Mobbing in Behörden


Hausarbeit, 2019

35 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung und Problemstellung

2 Definition

3 Ursache und Entstehung
3.1 Verschiedene Mobbingarten
3.1.1 Bossing
3.1.2 Cyber-Mobbing
3.1.3 Soziales Mobbing
3.1.4 Verbales Mobbing
3.1.5 Straining – das neue Mobbing
3.2 Verlauf
3.2.1 Phase 1 – Konflikte
3.2.2 Phase 2 – Mobbing etabliert sich
3.2.3 Phase 3 – Destruktive Personalverwaltung
3.2.4 Phase 4 – Der Ausschluss
3.3 Mobbing in deutschen Behörden
3.3.1 Persönliche Empfindungen von Mobbing
3.3.2 Vorkommen von „Mobbing“ in deutschen Behörden
3.3.3 Mobbingklima in deutschen Behörden
3.3.4 Präventionsmaßnahmen gegen Mobbing

4 Schlusswort/Fazit

5 Literaturverzeichnis

6 Quellenverzeichnis

7 Anlagen

8 Anlage 1

9 Anlage 2

10 Anlage 3

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Kenntnis über Mobbing-Arten

Abbildung 2: Vier-Phasen-Modell

Abbildung 3: Anzahl Mobbing I

Abbildung 4: Anzahl Mobbing II

Abbildung 5: Präventionsmaßnahmen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung und Problemstellung

Das Thema „Mobbing in Behörden“ ist ein interessantes Thema, da der Begriff Mobbing einen großen Spielraum für die eigene Auslegung offen lässt. Da Mobbing in den täglichen Sprachgebrauch übergegangen ist, findet eine Verwendung häufiger statt, als es das Thema überhaupt definiert. So werden bereits Kleinigkeiten als Mobbing bezeichnet und eine Einordnung der Situation für wahre Mobbing-Opfer erschwert. Aufgrund dieser Überbenutzung des Wortes ist grundlegend erst einmal zu klären, was Mobbing überhaupt bedeutet und wie es entsteht. Hierzu muss das Mobbing erst in verschiedene Arten definiert werden, welche sich im Laufe der Zeit und Weiterentwicklung der Technik auch immer weiter angepasst haben. Sobald es zu Mobbing kommt, wird ein Prozess in Gang gesetzt, welcher sich nur schwer stoppen lässt. Damit ein solcher Prozess abläuft, kommt es auch auf die Empfindung eines Einzelnen an, was man demnach als Mobbing betrachtet oder ab welchem Zeitpunkt man sich gemobbt fühlt. Im Rahmen der Hausarbeit wird der Bezug von Mobbing prioritär auf die deutschen Behörden gelegt, da Mobbing in Behörden bereits seit einigen Jahren ein Thema ist. Mit der Einführung von Präventionsmaßnahmen wollte man das Thema und letztendlich die Mobbingfälle beseitigen. Daher soll nun aufgezeigt werden, ob Mobbing noch immer in Behörden vorkommt und wie die Mitarbeiter Informationen zu Präventionsmaßnahmen erhalten. Zu dem Hausarbeitsthema wurde eine Online-Umfrage (Anlage 2) durchgeführt, wo 94 Teilnehmer von Bundes- und Kommunalebene aus div. Behörden teilgenommen haben. Auf Landesebene gab es hier keine Rückmeldung, bzw. Teilnahme an der Umfrage.

2 Definition

Die Frage, wie viele Menschen von Mobbing betroffen sind, stellt sich immer wieder - Hierauf muss man mit einer Gegenfrage antworten: Wie soll man Mobbing definieren o.u. bemessen? (vgl. Leymann, 2009)

