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Zwischen Schaffung und Abschaffung von Geschlechter-Klischees

Das Paradoxon der Programmatik des Girls' und Boys' Day

Titel: Zwischen Schaffung und Abschaffung von Geschlechter-Klischees

Bachelorarbeit , 2018 , 63 Seiten , Note: 1,5

Autor:in: Jill Krämer (Autor:in)

Pädagogik - Inklusion
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Zusammenfassung Leseprobe Details

„Stoppt den Gender-Wahn“ und ähnliche Forderungen waren 2018 auf Wahlplakaten, Demonstrationen oder in den Medien zu lesen und zu hören. Ob im Fernsehen, im Internet, in den Nachrichten oder in zahlreichen öffentlichen Debatten, überall wird über geschlechtliche Vielfalt, Diskriminierung, Akzeptanz und Diversität diskutiert. Diese Themen wirken sich zunehmend auf den Alltag aus und gewinnen in der Politik an Aufmerksamkeit. Entwicklungen, wie die Einführung eines dritten positiven Geschlechtseintrag in der Geburtsurkunde oder die sogenannte "Ehe für alle", werden auf der einen Seite hoch gelobt und auf der anderen Seite stark kritisiert, doch was steckt hinter der Debatte?

Der zentrale Aspekt der Diskussion ist die Gleichberechtigung von Mann und Frau. In Zeiten der geschlechtlichen und sexuellen Vielfalt entwickelt sich die Thematik zunehmend zu einem Diskurs über Gleichberechtigung jenseits dieser Kategorien. Jedoch scheint das heteronormative System, welches die Existenz weiterer Geschlechter neben Mann und Frau ausschließt, nach wie vor stark in der Gesellschaft verankert zu sein. Viele Konzepte und Maßnahmen zur Förderung von Männern und Frauen basieren auf diesem System und insbesondere auf dem Arbeitsmarkt spielt das Geschlecht nach wie vor eine zentrale Rolle. Das zeigt sich beispielsweise in den Lohnunterschieden oder der Spaltung des Berufsfeldes in sogenannte Frauen- und Männerberufe. Solche Unterschiede bestehen schon lange und werden zunehmend kritisch hinterfragt, da sie zu Benachteiligung und Diskriminierung des einen oder anderen Geschlechts führen. Projekte, wie der Girls‘ und Boys‘ Day, sind in der deutschen Bildungslandschaft fest verankert. Sie sind ein Beispiel für vielfältige Maßnahmen, die zum Ausgleich der Geschlechterungleichheiten beitragen sollen.

Ich selbst habe während meiner Schulzeit zweimal am Girls‘ Day teilgenommen. Mir sind damals, wie heute einige Aspekte aufgefallen, die mich an der Konzeption des Mädchen-Zukunftstages stören. Seither beschäftigt mich das Thema zunehmend. Ich habe den Eindruck, dass die Programmatik des Girls‘ und Boys‘ Day angesichts der aktuellen Entwicklungen nicht mehr zeitgemäß ist und ihr Ziel, der Ungleichverteilung der Geschlechter auf dem Arbeitsmarkt entgegenzuwirken, nicht das eigentliche Problem der Benachteiligung lösen kann. Daher möchte ich in dieser Arbeit eine genauere Analyse des aktuellen Geschlechterdiskurses sowie der Programmatiken des Girls‘ und Boys‘ Day vornehmen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Heteronormativität vs. geschlechtliche Vielfalt

