen, daß nach der Präposition wegen tunlichst der Genitiv zu setzen ist.“ (Greule/Ahlvers-Liebel 1986, 80)

„Sprachpflege muß sowohl die aktive als auch die passive Kommunikationsfähigkeit der Sprecher fördern und verbessern.“ (Greule/Ahlvers-Liebel 1986, 274)

Wo Sprachförderung (bewusst) beginnt, ist leicht zu benennen: in der Schule wird neben der grundsätzlichen Normvermittlung mit Sprache gearbeitet, sei es in schriftlichen Aufsätzen, Referaten, Buchvorstellungen oder Gedichtinterpretationen. In der außerschulischen Sprachpflege, so zum Beispiel in den Massenmedien, wird es wiederum schwieriger zu bestimmen, wo Sprachpflege beginnt bzw. aufhört (Bildzeitung vs. Süddeutsche Zeitung oder in der Werbesprache). Durch konsultative Sprachberatung (z.B. telefonische Sprachauskunft) wird explizit an Problemen im Umgang mit (oder Verständnis von) Sprache gearbeitet. Neben der Förderung und Verbesserung gibt es allerdings noch mehr Funktionen der Sprachpflege zu zuordnen. In Metzlers Lexikon für Sprache, herausgegeben von Helmut Glück, ist unter dem Begriff der Sprachpflege zu lesen:

„Förderung des korrekten Sprachgebrauchs i. S. der Beachtung der geltenden Sprachnormen und Erziehung zu einem reflektierten Umgang mit der Sprache.“ (Glück 1993, 582)

Da Sprachwandel als „[...] Prozess der Veränderung von Sprachelementen und Sprachsystemen [...]“[3] seit jeher besteht, sind Bemühungen der Sprachvereinheitlichung so selbst einem ständigen Wandel unterlegen. Wichtig ist vor allem hier der reflektierte Umgang mit der Sprache. Oftmals möchten Menschen ihre Sprache als etwas Statisches oder Eindeutigeres verstehen, um sprachliche Zweifelsfälle auszugrenzen und eben eine eindeutige Regel zu kennen. Aus der Sprachberatung kennt man das Problem sehr gut. Die Ratsuchenden fordern oftmals eine konkrete Entscheidung und der Berater fungiert als Schiedsrichter. Der Versuch mehr Aufgeschlossenheit und Sensibilisierung der Sprache gegenüber, auch Sprachkritik (Vgl. Kap. 1.3) zu fördern, ist schwierig.

Einflüsse durch fremde Sprachen und den Überlegungen diese zu übersetzten, um so das Deutsche „rein“ zu halten (Sprachpurismus), brachten der Sprachpflege keinen guten Ruf. In einem Aufsatz beschreibt Joachim Sartorius (2000) diese ambivalente und vorsichtige Haltung gegenüber Sprachpflege im deutschsprachigen Raum. Die Einstellung resultiert aus den spezifischen geschichtlichen Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus. Gemeint damit ist die propagandistische und persuasive Sprachverwendung (durch z.B. sich wiederholende Schlagworte und Redewendungen) zur Verbreitung nationalsozialistischer Ideologien und zur Förderung der Kriegsbereitschaft.[4] Heute grenzen sich viele wichtige Sprachinstitutionen wie die GfdS (Gesellschaft für deutsche Sprache) oder das IDS (Institut für Deutsche Sprache) deutlich vom Sprachpurismus ab. Der folgende Überblick über die Sprachpflegegeschichte kann im Rahmen der Seminararbeit nicht vollständig bearbeitet werden, soll aber einen Einblick in die Entwicklung und Arbeit der Sprachpflege wiedergeben.

1.2 Geschichtlicher Überblick der Sprachpflege

Im gesamten Überblick wird der Begriff der Sprachpflege von mehreren Autoren sehr undifferenziert behandelt.[5] In den letzten vier Jahrhunderten, die für die Sprachpflege eine große Bedeutung haben, ist es nach Greule (1982) fast unmöglich den Begriff einheitlich zu beschreiben. Nicht selten spricht man bei den Aktivitäten und einigen Institutionen von Sprachlenkung, worunter Greule „alle Formen der Einflußnahme auf die Sprache, genauer auf die Sprachverwendung“[6] versteht. Diese Formen waren zum Beispiel Sprachregelungen, Fremdwörterbekämpfung (Sprachreinigung), Vereinheitlichung der Aussprache (Bühnensprache) oder auch Einflüsse herausragender Dichter und deren Werke, die zu Vorbildern für die Sprachverwendung wurden. Nach Hadumod Bußmann wird Sprachpflege als eine Form der Sprachlenkung gesehen. Den Begriff der Sprachlenkung versteht Bußmann als Sammelbegriff für verschiedene Formen der Einflussnahme auf die Sprache. Neben einer beratenden Funktion, die auf Sprachkritik (Sprachreflexion) beruht, gibt es neben der Sprachreinigung auch Maßnahmen der politischen Sprachregelung (Vgl. Kap. 1.3 Sprachpolitik) und Sprachplanung durch Vorschriften und Sanktionen.[7] Somit werden im folgenden geschichtlichen Überblick die erwähnten Aktivitäten der Sprachpflege jeweils genauer benannt und erläutert.

Die Einteilung der Geschichte der Sprachpflege beginnt nach Greule im 17. Jahrhundert. Insgesamt teilt er die Historie in folgende fünf Phasen:

(1) 17. Jahrhundert; Barock
(2) 18. und 19. Jahrhundert (bis etwa 1830); Aufklärung und Klassik
(3) 1830 bis 1918; bis zum Ende des Zweiten Kaiserreichs
(4) 1919 bis 1945; Weimarer Republik und Drittes Reich
(5) 1946 bis ca. 1970; bis zur Gründung des IDS in Mannheim (1968)

Diese Phasen zeichnen sich durch unterschiedliche Charakterisierungen aus, wie die Herausbildung einer deutschen Literatursprache in (2) oder festigende schriftsprachliche Normen durch das Schulwesen in (3), (4) und (5).[8]

[...]


[1] Vgl. Brabandt 2006, S.1.

[2] Vgl. Greule/Ahlvers-Liebel 1986, 80.

[3] Vgl. Bußmann 2002, 638.

[4] Vgl. Sartorius 2000, S. 10.

[5] Vgl. Fahrenkrog Clay 1981; Hillen 1982; Ludwig 1983 in Greule/Ahlvers-Liebel 1986, 6.

[6] Vgl. Greule 1982, 278f.

[7] Vgl. Bußmann 2002, S. 626ff.

[8] Vgl. Greule/Ahlvers-Liebel 1986, S. 7.

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Details

Titel
Notwendigkeit, Zielsetzung und Aufgabe der Sprachpflege. Sprachberatung am Germanistischen Institut der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Germanistisches Institut (Sprachwissenschaft))
Veranstaltung
Hauptseminar "Sprachpolitik, Sprachpflege, Sprachberatung"
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
22
Katalognummer
V59593
ISBN (eBook)
9783638534895
ISBN (Buch)
9783656782346
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Notwendigkeit, Zielsetzung, Aufgabe, Sprachpflege, Beispielen, Sprachberatung, Halle, Institut), Hauptseminar, Sprachpolitik
Arbeit zitieren
Sandra Ribbe (Autor), 2006, Notwendigkeit, Zielsetzung und Aufgabe der Sprachpflege. Sprachberatung am Germanistischen Institut der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59593

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