Der Begriff Mobbing (Substantiv „Mob“) kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie „der Pöbel, die Horde, das Gesindel“. (vgl. Ausfelder, 2001) Mit dem Begriff Mobbing ist eine negative kommunikative Situation gemeint, die für einen Einzelnen* gravierende psychische und somit auch körperliche Folgen mit sich bringen kann. (vgl. Leymann, 2009) So kommt es nicht von ungefähr, dass das Wort „Mobbing“ sehr eingängig klingt und sich in der Arbeitswelt einfach und schnell mit „Psychoterror am Arbeitsplatz“ übersetzen lässt. (vgl. Ausfelder, 2001) Bei solch einer Situation handelt es sich um einen Handlungsablauf, wo allerdings einzelne Handlungen erst dann zum Mobbing werden, wenn sie sich ständig wiederholen. (vgl. Leymann, 2009) Die allgemeine Definition von Heinz Leymann hierzu lautet: „Der Begriff Mobbing beschreibt negative kommunikative Handlungen, die gegen eine Person gerichtet sind (von einer oder mehreren anderen) und die sehr oft und über einen längeren Zeitraum hinaus vorkommen und damit die Beziehung zwischen Täter und Opfer kennzeichnen“. (Leymann, 2009, S. 21) Leymann definiert hier als „längeren Zeitraum“ eine Dauer von mindestens einem halben Jahr. Übergriffe, die nur einmal oder vereinzelt vorkommen, sind demnach lediglich bloße Unverschämtheiten oder dumme Scherze. (vgl. Leymann, 2009) Es gilt aber auch zu betrachten, welche Wirkung die Handlungen haben, also mit welcher Härte sie eingesetzt werden, was das Ziel ist und wie diese von dem Betroffenen* wahrgenommen werden. Diesbezüglich kann Mobbing daher auch schon in einer kürzeren Zeitspanne auftreten. (vgl. Wehrle, 2012) Da die persönliche Einstellung per Humor und Toleranz auch eine Rolle spielt, darf man aber nicht bei jeder Handlung, auch wenn sie vermehrt vorkommt, direkt von einem beginnenden Mobbingprozess ausgehen, da die Handlung letztendlich „nur ein dummer Büroscherz“ sein kann. (vgl. Honsa, 1999) Jeder Einzelfall muss separat auf Mobbing bewertet werden und kann nicht verallgemeinert werden. (vgl. Leymann, 2009)

3 Ursache und Entstehung

Die psychische Belastung am Arbeitsplatz nimmt im Verhältnis zur körperlichen Beanspruchung unverhältnismäßig stark zu und Themen wie Betriebsklima, Stress und Ängste am Arbeitsplatz, sowie die Führungsstile nehmen einen zunehmend großen Raum ein. (vgl. Beermann & Meschkutat, 1995) Dabei kommt es schon einmal zu Konflikten, welche aus Kleinigkeiten und Banalitäten entstehen können. Werden solche Konflikte nicht geklärt, schwelen sie weiter, werden größer und schließlich kann aus einem solchen Konflikt Mobbing werden. (vgl. Ausfelder, 2001) Meistens treten die Konflikte, welche zu Mobbing führen, bereits in den ersten Monaten nach Antritt einer neuen Stelle auf, was aber keine Aussage für die zeitliche Entstehung für Mobbing ist. Auch jahrzehntelange Betriebszugehörigkeit schützt nicht vor Mobbing oder schwierigen Situationen. (vgl. Dick, 2001) Mobbing kann es daher jederzeit und überall geben, wo Menschen über längere Zeit in Gruppen zusammenkommen. Besonders Randgruppen und Minderheiten – jeder der etwas „anders“ ist – sind mobbinggefährdet. In eine solche Randgruppe hineinzukommen geht manchmal schneller als man denkt. Hierfür gibt es unzählige Merkmale, die einen im Alltag zum Außenseiter abstempeln können und es wird schnell klar, dass es jeden treffen kann, denn wir alle sind auf die eine oder andere Weise eigenartig. Dann sind es genau diese Eigenartigkeiten, welche jemandem in Auseinandersetzungen zum Nachteil aufgezeigt werden können. Daher ist die Zugehörigkeit zu Gruppen und deren Zusammenhalt immens für das Selbstwertgefühl eines Individuums wichtig. Aber auch wenn man zu einer Gruppe gehört, ist man hier meist einer Rang- und Hackordnung ausgesetzt, wodurch die Aggressionen in der Gruppe reguliert und kanalisiert werden. Das Gefühl des Zusammenhalts soll gefestigt werden und dafür bedarf es eines Gegners – innerhalb oder außerhalb der Gruppe. So befindet sich derjenige, der sich am meisten von der Gruppe unterscheidet, zumeist in der Opfer-Rolle. (vgl. Ausfelder, 2001)