2.1 Mann, Frau, Mensch - Über die Unterschiede zwischen den Geschlechtern und die Entstehung von Geschlechter-Klischees

2.1.1 Das biologische Geschlecht

2.1.2 Das soziale Geschlecht

2.1.3 Die Geschlechtsidentität

2.1.4 Die Sexualität

2.1.5 Zusammenfassung: Was unterscheidet Männer und Frauen?

2.2 Zwischen Anpassung und Entfaltung - Über die Vor- und Nachteile von Heteronormativität

2.2.1 Heteronormativität in der Gesellschaft

2.2.2 Heteronormativität, Geschlecht und das Individuum

2.2.3 Zusammenfassung: Warum kategorisieren sich Menschen nach Geschlecht?

3. Jungen vs. Mädchen - Frauen vs. Männer: Über die Trennung der Geschlechter in Schule, Ausbildung und Beruf

3.1 Geschlechterdifferenzen im (Aus-)Bildungssystem und Berufsfeld

3.1.1 Geschlechterdifferenzen im Bildungssystem

3.1.2 Geschlechterdifferenzen im Ausbildungssystem

3.1.3 Geschlechterdifferenzen im Berufsfeld

3.2 Erklärungsmodelle zur geschlechtsspezifischen Segregation des Arbeitsmarktes

3.2.1 Subjektorientierte Erklärungsmodelle

3.2.2 Strukturorientierte Erklärungsmodelle

3.2.3 Konstruktionstheoretische Erklärungsmodelle

3.3 Die Bedeutung von Geschlecht in der Berufswahl

4. Förderung für Mädchen - für Jungen - für alle: Über die Verschiebung der Ungleichheiten

4.1 Geschichtlicher Hintergrund: Mädchenförderung - Jungenförderung

4.2 Der neue Ansatz: Gender Mainstreaming

4.2.1 Der Wandel von Gleichstellungspolitiken im universitären Kontext

4.2.2 Gender Mainstreaming in Vorbereitungsmaßnahmen zur Berufswahl

4.2.3 Kritik am Gender Mainstreaming

4.3 Aktuelle Entwicklungen: Managing Diversity

5. Ein Zukunftstag für Mädchen, ein Zukunftstag für Jungen: Über das Paradoxon der Programmatik des Girls‘ und Boys‘ Day

5.1 Die Anfänge

5.2 Und was ist mit den Jungen?

5.3 Organisationsstruktur

5.4 Die konkrete Maßnahme

5.5 Analyse der Programmatik

5.5.1. Rechtliche Grundlagen

5.5.2 Aktuelle Situation in Deutschland

5.5.3 Zielsetzung

5.5.4 Maßnahmenkonzeption und Umsetzung

5.5.5 Evaluation

5.5.6 Abschließende Bewertung

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Paradoxon der Programmatik des Girls‘ und Boys‘ Day. Dabei wird analysiert, inwiefern diese Initiativen, die den Abbau von Geschlechterklischees am Arbeitsmarkt anstreben, durch ihre binäre Konzeption genau jene geschlechtsspezifischen Unterschiede reproduzieren, die sie eigentlich aufheben wollen.

  • Heteronormativität als gesellschaftliches Ordnungsmuster
  • Geschlechtsspezifische Segregation in Bildung und Arbeitsmarkt
  • Theoretische Erklärungsmodelle für Berufswahlverhalten
  • Entwicklung von Mädchen- und Jungenförderung bis zum Gender Mainstreaming
  • Kritische Analyse der Konzepte Girls‘ Day und Boys‘ Day

Auszug aus dem Buch

2.1.1 Das biologische Geschlecht

Ein Aspekt, in dem sich Menschen unterscheiden, ist der Körper. Bis zur sechsten Schwangerschaftswoche trägt jeder Fötus Anlagen für das männliche sowie das weibliche Geschlecht in sich. Erst danach prägen die Gene ein männliches oder weibliches Wesen (vgl. Tillmann, 2006, S. 47 f.), welches sich durch die Entwicklung der Chromosomen, Hormone, inneren Genitalien und äußeren Geschlechtsmerkmale definiert (vgl. Kockott, 2016). Die Summe der körperlichen Merkmale kennzeichnet das biologische Geschlecht, welches einem Menschen nach der Geburt zugewiesen wird (vgl. ebd.). Nicht jeder Fötus entwickelt sich eindeutig männlich oder weiblich. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass es eine Vielzahl von biologischen Geschlechtern gibt, die durch Variationen der zuvor genannten Merkmale hervorgehen (vgl. Hempel, 2017). Es sind mittlerweile mehr als ein Dutzend verschiedener Ausprägungen der Geschlechtsentwicklung bekannt, die unter dem Begriff Intersexualität zusammengefasst werden (vgl. ebd.). Sie sind nicht mit einer Fehlbildung oder Krankheit gleichzusetzen (vgl. Bundesärztekammer, 2015, S. 1).

Intersexualität wird bis heute nicht vollkommen von der Gesellschaft anerkannt. Damit intersexuelle Kinder einem Geschlecht zugeordnet werden können, werden sie nach der Geburt i.d.R. operiert. Es handelt sich dabei in den meisten Fällen nicht um medizinisch notwendige, sondern rein kosmetische, geschlechtsangleichende Eingriffe. Verschiedene Verbände und Organisationen kritisieren dies als Menschenrechtsverletzung (vgl. Hempel, 2017). Zudem ist es erst seit 2013 möglich, kein Geschlecht im Geburtenregister eintragen zu lassen. §22 des Personenstandsgesetzes (PStG) wurde um einen dritten Absatz ergänzt, welcher lautet: „Kann das Kind weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden, so ist der Personenstandsfall ohne eine solche Angabe in das Geburtenregister einzutragen“ (§22 Abs.3 PStG). Bis dahin waren Eltern gezwungen ihr intersexuelles Kind dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zuzuordnen und dem heteronormativen System anzupassen. Die Zuordnung sowie geschlechtsangleichende Operationen finden heutzutage immer noch bei vielen intersexuellen Menschen statt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik der geschlechtlichen Vielfalt und der kritische Diskurs über die Programmatik von Girls‘ und Boys‘ Day.

