In den vergangenen zehn Jahren wurde wohl kaum ein amtliches Regelwerk so oft reformiert wie die deutsche Rechtschreibung. Es wurde vielfach diskutiert und wiederholt Ergänzungen bzw. Änderungen vorgenommen, dutzende Schulbücher mussten neu gedruckt werden. Hilfe für die unsicheren und irritierten Bürger gab und gibt es bei verschiedenen Institutionen und Sprachberatungsstellen, die praktische Sprachpflege betreiben. Das Ziel meiner Hausarbeit soll sein, die Notwendigkeit, Zielsetzung und Aufgaben der gegenwärtigen Sprachpflege aufzuzeigen. Dazu wird der Begriff der Sprachpflege definiert und von den Begriffen Sprachkultur, Sprachkritik und Sprachpolitik abgegrenzt. Zusätzlich soll die Frage geklärt werden, warum (bis heute?) eine gewisse Skepsis und Sensibilität gegenüber deutscher Sprachpflege bzw. Sprachpolitik besteht und wie es dazu kam? Ich werde kurz auf die Geschichte der Sprachpflege eingehen, um die Entwicklung der sprachpflegerischen Arbeit ab dem 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart darzustellen. Im zweiten Kapitel werde ich auf Sprachberatungsstellen in Deutschland näher eingehen und deren Arbeit erläutern. Des Weiteren beschäftige ich mich in der Seminararbeit mit der Sprachberatung am germanistischen Institut der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, deren Aufgaben und einigen aktuellen Beispielen.
Inhaltsverzeichnis der Seminararbeit
0 Einleitung
1 Sprachpflege
1.1 Definition
1.2 Geschichtlicher Überblick der Sprachpflege
1.2.1 Sprachpflege im 17. Jahrhundert
1.2.2 Sprachpflege im 18. und 19. Jahrhundert (bis etwa 1830)
1.2.3 Sprachpflege von circa 1830 bis 1918
1.2.4 Sprachpflege von 1919 bis 1945
1.2.5 Sprachpflege von 1946 bis circa 1970
1.3 Abgrenzung zu Sprachkultur, Sprachkritik und Sprachpolitik
2 Praktische Sprachpflege
2.1 Geschichte der Sprachberatungsstellen
2.2 Was Sprachberatungen leisten
2.3 Praktische Sprachpflege in der Sprachberatung in Halle/Saale
2.4 Eine Auswahl aus aktuellen Anfragen
3 Fazit
4 Literaturverzeichnis
4.1 Literatur aus einer Online-Recherche
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Notwendigkeit, Zielsetzung und Aufgaben der zeitgenössischen Sprachpflege. Dabei wird der Begriff der Sprachpflege definiert, historisch eingeordnet und von verwandten Konzepten abgegrenzt, um schließlich die praktische Arbeit von Sprachberatungsstellen, insbesondere am Germanistischen Institut der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, zu beleuchten.
- Historische Entwicklung der Sprachpflege vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart.
- Konzeptionelle Abgrenzung von Sprachpflege, Sprachkultur, Sprachkritik und Sprachpolitik.
- Struktur und Arbeitsweise moderner Sprachberatungsstellen in Deutschland.
- Analyse der Sprachberatung in Halle/Saale als Beispiel praktischer Sprachförderung.
- Fallbeispiele für aktuelle Anfragen an Sprachberatungsstellen.
Auszug aus dem Buch
1.2.1 Sprachpflege im 17. Jahrhundert
Die Sprachgeschichtsschreibung zu dieser Zeit erzählt von einem Gegensatz. Einerseits verzeichnete man eine Hinwendung zur Muttersprache. Das Deutsche wurde sogar hoch geschätzt und zu den sogenannten Hauptsprachen (neben Latein, Hebräisch und Griechisch) gezählt. Andererseits wurde die Hauptsprache Latein an der Universität und in der Kirche weiterhin bevorzugt, wodurch die Bemühungen um eine Einheitssprache zum Scheitern verurteilt waren. Besonders durch das Alamodewesen wurde das Deutsche mit französischen Wörtern in der höfischen Kultur überfremdet. Der Dreißigjährige Krieg mit fremden Militärtruppen trug zur Übernahme von neuen Fremdwörtern in den unteren Gesellschaftsschichten bei. Hier begann neben der Geschichte der Sprachpflege auch die Geschichte der Sprachreinigung. Ein Zeitgenosse, Georg Philipp Harsdörffer (1607-1658) beschreibt die Ziele der damals benannten Spracharbeit: Sprachreinheit, Sprachschönheit (mündliche und schriftliche Formulierungen), Sprachrichtigkeit, Erstellen eines Wörterbuches und Fachwörterbuches, gute Übersetzung von nützlichen und lustigen Büchern. Die Ziele sollten durch zahlreich entstandene Sprachgesellschaften, wie die „Fruchtbringende Gesellschaft“ (Palmenorden), erarbeitet werden. Zahlreiche Übersetzungen erbrachten die Gesellschaften im 17. Jahrhundert. Bekannte Ergebnisse der Spracharbeit im Bereich der Sprachrichtigkeit (grammatische und orthografische Regeln) waren unter anderen die erste vollständige deutsche Sprachlehre von Johannes Kromayer („Deutsche Grammatica“ von 1618) oder von Christian Gueintz („Deutscher Sprachlehre Entwurf“, 1641).