Ganz allgemein ist die Entstehung von Mobbing mit einem Brand zu vergleichen: Erst funkt es (Konflikt), dann kokelt das Feuer vor sich hin und dann brennt es lichterloh. Umso früher man hier eingreifen kann, umso besser sind die Chancen beim Löschen. (vgl. Wehrle, 2012)

3.1 Verschiedene Mobbingarten

Anhand von 300 Untersuchungen hat Heinz Leymann 45 Mobbinghandlungen (Anlage 1) erarbeitet. Die tatsächliche Anzahl der Mobbinghandlungen geht aber hierüber hinaus und ist zahlenmäßig nicht beschränkbar. (vgl. Esser, 2000) Diese Handlungen können auf verschiedene Arten verübt werden und jeder ist eine eigene Bedeutung zuzuschreiben. (vgl. Leymann, 2009) Aus der durchgeführten Online-Umfrage zu dem Thema „Mobbing in Behörden“ (Anlage 2) ist ersichtlich, dass Mobbing-Arten bekannt, aber auch noch immer teilweise unbekannt sind (Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Kenntnis über Mobbing-Arten (Online-Umfrage – Anlage 3)

Unter den Teilnehmern haben welche die genannte/n Mobbing-Art/en selbst erlebt o.u. selbst praktiziert.

Die verschiedenen Arten von Mobbing, die nachfolgend betrachtet werden, sind nur einige der Möglichkeiten, wie Mobbing passieren kann.

3.1.1 Bossing

Bei Bossing handelt es sich um eine spezielle Form des Mobbings, welche ausschließlich zwischen Vorgesetztem und Mitarbeiter vorkommt. Die Mobbing-Handlungen des Vorgesetzten gegenüber dem Mitarbeiter sind dabei meist willkürlich und höchst verletzend. Das Mobbing-Opfer ist hier untergeordnet und hat nicht die gleiche Macht sich zu wehren. Man spricht auch von „downward bullying“, also der Schikane von oben nach unten. (vgl. Mai, 2018)

3.1.2 Cyber-Mobbing

Von Cyber-Mobbing wird gesprochen, wenn die Mobbing-Handlungen im Internet, aber auch in Social Communities o.u. auf Videoplattformen vorkommen. Cyber-Mobbing kann verschiedene Formen annehmen, z.B. die Veröffentlichung von diffamierenden Fotos/Videos oder Erstellung von Chatforen zwecks Lästerei über bestimmte Personen. Auch der regelmäßige Versand von Nachrichten, Daten, etc. unter dem Namen des Mobbing-Opfers zählt hierzu. Die Wege des Mobbings haben sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Konflikte werden zunehmend über Kommunikationsmedien ausgetragen, was das Leid der betroffenen Person aufgrund fehlender Fluchtmöglichkeit erheblich verstärkt. Bei Mobbing über Kommunikationsmedien erhalten direkt eine große Anzahl von Personen aus der Öffentlichkeit und in der Behörde Kenntnis hierüber und die Nachhaltigkeit währt länger. (vgl. BmFSFJ, 2018)

3.1.3 Soziales Mobbing

Bei sozialem Mobbing handelt es sich um eine der unbekanntesten und wahrscheinlich am meisten genutzten Art des Mobbings. Es handelt sich hierbei um den Ausschluss aus einer Gruppe, wo man evtl. dachte, dass man dazugehört. Es ist eine heikle Form des Mobbings, bei der man auf die Personen, mit denen man arbeitet, nicht zählen kann. Es wird einem der Rücken zugekehrt o.u. man wird ausgegrenzt. (vgl. o.V., 2017)

