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U4-208 antwortet nicht. Zur (Ir)relevanz der Systemtheorie für die Pädagogik

Title: U4-208 antwortet nicht. Zur (Ir)relevanz der Systemtheorie für die Pädagogik

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 26 Pages

Autor:in: Magister Artium Markus Szczesny (Author)

Pedagogy - Theory of Science, Anthropology
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Summary Excerpt Details

„Denn wenn man nicht sagen kann, dass man nicht meint, was man sagt, weil man dann nicht wissen kann, dass andere nicht wissen können, was gemeint ist, wenn man sagt, dass man nicht meint, was man sagt, kann man auch nicht sagen, dass man meint, was man sagt, weil dies dann entweder eine über flüssige und verdächtige Verdopplung ist oder die Negation einer ohnehin in kommunikablen Negation.“ Wenn Niklas Luhmann sich äußerte, ging es ihm im Allgemeinen nicht um leichte Verständlichkeit, sondern darum, das, was sich sagen lässt, so zu sagen, wie es sich sagen lässt. Dabei wurden Missverständnisse auf Seiten des Lesers bewusst einkal kuliert: „Mein Stil ist ja auch ironisch, um das [die Kontingenz der Theorie] genau zu markieren. Ich will damit sagen, nehmt mich bitte nicht zu ernst oder ver steht mich bitte nicht zu schnell.“ Luhmanns Theorie Sozialer Systeme bereitet deshalb nicht nur soziologischen Laien und ambitionierten Studierenden, „sondern auch [...] Fachleute[n] erhebliche Verständnisschwierigkeiten“. Und zumindest darin scheinen sich Luhmanns In terpreten und Exegeten einig: Bei der Expedition in Luhmanns Theorielabyrinth ist mit Hindernissen zu rechnen, deren Überwindung einen größeren Einsatz verlangt, als einem Durchschnittsintellektuellen im Allgemeinen zuzumuten wäre. Es mag daher kaum verwundern, dass sich die Auseinandersetzung mit Luhmanns Theorieangebot, zumindest im Bereich vermeintlich praktischer Erziehungs wissenschaft, der sich in bester Absicht ›Theorieresistenz‹ auf die Fahnen ge schrieben hat, auf bestenfalls polemische Ablehnung, normalerweise aber auf be harrliche Ignoranz beschränkt. Da sich Luhmanns Hinweise auf die zu erwartenden Vorteile einer detaillierten Kenntnis der Systemtheorie auf einem ähnlichen Ab straktionsniveau wie seine Ausführungen zur Theorie bewegen, halten sich auch die mehr theorieorientierten Versuche innerhalb der Pädagogik damit zurück einen klaren Unterschied zwischen traditionellen Beschreibungen des Erziehungs systems und der systemtheoretischen herauszuarbeiten. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Luhmanns Theorie Sozialer Systeme

1.1 Luhmanns Theorie Sozialer Systeme, eine Theorieskizze

1.2 Grundbegriffe der Systemtheorie

1.2.1 System / Umwelt

1.2.2 Sinn

1.2.3 Doppelte Kontingenz

1.2.4 Kommunikation

1.2.5 Latenz

2. Die Evolution der Gesellschaft

2.1 Funktionale Differenzierung der Gesellschaft

2.2 Das Erziehungssystem der Gesellschaft

2.2.1 Die Autonomie des Erziehungssystems

2.2.2 Das Medium des Erziehungssystems

2.2.3 Der Code des Erziehungssystems

2.2.4 Die Paradoxien des Erziehungssystems

3. Zur (Ir)relevanz der Systemtheorie für die Pädagogik

3.1 Paradigmenwechsel?

3.1.1 Humanontogenese

3.1.2 ›Postsubjektive‹ Pädagogik

3.1.3 Evolutionäre Pädagogik

3.2 Oder widerspruchslose Ablehnung?

3.3 Luhmanns Angebot

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Relevanz der Systemtheorie nach Niklas Luhmann für die Pädagogik und analysiert, warum eine fachliche Integration dieser soziologischen Theorie in die Erziehungswissenschaft bislang nur zögerlich oder polemisch erfolgt ist.

  • Grundlagen und zentrale Begriffe der Luhmannschen Theorie Sozialer Systeme.
  • Evolution der modernen Gesellschaft und die Ausdifferenzierung des Funktionssystems Erziehung.
  • Analyse der Paradoxien innerhalb des Erziehungssystems (Erziehung vs. Selektion).
  • Kritische Würdigung pädagogischer Rezeptionsversuche systemtheoretischer Ansätze.
  • Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen Gesellschaftstheorie und pädagogischer Praxis.