Zusammenfassung der Kapitel
0 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Sprachpflege ein, beleuchtet den Diskurs um Rechtschreibreformen und definiert die Zielsetzung der Arbeit sowie das methodische Vorgehen.
1 Sprachpflege: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Fundierung, definiert den Begriff der Sprachpflege, gibt einen historischen Abriss der letzten vier Jahrhunderte und grenzt den Begriff von Sprachkultur, Sprachkritik und Sprachpolitik ab.
2 Praktische Sprachpflege: Der Fokus liegt hier auf der praktischen Anwendung, insbesondere der Geschichte und Arbeitsweise von Sprachberatungsstellen, illustriert durch die spezifische Beratungsarbeit in Halle/Saale und konkrete Anfragen.
3 Fazit: Das Fazit fasst die Bedeutung der Sprachpflege für die Identität und Sprachkultur zusammen und wirft einen Blick auf zukünftige Entwicklungen im Informationszeitalter.
4 Literaturverzeichnis: Dieses Verzeichnis listet sämtliche verwendeten Quellen und die für die Recherche genutzten Online-Ressourcen auf.
Schlüsselwörter
Sprachpflege, Sprachberatung, Sprachgeschichte, Sprachkultur, Sprachpolitik, Sprachkritik, Sprachlenkung, Normvermittlung, Sprachförderung, Rechtschreibreform, Sprachwandel, Sprachberatungsstelle, Germanistik, Sprachberatung Halle, Sprachreinigung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das Feld der Sprachpflege, ihre theoretischen Grundlagen, ihre historische Entwicklung sowie ihre praktische Umsetzung durch Sprachberatungsstellen in Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zu den zentralen Themen gehören die Definition und Geschichte der Sprachpflege, die Abgrenzung zu Begriffen wie Sprachpolitik und Sprachkultur, sowie die konkrete Arbeit der Sprachberatung in Halle/Saale.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Notwendigkeit, Zielsetzung und Aufgaben der heutigen Sprachpflege aufzuzeigen und zu erläutern, warum das Feld teilweise kritisch gesehen wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die theoretische Konzepte der Sprachpflege aufarbeitet und diese mit empirischen Einblicken in die Arbeit der Sprachberatung in Halle verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der geschichtliche Überblick, die begriffliche Abgrenzung, die Struktur der praktischen Sprachpflege sowie spezifische Fallbeispiele aus der Beratungspraxis dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie Sprachpflege, Sprachberatung, Sprachgeschichte, Sprachpolitik und Sprachkultur charakterisiert.
Welche Rolle spielt die Sprachberatung in Halle?
Die Sprachberatung in Halle dient als exemplarisches Pilotprojekt, das nach der Wende zur Bewältigung deutsch-deutscher Sprachprobleme und zur Identitätsfindung beitrug.
Warum gibt es Skepsis gegenüber der Sprachpflege?
Die Skepsis rührt zum Teil aus den historischen Erfahrungen mit der Instrumentalisierung von Sprache durch den Nationalsozialismus und puristischen Bestrebungen in der Vergangenheit.
Wie verändern sich die Anfragen an die Beratungsstellen?
Es ist ein Wandel vom Dialog hin zur Forderung nach schnellen, eindeutigen Entscheidungen zu beobachten, wobei sich auch die Medien von Briefen hin zu Telefon und E-Mail verschoben haben.
- Quote paper
- Sandra Ribbe (Author), 2006, Notwendigkeit, Zielsetzung und Aufgabe der Sprachpflege. Sprachberatung am Germanistischen Institut der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59593