3.1.4 Verbales Mobbing

Verbales Mobbing kann alles sein, von Beleidigungen zu Witzen über sexuelle Orientierung, physische Eigenschaften, Schwachstellen, Ticks oder die Herkunft. Ziel des verbalen Mobbings ist es, das Selbstwertgefühl des Mobbing-Opfers zu senken. (vgl. o.V., 2017)

3.1.5 Straining – das neue Mobbing

Der Begriff „Straining“ hat den Weg in die deutsche Arbeitswelt noch nicht gefunden, bedeutet aber eine schwerwiegende psychische o.u. auch physische Belastung/Strapazierung durch ein einmaliges Ereignis. Durch dieses einmalige Ereignis erleiden die Opfer Gesundheitsschäden o.u. Schäden im Selbstbewusstsein. Durch „Straining“ werden die bisher nicht rechtlich berücksichtigten Mobbingfälle erfasst. (vgl. Hartmann, o.J.)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Vier-Phasen-Modell

(Leymann, 2009)

3.2 Verlauf

Viele Mobbingfälle haben immer einen gleichen Verlauf - dieser muss aber nicht unbedingt zwangsläufig sein. Hierzu wurde ein Vier-Phasen-Modell gefertigt (Abb.2), wo das Mobbing-Opfer alle vier Phasen eines Mobbingprozesses durchläuft, wobei die zweite Stufe übersprungen werden kann. (vgl. Leymann, 2009)

3.2.1 Phase 1 – Konflikte

Überall, ob am Arbeitsplatz oder im Privatleben entstehen Konflikte - sei es durch Meinungsverschiedenheiten, Streitigkeiten, Machteinfluss oder Ungerechtigkeiten. Viele dieser Konflikte sind unnötig und führen nicht gleich zu Mobbing, sind aber auch nötig, da in der Vergangenheit auch viele positive Veränderungen durch Konflikte entstanden sind. Das heißt, dass ohne konstruktive Konflikte keine wesentlichen Veränderungen möglich sind. Nur ein geringer Anteil von Konflikten führt tatsächlich zu Mobbing und dennoch liegt die Zahl der Betroffenen allein in Deutschland bei weit über einer Million. (vgl. Leymann, 2009)

3.2.2 Phase 2 – Mobbing etabliert sich

Die zweite Phase ist die sogenannte „Möglichmacher-Phase“. Mobbing kann sich nämlich nur etablieren, wenn sich nicht um Konflikte gekümmert wird, also Vorgesetzte schon früh hätten eingreifen können. (vgl. Leymann, 2009) Doch die Mitschuld wird nicht bei den Vorgesetzten gesucht, denn Mobber Nummer Eins ist nicht der Vorgesetzte – es ist der Kollege. (vgl. Wehrle, 2012) In der sehr entscheidenden zweiten Phase wird das Mobbing-Opfer fertig gemacht. Durch den in Phase 1 nicht gelösten und weiterhin anhaltenden Konflikt tritt eine Störung zwischen dem Mobbing-Opfer und seinem sozialen Umfeld ein, wodurch das Mobbing-Opfer in eine Verteidigungsrolle gerät und Kontakte zu den Kollegen nicht mehr pflegen kann. Das Sozialverhalten sinkt und je nach Person ändert sich der eigene Charakter negativ und zuletzt leidet die Lust und hierdurch die Arbeit darunter. (vgl. Ausfelder, 2001) Die zweite Phase kann übersprungen werden, wenn z. B. der Vorgesetzte das Mobbing-Opfer nach einem Konflikt in Phase 1 direkt „entsorgt“. (vgl. Leymann, 2009)