Auszug aus dem Buch

1.2.1 System / Umwelt

Ihren allgemeinsten Abstraktionsgrad erreicht die Systemtheorie in ihrer maßgeblichen begrifflichen Differenz: „Das zentrale Paradigma der neueren Systemtheorie heißt ›System und Umwelt‹.“

Die Unterscheidung von System und Umwelt erweitert den Komplexitätsgrad der Systemtheorie auf das gewünschte Maß, indem die systemtheoretische Perspektive radikal deontologisiert wird: „Alles, was vorkommt, ist immer zugleich zugehörig zu einem System (oder zu mehreren Systemen) und zugehörig zur Umwelt anderer Systeme. Jede Bestimmtheit setzt Reduktionsvollzug voraus, und jedes Beobachten, Beschreiben, Begreifen von Bestimmtheit erfordert die Angabe einer Systemreferenz, in der etwas als Moment des Systems oder als Moment seiner Umwelt bestimmt ist. Jede Änderung eines Systems ist Änderung der Umwelt anderer Systeme; jeder Komplexitätszuwachs an einer Stelle vergrößert die Komplexität der Umwelt für alle anderen Systeme.“

Dieser Komplexitätszuwachs hat zur Folge, dass ein System nur von seiner Umwelt unterschieden werden kann, wenn es seine Operationen selbstreferenziell organisiert. Als ›selbstreferenziell‹ werden Systeme bezeichnet, die ihre Operationen nur an vergangenen, eigenen Operationen orientieren. Luhmann verwendet diesen Begriff für „Systeme mit der Fähigkeit, Beziehungen zu sich selber herzustellen und diese Beziehungen zu differenzieren gegen Beziehungen zu ihrer Umwelt.“

Operationale Geschlossenheit ist so gesehen die Voraussetzung für die Offenheit von Systemen. Durch operative Schließung gewinnt das System seine Freiheit zur Selbstregulierung der Unbestimmtheiten gegenüber seiner Umwelt. Im Falle des Erziehungssystems spricht Luhmann diesbezüglich von ›Autonomie‹: „Wir definieren deshalb Autonomie als operative Schließung des Systems und operative Schließung als autopoietische Reproduktion der Elemente des Systems durch das Netzwerk eben dieser Elemente.“

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Schwierigkeiten beim Verständnis der Luhmannschen Systemtheorie und begründet das Ziel, die Kluft zwischen systemtheoretischer Forschung und pädagogischer Praxis zu skizzieren.

1. Luhmanns Theorie Sozialer Systeme: Dieses Kapitel rekonstruiert die theoretischen Grundlagen wie System/Umwelt, Sinn, doppelte Kontingenz und Kommunikation, um den systemtheoretischen Rahmen zu etablieren.

2. Die Evolution der Gesellschaft: Der Fokus liegt hier auf der Entwicklung der modernen, funktional differenzierten Gesellschaft und der spezifischen Darstellung des Erziehungssystems als Funktionssystem.

3. Zur (Ir)relevanz der Systemtheorie für die Pädagogik: Das Schlusskapitel würdigt verschiedene Versuche einer pädagogischen Rezeption der Systemtheorie und diskutiert die Ablehnung sowie das Angebot Luhmanns zur ernsthaften Auseinandersetzung.

Schlüsselwörter

Systemtheorie, Niklas Luhmann, Soziale Systeme, Erziehungssystem, Kommunikation, Autopoiesis, Differenzierung, Paradoxie, Pädagogik, Sinn, doppelte Kontingenz, evolutionäre Pädagogik, Postsubjektivität, Soziologie, Theoriekrise

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Verhältnis zwischen der soziologischen Systemtheorie von Niklas Luhmann und der Erziehungswissenschaft, um Gründe für die schwierige Rezeption dieser Theorie in der Pädagogik zu identifizieren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die systemtheoretischen Grundbegriffe, die funktionale Differenzierung des Erziehungssystems in der modernen Gesellschaft sowie die theoretische Auseinandersetzung mit Paradoxien in der Pädagogik.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die Kluft in der Rezeption systemtheoretischer Ansätze innerhalb der Pädagogik aufzuzeigen und zu begründen, warum eine fachliche Integration bisher nur schwer gelang.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theorieorientierte Arbeit, die systemtheoretische Texte von Niklas Luhmann rekonstruiert und mit pädagogischen Positionen sowie anderen Rezeptionsversuchen vergleicht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der soziologischen Systemgrundlagen, die evolutionäre Entstehung des Erziehungssystems und die anschließende kritische Diskussion pädagogischer Anknüpfungsversuche.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Systemtheorie, Kommunikation, Autopoiesis, Erziehungssystem, Paradoxie und gesellschaftliche Evolution.

Wie steht Luhmann zur pädagogischen Praxis?

Luhmann ist gegenüber der Selbstreflexion des Erziehungssystems skeptisch und beharrt auf dessen prinzipiell paradoxem Status, bietet jedoch eine ernsthafte kommunikative Auseinandersetzung zwischen Soziologie und Pädagogik an.

Was bedeutet das Latenz-Konzept im Kontext der Erziehung?

Latenz wird als Schutzfunktion begriffen, um durch Selektion Ordnungsgewinne zu verteidigen; pädagogische Probleme werden dadurch als Latenz-Probleme theoretisch beobachtbar.

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Details

Title
U4-208 antwortet nicht. Zur (Ir)relevanz der Systemtheorie für die Pädagogik
College
University of Göttingen  (Pädagogisches Seminar)
Course
Erziehungswissenschaft und Systemtheorie
Author
Magister Artium Markus Szczesny (Author)
Publication Year
2006
Pages
26
Catalog Number
V59611
ISBN (eBook)
9783638534994
Language
German
Tags
U4-208 Systemtheorie Pädagogik Erziehungswissenschaft Systemtheorie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Magister Artium Markus Szczesny (Author), 2006, U4-208 antwortet nicht. Zur (Ir)relevanz der Systemtheorie für die Pädagogik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59611
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