Mode um 1500 und im "Narrenschiff"


Hausarbeit, 2006

16 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Hauptteil
2.1 Sebastian Brant
2.2 Beschreibung des Holzschnittes
2.3 Versuch einer Deutung des Holzschnittes
2.4 Kapitel IV – Original
2.5 Kapitel IV – Übersetzung
2.6 Brants Meinung zur Narrenkleidung im Kapitel IV
2.7 Mode der Renaissance und Reformation
2.7.1 Die Entfunktionalisierung der Kleidung

III. Schluss

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

I Einleitung

In dieser Hausarbeit setze ich mich mit dem Thema der Mode um 1500 sowie insbesondere der Mode in Sebastian Brants „Narrenschiff“ auseinander.

Speziell beziehen sich meine Erarbeitungen auf das Kapitel IV aus Sebastian Brants „Narrenschiff“. In diesem Kapitel („Von Neuerungen“/“Von neuen Moden“) wird deutlich, welch einen großen Einfluss das Thema Kleidung auf die Gesellschaft hatte.

An einigen Stellen entsteht der Eindruck, es könnte sich – abgesehen von der Sprache – auch um ein Dokument aus dem ausgehenden 20. Jahrhundert handeln. So erinnert zum Beispiel der Satz „Mit schändlich kurz geschnittnen Röcken, die kaum den Nabel mehr bedecken!“ stark an die Diskussion an deutschen Schulen über die knappe – bauchfreie – Bekleidung junger Mädchen, die damit die Erregung der Mitschüler und der (männlichen) Lehrer provozierten.

Wie jedoch sah die Diskussion um angemessene Bekleidung um 1500 aus?

Wichtig und besonders hervorzuheben ist die Tatsache, dass die Kirche im 16. Jahrhundert im Mittelpunkt aller Interessen steht[1]. Dies beeinflusst das Denken und Handeln der Menschen stark und ist daher ein wichtiger Faktor dafür, in welchem Maße Kritik an Neuerungen geübt wurde.

II Hauptteil

2.1 Sebastian Brant

Sebastian Brant (um 1457 bis 1521) war Dichter und Jurist. Der Verteter des Humanismus wurde bekannt durch die Verssatire Das Narren Schyff (1494).

Brant wurde um das Jahr 1457 in Straßburg geboren, studierte an der Universität von Basel und lehrte dort seit 1489 römisches und kanonisches Recht. 1500 übersiedelte er zurück nach Straßburg, wo er 1503 Stadtschreiber wurde. Im Dienst Maximilians I. war er kaiserlicher Rat und Beisitzer des kaiserlichen Hofgerichts. In dieser Eigenschaft schrieb er zahlreiche juristische Abhandlungen, verfasste Flugschriften, Moralsatiren und satirische Gedichte in lateinischer Sprache.

Berühmt wurde Brant durch sein satirisch-typologisches Vers-„Gedicht” Das Narren Schyff, einem der außergewöhnlichsten und beliebtesten Bücher seiner Zeit. Es erzählt von einem Schiff voller Menschen, die auf der Suche nach einem Paradies für Narren sind und wegen ihres fehlgeleiteten Verhaltens sterben müssen. Jede Figur verkörpert eine Torheit oder ein Laster wie Ehebruch, Gefräßigkeit und Gotteslästerung. Das Buch ist vor allem eine scharfe Anklage der Dummheit, Bosheit und Gottlosigkeit der Vertreter mittelalterlicher Stände und Berufe: „Den narren spiegel ich diß nenn / In dem ein yeder narr sich kenn”. Als solches wurde es von Erasmus von Rotterdam hochgeschätzt. Brant starb am 10. Mai 1521 in Straßburg.[2]

2.2 Beschreibung des Holzschnittes

Zu jedem Kapitel ist passend zum Inhalt ein Holzschnitt abgebildet, der die Hauptaussage bzw die Moral des jeweiligen Kapitels zusammenfasst und bildlich darstellt. Abgesehen von einigen wenigen Abweichungen sind die Holzschnitte tatsächlich immer auf das darauf folgende Kapitel ausgerichtet. Das vierte Kapitel beinhaltet folgenden Holzschnitt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1

Auffällig sind die vielen schmückenden Ornamente, die das Bild umrahmen. Einerseits scheint es sich dabei auf den ersten Blick um ein rankendes Gewächs zu handeln. Bei genauerem Hinsehen kann man phantastische Wesen entdecken, wie beispielsweise ein hundeähnliches Tier, während über diesem zwei Narren durch die Pflanzen klettern. Die rechte Seite jedoch ist offenbar ausschließlich mit floralen Motiven gekennzeichnet.

Diese Umschmückung des eigentlichen Holzschnittes ist nicht in jeder Ausgabe zu finden.

Das eigentliche Bild befindet sich innerhalb des umrahmten Rechtecks. Rechts im Bild sieht man einen nahezu makellosen herausgeputzten jungen Mann mit langen Locken und guter Kleidung, dem ein alter Narr einen Spiegel vorhält.

Das typisch Narrenhafte der Person links auf dem Bild lässt sich anhand der Kleidung erkennen: der Alte trägt eine Narrenkappe, von der zwei ohrenähnliche Zipfel abstehen und seine restliche Kleidung ist ebenfalls mit Zipfeln abgesetzt, an denen sich an manchen Stellen kleine Glöckchen oder kleine runde Knöpfchen befinden. In der rechten Hand hält er einen Krug. Am linken Fuß trägt er einen Schuh, während der rechte offenbar nackt ist. Die Tatsache, dass er nur einen Schuh trägt, lässt darauf schließen, dass der Mann nicht die Mittel hat, um sich um ein neues Paar zu kümmern.

Das fortgeschrittene Alter des Narren lässt sich an seinem faltigen Gesicht und den ungleichen und halb geschlossenen Augen erkennen. Auch seine Körperhaltung ist leicht gebückt.

Der Jüngling rechts auf dem Bild hingegen ist mit viel aufwändiger gestalteter Kleidung ausgestattet. Verzierungen an den Ärmeln sowie prächtige Verarbeitung seiner Kleidung im Brustbereich lassen direkt darauf schließen, dass es sich hier um einen finanziell gut gestellten Menschen handelt. Auch seine extravaganten Schuhe, sein geflochtenes Haar und vor allem das lange Schwert, das er bei sich trägt, lassen auf einen gewissen Reichtum schließen. Die Körperhaltung drückt Stolz und Selbstsicherheit aus. Während der Alte leicht gebückt steht, steht der Jüngling fest auf beiden Beinen gänzlich aufrecht und erhobenen Hauptes.

Laut Zarncke handelt es sich bei dem Abgebildeten Uly von Stouffen (laut Spruchband) jedoch keineswegs um eine historische Persönlichkeit. Wie auch weitere Dargestellte im Narrenschiff, scheint auch dieser zu den erdachten Personen Brants zu gehören.[3]

[...]


[1] Boehn, Max: Die Mode. Menschen und Moden im 16. Jahrhundert. Band II. München 1964. S. 1 f.

[2] Vgl. Brockhaus Enzyklopädie 2000.

[3] Vgl. Zarncke S. 307

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Mode um 1500 und im "Narrenschiff"
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Germanistisches Institut)
Veranstaltung
Proseminar: Sebastian Brants Narrenschiff
Note
2,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
16
Katalognummer
V59692
ISBN (eBook)
9783638535588
Dateigröße
583 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mode, Narrenschiff, Proseminar, Sebastian, Brants
Arbeit zitieren
Petra Brumshagen (Autor), 2006, Mode um 1500 und im "Narrenschiff", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59692

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