3.2.3 Phase 3 – Destruktive Personalverwaltung

Die Auswirkungen des in Phase 1 entstandenen und in Phase 2 fortgesetzten Konflikts kommen irgendwann auf den Tisch des Vorgesetzten oder der Personalabteilung. Diese Auswirkungen zeigen sich dadurch, dass die Arbeitsleistung des Mobbing-Opfers abgenommen hat o.u. die Fehlzeiten aufgrund des schlechten Klimas drastisch zugenommen haben. (vgl. Ausfelder, 2001) „Die Entwicklung in Richtung eines Ausschlusses aus dem Berufsleben nimmt ihren Lauf.“ (Leymann, 2009, S. 62) Da die Arbeitsleistung nicht mehr erbracht werden kann, sieht man nun in dem Mobbing-Opfer den „Unfähigen“ o.u. den „Versager“. (vgl. Leymann, 2009) Es wird als „schwierig“ o.u. als „Störfaktor“ angesehen, wodurch die Versetzung oder sogar die Androhung der Kündigung erfolgt. Sofern das Mobbing-Opfer nun ein gerichtliches Verfahren vor dem Arbeitsgericht anstrebt, wird der Fall in der ganzen Behörde bekannt. Da sich ein solcher Fall herumspricht, nimmt der psychische Druck auf das Mobbing-Opfer zu und es hat nun keine Chance mehr, wodurch es immer mehr aus den täglichen Abläufen unter den Kollegen ausgeschlossen wird. (vgl. Ausfelder, 2001)

3.2.4 Phase 4 – Der Ausschluss

In der vierten Phase folgt das „Kaltstellen“ des Mobbing-Opfers, bzw. die Kündigung. (vgl. Leymann, 2009) Der Arbeitgeber will den Störfaktor loswerden und in den meisten Fällen endet dies in einer Kündigung. (vgl. Ausfelder, 2001) Sofern Gründe für eine Kündigung fehlen, wird versucht das Mobbing-Opfer kalt zu stellen, indem man es ständig versetzt, von anderen Kollegen isoliert o.u. unnötige oder keine Arbeitsaufträge zuweist. (vgl. Leymann, 2009) Hierdurch soll die eigene Kündigung des Mobbing-Opfers erzwungen werden. Da das Mobbing-Opfer daher noch immer unter enormen psychischen Druck steht, kündigt es selbst, bzw. geht es auch einen Auflösungsvertrag ein. (vgl. Ausfelder, 2001) Eine neue Arbeitsstelle zu finden ist äußerst schwierig, da die Vorgeschichte anhand der Personalakte o.u. eines Arbeitszeugnisses nicht verheimlicht werden kann. (vgl. Leymann, 2009) Die psychische Belastung steigt daher um so weiter, sodass ein Mobbingprozess nach Schätzungen zufolge in rund 20 % mit einem Suizid endet. (vgl. Ausfelder, 2001)

3.3 Mobbing in deutschen Behörden

Im Vergleich verschiedener Branchen scheint Mobbing eher ein Problem im öffentlichen Bereich zu sein. (vgl. Zapf, 1999) In Behörden, wo die Menschen mehr mit dem Kopf als mit den Händen arbeiten müssen, findet eher das versteckte Mobbing statt. Hier schlagen die Mobber meistens zu, ohne Spuren zu hinterlassen. Sie isolieren, diffamieren und terrorisieren ihr Opfer, bis es reif für die Nervenklinik ist. Aber wie werden die Grenzen, wann ein Witz nicht mehr lustig, sondern verletzend ist oder wann der üble Spaß aufhört und Mobbing beginnt, also erkannt? Sobald das Mobbing-Opfer aufschreit, wird es als „überempfindlich“ oder „unkollegial“ hingestellt und die Rollen zwischen Täter und Opfer sind schnell vertauscht. (vgl. Wehrle, 2012)