2. Heteronormativität vs. geschlechtliche Vielfalt: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Geschlechtsbegriff, Heteronormativität und der sozialen Konstruktion von Geschlecht.

3. Jungen vs. Mädchen - Frauen vs. Männer: Über die Trennung der Geschlechter in Schule, Ausbildung und Beruf: Analyse der bestehenden Geschlechtersegregation und Erklärungsmodelle für das Berufswahlverhalten.

4. Förderung für Mädchen - für Jungen - für alle: Über die Verschiebung der Ungleichheiten: Darstellung der historischen Entwicklung von Förderansätzen, vom Feminismus bis zu Gender Mainstreaming und Managing Diversity.

5. Ein Zukunftstag für Mädchen, ein Zukunftstag für Jungen: Über das Paradoxon der Programmatik des Girls‘ und Boys‘ Day: Detaillierte Analyse und Bewertung der Konzepte, Strukturen und Zielsetzungen der beiden Aktionstage.

6. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Ausblick auf mögliche zukünftige Ansätze einer diversitätsorientierten Berufsorientierung.

Schlüsselwörter

Heteronormativität, Geschlechterklischees, Girls‘ Day, Boys‘ Day, Geschlechtersegregation, Gender Mainstreaming, Managing Diversity, Berufswahl, Gleichberechtigung,doing gender, Intersexualität, Intersektionalität, Sozialisation, Rollenbilder, Arbeitsmarkt

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie Geschlechterklischees und Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt durch die Programme Girls‘ Day und Boys‘ Day beeinflusst, reproduziert oder aufgebrochen werden.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die Arbeit verknüpft gesellschaftstheoretische Konzepte wie Heteronormativität und doing gender mit empirischen Daten zur geschlechtsspezifischen Segregation am Arbeitsmarkt sowie einer Analyse politischer Gleichstellungsmaßnahmen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu klären, inwiefern die getrennte Betrachtung der Geschlechter in den Förderprojekten einer wirklichen Gleichstellung entgegensteht oder diese durch die Aufarbeitung starrer Strukturen unterstützt.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf einer umfassenden Literaturrecherche, der Auswertung bestehender Evaluationsberichte und der Anwendung aktueller gleichstellungspolitischer Konzepte (z.B. Gender Mainstreaming, Managing Diversity) basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen der Geschlechterkonstruktion, die statistischen Unterschiede in Bildungsbiographien und Berufswahl sowie eine kritische Analyse der organisatorischen und inhaltlichen Ausgestaltung der beiden Zukunftstage.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Heteronormativität, Gender Mainstreaming, Geschlechtersegregation, Berufs- und Studienwahl sowie das Konzept der geschlechtlichen Vielfalt.

Warum wird das Konzept der „Leaky Pipeline“ erwähnt?

Der Begriff beschreibt den Schwund von Frauen in höheren wissenschaftlichen Positionen und dient in der Arbeit als Beispiel dafür, wie sich Geschlechterverhältnisse im Verlauf von Bildungsbiographien verändern oder stabilisieren können.

Inwiefern spielt der „sameness taboo“ laut der Autorin eine Rolle?

Der Begriff, den Gayle Rubin prägte, verdeutlicht den gesellschaftlichen Zwang zur binären Differenzierung, was dazu führt, dass räumliche und strukturelle Trennungen von Arbeitsplätzen oft beibehalten werden, um eine vermeintliche Ordnung zu suggerieren.

Welchen Lösungsvorschlag bietet die Autorin für die Zukunft der Aktionstage?

Die Autorin plädiert für eine Zusammenführung der beiden getrennten Aktionstage in einen geschlechtsneutralen "Jugend-Zukunftstag", um nicht-binäre Identitäten einzuschließen und die starre Kategorisierung von "Männer-" und "Frauenberufen" zu überwinden.

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Details

Titel
Zwischen Schaffung und Abschaffung von Geschlechter-Klischees
Untertitel
Das Paradoxon der Programmatik des Girls' und Boys' Day
Hochschule
Universität Siegen
Note
1,5
Autor
Jill Krämer (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2018
Seiten
63
Katalognummer
V595970
ISBN (eBook)
9783346182371
ISBN (Buch)
9783346182388
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gender Gender Mainstreaming Girls' Day Boys' Day Geschlechter-Klischee biologisches Geschlecht soziales Geschlecht Berufswahl Stereotype Heteronormatiivität
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Jill Krämer (Autor:in), 2018, Zwischen Schaffung und Abschaffung von Geschlechter-Klischees, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/595970
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  63  Seiten
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