3.3.1 Persönliche Empfindungen von Mobbing

„Man kann nicht einfach die Leute fragen, ob sie sich durch eine Handlung gemobbt fühlen würden, denn dann antwortet jeder bezüglich dessen, was er eben unter Mobbing verstehen will.“ (Leymann, 2009, S. 82) Gemäß der in deutschen Behörden durchgeführten Online-Umfrage (Anlage 2) ist genau dieses zu erkennen. In einem Fragenkatalog der Umfrage konnte bei mehreren Fallbeispielen (teilw. aus den „45 Handlungen“ von Leymann [Anlage 1] entnommen) angekreuzt werden, ob man diese genannte Handlung als „Mobbing“ empfindet oder nicht (Anlage 3, Nr. 8). Der größte Meinungsunterschied ergab sich hier bei dem Fall „Mein Chef gibt anderen Kollegen bessere Arbeitsaufträge“, da 51,06 % sich hierdurch gemobbt fühlen. Am meisten fühlen sich die Befragten in dem Fall „Ein Kollege führt Statistik über mich“ mit 89,36 % gemobbt, dicht gefolgt von dem Fall „Hinter meinem Rücken wird negativ über mich gesprochen“ mit 81,91 %. Bei dem zweigeteilten Fall „Ein Kollege sagt nie Guten Morgen“ fühlen sich nur 1,06 % gemobbt, wenn dieser Kollege auch keinem anderen einen „Guten Morgen“ wünscht, aber 75,53 % der Befragten fühlen sich gemobbt, wenn dieser Kollege nur dem Befragten keinen „Guten Morgen“ wünscht. Im Gesamtergebnis sind sich die Befragten weitestgehend darüber einig, welche Handlungen man als „Mobbing“ werten kann oder nicht. Bei jedem Fall ist aber zu erkennen, dass ein Individuum eine solche vorkommende Situation anders empfindet und sich im Gegensatz zu anderen Personen gemobbt oder nicht gemobbt fühlen würde.

3.3.2 Vorkommen von „Mobbing“ in deutschen Behörden

Die bereits erwähnte Online-Umfrage (Anlage 2) sollte auch Aufschluss darüber bringen, ob Mobbing in deutschen Behörden noch immer vorkommt, bzw. ein aktuelles Thema ist. Bei 94 Teilnehmern aus teilweise verschiedenen Behörden auf Kommunal- und auf Bundesebene kam heraus, dass ca. 39 % (37 Angaben) selbst gemobbt werden, bzw. Kenntnis über Mobbing an Kollegen haben. In der Angabe „Andere“ wurden ausnahmslos Angaben über bestehende Mobbingprozesse genannt (Abb.3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Anzahl Mobbing I (Online-Umfrage – Anlage 3)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Anzahl Mobbing II (Online-Umfrage – Anlage 3)

Des Weiteren teilten acht Teilnehmer (8,51 %) mit, dass sie selbst im Jahr 2018 jemanden absichtlich oder unabsichtlich gemobbt haben (Abb.4), wobei hier keine näheren Angaben zur Schwere, Dauer und Art des Mobbings gemacht wurden.

In der Umfrage wurde außerdem ein in mehrere Abschnitte getrennter Fragebogen, welcher gemäß der Vorlage „Werde ich gemobbt?“ aus der Literatur „Honsa (2008): Mobbing und sexuelle Belästigung im öffentlichen Dienst“, dieser gemäß der Mobbinghandlungen von Heinz Leymann erstellt, verwendet und zur Beantwortung gegeben. Wenn man hier eine oder mehrere dieser Handlungen mit „trifft zu“ beantwortet hat, so ist dieses ein Anzeichen für das Vorliegen von „Mobbinghandlungen“. (vgl. Honsa, 2008) Aus dem Gesamtergebnis (Anlage 3, Nr. 9 – 13) ist zu erkennen, dass Mobbinghandlungen in den div. Bundesbehörden vorliegen. Ob es sich nun wirklich in den jeweiligen Fällen um Mobbing handelt, würde im Einzelfall einer Entscheidung der Gerichte vorbehalten bleiben. (vgl. Honsa, 2008)

3.3.3 Mobbingklima in deutschen Behörden

In der durchgeführten Online-Umfrage wurde ein leicht abgewandelter Test der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), aus der Literatur „Honsa (2008): Mobbing und sexuelle Belästigung im öffentlichen Dienst“, zur Beantwortung eingestellt. Dieser Test gibt Aufschluss darüber, ob in dem Arbeitsumfeld, hier Behörden, ein Mobbingklima herrscht. Wenn man nun wieder das Gesamtergebnis der Online-Umfrage betrachtet (Anlage 3, Nr. 14), treffen sämtliche Fälle in verschiedener Anzahl „zu“, „nicht zu“ und „teilweise zu“. Eine Einzelauswertung der hier 93 Teilnehmer ist daher notwendig. Gemäß der vorgenannten Literatur ist das Ergebnis in drei Kategorien, bzw. Mobbingklimata zu unterteilen:

1. In der Behörde zu arbeiten ist kein reines Vergnügen. Es gibt zu viele Reibungs- und Konfliktpunkte, welche zum Tagesgeschehen dazugehören und in Mobbing ausarten können.
2. Die Stimmung in der Behörde ist äußerst gespannt. In dieser Behörde sind „Aggressionen“ und „Konflikte“ vorprogrammiert o.u. unvermeidlich.
3. Das Klima ist im Großen und Ganzen in Ordnung. Kleine Konflikte sind unvermeidlich, aber solange man sie nicht ignoriert, kein Grund für ein Mobbingklima.

Folgende Anzahl an Fällen verteilen sich auf das zugehörige Mobbingklima:

Zu 1.: 15 Teilnehmer

Zu 2.: 34 Teilnehmer

Zu 3.: 44 Teilnehmer

3.3.4 Präventionsmaßnahmen gegen Mobbing

In erster Linie kann Mobbing leicht beendet werden, wenn man denn etwas hiergegen unternimmt. Der Betroffene kommt, wie bereits zuvor erwähnt, aus einem Mobbingprozess nur schlecht wieder heraus, sodass es der Einschaltung einer dritten Instanz bedarf – bestehend aus Vorgesetztem o.u. Personalrat. Hierzu wird ein vertrauenswürdiger Kommunikationszweig in einer Behörde benötigt, wo die Mobbingproblematiken mitgeteilt werden können. Aber bereits im Vorfeld kann Mobbing entgegengewirkt werden und zwar durch Informationen und Aufklärung mit evtl. Diskussionsrunden. Nur durch die Schaffung von formellen Wegen (Kommunikationsmöglichkeiten) und der Bereitstellung von Informations- und Aufklärungsmaßnahmen kann Mobbing nachhaltig entgegengewirkt werden. (vgl. Leymann, 2009)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Präventionsmaßnahmen (Online-Umfrage – Anlage 3)

In der Online-Umfrage wurden die Teilnehmer befragt, ob Kenntnisse über Mobbingpräventionsmaßnahmen in der jeweiligen Behörde bekannt sind o.u. wie zufrieden sie mit diesen Maßnahmen sind. Im Ergebnis (Abb.5) ist zu erkennen, dass Präventionsmaßnahmen in den Behörden nicht wirklich vorhanden sind und falls sie vorhanden sind, diese unbefriedigend, unzureichend oder teilweise unbekannt sind.

4 Schlusswort/Fazit

Viel zu oft wird im täglichen Sprachgebrauch das Wort „Mobbing“ benutzt. Diese häufige Benutzung des Wortes resultiert aber allein auf der Tatsache, dass jede Person einen Konflikt nach eigenem Empfinden als Mobbing definiert und die allgemeine Definition nach Heinz Leymann kaum bekannt ist. Gehen die betroffenen Personen nun also von Mobbing aus, wird von einem Prozess gesprochen, welcher ab dem Zeitpunkt beginnt, wo die betroffene Person sich gemobbt und mit der Situation über einen längeren Zeitraum unwohl fühlt. Dieser Prozess wirkt sich negativ auf die Person und deren Umfeld aus und ohne Hilfe einer neutralen Stelle kann dieser nicht beendet werden. Daher versucht man bereits im Vorfeld einen solchen Mobbingprozess nicht entstehen zu lassen. Hierzu werden Präventionsmaßnahmen entwickelt, wodurch Mobbing kein Thema mehr in den Behörden sein sollte.

[...]

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Mobbing in Behörden
Hochschule
Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung Brühl - Fachbereich Allgemeine Innere Verwaltung
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2019
Seiten
35
Katalognummer
V596261
ISBN (eBook)
9783346178503
ISBN (Buch)
9783346178510
Sprache
Deutsch
Schlagworte
behörden, mobbing, umfrage, definition
Arbeit zitieren
Jens Spaniel (Autor), 2019, Mobbing in Behörden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/596261

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